Schnittwinkel bei Hobeleisen

Schnittwinkel bei Hobeln - Unterschiedliche Eisen

Unterschiedliche Hobeleisen

Bei Hobeln gibt es zwei verschiedene Bauarten bezüglich der Lage des Hobeleisens. Entweder liegt die Fase oben, oder sie liegt unten. Bei den sogenannten Flachwinkelhobeln liegt die Fase oben. Das hat den Vorteil, dass der Schnittwinkel nicht durch das Hobelbett vorgegeben ist, wie bei Hobeln, bei denen das Eisen mit der Fase nach unten im Hobelkörper eingesetzt ist. Somit kann man bei „Fase oben Hobeln“ den Schnittwinkel auch ändern, indem man das Hobeleisen umschleift, oder ein Eisen mit einem anderen Winkel einsetzt.

Wie sich die unterschiedlichen Schnittwinkel auswirken möchte ich an einem kleinen Beispiel aus der Praxis zeigen:

Ich habe ein Stück Birke gehobelt. Birke ist ein Holz, das sich nicht besonders gut hobeln lässt. Es kommt sehr schnell zu Ausrissen, da das Holz oft Verwachsungen hat und einen unregelmäßigen Faserverlauf. Dieses Bild zeigt die Leiste nach dem Versuch die Fläche mit einem auf 25° (Schnittwinkel = 37°)  geschliffenen Hobeleisen zu glätten.

Schnittwinkel bei Hobeln - Ausrisse

Ausrisse bei 25° Fase

Der Wechsel auf ein Eisen mit 50° Fasenwinkel (Schnittwinkel = 62°) brachte hier Abhilfe. Das Hobeln erfordert mit einem solch steil geschliffenen Eisen zwar einen viel höheren Kraftaufwand, aber das Ergebnis kann durchaus überzeugen. Das Unten stehende Bild zeigt die gleiche Leiste und die gleiche Stelle, nachdem ich mit dem 50° Eisen nachgehobelt habe.

Schnittwinkel am Hobel - Birke ohne Ausrisse

Ergebnis mit 50° Fasenwinkel

Ich möchte nicht ausschließen, dass hier ein Hobel mit Fase unten, knapp eingestelltem Spanbrecher und engem Hobelmaul das gleiche Ergebnis geliefert hätte. Da ich aber einen solchen Hobel nicht habe, konnte ich keinen Vergleich machen. Das Beispiel zeigt jedoch, dass es sich für Besitzer von Hobeln mit Fase oben lohnt, sich einige Gedanken zu Hobeleisen und Schnittwinkeln zu machen. In der Regel nimmt man ein flach geschliffenes Eisen für Hirnholz. Aber auch hier gibt es Ausnahmen von der Regel. Ich hatte auch einmal Ahorn, bei dem ich mit einem flachen Eisen das beste Ergebnis auf der Fläche bekam.

Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man den ersten Hobelzug mit ganz geringer Spanabnahme durchführen und sich die Fläche ganz genau ansehen. Sind bereits kleine Ausrisse erkennbar, wechselt man zu einem steileren Eisen. Die generelle Verwendung eines steilen Eisens wäre zwar ein gangbarer Weg, kostet aber unnötig Kraft und die Fläche bekommt nicht den gewohnten Glanz, den man von einer gehobelten Fläche erwartet.

Und wenn das alles nicht hilft: Schleifen ist keine Schande!

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3 Kommentare zu Schnittwinkel bei Hobeleisen

  1. Komihaxu sagt:

    Hallo Metamind!
    Hast du den typischen Anfängerfehler gemacht und das Holz aus der falschen Richtung gehobelt? Ansonsten ist Buche eigentlich ganz gut bearbeitbar.

    Das Eisen würde ich nicht so extrem umschleifen, sondern ein zweites kaufen. Dann kann man später auch mal schnell wechseln und verschiedene Winkel ausprobieren. Und bedenke: Ein steiler Winkel lässt sich weitaus schwerer schieben!
    Und leg dir schon mal ein Teelicht auf die Bank, mit dem du von Zeit zu Zeit ein bisschen über den Hobel streichst. Dann geht es extrem viel leichter!

  2. metamind sagt:

    Hallo,

    ich habe mir als totaler Anfänger (noch nie gehobelt) eine Vertias Flachwinkel Rauhbank zugelegt, Flachwinkel-Jack und Smoother sind auch bereits bestellt. Zu Beginn wollte ich an einem Buchebrett (sägerauh vom Holzfachhandel) üben. Mit dem 25° Eisen der Rauhbank kam es zu katastrophalen Ergebnissen: Massiver Ausriss, Eisen vorne beschädigt, Holz nun unbrauchbar. Da ich das Eisen wegen der Beschädigung (Mikro-Ausbrüche an der Klinge) nun neu Anschleifen muss, frage ich mich, ob auch bei Buche aus Erfahrung eine höherer Schnittwinkel benötigt wird (gleich 50°) ? Falls ja, kann ich mit meinem Veritas Schärfsystem Mk. II einfach eine 50° Fase an das 25° Eisen anschleifen (= Mikrofase ?) oder sollte ich die vorhandene 25° Fase komplett wegschleifen (= enormer Materialabtrag am neuen Eisen) ? Vielen Dank und beste Grüße!

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      es wird mit Sicherheit etwas bringen den Schnittwinkel zu erhöhen. Wenn ich ein Eisen so umarbeite, dann schleife ich immer nur die vorderen 5mm des Eisens um und nicht die komplette Fase. Dann kann man auch eine Mikrofase anziehen. Bei jedem Schärfen wird dann die Hauptfase nachgeschliffen und dabei die Mikrofase entfernt. Anschließend wird wieder eine neue Mikrofase angeschliffen. So wird irgendwann die ganze Fase umgeschliffen sein, ohne dass man stundenlang am Stück schleifen muss.

      Gruß

      Heiko

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