Ein paar Gedanken zum Schärfen

Kaum ein Thema wird so oft und so kontrovers diskutiert, wie das Schärfen von Handwerkzeugen. Fragen Sie 10 Holzwerker nach ihrer Schärfmethode und sie erhalten wenigstens 11 verschiedene Antworten. Jeder entwickelt mit der Zeit seine ganz eigene Vorgehensweise. Eines vorweg, es ist vollkommen egal, welche Methode angewendet wird. Ob die Schneide eines Werkzeuges mit Wassersteinen, mit einer Nass- oder Trockenschleifmaschine, bei Vollmond, oder mit dem Winkelschleifer geschärft wird spielt erst einmal keine Rolle. Dem fertigen Werkstück wird man das nicht ansehen. Hauptsache, die Schneide ist wirklich scharf.

Werkzeuge schärfen

Werkzeuge schärfen

Vor mehr als zwei Jahren habe ich meine damalige Methode meine Werkzeuge zu schärfen in einigen Videos gezeigt:

Diese Methode bringe ich auch meinen Kursteilnehmern bei, weil ich sie für gut halte. Sie liefert mit wenig Übung zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse. Unter echten und selbsternannten Experten gelten die hierbei verwendeten Schleifhilfen (Schleifführungen) oft als unprofessionell und viel zu umständlich. Diese Aussagen kann man meiner Meinung nach erst einmal getrost ignorieren. Denn wer mit dem Schärfen beginnt, ist eben noch kein Experte, weder ein echter, noch ein selbst ernannter. Sind Sie Anfänger und stehen vor der Herausforderung ein Werkzeug zu schärfen, sollten Sie sich nicht verunsichern lassen.  Ich werde auch weiterhin Schleifführungen empfehlen.

Ich selbst arbeite immer öfter ohne Führung. Allerdings habe ich in der letzten Zeit auch genügend Gelegenheit zum Üben. Das Foto zu beginn des Artikels stammt von heute. Das ist ein Teil der Werkzeuge, die nach einem Wochenendkurs geschärft werden müssen. Dazu kommen noch die Werkzeugsätze für die Kursteilnehmer, die mit einem Einhandhobel und drei Stemmeisen bestückt sind. Insgesamt kommen da schnell mal an die 50-60 Werkzeuge zusammen. Ich schleife diese alle mit Wassersteinen, ohne Maschine und inzwischen auch ohne Führung.. Das dauert im Schnitt ca. drei Stunden inklusive dem einstellen und Reinigen der Hobel. Pro Eisen also keine drei Minuten.  Es ist also nicht so, dass das Schärfen mit Wassersteinen lange dauert. Im Gegenteil.

Mein Anspruch an die Schneide ist dabei gleich geblieben. Man muss sich damit rasieren können. Die Vorteile des Schleifens ohne Führung sind die, dass es schneller geht und die Steine nicht so oft abgerichtet werden müssen. Der Nachteil ist, dass es eine lange Zeit braucht, bis man an diesem Punkt angelangt ist. Für einen Einsteiger ist das meist sehr frustrierend.

Die Schleifführung hat bei mir dennoch ihre Berechtigung. Denn irgendwann ist auch mal ein Eisen total verschliffen und die gewünschte Geometrie muss wieder ordentlich erzeugt werden. Das geht meiner Meinung nach mit einer Führung besser und sicherer, als freihand.

Dass ich mal so viel und so schnell freihändig schleife dachte ich vor zwei Jahren, als ich die Videos gemacht habe auch noch nicht. Aber das ist doch das interessante, man kann seine Arbeitsweisen ändern und weiterentwickeln. Dazu muss man allerdings offen sein. Man sollte sich weder auf die eigene Meinung versteifen, noch auf die vielleicht derzeit gängige Meinung. Denn mir scheint es, dass das Internet auch dazu in der Lage ist bestimmte Arbeitsweisen in Mode zu bringen, oder als quasi. Standard zu etablieren. Hat sich einmal ein solcher Standard gebildet, ist es schwer dagegen anzukommen.

Meine eigene Arbeitsweise beim schärfen von Werkzeug habe ich nun schon mehrmals geändert, zum Teil auch sehr radikal. Die nächste Änderung steht vielleicht schon bald an, wenn ich mich mit Diamantsteinen beschäftigen werde.

Das sind nun einige Gedanken, die mir heute beim Schärfen der Werkzeuge durch den Kopf gingen und die ich mit Ihnen Teilen wollte. Vielleicht schreiben sie ja mir und allen anderen Lesern Ihren ganz persönlichen Weg zum scharfen Werkzeug als Kommentar unter diesen Artikel.

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20 Kommentare zu Ein paar Gedanken zum Schärfen

  1. F. sagt:

    Gestern habe ich mir das Gerät von Veritas bestellt. Schleifsteine (nass) hatte ich schon, doch ich war immer zu faul das Schärfen selbst zu übernehmen.
    Ich habe den Satz von Kirschen-Stemmeisen. Habe auch bisher, ohne zu schleifen, damit gearbeitet. Ständig habe ich mich selbst gefragt, was ich denn falsch mache. Denn alles, was in den Videos im Netz so leicht aussieht, hat einfach nicht funktioniert. Mhh. Habe ich mal bei Kirschen in die Seite geschaut. Und? Man muss die Eisen nach dem Kauf nochmal abziehen! Habe ich natürlich nicht gemacht.
    Letzte Woche habe ich dann ein Eisen zum Schleifen bei meinem Holzhändler abgegeben. Gestern rief er mich an und meinte, dass der Schärfdienst nicht an Stemmeisen ran geht. Klar, ist zeitaufwendig und macht viel Arbeit.
    So mache ich es nun selbst. Habe ja gute Videos hier 🙂

  2. Thomas Wutz sagt:

    Hallo Heiko,
    habe mir, nachdem ich von dir einige Videos angesehen habe, die Veritas MK2 gekauft. Komme damit super zurecht und die Ergebnisse sind zufriedenstellend.Kann die Veritas nur weiterempfehlen. Habe nur beim schärfen von meinen Schrägbeiteln mit der richtigen Winkeleinstellung Schwierigkeiten. Vielleicht kannst du mir diesbezüglich ein paar Tips geben.
    Gruß Thomas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Thomas,

      es gibt für Schräge Eisen eine eigene Winkellehre. Damit habe ich aber keinerlei Erfahrungen. Ich schleife die wenigen schrägen Eisen, die ich habe immer ohne Führung.

      Gruß

      Heiko

  3. Fischer Martina sagt:

    Hallo Heik0!
    Erst mal möchte ich mich bei dir für deine ausführliche und hilfreiche Antwort zum Thema „Abrichten breiter Werkstücke“ bedanken.
    Nachdem ich mir deine Videos zu den Themen Handhobeln und Schärfen mehrmals angesehen habe, habe ich mir die Juuma Hobeln Einhandflachwinkel- und Nr. 5 gekauft. Dazu Naniwa Superstones in 3 versch. Körnungen und die Veritas Schleifführung aus deinem Video. Nach 2 Nachmittagen Einarbeitung und Schleifen kann ich nur sagen: ich habe als Anfängerin unglaublich gute Ergebnisse mit den frisch geschliffenen und abgezogenen Hobeln erzielt. Hauchfeine Späne, glatteste Flächen.
    Also nochmals vielen Dank für die tollen und für den Hobbyheimwerker nachvollziehbaren Tipps. Bin echt begeistert und kann die Anwendung der Schleifführung für Anfänger wärmstens weiterempfehlen. Auch meine Kirchen-Beitel habe ich mit der Schleifführung rasiermesserscharf hinbekommen – super!
    Grüße,
    Martina

  4. Heinrich sagt:

    Hallo Heiko,

    noch eine Frage zur Aufbewahrung der Steine, da lese ich unterschiedliche Empfehlungen: Sollten die Steine dauerhaft in Wasser liegen oder erst vor dem Schärfen gewässert aber ansonsten trocken gelagert werden ?

    Gruss
    Heinrich S.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Heinrich,

      die meisten Steine können permanent im Wasser liegen, was auch das komfortabelste ist, da man direkt schärfen kann. Es gibt aber auch Steine, die nicht im Wasser liegen dürfen. Das steht dann aber auf der Verpackung.

      Gruß

      Heiko

  5. Heinrich sagt:

    Hallo Heiko,

    welche Körnung benutzt/empfiehlst Du für das Abrichten der Steine mit dem Nasschleifpapier ?

    Gruss
    Heinrich S.

  6. Felix Hahne sagt:

    Hallo Heiko!

    Mein Anforderungen zum Thema Schärfen als „Hobbynutzer“:
    – geringer Zeitaufwand -> effektive Schleifmittel
    – möglichst wenig Vor- und Nachbereitungen ->Wässern und Planen von Steinen stören
    – möglichst wenig Fehlerquellen -> Schleifführung
    – geringer Platzbedarf

    … und dabei natürlich trotzdem hohe Ansprüche an das Ergebnis!

    Da schien mir die in den beiden folgenden Videos gezeigte Methode mittels Diamantläppfolien ganz attraktiv:
    http://www.youtube.com/watch?v=iATVvDN2Gds
    http://www.youtube.com/watch?v=Q7auxNlq4bo

    Ich habe mir Folien und Schleiföl bei einem englischen Versender besorgt (Preis zusammen etwa wie ein Mittelklasse-Wasserstein), die Schleifführung hatte ich schon, jetzt fehlt noch eine plane Granitfliese aus dem Baumarkt.
    Trotzdem werde ich erstmal an einem alten Beitel probieren, bevor es an ein Hobeleisen geht.

    Viele Grüße, Felix.

    P.S. Für alle Freunde des nassen Schleifens per Hand wird in dem folgenden – auch sonst sehr sehenswerten Video – ab ca. 18:30min das ganze nahezu kontemplativ dargestellt und zudem (ab 19:20min) noch ästhetisch überhöht. Trotzdem steht aber auch hier eine Tormek auf dem Tisch!
    http://www.woodworksbb.es/web/un-trabajo-feliz

  7. Christoph Meyer sagt:

    Hallo Heiko,

    eines vorweg, das Schärfen empfinde ich als notwendiges Übel, um nicht lästig zu sagen. Aber es gehört dazu. Daher möchte ich auch zügig fertig werden. Den Rasurtest auf dem Unterarm kann ich aber auch nicht lassen.

    Die meisten Eisen schleife ich zwischendurch von Hand, das geht am schnellsten. Gerade bei den großen Hobeleisen und den breiten Stechbeiteln klappt das ganz gut, da man merkt wenn das Eisen auf der Fase aufliegt.

    Bei Scharten oder verschliffenen Eisen greife ich doch gerne auf die Schleifmaschine oder die Schleifhilfe zurück, es geht einfach besser und genauer. Wenn man viel Material abtragen muss ist man mit einer Schleifhilfe gefühlt auch schneller.

    Ich richte mir gerade einen kleinen, festen Schärfplatz ein um nicht immer wieder die Steine hervorholen zu müssen. Davon verspreche ich mir die Eisen zwischendurch öfter abzuziehen, um nicht aus Bequemlichkeit mit einem nicht mehr ganz scharfen Eisen weiter zu arbeiten.

    Grüße
    Christoph

  8. Martin Keßler sagt:

    Hallo Heiko,

    meiner Meinung nach wird dieses Thema absolut übertrieben. Mir ist egal wie das Werkzeug geschärft wurde, Hauptsache es ist für den Einsatzzweck ausreichend scharf. Methoden mir 5 verschiendene Steinen und 3 verschiedene Abrichtklinkern die in Stundenlanger Arbeit hergestellt werden halte ich für übertrieben. Selbst mit einfachen Methoden bekommt man Werkzeuge scharf und Schleifführungen erleichtern die Arbeit, gerade wenn man nicht jeden Tag schärft. Ich denke das Thema wird nur unnötig Aufgeblasen, wie bei vielen Sachen die im Internet propagiert werden. Keep it Simple !
    PS. Schaut euch mal an wie in einer „normalen“ Schreinerei Stechbeitel geschärft werden und erzähl denen mal was von verschiedene Steinen und Klinkern. Dann werdet ihr ausgelacht …

    Gruß

    Martin

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Martin,

      natürlich kann man alles übertreiben. Aber man kann sich auch dem eventuell vorhandenen Verbesserungspotential versperren. So habe ich zum Beispiel in den letzten Jahren in keiner Schreinerei wirklich scharfe Stemmeisen gesehen. Sie werden dort meist auch nicht so scharf benötigt.

      Gruß

      Heiko

    • Volker sagt:

      Hallo Martin,
      zum Thema „Schleifen“ werde ich mich jetzt nicht äußern. Heiko hat Recht… da wird es immer eine andere Meinung geben!

      Du hast vermutlich Recht, dass uns eine normale Schreinerei auslacht, wenn er beim Stechbeitelschärfen zusieht. Aber spätestens dann, wenn ein normaler Schreiner eine saubere Zinkenverbindung in Hartholz per Hand und ohne Leigh erstellen soll, lacht er nicht mehr.

      Gruß
      Volker

      • Martin Keßler sagt:

        Hallo Volker,

        Wie ich oben schrieb, das Werkzeug muss für den geplanten Einsatzzweg scharf genug sein. Ob das Stemmeisen von Veritas oder Aldi ist und ob es nach einer einfachen Methode (wie Heikos-Methode) oder über Stunden bearbeitet wird entscheidet nicht zwangsläufig über die Qualität einer Zinkenverbindung.

        Gruß

        Martin

    • Michael sagt:

      Hallo Martin,

      es sind nicht drei verschiedene, sondern drei gleiche Klinker, von denen man am Ende nur einen benötigt, und bei mir zwei verschiedene Schleifsteine 🙂 Eigentlich ein ziemlich simples Verfahren.

      Das Herstellen der Klinker hat bei mir insgesamt vielleicht 2 Stunden gedauert. Es ist aber richtig, dass einen die meisten Menschen für komplett irre halten, wenn man erzählt, dass man Ziegelsteine abrichtet 🙂 🙂

      Ich glaube nicht, dass in einer modernen Tischlerei scharfe Stechbeitel und Handhobel benötigt werden. Das wird der Grund sein, warum sie dort nicht (mehr) anzutreffen sind und warum sie für einen stromlosen Holzwerker bzgl. des Schärfens kein Maßstab sind. In der Zeit, als noch die Handarbeit dominierte, wird das anders gewesen sein. Für handgezinkte Schubladen in Weichholz wird man schon immer sehr scharfes Werkzeug benötigt haben…

      Gruß,

      Michael

  9. Mario sagt:

    Hallo Heiko,
    ich sehe das pragmatisch: Ich will ein scharfes Werkzeug. Auf dem kürzesten Weg. Und das freihändige Schleifen führte bei mir bisher nicht wirklich zum Ziel. Ich habe mir eine Schleifhilfte selbst gebaut: Friedrich Kollenrotts Halter fürs Hobeleisen hat bei mir hinten eine Stütze mit Rad darunter. Das Rad fährt dann über den Tisch hinter dem Wasserstein. So kann ich auch den ganzen Stein nutzen. Es hat trotzdem lange gedauert, bis ich das „handgeschärfte“ Eisen wieder in Form gebracht hatte.
    Ich frage mich aber, ob der Einsatz einer Schleifhilfe mir jemals die Übung bringt, damit ich irgendwann freihändig gut schleifen kann und den Winkel konstant halten kann. Wenn man immer Taxi fährt, wird man nicht automatisch ein guter Autofahrer, oder?

  10. Jürgen sagt:

    Hallo Heiko!
    Ich denke du hast es richtig gesagt. Wie und mit was geschliffen wird ist völlig egal.
    Wichtig ist, die Werkzeuge müssen scharf sein!
    Gruß

    Jürgen

  11. Michael sagt:

    Hallo,

    Wenn man öfters stromlos holzwerkt, lohnt sich eine Schleifführung meiner Meinung nach nicht, da man schnell genung Schärfübung bekommt 🙂 Für einen Weinigschärfer mag das anders sein.

    Ich habe von Anfang an freihändig auf Wassersteinen geschärft. Ich fand das eigentlich nicht besonders schwierig, auch wenn man am Anfang sicherlich länger als 3 Minuten braucht, bis man sich den Unterarm rasieren kann.

    Für völlig vergeigte Eisen habe ich noch einen Nassschleifer, der aber fast nie zum Einsatz kommt. Ich würde ihn eher nicht nochmal kaufen…

    Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man eine Methode hat, um die Steine plan zu halten. Dass mach ich mit der Klinkermethode von Herrn Kollenrott. Das funktioniert wunderbar.

    Gruß,

    Michael

  12. Philipp sagt:

    Hallo Heiko,

    nach dem Kurs bei Dir hatte ich mir die Veritas Schleifhilfe zugelegt und bin mit ihr immer noch zufrieden. Freihändig schleifen trau ich mir auf Grund fehlenden längeren Erfahrung auch nicht zu. Aber ich glaube das Thema ist ein anderes. Es geht um das beurteilen von Vorgehensweisen in der Vergangenheit. War das früher schlecht bzw falsch was man gemacht hat wenn man es heute anders macht und vielleicht sogar bessere Ergebnisse erzielt? Ich meine NEIN, da es „nur“ zeigt das man sich weiterentwickelt hat und vielleicht neue „Sachen“ gelernt hat und verinnerlicht hat. Das Gegenteil ist meiner Meinung nach also der Fall, es ist gut wenn man Rückblickend sagen kann das würde ich heute anders machen. Mir geht es hier nur um die Beurteilung der „Arbeit“ und nicht des Ergebnisses (also um das „wie“).

    Ich hoffe ich konnte meine Meinung in Worte fassen …. hab da gerade so meine Zweifel 😉

    MfG
    Philipp

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