Schräge Mikrofase bei Nutzung der Veritas MK2

Heute erhielt ich folgende Frage per E-Mail:

Veritas MK2

Veritas MK2

Nachdem ich deine Reihe mit „schärfen mit Wasserstein“ gesehen habe, kaufte ich mir die Veritas Führung. Super Sache, aber …

… wenn ich die Mikrofase ziehe, wird nicht Parallel zu Fase.

Ist das bei dir auch so?

Da ich schon mehrmals auf diese Problematik angesprochen wurde, gebe ich die Antwort diesmal hier auf meinem Blog, damit auch andere Leser davon profitieren können. 

Auch wenn eine Schleifführung das Schärfen erleichtert, bedarf sie wie jedes Werkzeug ein wenig Übung und Einarbeitung.  Beim Wechsel von einem Stein auf den anderen und bei der Umstellung von normaler Fase auf Mikrofase kann ein anders verteilter Druck der Finger beim Schleifen bereits zu einer schrägen Mikrofase führen. Auch nicht richtig geplante Steine können diesen Effekt hervorrufen. Als erstes sollte man daher die Steine planen.

Mikrofase an einem Stemmeisen

Mikrofase an einem Stemmeisen

Wenn das nicht der Grund für eine schräge Mikrofase ist, liegt es vermutlich an der Handhabung und nicht an der Führung als solches. Die Lösung ist recht einfach: Man führt ein bis zwei Züge auf dem Stein aus und betrachtet sich dann den Verlauf der Fase. Ist sie schräg, übt man dort, wo weniger Material abgenommen wurde einfach mehr Druck auf das Werkzeug aus. Dazu noch ein wenig Übung und mit der Zeit werden die Mikrofasen fast von alleine gerade.

Man sollte sich aber auch vor Augen halten, dass eine Mikrofase, die ein wenig schräg verläuft in der Praxis meist kein Problem ist. Denn eine optisch schräg verlaufende Mikrofase, läuft in der Regel nur wenige zehntel Millimeter schräg. Bei einem Stemmeisen hat das auf die Arbeit damit keine nennenswerten Auswirkungen und bei einem Hobel kann dieser minimale Winkelfehler durch die laterale Verstellung leicht ausgeglichen werden. Also nicht verrückt machen lassen. Besonders als Anfänger sollte man das Augenmerk zuerst darauf richten, die Schneide scharf zu bekommen. Um die Optik und der letzte Kick an Perfektion kann man sich später immer noch kümmern.

Zum Schluss sei aber noch erwähnt, dass die Veritas MK2 unbedingt richtig benutzt werden muss, das betrifft besonders das Einspannen der Werkzeuge. In diesem Video gehe ich gleich zu Beginn darauf ein:

Ich hoffe diese kurze Erklärung hilft einigen von Ihnen weiter.

 



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9 Kommentare zu Schräge Mikrofase bei Nutzung der Veritas MK2

  1. Dieter sagt:

    Es ist schon sehr erstaunlich, was teiweise für ein Aufwand beim Werkzeug schärfen betrieben wird…..

    Gruß

    Dieter, Möbelschreiner

  2. Dirk sagt:

    Hallo Heiko, der Aufwand ist unnötig, da gebe ich dir Recht, aber es gibt aber genug Pendanten, so wie mich ( ich schreibe lieber nicht, dass ich alle Klinken mit dem Mikroskop begutachte 😉 ), die es einfach stört, dass die Fase schief ist und es ist auch eine Erklärung für Anfänger beim Schleifen, dass der Fehler nicht unbedingt bei ihnen liegt…. das beruhigt ein bisschen und lässt die Selbstzweifel nicht so groß werden.
    Gruß Dirk

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Dirk,

      meiner Meinung nach bringt es mehr, wenn man lernt, wo eine solche Präzision sinnvoll ist und wo man ein bis zwei Augen zudrücken kann. Das versuche ich zumindest meinen Kursteilnehmern zu vermitteln. Viele gehen nach einem Kurs viel Lockerer mit solchen Dingen um und haben den Kopf für die wirklich wichtigen Dinge frei. Zum beispiel dafür ein scharfes Werkzeug richtig zu verwenden, auch wenn die Mikrafase minimal schief ist.

      Gruß

      Heiko

  3. Dirk sagt:

    Ich habe auch das Problem, dass die Microfase nicht exakt parallel ist und dass obwohl ich mich schon lange mit dem Schleifen von Messern beschäftige. Einen Fehler in der Handhabung schließe ich bei mir aus, auch sind meine Steine absolut plan. Also Rücksprache mit meinem Werkzeugmacher gehalten und die Lösung für mein Problem bekommen. Wenn und davon kann man ausgehen, das Hobeleisen nicht genau im 90 Grad-Winkel eingespannt wird, kommt es zu einer solchen schrägen Fase. Das lässt sich ausgleichen, wenn man mit einer hauchdünnen Fühlerlehre beim Einspannen arbeitet; diese gleicht dann den Winkelfehler der Microfase beim Schleifen aus. Zur Probe kann man auch mal einen Streifen Tesafilm auf die Einstelllehre kleben, der Erfolg wird ziemlich schnell sichtbar.
    Gruß Dirk

  4. Ludger Erben sagt:

    Vielen Dank für den informativen Beitrag. Das schreit nach einer „Heiko-Hilft“-Rubrik, einmal im Monat darf Dir eine Leserin / ein Leser ein Eisen zuschicken und Du stellst in einem Youtubevideo die Problemlösung vor 🙂
    Natürlich nicht 100% ernst gemeint, wäre ja ein vielleicht zu hoher Aufwand. Aber das Video mit der Leimfuge per Tauchsäge ging ja schon in die Richtung, das war und ist ein richtig interessantes Video.

    Meine Erfahrung zur Veritas Schleifhilfe:

    Manche Eisen, z.B. bei meinem 6er und bei meinem 4er Juuma-Hobel, kommen schön perfekt parallel raus. Ohne groß nachzudenken, passt eigentlich immer. Beim 5er (auch Juuma) allerdings kann ich machen, was ich will, das Ding wird immer schräg. Bei Stecheisen kann es auch mal vorkommen, aber dann war es meist die Klemmung, die nicht stark genug war, so dass das Eisen verrutschte. Bei einem Flachwinkelblockhobel habe ich mehrere Eisen für verschiedene Winkel. Eines der Eisen hat auch immer ein Problem mit der Parallelität, aber nur ein sehr kleines, mit dem ich leben kann. Die anderen beiden Eisen haben kein Problem. Habe schon versucht die Längsseite des 5er Eisens freihand zu „begradigen“ , bevor ich es an den Anschlag so hinbekomme, dass es eine parallele Fase gibt, aber richtig weitergekommen bin ich noch nicht.

  5. Thorsten sagt:

    Hallo Heiko,
    ja, kann mit Handhabung, Stein, … zu tun haben. Kann aber auch an der Schleifführung liegen, so in meinem Fall. Ich hatte die MK2 nach Deiner Empfehlung gekauft, bei Dieter Schmidt.
    Unter allen Bedingungen und mit aller Übung konnte ich nur eine sehr deutlich nicht parallele Mikrophase erzeugen. Vermutlich ein Fehler im Exzenter der Rolle.
    Ich habe reklamiert und die MK2 wurde problemlos ausgetauscht. Mit der neuen MK2 ist die nicht Parallelität fast verschwunden. Eine geringfügige nicht Parallelität ist weiterhin da, der ich aber durch ungleichmäßigen Druck beim Schleifen entgegenwirken kann. Ich bin zufrieden mit der MK2, jedoch scheint mir die nicht Parallelität bei der Erzeugung einer Mikrophase ein grundsätzlicheres Problem durch Art oder Ausführung des Exzenters bei der MK2 zu sein.

    • Gregor sagt:

      Hallo Heiko, hallo Hobbymitstreiter,

      um eine Mikrofase an Beitel/Hobeleisen anzubringen, benutze ich die Schärfhilfe von Johannes Pöhlmann. Der Bauplan ist unter http://www.smartwoodworking.net/baupläne-plans/ zu finden. Mit dieser Schärfhilfe ist eine saubere Mikrofase kein Problem. Außerdem stelle ich eine Mikrofase her, die um 7 Grad höher als die normale Fase ist. Z.b. 30 Grad Fase = 37 Grad für die Mikrofase. Der einzige Nachteil ist: man sollte einen digitalen Winkelmesser zum Einstellen des Winkels benutzen.

      Gutes Gelingen beim Herstellen einer Mikrofase

      Gregor

  6. Fabian Glänzer sagt:

    Hallo Heiko,

    Mir passiert das auch ständig das die Microfase schief wird und könnte mir es einfach nicht erklären. Ich habe wie ein verrückter die Steine abgerichtet weil ich dachte das diese wohl krumm seinen müssen.
    Selbst nachdem ich vermehrt druck auf einer Seite ausgeführt hatte, habe ich die Fase nie wirklich gerade bekommen und hab es dann einfach krumm gelassen.
    Bei schmalen Eisen ist es mir schwerer gefallen die Microfase gerade zu bekommen als bei breiteren.

    Gruß

    Fabian Glänzer

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