Wie genau ist eigentlich „genau“?

Über den Blog und auch als per E-Mail erreichen mich viele Fragen zum Thema „Genauigkeit“. Dabei handelt es sich um Fragen bezüglich der Fertigungspräzision von Werkzeugen, der genauen Einstellung von Maschinen und natürlich auch darüber wie genau, also wie präzise etwas angefertigt werden soll. Die Menge dieser Fragen und auch die Masse solcher Anfragen in Onlineforen hat mich dazu veranlasst einfach mal meine persönliche Meinung zu diesem Thema zu schreiben.  Da es meine persönliche Meinung ist habe ich den Artikel auch in der Rubrik „Ansichtssache“ eingruppiert. Nun aber zum Thema.

Genauigkeit ist etwas über das sich viele Holzwerker meiner Meinung nach viel zu viele Gedanken machen. Natürlich ist genaues Arbeiten sehr wichtig. Aber noch viel wichtiger ist es zu wissen wo welche Genauigkeit oder in diesem Fall besser ausgedrückt, welche Präzision erforderlich ist. Nun könnte man über Toleranzen nach oben ud unten hin reden wie man sie in technischen Zeichnungen oft findet. Aber das wäre vollkommen übertrieben. Es ist schwer jemandem, der neu im Thema Holzbearbeitung ist zu vermitteln welche Toleranzen an welcher Stelle sinnvoll oder überhaupt zu erreichen sind. Schaut man sich zum Beispiel die traditionellen Messwerkzeuge des Schreiners an, so stellt man schnell fest, dass diese nicht auf zehntel Millimeter ablesbar sind. Und dennoch wurden früher, und werden auch heute noch, damit Möbel gebaut an deren Perfektion es keine Zweifel gibt. Der Grund weshalb das funktioniert ist sehr einfach: Der Schreiner arbeitet in der Regel passgenau aber eben nicht unbedingt maßgenau. Ob der neue Schrank nun eine Breite von 1000 mm hat oder von 1001 mm ist in der Regel egal. Hat aber eine Zapfenverbindung einen Millimeter Luft ist das eindeutig zu viel  Es ist also schon einmal gut zu wissen wo der Unterschied zwischen maßgenau und passgenau liegt.

Ich will aber noch  einmal auf die angesprochenen Messwerkzeuge zurückkommen. Denn das ist ein Punkt, der glaube ich mit der ganzen Misere sehr viel zu tun hat. Viele Holzwerker haben viel zu viele und viel zu präzise Messwerkzeuge im Einsatz. Das klingt erst einmal seltsam. Warum soll man denn nicht möglichst genua messen? Die Antwort ist einfach: Weil zu genaues Messen schnell zur Verunsicherung führt. Vor dem Hintergrund hochpräziser Messungen tritt das eigentlich wichtige in den Hintergrund. Und das eigentlich wichtige ist das erreichte Ergebnis.  Ein zufriedenstellendes Ergebnis trotz einer Messung die eventuell vorhandene Ungenauigkeiten zeigt, verunsichert erst einmal.  Meine Empfehlung ist daher erst einmal ergebnisorientiert zu arbeiten. Erst wenn das Ergebnis nicht mit den eigenen Vorstellungen überein stimmt sollte man mit Messungen beginnen. Damit meine ich jetzt nicht, dass man einen Schrank ohne Meterstab, nur nach Schätzungen bauen soll. Das funktioniert natürlich nicht.

Beim Arbeiten mit Holz hat man meist die Situation, dass Teil A zu Teil B passen muss. Hier tritt das eigentliche Endmaß in den Hintergrund. Die Passung ist der wichtige Teil. Hat man erst einmal verinnerlicht, dass es normal ist ein Teil an ein anderes anzupassen statt zu versuchen absolut maßgenau und nach Messwerkzeugen zu arbeiten geht vieles einfacher und schneller von der Hand. Ich baue meine Möbel genauso. Ich schneide viele Teile einfach ein wenig größer zu und passe sie später an. Das ist kein Zeichen von ungenauem arbeiten sondern die ganz normale Arbeitsweise eines Schreiners. Gehen Sie lockerer an solche Dinge heran. Machen sie Probeschnitte, Probefräsungen und trainieren Sie ihr Augenmaß.

Ein weiterer Punkt ist die Genauigkeit, besser gesagt die Fertigungspräzision von Werkzeugen. Dieses Thema wird in Onlineforen bis zum Abwinken diskutiert und auch mich erreichen dazu viele Fragen. Ich habe einen Bekannten, der sich einmal ein hochpräzises Haarlineal gekauft hat. Er sagte mir, dass das wohl sein größter Fehlkauf gewesen sei. Mit dem Lineal war alles in Ordnung. Das war also nicht das Problem. Er machte allerdings den Fehler nun alles Mögliche damit zu prüfen. So zum Beispiel auch seine Hobel. Er war mit dem Ergebnis der Hobel immer sehr zufrieden. Die Messung mit dem Haarlineal zeigte aber einen winzigen Lichtspalt. Wie kann das sein? Verunsicherung machte sich breit. Es wurde theoretisiert, nochmal geprüft, das gute Hobelergebnis dann doch in Frage gestellt. Vielleicht ließe sich das Ergebnis mit noch genauer gefertigten Hobeln noch verbessern? Oder war das Ergebnis mit dem er bisher hoch zufrieden war doch gut genug? Es dauerte ein paar Wochen bis mein Bekannter wieder lockerer wurde was die Beziehung zu seinen Hobeln anging. Das Haarlineal wurde daraufhin erst einmal nicht mehr aus der Schublade genommen.

Nach so viel Text konnte ich nun immer noch keine klare Antwort zu der Frage geben „Was genau ist genau“. Ich denke es gibt auch keine eindeutige Antwort sondern lediglich verschiedene Herangehensweisen an dieses Thema. Ich selbst gehe da eher pragmatisch heran. Ich habe bisher zum Beispiel noch nicht den Winkel zwischen Sägeblatt und Grundplatte meiner Handkreissäge mit dem Haarwinkel vermessen. Ich werde mich auch hüten den Sägeschnitt einer Stichsäge mit einem solchen Haarwinkel zu kontrollieren. Ehrlich gesagt besitze ich gar keinen Haarwinkel. Es gibt Dinge die funktionieren einfach, sie liefern ein Ergebnis mit dem ich zufrieden bin.  Das ist mir wichtig.

Wenn mich also Fragen zur Präzision von Werkzeugen erreichen frage ich erst einmal zurück wie denn überhaupt das Arbeitsergebnis ist (und verlinke auf diesen Artikel hier). Denn sehr oft sind die Anwender mit den Ergebnissen zufrieden, aber doch nach dem Vermessen von Werkzeugen und Maschinen sehr verunsichert.  Um beim Beispiel der eben genannten Handkreissäge zu bleiben: Wenn Sie dort einen Winkel von 89,5° messen, fragen Sie sich zuerst einmal ob das bisher Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis hatte. Wenn die Maschine neu ist, arbeiten Sie doch erst einmal damit und prüfen Sie das Ergebnis. Und nicht zu Letzt sollten Sie sich fragen wie genau ist denn ihre Messmethode? Haben Sie mal Ihren Haarwinkel vermessen lassen? Wann wurde Ihr Messschieber das letzte Mal geeicht? Lagern Ihre Messwerkzeuge überhaupt unter kontrollierten klimatischen Bedingungen? O.K. die letzten Bemerkungen waren übertrieben. Aber denken Sie dennoch mal darüber nach.

Vielleicht gibt es ja doch eine Antwort auf die Frage „wie genau ist eigentlich genau?“. Die Antwort ist am Ende dann doch recht einfach: Genau ist so genau wie es notwendig ist.  Und das definiert zum Glück jeder für sich. Ich kann Ihnen aber am Ende dieses Artikels nur den Tipp geben die Sache mit der Genauigkeit nicht zu genau zu nehmen.

Und wie genau arbeiten Sie? Ich bin auf Ihre Kommentare gespannt.

 

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15 Kommentare zu Wie genau ist eigentlich „genau“?

  1. Benedikt D. sagt:

    hallo Heiko,

    ich als gelernter Maschinenbauer kenne dieses Problem sehr gut.
    Von Berufswegen her bin ich es gewohnt sehr genau zu arbeiten.
    Da fällt es mir oft schwer in der heimischen Werkstatt diese (Maschinenbau) Genauigkeiten zu vernachlässigen.

    Aber hier kleines Zitat meines damaligen Ausbilders:
    „Arbeite so ungenau wie möglich, aber so genau wie nötig“
    berücksichtigt man aber diesen Spruch so arbeitet man auch wirtschaftlich

  2. Komihaxu sagt:

    Gerade für Menschen, die aus technischen Berufen (Maschinenbau) kommen, ist das eine starke Gewöhnungssache.

    Es hat auch bei mir gedauert, bis ich verstanden habe, dass beim Holzwerkeln MESSEN oft garnicht nötig ist. Es ist mehr ein VERGLEICHEN von Maßen.

    Und mittlerweile bin ich da auf einem guten Weg. Habe doch tatsächlich Leisten und Sockel für einen Schrank gebaut, ohne auch nur ein einziges Mal ein Messwerkzeug mit Skala in die Hand zu nehmen. Selbst die Tiefen am Frästisch habe ich nur grob nach Augenmaß zugestellt und dann einfach den Rest danach eingepasst. Ja, es war schon etwas Überwindung nötig, die Schieblehre nicht doch mal in die Nut zu halten. 😉

  3. Jürgen sagt:

    Hallo!
    Michael, du hast natürlich recht. Ich habe mich anscheinend nicht richtig audgedrückt.
    Gruß
    Jürgen

  4. Michael Hild sagt:

    Moin,

    ich denke die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen.
    Weder sollte beim Handwerk zu schlampig, noch zu genau gearbeitet werden.
    Pass- und Wiederholgenauigkeit ist wichtig, ob ein Möbel aber später paar Millimeter kleiner oder größer ist, wie geplant ist zweitrangig. Aber eine Verbindung muss passen, eine Schublade muss vernünftig aufgehen, ….
    Bei Längenmessungen nehme ich es jetzt auch nicht auf den Zehntel genau, bei Winkeln aber schon. 0,2° machen sich viel deutlicher Bemerkbar als 0,2mm.
    Ob man bei einem per Hand hergestellten Stück jetzt den Charme von „nicht so genau“ braucht, weiß ich nicht recht. Ich sehe das anders. Handwerk sollte sich jetzt nicht vorrangig von industrieller Fertigung unterscheiden, weil es übertrieben gesagt „schief ist“, sondern eher durch Qualität, Design und Materialien und den verwendeten Techniken. Ein per Hand gebauter Schrank aus weißer Spanplatten bekommt nicht mehr Charme, als einer aus der Massenfertigung.

    Grüße

    Michael

  5. Jürgen sagt:

    Hallo Fangemeinde!

    Ich möchte mich Euren Argumenten anschließen. Erst wenn manches nicht so genau ist bekommt es einen eigenen Charme und man sieht dass es Handwerk ist.

    Gruß an alle!
    Jürgen

  6. Andreas Hollesen sagt:

    Hallo,
    Das Messen hat sicher seine Berechtigung, aber ich denke oft kommt man durch Anpassen, arbeiten mit Schablonen und Anschlägen schneller und besser voran.

    Ich denke da z.B. an meinen stümperhaften Versuch die Lage der Bohrung für eine Holzdübelverbindung durch messen zu bestimmen. Mit einer selbstgemachten Schablone aus einem Reststück wäre ich ohne jedes Messen schnell zum Ziel gekommen.

    Ich finde wir sollten nicht versuchen die numerische Genauigkeit einer CNC-Maschine zu erreichen. Wir wollen doch keine industriell gefertigten IKEA-Möbel bauen. 😉

    Und letztlich kommt es auch darauf an, wie wir unsere „ungenauen“ Messwerkzeuge einsetzen. Wenn ich den oben genannten 89,7° Winkel bei Boden, Zwischenboden und Deckel immer in der gleichen Ecke benutze, wird der Schrank trotzdem passen. Niemand wird merken, dass er ein wenig schief ist. Wenn ich aber den Winkel mal an der Vorderseite und mal an der Hinterseite anlege addieren sich die Fehler und werden sichtbar.

    Meine Konsequenz: Nur so oft wie nötig messen aber möglichst immer vom selben Bezugspunkt aus.

    Viele Grüße
    Andreas Hollesen

  7. Theo sagt:

    Liebe Hobby-Holzwerker,
    ganz so locker, wie Ihr das teilweise seht, ist die Geschichte meiner Meinung nach nun doch nicht. Wenn ihr wie Jochen wenigstens auf den Millimeter genau sein wollt, so erzeugt ein Winkel von 89,7° statt 90° schon eine Abweichung von einem halben cm auf einen Meter.

    Obwohl ich mir als Vermessungsingenieur einbilde, messen zu können, habe ich bei meinem ersten größeren Projekt, dem Nachbau von Guido Henn’s Frästisch, ganz schön Federn (sprich Zeit und Nerven) gelassen, weil ich das mit dem Messen ziemlich stiefmütterlich behandelt habe. Mein erstes Frästischergebnis war nämlich bei Weitem nicht das, was man für die Weiterverarbeitung bei anderen Projekten gebrauchen konnte. So wäre es z.B. nicht schlecht gewesen, wenn der Anschlag wirklich 90° zur Tischpatte gestanden hätte.

    Meine Erfahrung seit damals: So genau messen, wie möglich. (Ich rede hier allerdings nicht vom Haarwinkel). Genaues Messen bei der Fertigung, beim Zuschnitt und beim Hobeln mit einem Dicktenhobel spart eine ganze Menge Nacharbeit und Zeitverzug und Frust. Im Unterschied zu den Profis unter Euch fällt den Hobbyisten das Nacharbeiten oft nämlich nicht ganz so leicht. Außerdem fällt Nacharbeit sowieso genügend an.

    Ich bin gespannt, ob sich dieser Meinung noch ein paar anschließen.

    Viele Grüße

    Theo

  8. Dirk Berls sagt:

    Ich bin froh, dass dieses Thema aufgegriffen wurde. Gerade ich als Späteinsteiger habe mich durch viele Foren und Blogs gearbeitet und war zum Schluss der Meinung, dass man ohne Präzisionswinkel, Präziions-Anreisswerkzeug usw. keine vernünftigen Ergebnisse bekommt. Es wurden immer teurere Messwerkzeuge angeschafft, nur damit ich auch ja alles bis aufs Zehntel vermessen kann. Meine Frau brachte es neulich auf den Punkt als sie meinte, ich hätte doch vor Jahren auch schon die tollsten Sachen gebaut und hatte nicht Schubladen voll Messwerkzeuge. Man sollte sich wirklich aufs Wesentliche besinnen und Spass an dem Projekt haben und halt auch mal einfach etwas passend machen, wie Heiko schon sagte. Dazu hat mir früher ein Zollstock, ein Zimmermannsbleistift und ein 30cm Metallanschlagwinkel gereicht, der übrigends nur 89,7° hat, wie ich heute weiss 😉

  9. woody a. sagt:

    Hallo Heiko,

    ich teile (inzwischen) genau deine Meinung.

    Nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig!
    (Das wurde uns damals im 1. Lehrjahr eingetrichtert)!

    Viele Grüße,
    woody

  10. Ulrich Mahlich sagt:

    Auch ich denke, dass die Wiederholgenauigkeit großen Einfluss auf das Gelingen hat. Wo es irgendwie geht, benutze ich Anschläge um Teile, die später aufeinanderstoßen oder zusammen passen müssen, gleich groß (lang) zu sägen. Man muss sich dazu aber ein paar Gedanken machen, welche Teile man in welcher Reihenfolge z. B. sägt. Der Rest, richtet dann ein guter Hobel. 😉
    Und geht wirklich mal was schief, was mir natürlich auch schon passiert ist, gibt es im Ofen warm. Oder man passt den Rest daran an. So steht bei mir ein nur 250 mm tiefes Telefonboard im Flur, das sehr an Hundertwasser erinnert. Die unterschiedlichen Farben der Schubladenblenden und die unterschiedlichen Keramikknöpfe lenken vom vermeintlichen Mangel ab. Es hat bis jetzt noch niemand bemerkt aber alles passt und funzt 😉

    Auch mit Plänen und Skizzen ist das so eine Sache. Wie oft schon habe ich Zeichnungen angefertigt und bemaßt und danach versucht das Holz einzukaufen. Doch genau die geplante Dicke war gerade nicht da. Ich wollte aber ran an den Speck und fertig werden. Einen Dickenhobel habe ich nicht. Also anderes Plattenmaterial gekauft und währenddessen umgemodelt und eingepasst. Oft wird’s dann sogar besser als geplant und man lernt wahnsinnig viel zu Improvisieren.

  11. Reinhard sagt:

    Ein schönes Thema – und erfrischend pragmatisch und ergebnisorientiert erläutert.
    Schön fand ich den Exkurs über die durch zu viel Messen erzeugte Unsicherheit; denn eigentlich ist das Ziel des Messens ja das Erreichen einer Sicherheit 🙂 Eine Ursache des Messfetischismus‘ mag darin liegen, dass man ungerne das teure Material ruinieren möchte. Und nach einigem Arbeitsfortschritt durch fehlerhafte Bearbeitung die ganze investierte Zeit zu verlieren macht auch keinen Spaß. Das nennt man dann wohl Erfahrung, wenn’s geklappt hat.
    Ich denke, dass ein paar Worte zur Wiederholgenauigkeit hier gut passen; denn mit Wiederholgenauigkeit wird sicherlich in vielen Fällen der Grundstein zur Passgenauigkeit gelegt.
    Als relativem Novizen maße ich mir natürlich keine „Belehrung“ an. Mein persönlicher Weg besteht darin, einfache Dinge mit preiswertem Matrial/Resten zu fertigen und damit die fehlende Erfahrung schrittweise zu gewinnen. Dass sind dann Hilfsmittel oder Gegenstände für den Werkkeller, die nicht perfekt sein müssen. Zur Not werden sie weggeworfen – die gewonnene Erfahrung ist es wert. So versuche ich, bei jedem „Projekt“ nur maximal eine Technik neu einzusetzen und diese zuvor gesondert auszuprobieren.
    Oder, wie ein altes Sprichwort sagt: (Nur) aus Fehlern wird man klug.
    Reinhard

    • Roland sagt:

      „Nur aus Fehlern kann man lernen“. Eine wahrlich weise Anmerkung von Reinhard.
      Aber wie steinig ist mitunter dieser Weg, nur wer ihn weiter geht, sich durch Frust und Enttäuschung nicht zum Umkehren bewegen läßt, wird das Ziel erreichen.
      Wenn ein Werkstück dem Auge des Betrachters schmeichelt und seine Seele erfreut, wenn die Harmonie des Ganzen verhindert, kleine Ungenauigkeiten wahrzunehmen, dann ist Präzision erreicht.

      Gruß
      Roland

  12. Jochen sagt:

    Ist doch ganz einfach, habe ich bei Dir im Kurs gelernt, Heiko:

    Der Tischler arbeitet auf den Millimeter genau.
    Der Zimmermann auf den Zentimeter genau.
    Und der Maurer muss aufpassen, dass er auf dem Grundstück bleibt …

    Viele Grüße
    Jochen

  13. Hannes sagt:

    Hallo Heiko,
    das trifft ziemlich genau meine Meinung.
    Bei meinen Stahlmaßstäben, mit einer Millimeterskala auf der einen und einer Halbmillimeterskala auf der anderen Seite, nutze ich meist nur die Millimeter, weil eine Genauigkeit eines halben Millimeters am Werkstück völlig irrelevant ist.

    Ich habe diese Tage einen kleinen Tisch gebaut, aus keinem teuren Material, sollte nur ein Beistelltisch in einem Nebenraum werden.
    Bei der Zarge habe ich mir den Spaß erlaubt, keine gemessenen Maße zu verwenden:
    Die Zapfen habe ich freihändig mit Handsägen ausgeschnitten. Übertrag der Zapfen auf die Beine zum ausstemmen der Schlitze nur per anlegen der Zapfen und Nachzeichnen.
    Gerade Striche habe ich mit einem Restholz als Lineal gezeichnet. „Gemessen“ wurde nur per Anlegen des Restholzes und „Festhalten“ der gewünschten Länge per Fingernagel.

    Der Tisch ist inzwischen fertig, die Schlitz-Zapfen-Verbindung sicher nicht perfekt aber stabil, oberflächlich sind keine Makel zu sehen. Die genauen Maße der kompletten Zarge und Beine kenne ich immer noch nicht, sondern habe nur auf Sicht und Schätzung gearbeitet.

    Funktioniert wunderbar, kann ich nur weiterempfehlen.

    Gruß
    Hannes

    • Alex sagt:

      Am besten ist es ja, wenn jemand das Lineal mit der Halbmilimeter Teilung nimmt und dann den Dicken Zimmermannsbleistift (stumpf!) oder ähnliches Ansetzt.
      Im Internet kursieren inzwischen ja genug Videos (Paul Sellers, Marc Spagnuolo,…) wo mit einem Messer angerissen wird.
      Wobei ich hier den von Paul Sellers erklärten Ansatz zu einem höherwertigen Schnitt von Hand interessant finde, funktioniert super.
      Was das Messen angeht gibt es von Marc Spagnuolo ein Video wo er sich über das Thema Messen ausläst, er nennt die von dir beschriebene Methode „relatives Messen“, immer mit Bezug zu einem schon fertigen Teil. Eben dass was Heiko als „Passgenau“ bezeichnet.

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