Überblattungen herstellen

Eine asiatisch anmutende Lampe

Eine asiatisch anmutende Lampe

Passend zum Tisch im asiatischen Stil, sollte eine Lampe in diesem Zimmer an die Decke. Was man derzeit so an Lampen kaufen kann, passte nicht. Also war Selbstbau angesagt. Im Baumarkt fand ich eine Lampe, die als Basis diente. Sie sollte mit einigen Holzleisten aus Bubinga die passende Optik bekommen.

Daraus ergab sich eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie ich Überblattungen mit Handwerkzeugen herstelle. Es geht in diesem Artikel also weniger um die Lampe selbst, sondern um die Eckverbindung.

Was ist eine Überblattung?

Eine Überblattung ist eine recht einfache Verbindung, bei der die Werkstücke so ausgespart werden, dass sie wie oben gezeigt ineinandergreifen. Oft beträgt die Tiefe der Aussparung die halbe Materialstärke. So können sehr einfach stabile Eckverbindungen für Rahmen hergestellt werden. Bei einer Kreuzüberblattung stehen die Enden über, oder es entsteht wirklich ein Kreuz, wie man es von Sprossen innerhalb eines Rahmens kennt.

Eine Überblattung ist eine Verbindung, die mit ein paar kleinen Kniffen auch Neulingen in der Regel gut gelingt. Man benötigt nur wenige Werkzeuge, wenn man die Verbindung von Hand machen will. Natürlich kann man Überblattungen auch mit Maschinen herstellen, zum Beispiel mit der Oberfräse oder der Tischkreissäge.

Die Verbindung eignet sich für Rahmen aller Art, wie zum Beispiel Bilderrahmen, kleinere Schranktüren, oder eben für Lampeneinfassungen.

Die Lampe

Das Ausgangsmaterial besteht aus der Lampe selbst und vier Bubinga Leisten. Die Leisten sind unterschiedlich dick, was aber rein optische Gründe hat. Im ersten Schritt geht es darum, die Maße festzulegen. Es erschien mir am einfachsten, die Leisten auf die Lampe zu legen und direkt am Objekt die genauen Abmessungen zu bestimmen, beziehungsweise zu messen.

Ein Schritt, der oft in seiner Bedeutung unterschätzt wird, ist dass Anzeichnen der Verbindungen. Besonders dann, wenn die Verbindungen mit Handwerkzeugen erstellt werden hat das Anreißen einen besonders hohen Stellenwert. Mit dem Streichmaß werden zunächst die überstehenden Enden genau angezeichnet. Sie sollen 20mm überstehen. Das Streichmaß hat zwar eine Skala, aber die ist nicht sehr gut ablesbar. Daher stelle ich es lieber mit einem Kombinationswinkel ein.

Einstellen des Streichmaßes

Einstellen des Streichmaßes

Anschließend wird die Materialstärke des kreuzenden Rahmenteiles übertragen. Es wird genau an den ersten Riss angelegt und mit einem kleinen Winkel noch einmal zusätzlich ausgerichtet. Zum eigentlichen Anreißen werden beide Teile mittels Schraubzwinge fixiert.

Wenn es genau werden soll, greife ich lieber zum Anreißmesser, als zum Bleistift. Beim Umwinkeln der Anrisse auf die Kanten legt man das Messer einfach in die kleine Kerbe des Anrisses auf der Fläche und schiebt den Winkel an das Messer heran. Einfacher und präziser geht es kaum noch.

Genaues Sägen ist nicht immer einfach. Es ist aber keine Schande, wenn man sich einiger Hilfsmittel bedient, um genau am Riss und gerade nach unten zu sägen. Mein Hilfsmittel besteht in diesem Fall aus zwei Holzklötzchen, die beim Ablängen der Rahmenteile angefallen sind. Ein Klötzchen dient als Anschlag, es wird mittels Schraubzwinge auf das Werkstück gespannt. Aber Achtung: Man muss bei dieser Verbindung penibel darauf achten, auf der richtigen Seite des Anrisses zu sägen. Mit einem zweiten Klötzchen drückt man die Säge an den Anschlag. Nicht zu fest, sodass sich die Säge noch gut bewegen lässt. dieses zweite Klötzchen hat an einer Kante eine kleine Fase und schafft somit Platz für die Sägezähne.

Wenn alle Teile eingesägt sind, wird gestemmt. Auch die Tiefe der Überblattung wurde mit dem Streichmaß angerissen, sodass eine Kerbe da ist, in die das Stemmeisen bequem eingesetzt werden kann. Das erhöht die Genauigkeit.

Ich habe nicht die volle Tiefe angezeichnet, sondern ein paar zehntel Millimeter weniger. Den Rest mache ich bei solchen Arbeiten sehr gerne mit einem Grundhobel. Er hat einen Tiefenstopp, sodass man die Vertiefung an allen Rahmenteilen exakt gleich tief bekommt. Außerdem werden die Vertiefungen genau plan. Hat man keinen Grundhobel, empfiehlt es sich die Vertiefung mit dem Stemmeisen ein wenig hohl auszuarbeiten. So liegen später beide Teile der Verbindung gut aufeinander, ohne zu kippeln.

Ein Grundhobel ist für die Feinarbeit ideal

Ein Grundhobel ist für die Feinarbeit ideal

Und so sieht dann das Ergebnis aus:

Vor dem Verleimen wird noch bis Korn 320 geschliffen. Auch das geht ohne Maschine sehr flott. Eine Überblattung ist eine Verbindung, die, wenn sie sauber gearbeitet ist, sehr einfach zu verleimen ist. Auf jede Ecke eine Schraubzwinge und fertig.

 

Der Rahmen wurde noch geölt und anschließend mit dem Lampenglas verklebt. Das Glas, nun mit Rahmen wird durch Federn an der eigentlichen Lampe gehalten. Als Leuchtmittel kommt eine 2 Watt LED zum Einsatz, die so gut wie keine Abwärme erzeugt. An der Lampenfassung, der Aufhängung etc. wurde nichts geändert. Die Leuchtmittel können immer noch ganz bequem gewechselt werden.

Eine asiatisch anmutende Lampe

Eine asiatisch anmutende Lampe

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16 Kommentare zu Überblattungen herstellen

  1. Ulrich sagt:

    Hallo Heiko,
    ich möchte einfache Überblattungen mit meiner Oberfräse POF 600 ACE herstellen,
    angeblich,-sagt der Fachhandel- gibtes von Bosch für diese OF keinen Anlaufring mehr zu kaufen. Frage: wo bekomme ich einen solchen Anlaufring ?
    Habe mir schon eine Schablone dazu gebaut.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Ulrich,

      es gibt sogenannte Adapterplatten. Die werden unter die Maschine geschraubt und zentriert. Dort können dann die zur Platte passenden Kopierringe eingesetzt werden. Schau mal bei http://sautershop.de. Da wirst du verschiedene Adapterplatten finden.

      Gruß

      Heiko

  2. Holger sagt:

    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sowas immer ganz schlicht mit der Tischkreissäge mache. Wenn die Sägetiefe einmal korrekt eingestellt ist, geht das mit dem Schiebeschlitten ruck-zuck.
    Ich weiß, ist unwaidmännisch und richtig, auch dabei kann man keine Musik hören ;-).

    LG: Holger

  3. Fabian sagt:

    Hallo Heiko,
    wäre sowas nicht auch eine gute Arbeit für die Oberfräse?

    Gruß Fabian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Fabian,

      ja, mit er Oberfräse würde das auch gehen Aber wenn man ein wenig Übng hat, ist man von Hand eventuell schneller. Außerdem kann man dabei Musik hören.

      Gruß

      Heiko

  4. Marco sagt:

    Na hast du einen neuen Grundhobel. Unterscheidet sich der Lie Nilson den von dem Veritas Grundhobel?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Marco,

      der Lie Nielsen unterscheidet sich in der besseren Verarbeitung vom Veritas. Die ganzen Verstellungen sind nahezu spielfrei, die Mechanik wirkt irgendwie steifer, als beim Veritas. Insgesamt mag ich den LN inzwischen lieber, als den Veritas.

      Gruß

      Heiko

      • FabianB sagt:

        Hallo Heiko,

        dazu gleich eine anschließende Frage: Soweit ich das überblicke, gibt es für den LN Grundhobel nur das mitgelieferte Eisen, ich kann keine Eisen in anderen Breiten finden. Passen hier auch die Veritas Eisen oder ist man mit dem LN Grundhobel auf diese eine Eisenbreite fetgenagelt?
        Falls ja: Stört dich das?

        Danke und Grüße,
        FabianB

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Fabian,

          es gibt für diesen Grundhobel nur dieses eine Eisen und einen Adapter, mit dem man das Eisen des kleinen Grundhobels im großen verwenden kann. Bisher hat mich das aber nicht gestört, da ich im Veritas Grundhobel auch immer nur ein Eisen (das 12mm breite) verwendet habe. Ich habe allerdings noch einen kleinen Grundhobel mit einem 6,35mm Eisen.

          Die Eisen des Veritas passen nicht in den Lie Nielsen Grundhobel.

          Gruß

          Heiko

          • Ralf sagt:

            Hallo Heiko,

            da war der Fabian einen Tick schneller als ich mit dieser Frage. Ich entnehme Deinem Kommentar dass das Spitzeisen des Veritas keine Bereicherung darstellt. Richtig?

            Kann man das Eisen des LN nach hinten drehen?

            Gruß Ralf.

            • Heiko Rech sagt:

              Hallo Ralf,

              das spitze Eisen habe ich mal ausprobiert, mir hat sich der Sinn dahinter aber nict erschlossen. Das soll nicht heißen, dass es dafür keinen Anwendungsfall gibt. Mir ist nur bisher kein solcher Fall untergekommen.

              Das Eisen kann auch beim LN nach hinten gedreht werden.

              Gruß

              Heiko

  5. Uwe Kadner sagt:

    Hallo Heiko,

    eine hervorragende Dokumentation einer einfach herzustellenden Holzverbindung. Besonders die vielen Detailfotos sowie Deine Hinweise auf mögliche ‚Stolperfallen‘ finde ich sehr gut. Das ‚ertüchtigte‘ Foto der Sägehilfe mit den blauen und roten Linien ist sehr hilfreich.

    Danke & viele Grüße aus Hessen.

    Uwe

  6. Sigi sagt:

    Hallo Heiko,
    hab ich was verpasst bzw. was übersehen? Wollte soeben dieses ausführlichen und gut erklärten Artikel mit 5 Sternen bewerten? Ich dachte nämlich, dass du eine Bewertungsmöglichkeit eingeführt hast, finde aber keine.
    lg Sigi

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Sigi,
      leider hatte die Funktion einige unschöne Nebenwirkungen auf den RSS Feed. Daher musste ich sie wieder deaktivieren.

      Gruß

      Heiko

  7. Jochen sagt:

    Hallo Heiko,

    Sieht sehr gut aus. Passt bestimmt sehr gut zu dem kleinen Tisch.

    Eine Frage. Was genau meinst Du mit „auf der richtigen Seite des Anrisses zu sägen“. Soll man hier die Säge also nicht genau „auf“ dem Anriß ansetzten, sondern daneben, oder wie ist das zu verstehen?

    Danke und schöne Grüße
    Jochen

    PS: Benutzt man bei den asiatischen Stemmeisen einen Metallhammer?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jochen,
      mit „auf der richtigen Seite“ meine ich, dass man zum Abfall hin sägt. Tut man das nicht, hat die Verbindung seitliches Spiel und unschöne Fugen.

      Die Japaneisen werden in der Tat mit einem Metallhammer getrieben, was sehr gut funktioniert und sehr angenehm beim Stemmen ist.

      Gruß

      Heiko

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