Tipp: Perfekt passende Nuten fräsen

Passt perfekt

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Andi hat in seinem letzten Blogartikel von Problemen berichtet, mit einer an der Führungsschiene laufenden Oberfräse eine Nut für einen Zwischenboden zu fräsen. Dieser Artikel hier ist als Antwort oder besser als Kommentar auf seinen Artikel zu sehen. Ich beschreibe im Folgenden eine ganz simple Methode solche Nuten zu fräsen, die ohne Hightech auskommt und perfekte Ergebnisse liefert.

Da ich momentan kein Möbel baue, wo ich solch eine Konstruktion benötige, zeige ich die Vorgehensweise an einigen Reststücken aus Buche Leimholz.

Im ersten Schritt wird die Nutposition genau angezeichnet. Wenn in diesem Beispiel die Nut für einen eingesetzten Zwischenboden wäre, spielt es keine Rolle, ob Man die ober- oder Unterkante anzeichnet. Man muss im weiteren Verlauf einfach nur entsprechend berücksichtigen, was angezeichnet wurde.

Genau an die Linie spannt man nun ein Brett mit einer geraden und sauberen Schnittkante. Die Materialstärke des Brettes sollte mehr als 12mm betragen. Irgendwas findet sich da immer. In diesem Fall ist es ein Reststück 18mm Multiplex. Zum genauen Ausrichten kommt eine Universal- Feineinestellung zum Einsatz: Der Hammer. Mit dieser kann die Brettkante sehr genau an der Linie ausgerichtet werden. Stimmt alles, werden die zuvor nur leicht angezogenen Schraubzwingen ordentlich fest gezogen.

An die Brettkante stellt man nun das einzunutende Brett, zum Beispiel ein Mittelboden. Ein zweites Brett, ebenso dick, wie das erste wird an das aufrecht stehende Bodenbrett angelegt und ebenfalls mit Zwingen fixiert. Ist das aufrecht stehende Brett etwas krumm, drückt man es mit dem zweiten Brett gerade.

Nun wird gefräst. Der eigentliche Trick ist der verwendete Fräser. Man benötigt einen Bündigfräser mit obenliegendem Kugellager.  Mit diesem fährt man die Brettkanten ab und überträgt so die genauen Maße des Zwischenbodens auf die Seitenwand. die aufgespannten Bretter dienen gleichzeitig als Splitterschutz und sorgen für eine ausrissfreie Kante.

Die fertig gefräste, ausrissfreie Nut

Die fertig gefräste, ausrissfreie Nut

Ich habe inzwischen mehrere dieser Fräser und nutze sie sehr gerne auch für solche Dinge. Hat man keinen Fräser mit passender Länge, nimmt man dickere, oder dünnere Anschlagbretter und gleicht die Fräserlänge somit entsprechend aus.

Die Ergebnisse, die so erreicht werden sind so genau, dass man unbedingt die Einzelteile erst grob vorschleifen sollte, bevor man fräst. Ansonsten bekommt das eingenutete Brett wieder unnötig Luft.

Ich hoffe dieser Tipp war für viele Leser hilfreich, auch wenn er sich auf einen Beitrag von Andi bezieht.

Links:

Andis Blog
Andis Blogbeitrag mit der Problemfräsung

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17 Kommentare zu Tipp: Perfekt passende Nuten fräsen

  1. Henning sagt:

    Hallo Heiko,
    ich möchte gerne eine MFT Lochplatte in meine Arbeitsplatte auf meinem Werktisch einpassen. Ich hatte dabei an Deine beschriebene Methode zum Einnuten gedacht (funktioniert prima:)). Gibt es den Bündigfräser mit oberem Anlaufring auch stirnschneidend? Danke für Deine Hilfe! Hast übrigens dann einen weiteren Abonenten:)

    Henning

  2. Jochen sagt:

    Hallo Heiko,

    würdest Du einen eingenuteten Zwischenboden noch verleimen? Wäre eine solche Verbindung dann stabiler als wenn man einen Zwischenboden z.B. stumpf mit Lamellos verleimen würde, also ohne Nuten.

    Besten Dank und viele Grüße nach St. Wendel.

    Jochen

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jochen,

      verleimen muss man den Boden auf jeden Fall noch. Was die Stabilität angeht, so leitet ein eingenuteter boden die Last besser auf die Seitenwand ab, als ein stumpf verbundener Boden. Für schwere Belastungen wäre daher das Einnuten keine schlechte Wahl. Allerdings halten Dübel, Dominos und Lamellos auch schon eine ganze Menge aus.

      Gruß

      Heiko

  3. Felix sagt:

    Hallo Heiko,

    würde gerne deine Methode auch einmal probieren. Was für einen Fräser hast du verwendet? Gibt es auch Nutfräser bei denen man einfach einen Anlaufring nachrüsten kann?

    Danke und Gruß Felix

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Felix,

      Es handelt sich dabei um einen Fräser mit 16mm Durchmesser und 20mm Nutzlänge von Trend. Das Nachrüsten wird problematisch, da ja dann das Kugellager direkt auf der Fräserschneide aufliegen würde. Natürlich kann es sein, dass es Fräser gibt, bei denen man das machen kann, aber mir ist kein Hersteller bekannt, der sowas anbietet.

      Gruß

      Heiko

  4. Jörg Brey sagt:

    Hallo Herr Rech,
    habe mir schon sehr viel von Ihnen abgeschaut. Vielen dank für die guten Tips.
    Könnte noch einen Tip für die Oberflächenbehandlung von Multiplex-Möbeln gebrauchen. Eignet sich dafür auch diese Natural-Hartöl, welches Sie in dem Video benutzen?
    Freue mich auf Ihre Antwort

    Mit freundlichen Grüßen
    Jörg Brey

  5. Tom B sagt:

    Hallo in die Runde,
    neben den bereits genannten – im übrigen sehr guten und vor allem pragmatischen – Tips, würde ich gerne noch etwas anführen:

    Den Grundhobel

    Auch er lässt sich gut mit Hilfe einer Anschlagleiste führen. Klar, keine „elektrische“ Lösung; aber nicht weniger effektiv. Selbst eine 4 mm Nut lässt sich so herstellen – bei Dieter gibt es diverse Eisen mit unterschiedlichen Breiten. Auch mit 4 mm.

    Herzliche Grüße

    Tom

  6. Manfred sagt:

    Hallo Heiko,

    wieder mal der richtige Tip zur rechten Zeit. Ich stehe gerade vor dem gleichen Problem und hatte mit der Führungsschiene geliebäugelt…
    Mein Problem bleibt leider bestehen: Wollte 4mm Pappel in die Nut bringen, finde aber keinen so kleinen Bündigfräser mit Kugellager. Müsste ja schon ein Miniaturmodell sein…
    Frage an die Community: Was macht man da?

    Viele Grüße
    Manfred

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Manfred,

      4mm sind natürlich sehr dünn. Man könnte hier mit einem Kopierring arbeiten. Im Prinzip genau so, wie gezeigt, aber zum Brett noch ein Leiste dazu legen, die so dick ist, wie der Unterschied zwischen Kopierring und Fräser. Ich befürchte aber, dass du keinen Fräser findest, der dann noch lang genug sein wird. alternativ kannst du solche Nuten auch mit einer Tischkreissäge schneiden. Aber eben auch nur in zwei Schritten, da die meisten Sägen nur Blätter bis ca. 3mm aufnehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Schnitt mit der Tischkreissäge und dann den einzusetzenden Boden passend dazu abzublatten.

      Wie so oft gibt es immer mehrere Möglichkeiten an ein Problem heran zu gehen.

      Gruß

      Heiko

    • Karl Müller sagt:

      Hallo Manfred,
      Für den Fall, das du eine Flachdübelfräse besitzt, besteht die Möglichkeit Diese in der Frästiefe einzustellen und an einer Leiste entlang zuführen.
      Die Flachdübelfräse hat ein 4 mm (3,96mm) breites Sägelatt.

      Viele Grüße,
      Karl Müller

      • Heiko Rech sagt:

        Hallo Karl,

        das würde in der Tat funktionieren. Ich möchte deinen Vorschlag aber noch um drei Aspekte ergänzen:
        1. Man muss die Vorschubrichtung beachten, damit man in Gegenlauf fräst.
        2. Man kann die Fräse zwischen zwei aufgespannten Leisten führen, statt nur an einer Leiste entlang.
        3. Beim Fräsen quer zur Faser kann es zu massiven Ausrissen kommen. Ein Wendeplattenfräser mit Vorschneidern würde dies verhindern, der ist aber recht teuer.

        Gruß

        Heiko

      • Manfred sagt:

        Hallo Karl und Heiko,
        leider habe ich mich seinerzeit für die Dominos entschieden. Flachdübelfräse ist also keine vorrätig…
        Werde jetzt mal die Variante mit dem Führungsholz kombiniert mit der Oberfräse probieren.

        Mal sehen, ob’s klappt…

        Viele Grüße
        Manfred

  7. Fabian B. sagt:

    Hallo Heiko,

    äußerst hilfreich. Sehr simple Sache. Hätte man drauf kommen können. Wenn ich überlege, was ich schon alles für Hilfskonstruktionen gebaut habe, bei denen mir am Ende doch wieder was verwackelt ist…

    Super!

    Gruß,
    Fabian B.

  8. Andi sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für den Tipp. Wobei wir wieder beim Mittelfeld wären. Mit einer Perles hätte ich das auch hingekriegt 🙂
    Nicht die Marke oder das passende System meistert die Aufgabe, sondern Der, der davor steht. Übung und Erfahrung sind nur mit noch mehr Übung zu ersetzen. Da hilf auch kein EBQ.

    Den Bündigfräser mit obenliegendem Kugellager konnte ich bei Dir ja schon testen. Der Problemlöser in allen Lagen schlechthin.

    So ich muss jetzt kurz zu Sauter und und so einen Bündigfräser bestellen.

    Bis demnächst,

    Gruß Andi

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