Tisch- Prototyp (für einen neuen Kurs)

Beistelltisch_0130Das Thema Handwerkzeuge interessiert viele Holzwerker. Daher gibt es jetzt neben dem Kurs „Grundlagen Handwerkzeuge“ einen weiteren Kurs mit diesem Themenschwerpunkt. Es wurde aber kein reiner Handwerkzeugkurs. Ein paar Maschinen kommen zum Einsatz. Vor allem die Bandsäge hat ihren großen Auftritt.

Nun will ich an dieser Stelle aber nicht nur für den neuen Kurs werben, sondern auch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und was über den Tisch und den Bau des Prototypen erzählen.

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Mein Ziel war es einen Tisch zu entwerfen, der schlicht aber nicht langweilig ist. Der in zwei Tagen mit vorbereitetem Rohmaterial gebaut werden kann, aber dennoch ein paar Kniffe und Besonderheiten bietet. Wie bei den meisten meiner Projekte wurde die Idee erst einmal aus meinem Kopf in den Computer transferiert. Konkret bedeutet das dann: Zeichnen in SketchUp und LayOut. Heraus kam eine detaillierte Zeichnung inklusive 1:1 Schablone für die Zargen.

Die Zeichnung am Computer.

Die Zeichnung am Computer.

Die nächste Überlegung war: Aus welchem Holz soll der Tisch werden? Ich entschied mich für Yellow Poplar, da sich dieses Holz sehr gut maschinell und mit Handwerkzeugen bearbeiten lässt. Außerdem kann man es gut beizen oder lasieren. Leider bleibt die markante grüne Farbe nicht erhalten, sie wandelt sich in ein mittleres Braun.  Ich habe Material für mehrere Tische vorbereitet und das war auch gut so. Denn es erwies sich als schwieriger als gedacht die Verbindung zwischen Zarge und Tischfuß herzustellen. Da wollte ich etwas besonderes machen. Es entstand eine sehr komplexe Kombination aus Einzinker, Falz und Gehrung. Es brauchte einige Versuche, bis ich herausgefunden hatte, wie die Verbindung am besten hergestellt werden kann. Zum Glück eignet sich Yellow Poplar gut zum Anfeuern des Grills. Das Ergebnis kann sich aber wie ich finde durchaus sehen lassen.

Die 45° Gehrung an der Verbindung erlaubt das Anbringen beliebiger Profile. Wer es also nicht ganz so schlicht mag, kann durchaus ein paar Schnörkel unterbringen. Meiner Meinung nach macht aber gerade die Schlichtheit, die schlanken Beine und die abgeschrägte und somit dünn wirkende Platte diesen Tisch aus. Er wirkt leicht, fast schon grazil.  Und genau das wollte ich. Das ist glaube ich auch so ein Punkt, an dem viele Holzwerker unsicher sind: Wie stark müssen die Bauteile dimensioniert werden? Aus Unsicherheit wird dann oft dicker, stabiler und wuchtiger gebaut, als es notwendig ist. Das geht zu Lasten der Optik.

Die Eckverbindung ist auch ein gestalterisches Element.

Die Eckverbindung ist auch ein gestalterisches Element.

Für mich bedeutete der Bau des Prototypen auch einige Tage viel Handarbeit. Das habe ich in den vergangenen Monaten regelrecht vermisst. Denn meine letzten Projekte (drei Projekte von mir gibt es dieses Jahr noch in der HolzWerken zu sehen) waren doch sehr maschinenlastig. Dabei mag ich das Arbeiten ohne Strom eigentlich sehr. Es ist entspannend und man kann dabei Musik hören. Ich konnte auch ein paar neue Werkzeuge ausprobieren. Beispielsweise meine neuen Stemmeisen von MHG. Auch ein Fischtail-Eisen für Feinarbeiten habe ich inzwischen. Wie konnte ich bisher nur ohne ein solches Werkzeug auskommen? Bei dieser Gelegenheit habe ich mir auch meinen Stanley No. 62 noch einmal vorgenommen. Ich habe das Eisen gut einen Millimeter schmaler geschliffen. Nun hat es mehr Platz und kann passend zum schräg gefrästen Hobelbett eingestellt werden. So arbeitet dieser Hobel jetzt richtig gut.

Der Tisch zeigte mir auch sehr schön auf, wie angenehm die Arbeit mit einer Bandsäge sein kann.  Das Abschrägen der Tischfüße war damit ein Kinderspiel. Anschließend noch ein paar Hobelzüge und fertig. Das macht richtig Spaß. Die Bandsäge passt auch irgendwie besser zu einem solchen Handwerkzeug-Projekt als jede andere Maschine.

Richtig Spaß macht auch ein gut funktionierender Schabhobel. Für den Youtube-Kanal von HolzWerken habe ich zwei Videos zu diesem Thema gemacht. Darin sieht man Hobel von Dick und Veritas. Die beiden Dick-Schabhobel, die ich habe laufen relativ gut, kommen aber bei weitem nicht an den Veritas heran. Während die Dick-Hobel noch leicht rattern, zieht der Veritas ganz sauber seinen durchgehenden Span. Für mich bedeutet das, dass ich für den Kursbetrieb noch mindestens einen Veritas Schabhobel anschaffen werde. Es macht an dieser Stelle einfach keinen Sinn ein günstigeres Werkzeug zu nehmen, das nicht ganz zufriedenstellend funktioniert. Manchmal muss es dann eben doch das teurere sein.

Auch wenn ich an dieser Stelle nicht zu viel über die Details des Tisches verraten kann, so hoffe ich doch, dass ich Ihnen die eine oder andere Inspiration geben konnte. Also rann an den Handhobel  … Und machen Sie die Teile ihres neuen Möbels nicht dicker als notwendig. Holz ist schließlich ein sehr belastbarer Werkstoff.

Achso: Ein wenig Werbung für die Kurse muss aber doch sein. Die Kursbeschreibung mit noch mehr Fotos (Auch vom Bau des Tisches) finden Sie hier:
Beistelltisch mit viel Handarbeit

Die aktuellen Termine gibt es hier:
Kurskalender

Links:

 

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3 Kommentare zu Tisch- Prototyp (für einen neuen Kurs)

  1. Alexander Frey sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe vor einiger Zeit ebenfalls die Dictum Schabhobel bzw. Schweifhobel gekauft.
    Da diese Hobel eher zu den speziellen und damit etwas seltener genutzten gehören hat der Preis eine wichtige Rolle gespielt.
    Ich habe die Hinweise auf Deinen schönen Videos umgesetzt, vielen Dank dafür!
    Danach hatte ich ebenfalls noch mit Rattermarken zu kämpfen, auch bei feinster Spanabnahme. Wenn man nahe an die Endkontur kommt ist das schon sehr ärgerlich. Daher habe ich den Hobel weiter optimiert und 0,8mm Aluminiumblech zugeschnitten und unter das Eisen gelegt. Ähnlich wie die Kunststoffplättchen beim Veritas. Danach das Hobelmaul mit der Feile vorsichtig angepasst. Dabei das Eisen zur Kontrolle immer wieder eingelegt. Das Ziel ist ein gleichmäßig enges Hobelmaul.
    Jetzt läuft der Hobel sehr angenehm ohne Rattern. Etwas Wachs auf der Sohle macht das Arbeiten auch hier deutlich angenehmer. Mit etwas mehr Aufwand lässt sich das günstige Werkzeug also schon auf Veritas Niveau bringen. Wer den Aufwand nicht betreiben will ist mit Veritas sicher besser beraten.

    Übrigens finde ich es schön dass Du wieder Zeit hast Deinen Blog zu betreiben und freue mich über jeden neuen Beitrag!

    Gruß
    Alexander

    • Alexander Frey sagt:

      Noch ein Bild des Hobelmauls

      • Heiko Rech sagt:

        Hallo Alexander,

        beim Schabhobel von Veritas sind solche dünnen Unterlagen gleich mit dabei. Die Veritas Schabhobel werden auch im Kurs benutzt werden, da sie insgesamt einfach besser arbeiten als die von Dick. Bei der Arbeit mit dem Schabhobel ist auch einfach ein wenig Übung erforderlich. Aber du hast recht, vor allem das Ende und der Anfang sind recht schwierig. Hat man aber mal einen funktionierenden Schabhobel, an den man sich auch gewöhnt hat, ist das schon ein faszinierendes Werkzeug. Dann ist es auch egal, ob der von Veritas oder von Dick, oder sonstwem ist. Hauptsache das Ergebnis stimmt.

        Du scheinst ja mit deinem nun zufrieden zu sein und die Bilder sehen auch sehr gut aus. Vielen Dank für diesen kurzen Bericht und viel Spaß beim Schabhobeln.

        Gruß

        Heiko

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