Topfbänder montieren

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Topfbänder sind praktisch, da man sie nach der Montage noch in alle Richtungen nachjustieren kann. Von außen sieht man sie nicht und es gibt sie für alle erdenklichen Konstruktionen von Schranktüren. Viele Holzwerker tun sich aber schwer mit der Montage dieser Beschläge. In diesem Artikel zeige ich daher meine aktuelle Vorgehensweise beim Einbau von Topfbändern.

Ohne Hilfsmittel geht es nicht.

Ein Topfband besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Band und der Montageplatte. Für beide Teile werden Löcher benötigt. Für das Band wird zumindest ein Loch in der Schrankseite benötigt, für die Montageplatte werden in der Regel zwei Bohrungen in der Schrankseite gemacht. Pro Tür braucht man das alles mindestens zweimal.  Diese Bohrungen müssen alle zueinanderpassen. Da liegt nun die eigentliche Schwierigkeit bei der ganzen Sache. Wie eingangs geschrieben kann man zwar die Bänder noch in alle Richtungen verstellen, aber irgendwo ist da auch einfach Schluss. Also sollte man schon versuchen, das alles so genau wie möglich zu machen.  Unterschiedliche Hersteller bieten dafür mehr oder weniger komplexe Systeme an. Einige davon sind dann auch recht teuer.  Viele dieser Vorrichtungen kann man sich auch selbst bauen. Ich baue lieber Möbel als Schablonen, also verwende ich fast nur gekaufte Hilfsmittel, die aber preislich im Rahmen bleiben.

Mein Schablonensatz für Topfbänder

Mein Schablonensatz für Topfbänder

Ich beginne meist mit der Bohrung für die Topfbänder. Dazu verwende ich eine selbst gebaute, aber sehr einfache Schablone. Die benötigten 35mm Bohrungen werden dann mit der Oberfräse erstellt. Wie die Schablone gebaut wird, wie sie funktioniert und warum ich das genau so mache, habe ich in einem Artikel auf meinem Blog bei HolzWerken.net ausführlich beschrieben. Den Artikel finden Sie hier:

Topfbänder mal ganz anders fräsen – Holzwerken.net

Mit dieser einfachen Schablone kommen die 35mm Löcher in die Tür.

Mit dieser einfachen Schablone kommen die 35mm Löcher in die Tür.

Nachdem das Loch für das Band gebohrt wurde, müssen aber auch noch die gegenüberliegenden Bohrungen für die Montageplatte gemacht werden. Dazu nehme ich inzwischen die Bohrlehre von BLUM. Die genaue Bezeichnung lautet „Bohrlehre für Montageplatten“.

Bohrlehre für Montageplatten

Bohrlehre für Montageplatten

Beim ersten Blick auf diese Schablone dachte ich erst, dass da ein Entwickler einen gravierenden Fehlschuss gelandet hat, da nur eine Bohrhülse in der Lehre ist. Aber eigentlich ist das richtig clever gemacht. Man positioniert die Lehre anhand der Mittellinie der Scharnierposition und bohrt ein Loch. Dreht man die Lehre dann um, greift ein kleiner Stift in die erste Bohrung und man bohrt das zweite Loch. So ist sichergestellt, dass die beiden Bohrungen den genauen Abstand von 32 Millimetern haben. Gleichzeitig ist die Lehre auf diese Weise auch problemlos rechts und links verwendbar. Gebohrt wird mit einem handelsüblichen Bohrer. Ein Tiefenstopp in guter Qualität und ein passender Inbusschlüssel liegen bei. Der Bohrer gehört jedoch nicht zum Lieferumfang.

Damit man die Lehre nicht mit einer Zwinge befestigen muss, hat sie einen kleinen Dorn, der beim Bohren des ersten Loches ins Holz gedrückt wird. Beim zweiten Loch ist die Bohrlehre ja bereits durch den Stift fixiert, der im ersten Loch steckt. Das funktioniert außerordentlich gut.

Diese kleine Spitze reicht aus um die Schablone sicher zu halten

Diese kleine Spitze reicht aus um die Schablone sicher zu halten

Beim ersten Einsatz der Bohrlehre musste ich allerdings schon die Anschläge auf der Tischkreissäge etwas nachschneiden, da ich Türen in einem Falz angeschlagen habe. Die Lehre passte schlichtweg nicht in den Falz. Der Kunststoff ließ sich aber sehr gut abschneiden. Die Lehre wird durch das Nachschneiden in der Funktion nicht verändert.

So klappts jetzt auch im Falz

So klappts jetzt auch im Falz

Die Bohrlehre für Montageplatten passt im Übrigen nicht nur zu Topfbändern von BLUM. Die meisten Topfbänder oder besser gesagt, die Montageplatten der Topfbänder, werden mit einem Abstand von 37 Millimetern von der Kante und einem Bohrlochabstand von 32 Millimetern gebohrt.

Das Scharnier wird dann nur noch in die Tür geschraubt, die Montageplatte wird befestigt und die Tür kann eingehängt werden.

BLUM Inserta – Topfbänder ohne Schrauben

Bisher habe ich eher von Topfbändern zur werkzeuglosen Montage abgeraten, wenn ich danach gefragt wurde. Man muss dazu nämlich noch zusätzliche Bohrungen einbringen, die sehr genau sitzen müssen. Diese Bohrungen müssen in einem ganz bestimmten abstand zum 35-Millimeter- Loch des Topfbandes sitzen. Das ist nicht so einfach zu bewerkstelligen. Bisher kannte ich nur recht teure Bohrhilfen, mit denen man die drei benötigten Löcher in einem Arbeitsgang in die Tür einbringen kann. Dann bin ich aber auf eine sehr einfache und günstige Bohrlehre von BLUM gestoßen. Mit ihr können die BLUM INSERTA Scharniere problemlos verarbeitet werden.

INSERTA Bohrlehre

INSERTA Bohrlehre

Die Bohrlehre wird durch ein bereits vorhandenes 35-Millimeter-Loch positioniert. Ein keilförmiger Anschlag wird an die Kante der Schranktür herangeschoben und mittels Rändelschraube fixiert. Dieser Anschlag sorgt dafür, dass die beiden Bohrungen exakt parallel zur Türkante liegen. Das Scharnier dann später auch. Nun muss man nur noch mit einem Acht.Millimeter-Bohrer mit Tiefenstopp geführt von zwei Bohrhülsen bohren und fertig. Das Scharnier wird dann später nur noch aufgesteckt. Drückt man das Vorderteil des Scharnieres herunter, spreizen sich zwei Kunststoffdübel in die beiden Bohrungen und halten das Scharnier bombenfest im Holz. Genau so einfach wird das Scharnier auch wieder demontiert. Man greift mit einem flachen Schraubendreher unter die Druckplatte des Scharnieres und löst es wieder.

Die INSERTA- Lehre kann übrigens auch benutzt werden um Topfbänder, die einfach angeschraubt werden zu verarbeiten. Im Lieferumfang ist eine Reduzierhülse und ein Tiefenstopp mit deren Hilde man statt 8 Millimeter-Bohrungen auch welche mit nur 2,5 Millimeter machen kann. Man spart sich damit das Ausrichten des Scharnieres und das Bohren mit einem Zentrierbohrer. Theoretisch kann man mit dieser Lehre auch die beiden Bohrungen für die Montageplatte machen. Das geht aber bei Weitem nicht so bequem wie mit der weiter oben vorgestellten Bohrlehre.

Die Vorteile dieser Art Scharniermontage sind:

  • Es sind keine Schrauben sichtbar.
  • Sehr guter Halt des Scharniers auch bei schweren Schranktüren.
  • Schnelle Demontage.
  • Es sind keine Schrauben da die ausleiern oder überdrehen können.
Topfband und Montageplatte

Topfband und Montageplatte

Fertig!

Fertig!

Hinweis: Ich verwende inzwischen fast ausschließlich Topfbänder von BLUM. Daher kann ich nicht sagen, ob die INSERTA-Bohrlehre auch für Topfbänder anderer Hersteller benutzt werden kann. Bitte prüfen Sie das bei Bedarf selbst nach. Das genaue Bohrbild finden Sie hier:

Bestellinfo CLIP Top Blumotion bei Lignoshop.de (PDF-Datei)

Lochreihe ja oder nein?

In einem bereits älteren Artikel bei HolzWerken.net mit dem Titel „System 32, Segen oder Fluch“ habe ich bereits einiges zu den Vor- und Nachteilen von Lochreihen geschrieben. Meist verzichte ich also auf durchgehende Lochreihen. Aus optischen Gründen positioniere ich meist zuerst die Topfbänder in den Türen, ohne mich an das Lochraster halten zu müssen. Beispielsweise im gleichen Abstand von oben und unten von der Tür aus gesehen. Das macht dann eben die hier gezeigte Vorgehensweise mit der Bohrlehre für die Montageplatten notwendig.

Welche Bohrer soll man nehmen?

Zum Bohren verwende ich in diesen Bohrlehren nur HSS-G Bohrer ohne Zentrierspitze. Ich habe mir einige einzelne Bohrer besorgt und darauf die Tiefenstopper passend zu den jeweiligen Bohrlehren montiert. Diese Bohrer liegen nun immer bei den Lehren. So muss ich nicht erst alles montieren, wenn ich die Bohrlehren nutzen will. Das spart nicht nur Zeit, sondern hilft auch Fehler durch falsch sitzende Tiefenstopper zu vermeiden.

Lohnen sich die Bohrlehren?

Für mich lohnen sich die Bohrlehren auf jeden Fall. Ich komme damit schnell und einfach zu einem präzisen Ergebnis. Vor allem die Bohrlehre für Montageplatten ist wirklich toll und einfach zu bedienen. Im direkten Vergleich zur bekannten blauen Hettich Schablone (Siehe auch „Einfache Lösung für Lochreihen und Topfbänder“) ist die Lösung von BLUM um einiges eleganter und einfach zu handhaben. Die INSERTA- Schablone ist da schon etwas spezieller. Nicht für jeden Holzwerker werden die Vorteile der INSERTA-Scharniere die Anschaffung der Bohrlehre und den Mehrpreis der Scharniere rechtfertigen.

 

Links

Julius Blum GmbH

Bohrlehren bei Lignoshop – http://www.lignoshop.de/verarbeitungshilfen/

Preiswerte Lösung für Lochreihen und Topfbänder

Video: Möbelbau mit Topfbändern

Beschläge- Auswahl und Verarbeitung

System 32 – Segen oder Fluch

Videos von BLUM

Kurzes Video: Anwendung der Bohrlehre für Montageplatten

Kurzes Video: Anwendung INSERTA Bohrlehre

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3 Kommentare zu Topfbänder montieren

  1. Andre sagt:

    Hallo Heiko,
    vielen Dank für das tolle Tutorial. Wie immer klasse !
    Ich hätte nur einen Vorschlag, der Leuten wie mir die keine Berufsgrundlage im Bereich Holz haben helfen würde. Den ganzen Fachausdrücken einmal mit einer Liste zu leibe rücken. Alsz Holzlaie sieht man sich im Fachhandel nicht nach Topfbändern um, den und viele andere Ausdrücke die nicht so geläufig sind wird man mit Hilfe einer verlinkten Liste besser einsortieren können.

    Aber wie gesagt, nur ein Vorschlag. Ansonsten immer weiter so. 🙂

  2. Bernd sagt:

    Hallo Heiko,

    sehr interessanter Bericht. Könntest du bei Gelegenheit vielleicht noch ein paar Tipps zum einsetellen der Bänder geben?

    Danke

    Grüße Bernd

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