Echte Handarbeit

Echte Handarbeit

Echte Handarbeit

Handwerkzeuge, wie Handhobel und Handsägen gelten im Allgemeinen als veraltet. Man geht oft davon aus, die Arbeit damit ist mühsam und dauert lange. Besonders diejenigen, die mit dem Möbelbau als Hobby beginnen greifen daher lieber zu Maschinen. Eine Maschine verspricht schnellen Arbeitsfortschritt, Präzision und leichtes Arbeiten.

Wenn man sich die einschlägigen Onlineforen ansieht, könnte man denken, es gäbe zwei „Lager“ Die einen, die ausschließlich mit Handwerkzeugen arbeiten und die Anderen, die dies eher belächeln. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass viele „Handarbeiter“ nicht alles mit reiner Muskelkraft erledigen. In vielen nahezu stromlosen Werkstätten finden sich dann doch Bandsägen und/ oder Hobelmaschinen. Bei vielen eingeschworenen Maschinenfans steht dann aber doch irgendwo ein Handhobel im Schrank. Die Zahl derer, die wirklich vorurteilsfrei die Vorteile beider „Welten“ Nutzen sind jedoch scheinbar in der Minderheit.

In meiner Ausbildung zum Tischler habe ich nicht viel mit Handwerkzeugen gearbeitet. Der Umgang mit Handsägen, Handhobel und Stemmeisen wurde in der Lehrwerkstatt vermittelt, fand im beruflichen Alltag aber kaum Anwendung. Erst als ich nur noch für meinen eigenen Bedarf Möbel aus Massivholz baute, lernte ich die Vorzüge so mancher Handwerkzeuge kennen. Und ich lernte, dass „von Hand“ nicht immer mit „langsam“ und erst recht nicht mit „ungenau“ gleichzusetzen ist.

Man kann mit Handwerkzeugen, allen Voran dem Handhobel und der Handsäge, sehr wohl präzise und auch zügig arbeiten. Der Nachteil ist jedoch, dass der Einstieg nicht unbedingt einfach ist. Ein Handhobel und ein Stemmeisen muss geschärft werden, Hierzu sind weitere Werkzeuge notwendig. Das Sägen mit der Handsäge, das Arbeiten mit dem Putzhobel, das Stemmen von Schwalbenschwänzen, all das erfordert sehr viel Übung. Da erscheint es doch leichter zur Schleifmaschine oder zur Zinkenschablone zu greifen. Dies ist aber nur sehr oberflächlich gedacht. Denn hat man den Dreh erst einmal raus, geht vieles mit Handwerkzeugen schneller und einfacher als mit der Maschine. Mein Lieblingsbeispiel ist immer das Glätten schmaler Werkstücke oder Kanten. Mit einem Handhobel ist dies mit ein oder zwei Hobelstrichen erledigt. Wenn man eine vergleichbar glatte Fläche mit Schleifmaschinen erzeugen möchte, benötigt man in der Regel mehrere Schleifgänge mit unterschiedlichen Körnungen und läuft dabei Gefahr, die Kante zu verschleifen.

Ich habe lange Jahre kaum mit Handwerkzeugen gearbeitet. In meiner Werkstatt gab es die üblichen Werkzeuge wie Hämmer, Zangen und einen Satz Stemmeisen. Auch ein Hobel mit Wendemessern war vorhanden. Aber das meiste wurde immer mit Hilfe von Maschinen gemacht.

Irgendwann kaufte ich mir zu meinem vorhandenen Hobel mit Wechselklingen einen preisgünstigen Metallhobel, den ich herrichten musste, bevor ich damit arbeiten konnte. Weitere dieser Preisgünstigen Hobel folgten. Mit ihnen habe ich lange gearbeitet und war auch recht zufrieden. Nach und nach habe ich dann meinen Bestand an Handwerkzeugen aufgestockt und einige Werkzeuge durch hochwertigere ersetzt. Je mehr ich mich mit diesen Werkzeugen auseinandersetze, desto mehr Einsatzgebiete werden erschlossen. Mittlerweile habe ich häufig einen kleinen Grundhobel im Gebrauch. Bis vor einigen Monaten konnte ich mir hierfür kein Einsatzgebiet vorstellen. Ich finde immer mehr Gefallen am Arbeiten von Hand. Ich kombiniere sehr gerne Handarbeit und Maschinenarbeit.

Es gibt Menschen, die behaupten, dass ein Stück, das von Hand gearbeitet ist einen anderen Charakter hat, als ein Möbelstück, das mit Maschinen gefertigt wurde. Bis zu einem bestimmten Punkt stimme ich dem zu. Eine gehobelte Oberfläche hat eine andere Tiefenwirkung, als eine geschliffene. Auch eine nicht ganz perfekte Holzverbindung, der man die Handarbeit ansieht, wirkt anders, als eine perfekt gefräste Verbindung. Ich würde aber nicht behaupten, dass Handarbeit qualitativ hochwertiger ist, als Maschinenarbeit. Die Qualität ist eine andere. Werten würde ich dies nur ungern.

Auch die Behauptung, dass nur Handarbeit auch Handwerk ist, teile ich in keinster Weise. Handwerk ist weit mehr als die Beherrschung von Bewegungsabläufen und das Wissen um den Umgang mit Werkzeugen. Auch die Bedienung von Maschinen erfordert viel Wissen und auch Übung.

Einen guten Handwerker zeichnet aus, dass er das bestmögliche Werkzeug für die zu erfüllende Aufgabe wählt. Ob dies nun ein Handwerkzeug oder eine Maschine ist, sollte nicht das entscheidende Kriterium sein.

2 Kommentare zu Echte Handarbeit

  1. Jochem sagt:

    Mittlerweile würde ich einen anderen Ansatz wählen um sich dem Hobby Holzwerken zu nähern, als ich ihn tatsächlich vollzogen habe.

    Angefangen habe ich mit allen möglichen Maschinen und auch einige nette Ergebnisse erzielt. Richtig stolz bin ich aber auf die Projekte, die ich überwiegend mit Hand gefertigt habe, auch wenn sie z.T. sehr lange gedauert haben. Ich habe einfach einen tieferen Bezug zu den Werkstücken. Und nach und nach wird auch alles präziser.

    Heute würde ich eher erst meine handwerklichen Kenntnisse und Fertigkeiten vertiefen und erst dann Maschinen einsetzen.

    Für mich als Sportmuffel kommt noch der Aspekt der körperlichen Betätigung hinzu, die zudem einen willkommenen Ausgleich zur Büroarbeit bildet.

    Und Handwerkzeuge machen weniger Lärm und Dreck. Aber meine Bandsäge möchte ich nicht missen.

    Das hat aber Alles nichts mit besser oder schlechter zu tun, sondern nur damit auf welchen Weg man sich dem Thema nähert.

  2. Alex sagt:

    Für mich ich ein von Hand gearbeitetes Werkstück nicht unbedingt besser oder schöner anzuschauen. Es ist wertvoller, weil ich weiß, daß jemand viel Zeit, ein besonderes Können und Liebe zum Stück eingebracht hat. Allein dieses Wissen macht das Stück in meinen Augen zu etwas Besonderem. Ich habe Freude an einer unsichtbaren Verzinkung, zeigt es doch Liebe zum Handwerk.

    PS: Ich bin kein Tischler.

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