Ewige Baustellen

Baddecke

Baddecke

Wenn ich mich in meinem direkten Umfeld so umhöre, so hat nahezu jeder, der ein Haus gebaut oder gekauft hat, eine ewige Baustelle. Bei einem ist es die Flurdecke, bei dem Anderen ist es der Garten und bei einem Dritten ist es die Treppenrenovierung, die man schon lange vor sich hinschiebt. Oder noch schlimmer, bereits begonnen hat und einfach nicht fertig wird.

Bei mir war es die Decke des Badezimmers. Es sollte die einzige Holzdecke im ganzen Haus werden. Daher durfte es sich dabei auch nicht um irgendeine Paneele handeln, die lieblos an die Decke montiert wird. Nein, es sollte etwas besonderes werden. Also haben wir dies erst einmal nicht bei der restlichen Renovierung unseres gekauften Hauses mit gemacht, sondern erst einmal auf „später“ verschoben.

Es dauerte ca. 5 Jahre. Immer kam etwas dazwischen. Entweder fehlte die Zeit, oder es passte finanziell einfach nicht. Zwar habe ich zwischendurch einmal die Unterkonstruktion fertig gemacht, mit dem festen Vorsatz „Dann geht’s bald richtig los“, dann aber kam eine größere, ungeplante Anschaffung dazwischen. Mit der Zeit gewöhnt man sich auch an den Anblick einer Unterkonstruktion mit, wenn man gemütlich in der Badewanne liegt.

Aber irgendwann passte es dann. Es wurde Material geordert, und an einem Samstag im März erfolgte der Startschuss für die Montage der ersten Paneelbretter. An diesem Samstag habe ich dann die Hälfte Geschafft. Am darauf folgenden Samstag, dann den Rest inklusive Verleistung und Montage der Lampen. Nach so langer Zeit endlich fertig. Es war vollbracht und eine immer wieder verschobene Baustelle war fertig. Ein erhebender Moment für die ganze Familie.

Nun besteht natürlich die Gefahr, dass man eine weitere „ewige Baustelle“ eröffnet. schließlich ist die letzte ja abgeschlossen. Momentan habe ich die Befürchtung, dass das Sideboard, das ich gerade baue sich im ungünstigen Fall zu so einer Baustelle entwickeln könnte. Dummerweise musste ich einen Stopp beim Bau einlegen, weil der Sommer so früh da war. Nun werden in der kommenden Woche ca. 200 Laufende Meter Holz geliefert. Ein Zaun muss gebaut werden. Da bleibt natürlich keine Zeit zum Schubladen Zinken für ein Sideboard, das lediglich ein bereits vorhandenes Möbelstück ersetzen soll. Der Zaun ist wichtiger. Diese „ewigen Baustellen“ scheint man nicht ausrotten zu können.

Neben diesen „ewigen Baustellen“ gibt es aber noch Projekte, die mindestens genau so schlimm sind. Es handelt sich dabei um Dinge, die man mit Sicherheit irgendwann einmal machen oder bauen möchte. Ich weiß genau, irgendwann baue ich mal eine richtig gute Werk- oder Hobelbank. Irgendwann baue ich mal einen Zwingenwagen und irgendwann baue ich auch mal eine wirklich tolle Küche und einen neuen Kleiderschrank und ein Gartenhaus und ………….

So wird es auf jeden Fall nicht langweilig.

Das Schöne an solch langen oder aufgeschobenen Projekten ist aber, dass man sich (zumindest geht es mir so) immer wieder mit kleinen Projekten, die man dazwischen schiebt selbst motivieren kann. Denn es ist sehr erbauend, mal wieder etwas fertig zu bekommen. Also macht man klein Sachen, die man auf jeden Fall innerhalb kurzer Zeit fertig bekommt.

Wie ich anfangs schon schrieb, kenne ich viele Leute, denen es so geht. Und auch das motiviert. Man ist nicht der Einzige, dem es so ergeht.

Vielleicht haben Sie ja Lust und schreiben (info@heiko-rech.de) mir Ihre ewige Baustelle. Eventuell erlauben Sie mir ja auch, diese hier zu veröffentlichen (ich werde keine Namen nennen). Das würde allen gleichsam geplagten dann wiederum zeigen „ich bin nicht der Einzige“.

Lesermeinung

Marc Koch aus Luxemburg hat mir folgendes zu diesem Thema geschrieben:

Hallo Heiko,

Das ist die Art von Themen die mir besonders liegt. Ein bisschen Konkretes aber auch einiges philosophisches. Bei mir bahnt sich mit der Hausbar auch eine ewige Baustelle an. Eigentlich weis man oft von Anfang an was eine ewige Baustelle wird und was nicht. Oft sind es Projekte für die man nicht selber die Idee hatte, oder die man nicht ausreichend durchgeplant hat. Oder die eine langweilige Notwendigkeit darstellen oder die einen selbst eigentlich überfordern aber die man(n) aus welchen tiefen Gründen auch immer durchboxen möchte. Es gibt aber auch die Baustellen die von Natur aus nicht fertig gemacht werden können. Eine davon ist sicherlich unsere Werkstatt in der es immer etwas zu verbessern gibt und jeder Aufenthalt in derselben gibt uns immer wieder neue Ideen was hier und da verbessert werden könnte. Um die Werkstatt herum ist dann wie du schon gesagt hast die große Baustelle „Eigenheim“ aber die Projekte dafür entspringen eher der Phantasie unserer Frauen und werden aus besagten Gründen eben sehr oft „Ewige Baustellen“.

Beste Grüße … nicht ganz ohne Humor 😉

Marc aka TheWoodTinkerer

Marcs Blog finden Sie übrigens hier:http://thewoodtinkerer.blogspot.com/

3 Kommentare zu Ewige Baustellen

  1. Hermann sagt:

    Sehr geehrter Herr Rech,

    Zutiefst dankbar für Ihren tröstenden Beitrag über die ewigen Baustellen
    – entlastet er doch mein Gewissen dadurch, dass es Anderen auch nicht
    besser ergeht – möchte ich Ihnen gerne von einer meiner ewigen
    Baustellen erzählen. Sie ist zwar mittlerweile auch erledigt, das hat
    sich aber über fast 6 Jahre hingezogen…….

    Als wir unsere Außenterrasse – die Betonunterkonstruktion war fertig –
    endlich fliesen lassen wollten, meinte der Fliesenleger mit einem Blick
    zum Himmel, es sehe sehr nach Regen aus, da müsse man vorsichtig sein.
    Ich versprach ihm also eine Behelfskonstrution aus Dachlatten und einer
    entsprechenden Plane, so daß er ungestört und trocken arbeiten könne.
    Diese habe ich dann auch, damit er auch bloß auch kommt, recht schnell
    erstellt.

    Also Dachlatten ca. 5m lang rechtwinklig zur Hauswand im Abstand von 60
    Zentimetern über eine Breite von 7 Metern montiert und gegenüber mit
    Pfette und Ständern abgestützt und mit Plane belegt, sogar noch
    abgedichtet am Rand – vom Feinsten !!!

    Der Fliesenleger konnte arbeiten und wurde mit den ca. 40 qm auch zügig
    fertig…….

    Und jetzt beginnt das eigentliche Problem, bzw. die ewige Baustelle.
    Denn – es sollte ja nach Fertigstellung der Fliesen nun die „echte“
    Sparrenkonstruktion inclusive der Doppelstegplatten über die Terrasse.
    Sie ahnen es schon. Die Leimbinder für Sparren, Pfetten und Ständer
    waren da (und waren sogar schon farblich behandelt und abgelängt), aber
    irgendwie hat die „provisorische“ Terrassenüberdeckung es tatsächlich
    geschafft, 6 Jahre zu überleben. Mindestens zweimal habe ich sie sogar
    repariert, einmal eine neue Plane drüber gelegt usw.. Sie hat 6 Jahre
    lang jedem Sturm getrotzt und brauchte nur wenig Pflege…….

    Dann hatte meine Frau die Schnauze voll, ich sage es mal so
    hart……und es ging plötzlich ganz zügig. Innerhalb einer Woche sogar,
    inkl. der Platten und Abdichtung. Der Hausfriede war wieder hergestellt
    und eine weitere Story geboren, die man mit Freunden und Bekannten
    teilen kann, denn auch diese konnten reichlich ewige Baustellen beitragen.

    Übrigens: Das Kabel für die Beleuchtung am Kellerabgang hängt jetzt seit
    20 (!!!) Jahren unten aus der Wand (Hauskauf 1997) über der Kellertüre,
    es muß nur mal die Lampe angebracht werden. Die liegt ebensolange im
    Keller. Mal sehen, ob ich das nächsten Sommer schaffe, es ist aber auch
    so hell genug…….

    Herzlichen Dank für Ihre tolle Seite, die mir hilft, meine gelernten
    Kenntnisse als nicht im Beruf arbeitender Schreiner hin und wieder mal
    aufzufrischen, eine Schwalbenzinkung hatte ich schon ewig nicht mehr
    angerissen.

    Bis „demnächst“! und mit leidensgenossenschaftlichen Grüßen,

    Hermann

  2. Chris sagt:

    Vor zehn Jahren wollte ich meiner Freundin eine Holzbox bauen um den „Gelben Sack“ schön ordentlich vor dem Haus deponieren zu können.
    Dazu kaufte ich mir eine Oberfräse und eine Handkreissäge.
    Oberfräse ohne Fränkisch ist irgendwie blöd dachte ich, also musste ein Bohr/Säg/Frästisch her. Konnte ich aber nicht bauen, da ich keine Werkbank besitze. Also dachte ich es muss jetzt erst mal eine Werkbank her…. Werkbank bauen ohne eine Werkbank zu besitzen ist auch etwas problematisch.
    Also dachte ich: Erstmal kleine Brötchen backen und Stemmeisen und Handhobel besorgen um erst einmal Grundlagen zu lernen. Neben oben besagter Box schwirren noch zehn weitere Projekte bei mir im Kopf rum…. Also im Sommer geht es jetzt erst einmal nach Saarbrücken um mit dem Handwerkzeug klarzukommen 😉

  3. Stefan , aus Köln sagt:

    Hallo Heiko,

    endlich mal jemand, der mir aus der Seele spricht. Und ja, ich habe auch Kollegen, mit denen ich mein gemeinsames „Fußleistenproblem“ teile. Meine sind erst ein Jahr nicht angebracht, meine Kollegen bringen es schon zusammen auf ein Jahrzehnt.

    Desweiteren gibt es noch etliche Projekte, wo ich irgendwann mal zu meiner Frau sagte: Ja, das könnt‘ ich mal bauen. Mittlerweile sind zu dem Couchtisch und dem TV-Tisch noch unzählige Dinge hinzu gekommen, die ich auf Anhieb garnicht alle zusammen bekomme 😉 Und bei jeder neuen Idee (zB. ein Adirondack Chair aus einer der letzten Ausgaben Holzwerken) holt mich dann meine Frau zurück auf den Teppich: „Schatz, bau erstmal den Couchtisch den Du mir versprochen hast, von den Fußleisten ganz zu schweigen“.
    Aber auch ich halte mich mit Klein(st)arbeiten bei Laune, und so wird alles irgendwann einmal fertig.

    Schöne Grüße, auch mit Humor…

    Stefan

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