Planung ist alles

Planung mit CAD - QCAD

Planung mit CAD

Wenn man ein neues Projekt startet, macht man sich in der Regel Gedanken darüber, welche Materialien eingesetzt werden sollen, welche Beschläge und Werkzeuge benötigt werden und natürlich, wie das neue Möbelstück denn genau aussehen soll.

Seit CAD Programme kostenlos oder sehr preisgünstig angeboten werden, greifen viele Holzwerker auch auf diese Möglichkeit zurück und planen ein zu fertigendes Möbelstück erst einmal komplett am PC. Wenn man dies in 3D macht, bekommt man auch als Laie einen sehr guten Eindruck von den Proportionen und der Gesamtwirkung des Möbelstückes. Anhand der Zeichnung kann man dann auch alle Maße ermitteln, Stücklisten schreiben und sich die Arbeitsgänge in ihrer Reihenfolge notieren und planen. In der Regel gehe ich weitestgehend auch so vor. Nicht immer bis ins kleinste Detail alles geplant, aber doch sehr strukturiert, mit Zeichnung, Stückliste und Einkaufsliste.

Oder aber man hat eine Idee und fängt einfach mal an. So ähnlich ging es mir beim Meranti Sideboard. Das Design stand weitestgehend fest, da das Möbelstück zu diesem Bücherregal passen sollte. Die Vorplanung beschränkte sich erst einmal darauf, dass ich am Computer eine Skizze anfertigte, die lediglich die Vorderansicht des Möbelstückes zeigte. Diese Skizze habe ich bemaßt und ausgedruckt. Dies waren erst einmal meine gesamten Arbeitsunterlagen.

Also Holz gekauft und mit dem Zuschnitt begonnen. Die meisten Maße, Rahmenquerschnitt, Stärke der Füllungen und Maße der Holzverbindungen konnte ich vom Bücherregal übernehmen. Sogar einen Teil der Schablonen konnte ich verwenden. Die erste Änderung gegenüber der angefertigten Skizze war die Breite des Sideboards. Ich habe es ca. 20cm breiter gemacht als geplant. Da lediglich das Holz für die Seiten und Mittelwände zugeschnitten war, stellte dies erst einmal kein Problem dar. Nachdem der Korpus im Rohbau fertig war, begann ich mit der oberen Platte. Die Konstruktion ist mehr oder weniger beim Bau entwickelt worden. Ich habe gegenüber dem Bücherregal einige Dinge anders gemacht. Die Unterkonstruktion mit Gratleisten ergab sich dabei von alleine.

Derzeit steht der Korpus inklusive Schubladen, aber ohne Schubladendoppel im Wohnzimmer. Die Maße der Fronten ergeben sich von alleine. Die Position der Einlegeböden steht allerdings noch nicht fest. Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan bekommt das Möbel keine Tür, die Schubladen sind nicht gezinkt und die Führung der Schubladen ist nicht aus Holz. Wenn man ein Möbelstück auf diese Art baut, hat das einige Vorteile. Es macht aber auch Viele Dinge schwieriger. Die Arbeitsgänge können nicht so genau geplant werden, viele Arbeiten, wie zum Beispiel der Zuschnitt müssen mehrmals gemacht werden. Man muss ständig messen, prüfen und überlegen. Zum Glück gab es beim Sideboard keine größeren Probleme und Fehler.

Für jemanden mit wenig Erfahrung wäre dies keine gute Vorgehensweise, da sie es notwendig macht, dass man ein komplettes Möbelstück „im Kopf“ planen muss. Aber auch für mich ist eine solche Vorgehensweise eine Ausnahme. Bei den Schubladen für das Sideboard habe ich daher auch wieder ein recht genaue Skizze angefertigt, die Maße genau herausgeschrieben und mir die Montageanleitung des Beschlages mit den erforderlichen Maßen ausgedruckt.

Wenn man gute Vorarbeit leistet, kostet dies erst einmal Zeit, in der kein Stück Holz bearbeitet wird. Aber wenn die Vorarbeit gut gemacht ist, geht der eigentliche Bau viel schneller, reibungsloser, stressfreier und macht meist auch mehr Spaß. Es ist auch ein Erfolgserlebnis, wenn die Planung stimmte und sich in einem perfekt passenden Bauteil oder am Ende in einem gut gebauten Möbelstück widerspiegelt.

Die Planung für die kommenden Projekte ist zum Teil schon abgeschlossen. Für einen Einbauschrank sind die Zeichnungen fertig, die Stückliste geschrieben und es gibt eine Liste, was genau bei welchem Lieferanten bestellt werden muss. Die Tore für den Gartenzaun sind auch gezeichnet, so dass ich einfach nur nach Zeichnung arbeiten muss und am Ende die Tore einfach lediglich noch angeschraubt werden müssen.

Zu einer guten Planung gehört für mich auch die Abstimmung von Projekt und vorhandenem Werkzeug. Beim Kauf von Werkzeug und Material, überlege ich oft, was denn beim letzten Projekt Schwierigkeiten bereitete und ob ich dies beim nächsten Projekt mit anderem/ besserem Werkzeug, Zubehör oder anderem Material vermeiden kann. Oft sind es dann auch nur Kleinigkeiten, welche die Arbeit erleichtern, oder Arbeitsergebnisse verbessern. Ich versuche auch, das vorhandene Werkzeug und dessen Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen und stimme Holzdimensionen und Verbindungen darauf ab. So werden beispielsweise Dimensionen von Holzteilen an die größtmöglichen Bearbeitungsmaße von Tischkreissäge und Hobelmaschine angepasst.

Schwierig zu planen sind meist die zeitlichen Abläufe. Wenn viel verleimt wird, muss ich schon mal spät am Abend ein zweites Mal verleimen, um am darauf folgenden Tag wieder weiter arbeiten zu können. Probleme macht auch der nur knapp vorhandene Platz in der Werkstatt. Auch hier muss ich genau planen und ein Projekt wird meist in mehreren Teilabschnitten gefertigt. Der Gartenzaun ist ein gutes Beispiel hierzu. Es wurden zuerst alle Pfosten gefertigt, dann die Querlatten und Bretter. Dann erfolgte der Aufbau des ersten Zaunabschnittes. Erst dann war in der Werkstatt wieder Platz um weiter arbeiten zu können und überhaupt mit dem Bau der Tore zu beginnen.

Obwohl es durchaus seinen Reiz hat, einfach drauf los zu bauen, bevorzuge ich doch die Arbeit anhand einer guten Vorplanung. Es macht die Arbeit einfacher. Ich würde gerade Einsteigern, die ihre ersten Projekte realisieren wollen daher auch dazu raten, genau zu planen, oder erst einmal einen fertigen Bauplan in die Tat umzusetzen. Ein sehr gutes Werkzeug zur Planung ist ein CAD Programm. Allerdings muss man auch dies erst einmal lernen. Papier und Bleistift sind meist auch vollkommen ausreichend um ein Möbelstück oder ein anderes Projekt zu planen. Beim Einsatz von Beschlägen, sollte man sich die Montageanleitung des Herstellers genau ansehen. Oft bieten die Beschlaghersteller auch Bohrbilder mit Bemaßung an, nach denen man arbeiten sollte.

Gut geplant ist halb gebaut!

5 Kommentare zu Planung ist alles

  1. Dennis sagt:

    Hallo Heiko,

    toller blog für jemanden wie mich, der mit Handwerk nichts am Hut hat (akademiker) und gerne einsteigen will in die Welt des Erschaffens und Herstellens.

    Ich möchte gerne wissen, ob du für den Zuschnitt auch eine spezielle Software nutzt, die dir die optimalen Positionen ausrechnet oder das nur softwaregestützt (manuelles hin und herschieben der Teile auf dem PC) oder ganz händisch machst.
    Wenn du eine Software dafür nutzt, welche denn ?

  2. Sebastian sagt:

    Hallo Heiko,

    hast du für absolute Beginner wie mich eine kostenfreie/kostengünstige CAD-Software-Empfehlung?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Sebastian,

      ein einfach zu erlernendes Programm wäre Sketchup. Für den 2D Bereich mit mehr funktionen fürs Konstruieren kann ich dir Draftsight empfehlen. Momentan schaue ich mir noch das Programm „Creo Elements“ an, das auch sehr vielversprechend aussieht, aber eher nicht für Einsteiger geeignet ist.

      Gruß

      Heiko

Kommentare sind geschlossen.