Schönes Werkzeug

 

Ansichtssache - Schöne Werkzeuge

Schönes Werkzeug

Muss gutes Werkzeug auch schön sein? Eigentlich ja nicht, aber was spricht denn dagegen, dass gutes Werkzeug auch gut aussieht? Ich arbeite auch viel mit Handwerkzeugen. Und besonders da lege ich in Zwischenzeit auch mehr Wert auf Werkzeug, das nicht nur seine Aufgaben gut erfüllt, sondern auch eine ansprechende Optik hat.

Mittlerweile wird ein großer Teil der Handwerkzeuge, wie Hobel, Handsägen und Stemmeisen an Hobbyanwender verkauft und nur noch wenig an professionelle Anwender. Besonders hochpreisige Werkzeuge finden immer mehr Absatz bei Privatkunden. Und besonders bei Privatkunden spielen doch die emotionalen Faktoren beim Werkzeugkauf eine größere Rolle, als beim Profi,. der viel stärker auf Kosten und Nutzen achten muss.
Umso unverständlicher ist es mir, warum besonders deutsche und europäische Traditionshersteller teilweise so wenig Wert auf Optik und Präsentation legen. Ich sah auf einer Hausmesse teure Holzhobel, in Blisterverpackung, oder auf Pappgrund mit Folie überzogen. Im Gegensatz hierzu wirkt auf mich ein einfacher brauner Pappkarton mit aufgeklebtem Etikett und einem in Schutzpapier eingewickelten Werkzeug viel Hochwertiger. Vielleicht hat es damit zu tun, dass eine solche Verpackung mehr den Eindruck einer Verpackung von Hand vermittelt, als Klarsichtfolie. Ein weiterer Punkt, über den ich mich in letzter Zeit oft ärgere ist die Verarbeitungsqualität von hölzernen Werkzeuggriffen. Die Griffe an meinen kurzen Stemmeisen habe ich alle nachgeschliffen und ordentlich geölt. Im Lieferzustand waren sie rau und nur unmerklich geölt. Ebenso die Griffe an einem Metallhobel aus deutscher Produktion oder der Griff eines Anreißmessers eines schweizer Herstellers. Alle diese Werkzeuge funktionierten natürlich und erfüllen auch ohne Nacharbeit ihren Zweck. Dennoch frage ich mich, warum gerade europäische Hersteller es nicht schaffen, Produkte zu fertigen, bei denen man die Liebe zum Detail erkennen kann. Wenn man sich Produkte von Herstellern wie Lee Valley (Veritas) oder Lie Nielsen ansieht, oder auch Werkzeuge englischer Traditionshersteller wie Clifton, stellt man genau diese Liebe zum Detail fest.

Mir geht es in Zwischenzeit so, dass mir eine Arbeit mehr Spaß macht, wenn die benutzten Werkzeuge nicht nur gut-, sondern auch schön sind. Bei Neuanschaffungen ertappe ich mich auch immer öfter dabei, neben den Gebrauchseigenschaften auch auf die Optik zu achten. Wenn man ich mir im Internet Bilder von Hobbywerkstätten ansehe, bestätigt mich das in meiner Meinung, dass ich mit dieser Einstellung nicht alleine bin. Ich kann mir gut Vorstellen, dass spezielle Werkzeugserien, bei denen mehr Wert auf die Optik gelegt wird, bei Privatkunden durchaus Absatz finden würden. Dieser Markt wird derzeit nahezu komplett von amerikanischen und englischen Firmen, teilweise auch von Herstellern aus Asien abgedeckt.

Aber nicht nur Handwerkzeuge können gut aussehen, nein auch bei Elektrowerkzeugen gibt es Hersteller, die erkannt haben, dass es nicht nur auf die inneren Werte ankommt. Besonders bei den verwendeten Kunststoffen und der Oberflächenbeschaffenheit von Bauteilen gibt es inzwischen einige Hersteller, die es verstanden haben ihren Maschinen eine hochwertige Optik zu verleihen. Ein Kunststoff mit einer seidenmatten, glatten Oberfläche wirkt hochwertiger, als glatter und glänzender Kunststoff. Alu- oder Magnesium- Druckgussteile wirken lackiert wesentlich hochwertiger, als roh, auch wenn das für die eigentliche Funktion keine Auswirkungen hat. Der Privatkunde, der mitunter lange auf eine Maschine gespart hat, kauft nicht nur aufgrund rationaler Gründe, sondern lässt sich auch von Emotionen bei der Kaufentscheidung beeinflussen. Meiner Meinung nach unterschätzen noch viele Hersteller das Marktpotential, das sich bei Privatkunden mit hohem Qualitätsanspruch findet.

6 Kommentare zu Schönes Werkzeug

  1. Christoph sagt:

    Hallo Heiko (und die anderen),
    hab den Artikel grad erst gelesen. Ich bin einer dieser „Hobby-Tischler“ und für mich spielt das Aussehen eine sehr wichtige Rolle. Man will ja auch schöne Möbel bauen! Für mich hat vieles hat mit Ästhetik zu tun, ich liebe meine alten Maschinen aus den 40ern, die Technik ist für mich Wahnsinn und die Wertigkeit unerreicht, meine Dickte wiegt zwar knapp ne Tonne, kann aber (mit neuer Welle) beim Ergebnis mithalten. Und das Aussehen ist Zeitlos. Klar man muss sie pflegen, aber das macht sie für mich noch reizvoller.

  2. Holz Wurm sagt:

    Moin moin…
    Leider musste auch ich in den letzten Jahren genau das feststellen, was Barbara schon sagte:“In der heutigen erwerbsfixierten Welt zählt nur noch, schnell Geld zu produzieren, in wenig Zeit mit wenig Aufwand. Das Produkt selbst spielt keine Rolle mehr.“
    Viele Werkzeuge, aber auch Küchengeräte, Hifi und EDV-Produkte werden immer teurer aber die Qualität nimmt rapide ab. Und das auch bei namhaften Markenherstellern !!!
    Optik ist eine schöne Sache, auch ich arbeite lieber mit Werkzeugen die nicht aussehen als wären sie aus der Altplastiksammlung der Oma. Anderseits würde ich mir aber vorrangig Werkzeuge(Geräte) wünschen, die nicht selber noch nach gearbeitet werden müssen oder gar ,trotz hohen Preis, mangelhafte Qualität bieten.
    Was nützt das schönste teure Auto, wenn es nach 150Metern wegen Mängeln liegen bleibt….
    Der Holz Wurm

  3. Tom sagt:

    Es ist wie mit dem Autofafahren. Man kann mit einer ollen Karre auch von A nach B kommen, aber mit ’nem schichen Sportwagen macht es einfach mehr Laune 😉

  4. Thomas sagt:

    Lange Zeit war für mich Werkzeug auch nur Mittel zum Zweck. Mittlerweile versuche ich auch nur noch hochwertige Werkzeuge zu kaufen und freue mich damit arbeiten zu können. Wenn die Ästetik und Haptik der verwendeten Materialien zum Werkzeug (gute Qualität vorraus gesetzt!) passen, macht es wirklich noch mehr Spass damit zu arbeiten.
    Obwohl ich nicht gerne Trends folge, hoffe ich doch, dass viele deutsche Werkzeughersteller einmal mehr über den Tellerrand schauen würden.
    Gebrauchswert, Qualität und hochwertige Optik schliessen sich ja nicht aus.
    Vielleicht bemerken doch noch einige die veränderte Marktsituation, bevor sie Insolvenz anmelden müssen. Insbesondere, da die Welt dank des Internets immer kleiner wird.

  5. Barbara sagt:

    Die Liebe zu einer Sache drückt sich in Zeit und Sorgfalt bei der Produktion aus und bringt somit Qualität hervor. In der heutigen erwerbsfixierten Welt zählt nur noch, schnell Geld zu produzieren, in wenig Zeit mit wenig Aufwand. Das Produkt selbst spielt keine Rolle mehr. Da haben weder Liebe zum Detail noch Schönheit Platz. In der „Hobby“werkstatt wird aber die Herstellung wieder zum Selbstzweck, der Mensch darf hier frei über seine Zeit verfügen. Bezahlen aber könnte man das als Kunde gar nicht mehr!
    Zur Optik kann ich als Frau sagen, dass sowohl Werkzeuge als auch z.B. Computer erst dann für uns interessant werden, wenn sie auch optisch ansprechend sind. Ein „lichtgrauer“ PC oder ein schmuddeliger, abgeschrabbelter Plastik-Werkzeuggriff verleiten einfach nicht dazu, sofort zuzugreifen und loszulegen. Und schon gar nicht zum Aufräumen und Werkzeugschrank bauen! 😉 Aber es dauert halt, bis die Deutschen dahinter kommen bzw. es zugeben. Nicht ernsthaft genug, das Verlangen nach Schönheit am Arbeitsplatz, schätze ich.

  6. Interessanter Gedanke! Ob der Maschinen- und Werkzeughändler das bestätigen kann? Mir fällt jedenfalls parallel dazu auf, dass schöne und handwerklich anspruchsvolle Möbel vermehrt nur noch von Hobbyschreinern gebaut werden. Überhaupt sind die Möglichkeiten die dem motivierten Amateur geboten werden sehr weitgehend in diesem, von einem traditionellen Beruf abgeleiteten Hobby. Überspitzt ausgedrückt zerstört die Industrialisierung das bestehende Berufsbild und das Handwerk überlebt in den Hobbywerkstätten. Verkehrte Welt!

Kommentare sind geschlossen.