Sicher ist sicher

Gehrungen schneiden

Gehrungen schneiden

Neulich erreichte mich eine E-Mail von Olli mit der Frage, wie ich denn nun genau den auf dem nebenstehenden Bild gezeigten Gehrungsschnitt ausgeführt habe, da man ja in dieser Konstellation kaum einen Schiebestock benutzen kann. Ich war in meiner Antwort ehrlich und gab zu, dass ich die Schutzhaube in einem solchen Fall nur für Fotos montiere, die ins Internet sollen. Dieser Fall ist auch für mich eine absolute Ausnahme und ich werde wohl ein anderes Foto für den Artikel machen müssen.

Die Mail von Olli hat mich aber ein wenig zum Nachdenken gebracht. Ich wollte erst ein Foto ohne Schutzhaube für diesen Artikel machen, aber mit Schiebestock. So arbeite ich auch in der Praxis. Mit montierter Schutzhaube ist der Schiebestock bei einem solchen Schnitt nicht wirklich gut benutzbar. Dieses Beispiel zeigt, dass das Thema Sicherheit nicht immer ganz einfach und eindeutig ist.

Ich bin gelernter Tischlermeister und habe in meiner aktiven Zeit in diesem Beruf auch Lehrlinge und ungelernte Hilfsarbeiter an Maschinen angeleitet. Immer wieder habe ich die Reihenfolge „Erst die Sicherheit, dann die Genauigkeit und erst dann zügiges Arbeiten“ gepredigt. Ich selbst versuche auch immer so sicher wie möglich zu arbeiten. aber gelingt das immer? Ich denke keiner kann von sich behaupten im Bezug auf sicheres Arbeiten immer alles richtig zu machen. Ich schließe mich hier nicht aus. Bestimmt gibt es auch auf dieser Internetseite Beispiele dafür, wenn man genauer hinsieht. Alles in allem denke ich jedoch, dass das meiste was ich zeige nicht bedenklich ist. Wenn doch, bin ich für entsprechende Hinweise und Vorschläge, wie es besser geht immer dankbar.

Bisher hatte ich keinen wirklich erwähnenswerten Arbeitsunfall und auch keinen in meiner Kellerwerkstatt. Im Tischlerhandwerk ist es auch so, dass durch immer bessere Ausbildung und immer bessere Maschinen die Tischler heute in der Regel noch über zehn gesunde und vollständige Finger verfügen. Wenn ich mir jedoch so manchen Beitrag von Holzwerkern in Onlineforen ansehe, komme ich schon ins Grübeln. Da gibt es Menschen, die ohne Ausbildung und Grundwissen an Holzbearbeitungsmaschinen arbeiten und teilweise sehr fragwürdige Vorgehensweisen beschreiben. Leider ist es auch so, dass immer mehr Händler große und kleine Maschinen an Laien verkaufen ohne diesen eine entsprechende Schulung an der Maschine anbieten zu können. Dabei würden viele Käufer entsprechende Angebote gerne in Anspruch nehmen.

Wenn man sich einmal auf amerikanischen Internetseiten umsieht, trifft man immer wieder auf Hinweise, wie gefährlich Holzbearbeitung sein kann. Einer der bekanntesten Holzwerker in den USA leitet seine Videos immer mit dem Hinweis auf die Verwendung von Schutzbrille und Gehörschutz ein und man solle doch tunlichst die Gebrauchsanweisung der Maschinen beachten. Dann wirft er die Tischkreissäge ohne Spaltkeil an. Ich ziehe an der Tischkreissäge in der Regel keine Schutzbrille an, käme aber nicht auf die Idee ohne Spaltkeil zu arbeiten. Zugegeben, Spaltkeile sind in den USA nicht weit verbreitet. Das Beispiel zeigt aber, dass Sicherheit ein sehr dehnbarer Begriff ist. Es zeigt auch, dass das Thema Sicherheit nicht in Einzelheiten zerlegbar ist, sondern als komplexes Ganzes angesehen werden muss.

In Deutschland sind die Berufsgenossenschaften für die Arbeitssicherheit in Gewerbebetrieben zuständig und sie stellen klare Regeln auf, an die sich die Betriebe halten müssen. Jeder, der in seiner Freizeit mit Maschinen arbeitet sollte sich zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten ebenfalls an diese Vorgaben halten. In Zeiten des Internet sind entsprechende Informationen auch frei verfügbar. Sicher, einiges, was die Berufsgenossenschaften vorschreiben klingt übertrieben. Aber hier sollte man erst einmal genauer hinsehen und sich die frage stellen, warum denn eine solche Vorschrift erlassen wurde. Denn meist werden Vorschriften dann verschärft, wenn es die Praxis erforderte, also viele Unfälle passiert sind.

Sicheres Arbeiten bedeutet meist auch genaues Arbeiten. denn viele Ratschläge im Bezug auf die Arbeitssicherheit zielen darauf ab, dass das Werkstück sicher geführt wird. In der Regel ohne dass die Finger des Maschinenbedieners dem Werkzeug zu nahe kommen. Diese Sichere Führung ist es aber, die auch der Genauigkeit zuträglich ist. Vom sicheren arbeiten profitieren Sie also gleich mehrfach.

Ich denke ich habe mit dieser Internetseite auch ein wenig Verantwortung. Schließlich wird es doch hier und da Menschen geben, die das was ich zeige auch nachmachen. Wie ich eingangs schon schrieb, bin ich bemüht, in meinen Anleitungen nur Dinge zu zeigen, die man gefahrlos nachmachen kann. Dennoch ist vieles was ich zeige nicht für den absoluten Laien gedacht. Denn die Arbeit mit Maschinen ist nun einmal gefährlich. Ich kann nur jedem Einsteiger empfehlen sich sachkundig zu machen. Am besten ist ein richtiger Maschinenlehrgang. Leider sind solche Angebote selten. In Zeiten des Internet und der Onlineforen, besteht aber auch die Möglichkeit dort nachzufragen. Mit Sicherheit findet sich in der näheren Umgebung jemand, der sich bereit erklärt einem Neuling den Umgang mit Maschinen zu zeigen.

Ich habe mich mal ein wenig im Internet umgesehen und sehr wenig zum Thema Sicherheit an Holzbearbeitungsmaschinen gefunden. Sicher, es gibt die Seiten der Berufsgenossenschaft, die sich aber meist auf stationäre Maschinen und deren Handhabung beziehen. Diese Seiten richten sich auch nicht unbedingt an Neulinge, denen die Gefahren, welche von rotierenden Werkzeugen ausgehen nicht immer bewusst sind. Ich werde daher in den kommenden Wochen versuchen eine Artikelreihe zu schrieben, die sich dem Thema Sicherheit widmet. vermutlich wird diese ergänzt durch einige Videos. Ich möchte dabei besonders Augenmerk auf die Belange der Hobbyanwender legen. Ich hoffe es gelingt mir dieses Thema gut und verständlich rüber zu bringen. Natürlich beschränkt sich dies auf Maschinen und Werkzeuge, die ich selbst einsetze. Aber das meiste lässt sich aber problemlos auf andere, auch größere Maschinen übertragen.

2 Kommentare zu Sicher ist sicher

  1. Alex sagt:

    Ich habe lange Zeit mein Geld mit Arbeitssicherheit verdient und möchte diesem sehr wichtigen Thema eines voranstellen, das Heiko schon angedeutet hat.
    Alle Schutzvorrichtungen können demontiert oder sonstwie umgangen werden. Es ist also trotz solcher Maßnahmen von höchster Bedeutung, dass sich die Nutzer der Gefahren bewusst sind, die von Holzbearbeitungsmaschinen ausgehen. Wir beginnen die Arbeit mit einer Entscheidung, die Wissen voraussetzt. Dieses Wissen dürfte vielen Hobbywerkern fehlen.
    Ach, und wer jetzt sagt:“Da ist noch nie was passiert“, dem sei gesagt, dass genau das fast alle Unfallopfer dachten BEVOR die Finger fast unmerklich in der Absaugung der Kreissäge verschwanden.

  2. Philipp R. sagt:

    Ich sehe das ein wenig differenzierter.
    Ich arbeite schon an die zehn Jahre in meiner eigenen Werkstatt und habe auch
    noch alle Finger.
    Wichtiger als alle Schutzeinrichtungen und Regeln ist der logische Verstand und
    Konzentration!
    Oft sehe ich auf Youtube o.Ä., Videos und Anleitungen, in denen minuten lang alle
    Sicherheitsregeln durchgebetet werden und dann arbeitet derjenige doch mit
    Handschuhen(!) an einer Formatsäge, Bohrmaschine ect.
    Ältere Maschinen ( ich habe zum Teil 80 Jahre alte im Einsatz) haben kauf
    Schutzeinrichtungen, frei laufende Riemen ect. Trotzdem sind sie auf eine Art sicherer als die heutigen. In dem Moment wo ich sie einschalte, muss ich genau
    aufpassen, darf mich nicht ablenken lassen und muss bei der Sache sein.
    So ist die Chance, unbeabsichtigt in ein Messer zu greifen ect. doch geringer,
    als wenn ich mich auf Hightech verlasse und im Kopf ganz wo anders bin.
    So wie die Kreissägen, die bei Blattkontakt mittels elektr. gezündetem Sprengstoff das Blatt abprupt stoppt ect. Da gibt´s heut ja alles mögliche.
    Ich weiss das gilt nur für mich, und im Zweifel immer alles nach Vorschrift machen, alle Regeln befolgen und auf moderne Schutzeinrichtungen zurückgreifen, oder wenn man(n) sich gar nicht traut lieber sein lassen…

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