Eckschrank mit Regal

Inhalt:

Die Planung

Eckschrank in Buche - erster Entwurf

Entwurf in 3D

Dieser Eckschrank wird im gleichen Raum stehen, wie das Eckregal aus Buche. Daher lehnt es sich gestalterisch an dieses Regal an.

Die Konstruktion entspricht in weiten Teilen dem zuvor gefertigten Regal. Die Optik entspricht jedoch ehr einem Schrank, als einem Regal. Der Untere Teil erhält Türen und nur der obere Teil ist offen, mit Regalböden. Eine 26mm starke Platte trennt die beiden Teile nicht nur konstruktiv, sondern auch gestalterisch voneinander.

Die Eckkonstruktion sollte wieder im 45° Winkel ausgebildet werden. Das ist schöner und auch praktischer, als eine 90° Ecklösung. Das Problem hierbei ist nur, dass der Platz nicht ausreicht um eine große Ecke unterzubringen, wie es beim Regal der Fall ist. Die Lösung ist eine über Eck ausgebildete Tür und passende Böden im Regal darüber. So ist eine 45° Ecke erreicht worden, die noch gut nutzbar ist.

Der obere Regalteil ist schmaler, als der Unterschrank. Das ergibt sich durch ein vorhandenes Lampensystem, das von Wand zu Wand reicht und auch erhalten bleiben soll.  Der Schrank ist auf der linken Seite noch anbaufähig, es könnten also weitere Unterschränke dort angebaut werden. Die Schwierigkeit bei der Gestaltung und Konstruktion war unter den gegebenen Platzverhältnissen eine gut aussehende und funktionelle Ecklösung zu finden, die viel Stauraum bietet und nicht zu wuchtig ist.

Da dieser Schrank dem Eckregal sehr ähnlich ist, habe ich mich entschlossen auf einige Arbeitsschritte, die bei der Dokumentation des Eckregales zu kurz kamen näher einzugehen. Ich habe in einem Blogeintrag gefragt, was Sie besonders interessieren würde. Oft gewünscht wurde, dass ich den Planungsprozess näher beschreibe, was ich nun in diesem Artikel und vor allem dem dazugehörigen Video tun werde.

Schritt 1: 3D Entwurf

Eckschrank - Entwurf mit und ohne Textur

Entwurf mit und ohne Texturen

Nachdem die Maße im Raum aufgenommen wurden, beginne ich damit einen Entwurf in 3D zu zeichnen. Zunächst zeichne ich die Raumecke, in welcher der Schrank später stehen soll, erst dann plane ich den Schrank in diese Ecke hinein. Um die Proportionen besser beurteilen zu können ist es hilfreich eine Person in das 3D Modell hineinzustellen. Dieses 3D Modell dient mir nur dazu, das Möbel zu entwerfen, die Proportionen festzulegen. Bei Kundenaufträgen kann ich das Möbel auch direkt am Laptop präsentieren und schnell mit dem Kunden zusammen anpassen und ändern.

Die detaillierte Konstruktion interessiert mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so sehr. Daher ist das 3D Modell auch nur sehr grob gezeichnet. Die Rückwand ist z.B. nur eine Fläche die nicht eingefälzt oder genutet dargestellt ist. Die Türen bestehen nicht aus mehreren Einzelteilen, sondern nur aus Flächen, die mit Linien unterteilt wurden. Lochreihen, Bohrungen, Fälze und Nuten sind hier auch nicht eingezeichnet. Ich mache mir jedoch die Mühe, die Texturen auf die Flächen zu bringen und auch einige Ausstattungsgegenstände in die Zeichnung aufzunehmen. So wirkt der Entwurf realistischer und man kann besser abschätzen, wie das fertige Stück aussehen wird. Eingeschaltete Schatten verleihen der Grafik eine bessere Tiefenwirkung. Das nebenstehende Bild, in dem ich beide Ansichten vereint habe, zeigt den Unterschied sehr deutlich.

Schritt 2: Detailzeichnung im 2D CAD

Wenn der Entwurf soweit fertig ist, erstelle ich die Konstruktionszeichnungen. Hierzu arbeite ich lieber im 2D CAD (Draftsight). Dieses Programm bietet mir bessere Möglichkeiten zu konstruieren, als das 3D Programm (Trimble Sketchup) Im 3D Programm kann ich nicht so einfach Linien versetzen, stutzen oder verlängern. Die 2D Software bietet mir einfach bessere Entwurfswerkzeuge.

Der Einstig in ein solches Programm ist jedoch nicht ganz einfach. Ich selbst habe lange Jahre CAD Erfahrung mit mehreren Programmen, daher fällt mir das Zeichnen in einem solchen Programm natürlich leicht. Wer sich die Zeit nimmt und sich näher mit dem Thema beschäftigt und sich in ein solches Programm einarbeitet, der wird schnell die Vorzüge erkennen.

Eckschrank aus Buche - Draftsight

Konstruktion in Draftsight

Wie man im Video (weiter unten auf dieser Seite) sieht, stellte die Konstruktion des Eck- Türanschlages die größte Herausforderung dar. Ich habe mich beim Unterschrank auf einen Horizontalschnitt beschränkt. Die notwendigen Grundmaße habe ich aus dem 3D Modell abgegriffen. Der Rest ergibt sich aus Materialstärken, Rücksprüngen, Fälzen etc. von alleine. Die benötigten Höhenmaße können leicht aus der Gesamthöhe des Unterschrankes errechnet werden. Ein Höhenschnitt ist also nicht notwendig.

Die so erstellte Zeichnung ist natürlich nicht normgerecht. Das wäre meiner Meinung nach auch vollkommen übertrieben. Schließlich muss nur ich meine Zeichnungen lesen können. Schraffuren helfen mir dabei, die Einzelteile besser erkennen zu können. Verbindungsmittel, Lochreihen oder Schrauben zeichne ich nicht ein. Das ergibt sich beim Bauen des Möbels alles von ganz alleine.

Eckschrank aus Buche - Layoutbereich von Draftsight

Der Layoutbereich

Alle Maße und Detailzeichnungen passen auf eine DIN A4 Seite. Auch das ist eine Stärke des 2D CAD Programmes. Es verfügt über sehr mächtige Funktionen für das Zeichnungslayout. Aus einer Konstruktionszeichnung können alle Details abgeleitet werden, verschiedene Ansichten werden erstellt und unterschiedlich bemaßt. Die Bemaßung ist nur auf der Blattansicht und stört nicht beim Konstruieren.

Schritt 3: Stückliste und Zuschnittplan

Wenn die Konstruktionszeichnung fertig ist, kann ich die Maße in eine Stückliste schreiben. Lange habe ich das in der Tabellenkalkulation erledigt.  Dann hatte ich eine schöne Liste, wusste aber nicht, wie viel Plattenmaterial benötigt wird und wie ich diese Platten am besten aufteile. Einfacher geht das nun mit einer Zuschnittoptimierung. Dieses Programm errechnet automatisch die beste Plattenaufteilung und wenn verschiedene Plattenformate zur Auswahl stehen, auch welche Plattenformate den wenigsten Verschnitt verursachen. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung  und spart am Ende auch viel Material und somit Geld ein.

Eckschrank aus Buche - Zuschnittoptimierung

Zuschnittoptimierung

Das Programm, das ich verwende nennt sich „Bestopt“. Ich habe das Programm in einem gesonderten Artikel schon einmal vorgestellt.

Die Stückliste und die generierten Zuschnittpläne druckt man aus und arbeitet dann anhand der Grafiken, welche genau zeigen, welches Bauteil wie aus welchen den Platten geschnitten werden muss.

Meine Arbeitsunterlagen für die Werkstatt bestehen also aus einer Konstruktionszeichnung, der Stückliste und den Schnittplänen.

Software – Hardware

ank aus Buche - Computerarbeitsplatz

Planung am PC

Da ich oft mit zwei Programmen parallel arbeite, habe ich mir irgendwann einen zweiten Monitor für 15 Euro gebraucht gekauft. Diesen schließe ich bei Bedarf an meinen Computer an und kann dann sehr bequem arbeiten.

Die verwendeten Programme sind für Privatanwender zum Teil kostenlos. Trimble Sketchup (ehemals google Sketchup) ist nur für den nicht gewerblichen Einsatz kostenlos. Wer es gewerblich nutzen möchte muss die Pro- Version kaufen. Draftsight ist hingegen auch für den gewerblichen Einsatz kostenlos. Die Zuschnittoptimierung gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen und ist ab 49 Euro zu haben.

Als Soft- und Hardware sind die verschiedenen Kataloge mit Beschlägen erhältlich. Meist ist mir hier die Hardware- Version, also der gedruckte Katalog lieber. Online kann ich mir dann die CAD- Daten der Beschläge herunterladen und diese wenn ich möchte in meine Konstruktionszeichnung einfügen. Das mache ich jedoch nur bei Beschlägen, die nicht ganz so einfach in der Montage sind. Für normale Topfscharniere, Griffe oder Bodenträger betreibe ich diesen Aufwand nicht.

Obwohl ich sehr viel Planungsarbeit am PC erledige, ohne Taschenrechner, Notizblock und Stift geht es nicht. Die ersten Skizzen entstehen natürlich von Hand auf Papier.

Video:

Probleme mit der Anzeige des Videos? Dann schauen Sie sich das Video direkt bei Youtube an: http://youtu.be/pmGeiLctP-c

 

Externe Links:

Trimble Sketchup (Ehemals Google Sketchup)

Dassault Draftsight

Swiftopt

Interne Linkss

Hier gehts zur ersten Seite der Projektdokumentation

Nächste Seite: Der Zuschnitt

15 Kommentare zu Eckschrank mit Regal

  1. Fabian Winter sagt:

    Hallo zusammen,
    super, vielen Dank!
    Ich werde gleich nächste Woche in meinem Urlaub mal vorbeischauen…

    Grüße
    Fabian

  2. Fabian Winter sagt:

    Hallo Heiko,

    vorerst ein dickes Lob. Ich habe selten einen offensichtlich so begabten Handwerker wie dich gefunden, der auch noch so geschickt mit dem Computer umgeht. Deine Beiträge sind super.

    Ich komme aus der Gegend Mainz in Rheinland Pfalz und habe immer große Schwierigkeiten gutes Material/Holz zu bekommen. Buche mit durchgehenden Lamellen bietet hier meines Wissens nach z.b. niemand an. Auch Stammware ist echt schwer zu bekommen. Bereits getrocknet wird noch schwieriger. Kannst du eventuell einen Handel empfehlen oder kennst jemanden, der jemanden kennt?

    Viele Grüße
    Fabian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Fabian,

      in der Gegend kenne ich mich nicht aus. Meine Händler werden nicht so weit liefern. Vielleicht hat ja einer der Leser einen Tipp für dich.

      Gruß

      Heiko

    • Hans-Joachim sagt:

      Hallo Heiko, Hallo Fabian,

      im Rhein-Main Gebiet scheint Paul Hartmann & Co recht angesehen zu sein. Ich war selbst noch nicht dort, aber auch mein Händler in FFM hat ihn im Gespräch über Stammware erwähnt.
      http://www.furnier-hartmann.de/
      40 KM sind für dich zwar eine Hausnummer, aber lohnt sich vielleicht.
      Und direkt daneben ist der größte Werkzeughändler des Rhein-Main Gebietes. Da gibts dann leuchtende Augen 🙂
      Gruß H.-J.

    • Gordon sagt:

      Hallo Fabian,

      ich habe früher in Wiesbaden gewohnt und habe bei Holz Blum zumindest immer die Plattenware bekommen, die ich brauchte – ggf. wird bestellt.
      http://www.holzblum.de/

      Kennst Du diesen Thread auf woodworker.de?
      http://www.woodworker.de/forum/bezugsquellen-holz-t83285.html

      Viele Grüße
      Gordon

  3. Rupert sagt:

    Hallo Heiko

    Du mal eine frage welche beschläge verwendest du ? und von wenn kaufst du sie ? weil im baumarkt können sie sehr teuer sein !!!!

    Danke Rupert

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Rupert,

      ich verwende meist Beschläge von Grass, die ich bei Würth einkaufe.

      Gruß

      Heiko

  4. roger zimmermann sagt:

    Hallo Heiko

    Habe mir das Lochreihen-Bohrsystem Lochness 32 angeschafft. Ist das einzige System das in punkto Präzision an das LR System von Festo herankommt. Ist preislich auch interessant wenn man wie ich keine Oberfräse von Festo besitzt. Ca. 290 Euro. Habe es heute das erste mal eingesetzt und bin hell begeistert. vielleicht suchen auch andere noch nach einem alternativen Bohrsystem.

    Gruss Roger

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Roger,

      ich habe das System mal auf einer Messe gesehen, da ich damals aber schon das LR32 hatte, habe ich mir das Lochness nicht genau angesehen. Ich werde bei Gelegenheit mal probieren, ob die kleine Perles und die Makita RT0700 nicht auch auf die Grundplatte des LR32 passen.

      Gruß

      Heiko

  5. Andreas Lev sagt:

    Hallo Heiko,

    Ich hätte folgende Frage: wie stellst Du die Rechtwinklichkeit der Schnitte beim Arbeiten mit der Führungsschiene sicher? Oder kommt es da nicht so genau drauf an, da der genaue Zuschnitt später auf der TKS erfolgt?

    Vielen Dank für den tollen Blog und Deine Antwort im Voraus!

    Viele Grüße

    Andreas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Andreas,

      wenn es nur um das grobe Aufteilen geht, speilt die Rechtwinkligkeit keine so große Rolle, das passiert dann auf der Tischkreissäge. Wenn ich nur mit der Handkreissäge rectwinklige Zuschnitte machen will, muss ich halt genau messen, genau anreißen und die Schiene möglichst genau anlegen.

      Gruß

      Heiko

      • Andreas Lev sagt:

        Hallo Heiko,

        Vielen Dank für Deine Antwort.

        Ich würde gerne mehr darüber erfahren wie Du bei rechtwinkligen Zuschnitten vorgehst, also wie Du genau misst und anreißt. Meine Winkel haben alle einen mehr oder weniger großen Fehler, der sich bei langen Schnitten empfindlich bemerkbar macht. Vielleicht kannst Du das ja mal in einem Beitrag zeigen 🙂

        Ich habe auch überlegt, ob man nicht an der Führungsschiene einen Anschlag anbringen kann, der rechte Winkel ermöglicht. Vielleicht auf der Basis der Führungsschienen-Schmiege, aber mit lägerem Schenkel.

        Viele Grüße

        Andreas

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Andreas,

          ich habe einen langen Winkel von Wolfcraft, der erstaunlich genau ist. Leider wird diese Version nicht mehr angeboten. Mit diesem Winkel prüfe ich und zeichne an. Den T-Winkel den ich noch habe nutze ich hierzu weniger, da er einen zu kurzen Anlageschenkel hat. Der T-Winkel hat andere Stärken.

          Der Anschlag von Festool, den es für die Führungsschiene gibt habe ich auch, nutze ihn aber sehr selten. Für exakt winklige Schnitte reicht die Genauigkeit nicht aus.

          Es sit schwierig mit der Handkreissäge ganz genau zu schneiden. Ohne Hilfsmittel ist das sehr zeitraubend. Wenn die Werkstücke nicht zu groß sind, wäre ein Zuschnittbrett wie es Guido Henn mal vorgestellt hat eine gute Lösung, oder eben der MFT von Festool.

          Gruß

          Heiko

  6. Jana sagt:

    Ich finde es auch bemerkenswert, was man in Eigenregie aus Holz alles zaubern kann! Ich habe mal eine Frage zu deinen Eckschrank. Es ist doch sicher möglich solche Schränke in x-beliebiger Größe anzufertigen oder?
    Mich würde es interessieren ob du auch für andere Leute gegen Geld solche Schränke anfertigen würdest? Wenn ja, was würde denn solch ein Schrank aus diesem Beitrag kosten?
    Bei vielen Anbietern im Internet für Maßmöbel kriegt man ja einen Schrecken, wenn man das Angebot im Postfach hat 🙂
    Vielen Dank und Grüße
    Jana

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jana,

      normalerweise lösche ich ja Kommentare, die nur dem Zweck dienen einen Werbelink auf einem Blog zu deponieren. Da du dir aber schon mehrfach die Mühe gemacht hast, habe ich deinen Kommentar einfach mal freigegeben, aber den Link zu einem Shop für Massivholzmöbel natürlich entfernt. Ich möchte dir auch deine „Frage“ noch beantworten:
      Ja, ich baue auch für Kunden Möbel. Preislich kann ich da locker mit den Möbeln in dem Shop mithalten, den du verlinken wolltest. Jedoch bekommt der Kunde bei mir fürs gleiche Geld bessere Materialqualität und eine ausführliche, persönliche Beratung. Einen Schrecken bekommt er nicht, da ich ihm mein Angebot und das Zustandekommen der Preise natürlich genau darlegen kann.

      Gruß

      Heiko

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