Veritas Feinsägen

Die beiden  Sägen wurde mir von Lee Valley (http://leevalley.com) kostenlos zur Verfügung gestellt.

Veritas Feinsägen - Beide Sägen

Veritas Feinsägen

Feinsägen haben einen zweifelhaften Ruf. Sie sind bereits für wenige Euro im Handel zu bekommen. Die Qualität dieser Sägen ist eher mäßig. Daher werden Feinsägen oft nur für eher untergeordnete Tätigkeiten benutzt. Mal eine Leiste abschneiden, Bastelarbeiten und sonstige Tätigkeiten, bei denen nicht höchste Präzision gefragt ist. Dies liegt, wie bei vielen anderen westlichen Sägen auch, daran, dass Sie nicht geschärft und oft zu stark geschränkt in den Handel kommen.

Bei den beiden hier vorgestellten Feinsägen von Veritas ist dies anders.  Sie sind hochwertig verarbeitet und vor allem präzise geschärft. Dies erlaubt es die Sägen für Arbeiten einzusetzen, die hohe Präzision erfordern. Beispielsweise beim Schneiden von Zinkenverbindungen.

Veritas Feinsägen - Bezahnungen

Unterschiedliche Bezahnungen

Im englischen heißen diese Sägen „Gent’s Saw“, eine Abkürzung für Gentelmans Saw. Der „Gentleman“, also der Hausherr hatte solche Sägen in seiner Werkzeugausstattung. Feine Werkzeuge, die nicht viel Platz benötigen, aber von hoher Qualität sind. Packt man die Sägen aus, findet man eine Bedienungsanleitung, mit dem Titel „small joinery saws“ Auch dies drückt aus, wofür diese Sägen gedacht sind: Für feine Tischlerarbeiten an kleinen Querschnitten.

Es gibt derzeit zwei Varianten der Veritas Feinsägen: Eine Crosscut, also Querschnitt Variante und eine Variante für Längsschnitt, also Rip (cut). Beide Sägen haben eine Blattstärke von 0,4mm, eine Schnitttiefe von 41mm und eine Blattlänge von 200mm.

Warum sind zwei verschiedene Bezahnungen notwendig?

Veritas Feinsägen - Bezahnung Crosscut

Bezahnung Crosscut

Ein Sägezahn ist nichts weiter, als ein Schneide. Diese durchtrennt die Holzfaser. Schneidet man mit der Faser benötigt man eine Schneide, die ähnlich wie ein Hobel arbeitet. Es muss ein Span in wuchsrichtng des Holzes abhgehoben werden. Das seitliche Durchtrennen der Holzfaser ist nicht notwendig, wäre sogar eher hinderlich. Dahingegen muss beim Durchtrennen von Holzfasern quer zur Wuchsrichtung auch eine seitliche Durchtrenung der langen Holzfasern erfolgen. Daher ist eine Säge mit Querschnittverzahnung so gearbeitet, dass die Zähne die Holzfasern durchtrennen. die Zähne sind im Wechsel nach Außen hin scharf geschliffen.

Veritas Feinsägen - Bezahnung Rip

Bezahnung „Rip“

Ein weitere Unterschied besteht in der Anzahl der Zähne. Die Crosscut Säge ist feiner bezahnt (1,15mm Zahnabstand) als die Säge für Längsschnitte (1,3mm Zahnabstand).  Die Bezahnung der Sägen wird komplett maschinell hergestellt. Wenn man genau hinsieht erkennt man feine Maschinenmarken.

Wenn Sie nur eine der beiden Sägen anschaffen möchten, sollten Sie sich für die Längsschnittsäge entscheiden. Mit ihr kann man auch quer zur Faser schneiden. Die Schnittgüte entspricht natürlich nicht der Querschnitt- Variante. Die Querschnittsäge hingegen ist für Schnitte mit der Faser nicht wirklich gut zu gebrauchen. Das Optimum ist daher die Verwendung beider Sägen für jeweils die Aufgabe, für die sie gedacht sind.

Vorbereitung einer neuen Säge

Veritas Feinsägen - Abnehmbarer Griff

Die Griffe sind geschraubt

Die Veritas Sägen sind im Prinzip nach dem Auspacken gebrauchsfähig. Allerdings entsteht beim Schärfen einer Säge ein feiner Grat an der Bezahnung, welcher das Starten der Säge erschwert. Dieser Grat nutzt sich mit der Zeit von selbst ab. Man kann ihn jedoch auch direkt am Anfang entfernen. Dazu legen Sie die Säge auf eine Unterlage, am besten ein Holzbrettchen. Das Sägeblatt muss in voller Länge gut aufliegen. Ziehen Sie nun einen feinen Abziehstein einmal, ohne Druck über die Zähne. Der Grat sollte nun entfernt sein und die Säge ist leichter zu starten. Dies kann man auch im Artikel zur Veritas Zinkensäge und dem dazugehörigen Video sehen: Artikel zur  Veritas Zinkeknsäge mit Video.

Nun muss noch der feste Sitz des Griffes geprüft werden. Der Griff ist mit einer Schraube am Rücken befestigt. Die Befestigungsschraube ist nur leicht angezogen. Dies ist kein Fehler, sondern ermöglicht, dass der Holzgriff bei langer Lagerung, beim Transport und den dadurch wechselnden klimatischen Bedingungen arbeiten kann.

Mehr ist nicht zu tun. Es schadet  jedoch nicht, das Sägeblatt gelegentlich mit ein wenig Kamelienöl zu pflegen.

Die Griffe

Veritas Feinsägen - Griffposition

Eine mögliche Handhaltung

Die Griffe sind sehr gut geformt und erlauben es die Säge so zu greifen, wie man es als angenehm empfindet. Ich persönlich bevorzuge es den Griff in die Hand hinein zu legen, statt ihn zu umgreifen. Die Griffe sind demontierbar.  Wer drechseln kann, hat also die Möglichkeit den original Griff durch einen individuell geformten Griff zu ersetzen. Die hierzu benötigten Maße sind in der beigelegten Bedienungsanleitung aufgeführt.

Darüber hinaus kann man den Griff auch demontieren um ihn zu entlacken. Viele Anwender bevorzugen geölte oder unbehandelte Werkzeuggriffe.

Der Rücken

Veritas Feinsägen - Rücken

Rücken aus Kunststoff- Stahl – Gemisch

Wie auch bei den Zinkensägen sind die Rücken der Feinsägen aus einer Kunststoff- Metall- Mischung. Das Blatt ist in den Rücken eingegossen und kann nicht ausgetauscht werden. Die Rücken sind angenehm schwer und verwindungssteif. Der Übergang vom Rücken zum Griff ist ohne störende Ecken und Kanten. Der Rücken ist am hinteren Ende noch ein Stück nach unten gezogen. Dies stabilisiert das Blatt noch einmal zusätzlich und schützt die Finger, sollte man einmal abrutschen.

Einsatzbereiche

Veritas Feinsägen - Beim Zinken schneiden

Beim Zinken schneiden

Die Einsatzbereiche für diese Feinsägen sind sehr vielfältig. Besonders aber für Arbeiten, bei denen ein genauer, sauberer Schnitt gefordert ist, spielen die beiden Sägen von Veritas ihre Vorteile aus. Sie neigen nicht zum Verlaufen. einmal richtig angesetzt, bleiben sie im Schnitt. Dies macht sie auch für das Schneiden von Schwalbenschwanzzinken zu einer guten Wahl. Die Schnitttiefe von über 40mm erlaubt auch das Schneiden von Schlitz- und Zapfenverbindungen bei Rahmen mit entsprechend geringem Querschnitt. Allerdings ist hierbei die geringe Blattstärke von 0,4mm schon fast zu dünn. Eine Säge mit einem dickeren Blatt arbeitet hierbei besser.

Die beiden Feinsägen bilden ein perfektes Team beim Zinken. Mit der Längsschnittsäge werden die Zinken geschnitten, mit der Crosscut werdend die Zinken am Ende abgesetzt. Ich habe auch eine Zinkensäge von Veritas. (hier finden sie einen Artikel dazu: Veritas Zinkensäge) Diese nutze ich ebenfalls sehr gerne zum Schneiden von Zinken. Für dickere Materialstärken und schwieriges Holz, eignet sich die Zinkensäge meiner Meinung nach besser, als die Feinsägen.

Beide Sägen arbeiten schnell und ohne zu verlaufen, sowohl in dickem, als auch in dünnem Holz. Die Schnitte sind auf beiden Seiten nahezu ausrissfrei.

Video

Hier ist leider kein Video mehr zu sehen!

Produktvorstellungen auf Youtube sind inzwischen rechtlich gesehen nicht mehr unproblematisch. Um mich vor Abmahnungen und Bußgeldforderungen zu schützen habe ich dieses Video entfernt. 

Pflege

Veritas Feinsägen - Blattschutz

Blattschutz

Die Sägeblätter der Veritas Feinsägen sind nicht rostfrei. Es ist daher ratsam sie regelmäßig gegen Korrosion zu schützen. Ich verwende hierzu gerne Kamelienöl.  Um die empfindlichen Zähne zu schützen sollte die mitgelieferte Schutzschiene verwendet werden. Sie wird einfach aufgeschoben.

Eine weitere Pflegemaßnahme ist das Schärfen. Die Veritas Feinsägen sind nachschärfbar. Dies steht mir noch bevor, bisher war es nicht notwendig.

 

Fazit

Veritas Feinsägen - Beim Schlitzen

Schlitz schneiden

Diese Feinsägen verdienen Ihren Namen zu recht. Sie sind für feine Arbeiten bestens geeignet. Für das Schneiden von Zinken habe ich die Feinsägen von Veritas schnell zu schätzen gelernt. Sie haben den Vorteil, dass sie dünner sind, als die Zinkensägen, aber noch nicht so dünn, dass kein Laubsägeblatt mehr in den Schnitt hineinpasst. Denn wenn man die Zwischenräume mit der Laubsäge ausschneiden möchte, darf der Sägeschnitt nicht zu dünn sein. Bei den 0,4mm der Veritas Feinsägen passt ein Laubsägeblatt noch gerade so in den Schnitt.

Das Starten der Feinsägen, also das Ansetzen und die ersten Schnitte gelingen einfacher, als mit der dickeren Zinkensäge. Für tiefe Schnitte liegt mir persönlich jedoch ein dickeres Sägeblatt mehr.

Die Schnittfläche, welche die beiden Sägen hinterlassen braucht sich vor der einer Japansäge in keinster Weise zu verstecken. Die Schnittfläche eines mit der Crosscut Säge gemachten Absetzschnittes ist absolut sauber und glatt.

Ein herausragendes Merkmal, dass diese Sägen, wie auch schon die Zinkensägen und Rückensägen von Veritas, von den meisten anderen Sägen dieser Art unterscheidet ist, dass sie wirklich gebrauchsfertig aus dem Karton kommen. Sie sind scharf , nicht zu sehr geschränkt und das Sägeblatt ist absolut gerade. Mit diesen Eigenschaften haben sich vor einigen Jahren die japanischen Sägen eine große Beliebtheit gesichert. Wer also mit westlichen, auf Stoß arbeitenden Sägen arbeiten möchte, ist mit den Veritas Feinsägen erst einmal gut bedient. Bis es ans erste Schärfen geht, hat man erst einmal genügend Zeit, mit den Sägen zu arbeiten. Das hebt die Motivation und man geht sicherlich viel lockerer an das Thema Sägen schärfen heran.

 

Links:

Herstellerseite: Lee Valley – Gents’s saws

Youtube Video des Herstellers:  Lee Valley Video zu den Feinsägen

 

 

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2 Kommentare zu Veritas Feinsägen

  1. Sandro Mosdzinski sagt:

    Hallo Heiko,

    ich möchte mir eine Handsäge zulegen, um Zinkenverbindungen herzustellen. Ich schwanke zwischen Japan, Fein- und Zinkensäge. Was sind die wesentlichen Unterschiede und welche ist universeller einsetzbar?
    Schadet es einer Säge für Längsschnitte, wenn man quer zur Faser sägt oder wirkt sich das bei Querschnitten eher in Schnittgüte und -geschwindigkeit aus?

    Noch eine grundsätzliche Frage zu deinem Blog. Woran liegt es, dass manche Artikel nicht (mehr) kommentierbar sind?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Sandro,

      Erst einmal zu den einfachen Fragen:
      Dass bei einigen Beiträgen die Kommentarfunktion nicht aktiv ist, ist keine Absicht. Hier und da ist das in der Vergangenheit schon mal passiert.

      Grundsätzlich schadet es einer Säge Säge für Längsschnitt nicht, wenn man mit ihr quer schneidet. Sie sägt dann nicht ganz so sauber wie eine Querschnittsäge. Anders herum sägt eine für Querschnitte bezahnte Säge längs sehr langsam. Wenn man nur eine Säge möchte, sollte man zu einer Längsschnittsäge greifen. Japansägen sind meist mit einer Universalbezahnung ausgestattet.

      Schwieriger zu beantworten ist die Frage, welche Säge nun für dich die richtige ist. Am einfachsten ist es, wenn du irgendwo verschiedene Sägen ausprobierst. Dann bekommst du sehr schnell ein Gefühl dafür, welche Art dir liegt und welche eben nicht. Eine klare Empfehlung kann ich dir da nicht geben.

      Wenn du dich nicht mit dem Schärfen von Sägen beschäftigen möchtest kommen allerdings nur Japansägen in Frage.

      Gruß

      Heiko

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