Drei Konstruktionen im Rückblick

Plattenkonstruktionen - Massivholzplatte

Große Massivholzflächen sind nicht immer einfach

Wenn man Möbel aus Massivholz anfertigt steht man immer wieder vor dem Problem, die Vorstellungen, die man im Bezug auf die Gestaltung des Möbels hat, in Einklang mit einer Materialgerechten Konstruktion zu bringen. Besonders bei großen Vollholzflächen gerät man hier sehr schnell in einen Konflikt. Die klassische Methode, eine Vollholzfläche zu realisieren ist die Rahmen- Füllungs- Konstruktion. Diese entspricht aber nicht unbedingt den Ansprüchen an ein modern und schlicht gestaltetes Möbel.

Als ich meine Wohnzimmermöbel plante stand ich auch vor diesem Problem. Die Möbel sollten aus Massivholz sein, aber nicht unbedingt im klassischen Stil gehalten. Besonders die oberen Platten am Bücherregal und beim Sideboard waren konstruktiv eher problematisch. Große Flächen, die möglichst ohne Fugen und Absätze auskommen sollten, aber dem Holz dennoch die Möglichkeit geben sollten zu arbeiten. Den gleichen Anspruch hatte ich auch beim Couchtisch. Es entstanden drei verschiedene Konstruktionen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Interessant dabei ist sicherlich der Aspekt, wie sich die drei Konstruktionen über einen längeren Zeitraum verhalten.

Die obere Platte des Bücherregals

Plattenkonstruktionen - Konstruktion Bücherregal

Offen Fuge am Bücherregal

Die Platte besteht aus einem kräftigen Rahmen und einer Füllung. Die Füllung bildet die eigentliche Platte. Im Rahmen wurde eine Nut gefräst, in die eine Feder eingeleimt wurde. Die Füllung ist genutet und wird mit dieser Nut auf die Feder geschoben. Damit die Platte nicht nur von der lediglich 4mm dicken Feder gehalten wird, liegt sie in einem Falz, der in die Rahmenhölzer geschnitten wurde.

Der Rahmen, bei dem nur drei Rahmenhölzer sichtbar sind, ist vorne auf Gehrung gearbeitet und wurde mit losen Zapfen verleimt. Das hintere Rahmenholz ist dünner, so dass die Platte (Füllung) darüber geschoben werden kann. Die Füllung liegt nur im Rahmen lose ein und wird durch die Federn gehalten. Hinten wurde die Füllung mit dem querlaufenden Rahmenteil  verschraubt.

Die Idee hierbei war, dass die Platte quer zur Faserrichtung arbeiten kann. Ich ließ eine Fuge zum vorderen Rahmenholz von ca. 3mm. In der ersten Heizperiode zeigten sich aber die Nachteile dieser Konstruktion. Das Holz schwand sehr stark und die Fuge wurde wesentlich größer. Bis maximal 8mm Fugenbreite konnte ich messen. Das sieht nicht ganz so gut aus. Ich löste die Platte wieder, verkleinerte die Fuge und drehte die Schrauben wieder ein.

Im Bezug auf das Arbeiten des Holzes ist diese Konstruktion recht gut, da sie der Füllung ausreichend Spielraum zum Arbeiten gibt.  Optisch hat sich diese Konstruktion nicht so bewährt, da die  doch stak in der Breite schwankende Fuge nicht gut aussieht.

Details zur genauen Konstruktion der Platte finden Sie im Baubericht zum Bücherregal.

Die obere Platte am Sideboard

Plattenkonstruktionen - Konstruktion am Sideboard

Die Fuge am Sideboard bleibt geschlossen

Den Effekt, der sich verändernden Fuge, wie er bei der Platte des Bücherregals auftrat wollte ich beim Sideboard vermeiden. Auch hier liegt eine Füllung in einem Rahmen, von dem nur drei Rahmenhölzer sichtbar sind. Auch dieser Rahmen ist im vorderen Bereich auf Gehrung gearbeitet und verleimt. Da sich das Verleimen des Rahmens beim Bücherregal mit losen Zapfen als recht schwierig erwies, habe ich beim Sideboard auf Federn zurückgegriffen. Das Verleimen war hierdurch etwas einfacher.

Der größte Unterschied zur Konstruktion beim Bücherregal ist jedoch der, dass die Platte mit dem vorderen Rahmenteil verleimt wurde. Eine Fuge ist hier ausgeschlossen. Die Platte arbeitet nur zum hinteren Bereich hin, wo es viel weniger auffallend ist. Sehr viel Aufwändiger, als beim Bücherregal ist die Unterkonstruktion bei der Platte des Sideboards. Neben dem hinteren Rahmenteil, über das die Füllung geschoben wird, gibt es noch zwei Gratleisten, welche zwei Aufgaben haben: Sie halten zum Einen die Platte in Querrichtung gerade, zum Anderen schaffen sie eine Verbindung zwischen Füllung, Rahmen und Korpus. Trotz dieser Verbindung kann die Füllung in Querrichtung frei arbeiten. Das tut sie auch und während der Heizperiode entsteht ein Absatz von mehreren Millimetern zwischen der Hinterkante der Füllung und den Enden der Rahmenhölzer. Dieser Absatz fällt aber nicht weiter auf, da er zur Wand hin ist.

Die Füllung hat die gleiche Länge, wie das vordere Rahmenholz an den kurzen Punkten der Gehrungen. Die beiden verleimten Bauteile arbeiten gleich viel, so dass keine Fuge zwischen Füllung und Rahmen- Querfries notwendig ist. Bisher ist hier keine auch nennenswerte Fuge aufgetreten. Diese Konstruktion erlaubt es, eine Füllung nahezu fugenlos in einen Rahmen einzulegen, ohne die Füllung am Arbeiten zu hindern. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Füllung nicht komplett von einem Rahmen umschlossen wird. Das wird durch ein dünneres Rahmenteil erreicht, über das die Füllung geschoben wird. Für eine Abschlussplatte eines Möbels ist ein Rahmen mit nur drei sichtbaren Rahmenfriesen auch optisch ansprechender, als ein komplett umlaufender Rahmen.

Details zur genauen Konstruktion der Platte finden Sie im Baubericht zum Sideboard.

Platte des Couchtisches

Plattenkonstruktionen - Konstruktion am Couchtisch

Die Platte des Couchtisches

Die Platte des kleinen Couchtisches ist völlig anders konstruiert. Die Platte ist mit einer breiten Feder in eine Nut in den Fußteilen eingeschoben. Die einzige Verbindung zwischen Platte und Fßsteil ist ein 8mm Dübel, der von der Unterseite eingebohrt wurde. Er hält die Platte immer mittig zum Fussteil und gewährleistet, dass die Platte dicht am Fußteil anliegt.

Für ausreichende Stabilität sorgen bei diesem Tisch die Zargen, die unter der Platte verlaufen. Die Zargen selbst verbinden die beiden Fußteile, haben aber keine Verbindung zu Tischplatte. Die Platte liegt nur auf den Zargen auf.

Diese Konstruktion hat sich bisher gut bewährt. Zwar bemerkt man während der Heizperiode, dass die Platte ein wenig schwindet, aber das fällt nicht auf. Der Grund dafür, dass das Arbeiten der Platte nicht auffällt ist der, dass sie seitlich ca. 10mm über die Fußgestelle übersteht. Schwindet die Platte, verringert sich zwar dieser Überstand, er bleibt aber dennoch immer erhalten. Wäre die Platte bündig mit den Fußgestellen, würde man hingegen das Arbeiten dieser Platte sofort sehen.

Details zur Konstruktion finden Sie im Baubericht zum Couchtisch

Fazit:

Die Konstruktion bei Bücherregal ist nicht optimal. Ich werde diese bei Gelegenheit ändern und die Füllung mit dem vorderen Rahmenholz verleimen. Dahingegen hat sich die verbesserte Konstruktion, die ich beim Sideboard angewendet habe bisher sehr gut bewährt. Gleiches gilt für die Konstruktion des Couchtisches.

Es ist also durchaus möglich, Möbel abseits klassischen Rahmen- Füllungs- Konstruktion zu realisieren, ohne an den Anforderungen von Massivholz vorbei zu arbeiten.

 

 

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9 Antworten zu Drei Konstruktionen im Rückblick

  1. Benjamin Pietzner sagt:

    Hallo Heiko,

    wenn man mit Massivholz arbeitet und z.B. die Schubladen und Korpusse mit Zinkungen verbindet (Fingerzinken oder Schwalben), sind weitere Gratleisten etc. nicht notwendig, da die Verzinkung an sich dem Holz genug Spiel lässt, auch bei größeren Möbelstücken. Ist das richtig?

    Viele Grüße
    Benjamin

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Benjamin,

      Gratleisten braucht man nur dann, wenn sonst nichts das Golz gerade hält. Also bei Truhendeckeln oder Brettertüren. Gratleisten werden oft überbewertet, man braucht sie nur selten.

      Gruß

      Heiko

  2. Martin sagt:

    Guten Tag,

    ich überarbeite zurzeit eine Haustüre aus Meranti-Holz. Doch leider hat das Ölen mit pigmentiertem Hartholzöl (Remmers Bangkirai) fast keine Verfärbung bewirkt. Da die Fenster ebenfalls aus Meranti-Holz gefertigt sind und in einem dunklem Braunton (Teak) lackiert sind, frage ich mich, wie ich das Färben des Holzes erreichen kann.
    In Ihrem Youtube-Video erwähnen Sie die Verwendung eine Pigmentpaste. Könnten Sie mir vielleicht mitteilen welches Produkt und welchen Farbton Sie gewählt haben?

    Vielen Dank für Ihren Blog!

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      die Pigmentpasten gibt es von ASUSO. Ob die allerdings mit dem Bankirai Öl kompatibel sind weiß ich nicht. Bei einer Haustür und Fenstern würde ich auch kein Terassenöl nehmen sondern eine für diesen Zweck optimierte Lasur.

      Gruß

      Heiko Rech

  3. ARON sagt:

    Hallo Heiko,

    prima Artikel. Hilft mir genau zur richtigen Zeit, bei der Herstellung eines Möbels. Theoretisch ist das Arbeiten des Holzes klar, aber genau solche Vergleiche sucht man meist vergeblich.

    Gruß
    ARON

  4. Dirk sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Jetzt weiß ich wie ich die Platte von einer Kommode befestigen kann.

    Viele Grüße
    Dirk

  5. hamlet sagt:

    Hallo Heiko,

    ein sehr guter Artikel! Ich freue mich immer sehr über Detailbeschreibungen von Konstruktionen im Allgemeinen. Bin selbst immer am Tüfteln, wie ich maßhaltige Massivholzmöbel baue… mit mehr oder weniger Erfolg…
    Leider habe ich zu diesem Thema sehr sehr wenig Literatur gefunden. Die ‚Standard-Holzwerken‘ Bücher schreiben meist immer voneinander ab und verrennen sich in ‚wie Hobel ich richtig‘, anstatt Grundlagen der Konstruktionstechnik zu vermitteln …
    Oder gibts da was gescheites?

    liebe Grüße,

    hamlet

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      mir ist kein Buch bekannt, welches speziell auf diese Aspekte eingeht. Der „Spannagel“ (siehe auch Buchtipps) beschreibt zwar viele Konstruktionen, nicht aber wie sie hergestellt werden. Andere Bücher hingegen beschreiben das Herstellen von Verbindungen, nicht aber deren sinnvoller Einsatz am Möbel. Leider kann ich dir da mit einem einzigen Buchtipp nicht weiter helfen.

      Gruß

      Heiko

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