Eckregal aus Buche – Teil 6 (mit Video)

Nach dem Bau von Sockel und Abschlussblende sind die Türen an der Reihe. Das Ziel sind Türen aus Leimholz, die nicht nach klassischen Rahmentüren aussehen, aber dennoch konstruktiv gerade gehalten werden. Sichtbare Gratleisten, auch im Schrankinneren gefallen mir nicht und ich finde sie bei Türen auch wenig Zweckmäßig. Bei Tischen wird oft eine Hirnleiste angebracht, um die Fläche gerade zu halten. Bevor ich den Bau des Regals begonnen habe, machte ich eine Probetür aus Fichte Leimholz, bei der ich diese Grundkonstruktion leicht abgewandelt eingesetzt habe. Darüber gibt es auch einen eigenen Artikel.

Eckregal aus Buche - Schematische Darstellung der Türkonstruktion

Schematische Darstellung Türkonstruktion

Diese Skizze zeigt das Grundprinzip der Konstruktion. Der Faserverlauf der Türfläche ist Vertikal, der Verlauf der Holzfasern an der Hirnleiste ist horizontal. Die Hirnleiste greift mittels Nut und Feder Verbindung in die Fläche ein und hindert diese daran sich zu verwerfen.  Würde man die Hirnleiste nun auf  ganzer Länge mit der Fläche verleimen, könnte es zu Rissen kommen, da die Fläche quer zur Faser viel stärker Arbeitet, als die Hirnleiste längs zur Faser.  Die Lösung für dieses Problem liegt darin, die Hirnleiste nur in der Mitte auf einer Länge von ca. 5cm mit der Fläche zu verleimen.

Nun könnte es jedoch passieren, dass die Hirnleiste sich leicht wirft und sich dadurch die Fuge zwischen Hirnleiste und Fläche öffnet. Um dies zu verhindern werden zwei Zapfen an den Enden der Hirnleiste angebracht. In diese Zapfen wird ein Langloch gebohrt, in das ein Dübel eingreift. So kann die Hirnleiste arbeiten, wird aber gerade gehalten. Da die Türen nicht sehr groß sind, nehme ich als Zapfen einfach Dominos und fräse diese mit der Festool DF500 ein.

Eckregal aus Buche - Nacharbeit mit dem Simshobel

Nacharbeit für perfekte Passung

Der erste Arbeitsschritt beim Bau der Türen besteht darin, die Nut und Feder Verbindung zwischen Fläche und Hirnleiste herzustellen. Das ist mit der Oberfräse und einem Scheibennutfräser schnell erledigt. Im Video, weiter unten auf dieser Seite sieht man meine Vorgehensweise dabei sehr gut. Die Feder habe ich jedoch nicht ganz genau passend gefräst, sondern passe sie noch mit dem Simshobel genau an. Das hat den Grund, dass auch Leimholz, das man fertig kauft immer noch geringe Toleranzen in der Materialstärke aufweisen kann. Diese können sich dann auf die Nut und Feder- Fräsung übertragen und zu Ungenauigkeiten führen. Bei dieser Konstruktion ist aber ein straffer Sitz der Feder in der Nut sehr wichtig. Daher gehe ich auf Nummer sicher und passe die vier Hirnleisten einzeln an.  Ein Handhobel kommt auch zum Einsatz, um die Kanten zu fasen. Nach dem Motto „Was man nicht verbergen kann muss man betonen“ wird die Fuge zwischen Hirnleiste und Türfläche als V-Fuge ausgeführt. Mit der Zeit würde sich diese Fuge so oder so abzeichnen. Da sieht es besser aus, wenn man eine V-Fuge macht und dadurch das Arbeiten des Holzes in der Fuge nicht mehr auffällt.

Eckregal aus Buche - Dominos in die Türkanten fräsen

Dominos in die Türkanten fräsen

Nun werden je drei Dominos je Kante angezeichnet und eingefräst. In den Hirnleisten werden die Dominos ohne Luft eingesetzt. In der Kante der Türfläche wird der mittlere Domino ebenfalls ohne Luft eingefräst, während die beiden äußeren Fräsungen mit 6mm Luft gemacht werden. Dies ermöglicht es, dass die Dominos, beim Arbeiten der Hirnleiste genügend Platz zu den Seiten haben und sich innerhalb der Türfläche seitlich bewegen können. Ich verwende hierbei Dominos der Größe 6×40. Die Frästiefe in der Hirnleiste beträgt 25mm, in der Kante der Türfläche sind die Fräsungen 28mm Tief. So ergibt sich, dass der Dübel 15mm über die Feder heraussteht und die Fräsung in der Kante der Türfläche noch 16mm tiefer, als die Nut ist. Somit hat der Domino noch 1mm Luft in der Frästiefe.

Die Dominos werden nach dem Fräsen direkt in die Hirnleiste eingeleimt. Vor den nächsten Arbeitsschritten muss der Leim erst abbinden.

Eckregal aus Buche - Dübel einbohren

Dübel einbohren

Sind die Dominos fest eingeleimt, werden die Hirnleisten aufgeschoben.  Nun werden Bohrungen von der Innenseite der Tür, genau in die beiden äußeren Dominos gemacht. Die Bohrungen haben einen Durchmesser von 6mm. Die Bohrungen werden nur so tief ausgeführt, dass sich die Position der Bohrung im Domino abzeichnet. Die Hirnleiste wird nun wieder abgenommen und die Bohrung wird nun auch im Domino ausgeführt. Hier wird allerdings ein Langloch benötigt. Man kann nun das vorhandene Bohrloch von Hand mit dem Stemmeisen ein wenig nach rechts und links erweitern, oder einfach den Bohrer im Bohrloch nach rechts und links verkanten und nach außen drücjken und so das Bohrloch seitlich erweitern.

Sind alle Löcher gebohrt, können die Hirnleisten angeleimt werden. Hierbei gibt man nur in der Mitte der Hirnleiste Leim an. Bei angesetzen Schraubzwingen werden die Dübel eingeleimt. Achtung: Nur wenig Leim angeben, damit keine Verleimung zwischen Dübel und Domino stattfindet.

Die Dübel werden anschließend mit einer Dübelsäge bündig abgeschnitten.

Eckregal aus Buche - Türen auf Maß zuschneiden

Türen auf Maß zuschneiden

Bisher waren die Türen noch breiter und Länger, als benötigt. Nach dem Verleimen erst werden die beiden Türen auf das endgültige Maß geschnitten. Das garantiert, dass Hirnleiste und Türfläche bündig sind.  Außerdem hat es den Vorteil, dass ich bisher nicht darauf achten musste, die Kanten nicht beim Einsatz des Hammers zu beschädigen. Und der Hammer war einige Male im Einsatz, wie man im Video auch sehen kann.

Beim Zuschneiden der Türen werden diese genau an die vorhandenen Korpusmaße angepasst, so dass Fugen von genau 2mm entstehen. Nach dem Hobeln und Schleifen der Kanten haben die Fugen eine Breite von ca. 2,5mm. Das passt auch zu den verwendeten Topfbändern.

Das Einsetzen der Topfbänder ist dann auch der nächste Arbeitsschritt. Ich verwende spezielle Bänder für Türen, die im 45° Winkel angebracht werden. Die Topfbänder werden nicht mit Schrauben an der Tür befestigt, sondern mittels Schnellverschluss. Das hat zur Folge, dass neben der 35mm Bohrung für den Topf noch zwei weitere Bohrungen von 10mm benötigt werden.

Eckregal aus Buche - Topfbandbohrungen mit der Oberfräse

Topfbänder bohren

In diese Bohrungen greifen zwei Zapfen ein, die verhindern, dass sich das Band verdrehen kann. Diese 10mm Bohrungen werden vor den 35mm Bohrungen gemacht. Mit einem Akkuschrauber und nach Anriss. Der Bau einer Schablone ist nicht unbedingt notwendig.

Die 35mm Bohrung für den Bandtopf mache ich mit einem Beschlagbohrer und der Oberfräse.

Es handelt sich hierbei um einen Bohrer, der für eine Oberfräse geeignet ist. Normale Kunstbohrer oder gar Forstnerbohrer haben in einer Oberfräse nichts zu suchen.

Damit die Oberfräse beim Bohren nicht verrutscht, habe ich den Parallelanschlag montiert und so eingestellt, dass der Abstand von Mitte Bohrer zur Kante fest vorgegeben ist. Die Drehzahl der Oberfräse ist auf die kleinste Stufe abgesenkt. Leider kann bei der Anwendung des Bohrers die Absaughaube nicht monitert werden.

Das untenstehende Bild zeigt das Einsetzen des Scharnieres ohne Schrauben.

Eckregal aus Buche - Topfband einsetzen

Topfband einsetzen

Und dieses Bild zeigt die lose in den Korpus eingelegte Tür.

Eckregal aus Buche - Eingelegte Tür

Eingelegte Tür im Korpus

Diese Anschlagvariante ist zwar mit einem recht hohen Aufwand verbunden, sieht aber wie ich finde, sehr hochwertig aus. Die Vorderfront des Regales läuft ohne Absätze und Kanten durch und die Spaltmaße sind möglichst klein.

Video:

Im Video sind einige Arbeitsschritte sehr deutlich zu sehen, die sich anhand von Fotos und Text nur schwierig erklären lassen.

Dieser Beitrag wurde unter Eckregal aus Buche, Meine Möbel abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Eckregal aus Buche – Teil 6 (mit Video)

  1. Michael Hild sagt:

    Hallo Heiko,

    noch einen kleinen Tipp zum Pocket Hole Bit und Centrotec.
    Ich habe bei meinem Bit die Kanten des Sechskant etwas abgeschliffen und dann passt der Bit auch in die Centrotec Aufnahme und es entfällt das Bohrfutter.

    Grüße

    Michael

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Michael,

      ich weiß, dass man die normalen Bits umarbeiten kann. Es gibt auch ein gutes Video von Paul Marcel dazu:
      http://www.youtube.com/watch?v=VTVeBTaAq44&feature=plcp

      Irgendwann muss ich das doch mal bei meinen Pocket- Hole Bits und Bohrern machen.

      Gruß

      Heiko

      • Michael Hild sagt:

        Hi Heiko,

        viel Spaß!
        Ich hatte nur die Kanten etwas gebrochen, bis der Bit passte, die Nut hatte ich nicht eingearbeitet. Das ging ganz gut mit Feile und Schraubstock. Es muß ja auch nur wenig weggenommen werden.
        Ich habe das gerade mal probiert, wie der Paul das gemacht hat und ich sag mal, bei guten Bits, vergiss das mit der Feile. Ich hatte einen Wera Bit genommen und ne gute Feile um die Nut „einzufräsen“. Ich habe aufgegeben, die Feile zeigt auch schon Spuren und läßt schon nach und die Nut ist nichtmal zur Hälfte, was die Tiefe angeht, fertig. Der Stahl der Bits war zu hart.
        Wenn müßte man die eher rein schleifen, Irgend eine Vorrichtung für die Flex bauen, damit man damit die Nut reinschleift.
        Oder vielleicht auf ner Drehbank mit einem HM Meisel, aber da bin ich überfragt, ob die auch was für schon gehärtete Stähle sind.

        Grüße

        Michael

  2. apophysis sagt:

    Hallo Heiko,

    die Nut- und Federverbindung noch mit Dominos zu verstärken kommt mir vor wie Gürtel mit Hosenträgern. Reicht es nicht, die Holzdübel in die Feder zu stecken und zu leimen?

    Herzliche Grüße
    apophysis

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      prinzipiell ginge das auch, aber nicht mit einer nur 12mm tiefen Nut und Feder- Verbindung. Dazu müsste die Verbindung tiefer ausgearbeitet werden, damit genügend Holz stehen bleibt. Die Dübel müssen ja die Hirnleiste halten, sollte sie sich verziehen. Es ist ja nicht die ganze Länge der Nut- und Federverbindung verleimt, sondern nur 5cm in der Mitte.

      Gruß

      Heiko

  3. Dominik sagt:

    Hallo Heiko

    Du schreibst beim Topfbandbohren, dass man die Absaughaube der Oberfräse (ich denke, das ist die OF1400?) nicht verwenden kann.
    Die kann verwendet werden, hab ich selber schon sehr oft gemacht.
    In der Absaughaube kann man vorne noch so ein eigeclipstes Kunststoffteil entfernen, die Haube ist dann vorne komplett offen und die Öffnung ist groß genug, um mit dem 35er Fräser durchzutauchen.
    Das gibt deutlich weniger „Sauerei“.

    Grüße vom Frankenholzwurm 🙂

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Dominik,

      danke für diesen Hinweis, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Beim nächsten Mal werde ich das dann so machen.

      Gruß

      Heiko

Kommentare sind geschlossen.