Werksbesuch bei Fein

Werksbesuch bei Fein - Eingangsbereich

Fein in Bargau

Im November war ich zu einem Besuch bei der Firma Fein eingeladen. Die Firma Fein verbindet man automatisch mit den Begriffen „Bohrmaschine“ und „Multimaster“.  Aber auch mit dem Begriff „Made in Germany“. Am Produktionsstandort in Bargau werden die robusten Maschinen mit einer sehr hohen Fertigungstiefe hergestellt.

In der Eingangshalle ist man als Besucher umringt von aktuellen und historischen Maschinen. Von der ersten elektrisch angetriebenen Bohrmaschine der Welt, bis hin zur aktuellen Magnet- Kernbohrmaschine, alles ist vertreten. Natürlich auch die ersten Generationen des bekannten Multimaster, der seinen Ursprung in der Medizintechnik hat. Er wurde nämlich entwickelt um Gipsverbände aufzuschneiden.

Werksbesuch bei Fein - Kaffeemaschine

Fein Kaffeemaschine

Auch kurioses, wie eine elektrische Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr ist zu finden. Und diese stammt nicht etwa aus den vergangenen Jahren, sondern aus einer Zeit, in der elektrischer Strom noch etwas Besonderes war. auch sonst hat die Firma Fein zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Dinge ausprobiert, umgesetzt und auch neu erfunden. Heute liegt die Kernkompetenz im Bereich Bohren und oszillierende Werkzeuge. In fast jeder Schreinerei finden sich Werkzeuge von Fein. Sei es eine Bohrmaschine, ein Schrauber, oder eben der Multimaster bzw. der SuperCut.

Nach meiner Ankunft im Werk bekamen wir (ich war nicht der einzige Gast) einen sehr informativen Überblick über die Geschichte der Firma Fein. Einige Anekdoten aus dem vergangenen Jahrhundert waren sehr interessant, so z.B. dass Thomas Alva Edison einst einen Katalog der Firma Fein anforderte, oder dass Robert Bosch in seiner Jugend Praktikant bei Fein war.

Natürlich wurden uns auch die aktuellen Maschinen und Neuentwicklungen vorgestellt, bevor es dann zur Besichtigung der Produktion ging.

Die Tour durch die Produktionshallen begann bei der Motorenfertigung. Hier war das Fotografieren nicht erlaubt, die Fotos der Produktion wurden mir von Fein zur Verfügung gestellt.

Werksbesuch bei Fein - Elektromotor vor dem Einbau

Elektromotor vor dem Einbau

Bei Fein werden die Motoren selbst hergestellt. Nach der Produktion eines Motors auf modernen Anlagen wird jeder dieser Motoren einzeln geprüft, gewuchtet und einem Testlauf unterzogen, bevor er dann in einer Maschine verbau wird. Sehr spezielle Motoren werden mit viel Handarbeit in kleinen Stückzahlen hergestellt.

Der Bau von Elektromaschinen ist mit einem hohen Anteil an Metallbearbeitung verbunden. Die Gussteile kommen von Zulieferern, werden aber im Werk gefräst und nachbearbeitet. Stahlteile werden selbst gedreht, gefräst und geschliffen. Einen weiteren großen Bereich macht die Kunststoffproduktion aus. Auf großen Maschinen werden die orangefarbenen Teile hergestellt.

Werksbesuch bei Fein - Kunststoffproduktion

Kunststoffproduktion

Ich fand es erstaunlich, wie wenig farbiges Kunststoffgranulat notwendig ist, um diese kräftige Farbe zu erzeugen. Auch dass die Kunststoffteile nicht direkt verarbeitet werden können, sondern erst über einen längeren Zeitraum reifen müssen, war mir neu.

Das riesige Formenlager, die Schatzkammer der Kunststoffproduktion macht erst deutlich, wie viel Aufwand es sein muss, so viele verschiedene Kunststoffteile selbst zu fertigen. Schließlich werden moderne Kunststoffe nicht nur für Maschinengehäuse verwendet, sondern auch für Zubehörteile und Griffe. Da kommt einiges zusammen.

Werksbesuch bei Fein - Gerätemontage

Endmontage

Die vielen verschiedenen Einzelteile sollen aber am Ende zu einem Elektrowerkzeug werden. Das geschieht in der Montagehalle. Hier gilt das Motto: „Ein Mitarbeiter, eine Maschine“. Es gibt nur für den Multimaster eine Art Fließbandproduktion. Alle anderen Maschinen werden einzeln von je einem Mitarbeiter gebaut, der mit seinem Namen für die Qualität jeder gebauten Maschine steht.

Die vielen Set- Varianten des Multimaster werden nicht im Werk zusammengestellt, sondern in umliegenden Behindertenwerkstätten verpackt.

Die Werksbesichtigung endete in der Lehrwerkstatt, in der bis zu 15  Mechatroniker ausgebildet werden.

Am Nachmittag gingen wir dann aber in die Praxis über. In der Schulungswerkstatt standen Bohrmaschinen,  Schrauber, Multimaster, SuperCut, Stichsäge und vieles Mehr zur Verfügung. Alles konnte ausprobiert werden und kompetente Mitarbeiter beantworteten Fragen.

Werksbesuch bei Fein - Akkubohrer

Akkubohrmaschine

Besonders gut hat mir die neue Akku- Bohrmaschine gefallen. Ich konnte mir erst nicht vorstellen, worin der Sinn einer reinen Bohrmaschine mit Akkubetrieb liegt, kann man doch mit jedem Akkuschrauber auch Bohren.

Beim Bohren mit der Maschine in eine dicke Stahlplatte zeigt sich aber der Unterschied. Die Fein Akku- Bohrmaschine dreht noch kraftvoll, während ein Akkuschrauber vermutlich schon stehen geblieben wäre. Typisch für Bohrmaschinen von Fein ist auch bei der Akkuvariante das Getriebegehäuse aus Metall und das äußerst robuste Bohrfutter. Im Holzbereich könnte für viele Anwendungen die hohe Drehzahl der Maschine interessant sein, die ansonsten nur wenige Akkuschrauber erreichen.

Werksbesuch bei Fein - Stichsäge

Fein Stichsäge

Die Stichsägen sind eher für die Metallbearbeitung ausgelegt. Umso erstaunter war ich dann auch, als sich bei Schnittversuchen in dickem Holz herausstellte, dass genau rechtwinklige Schnitte mit dieser Maschine kein großes Problem darstellen. Und das alles ohne viel Technik, nur mit solider Führung. Allerdings muss man bei diesen Maschinen auf den Pendelhub verzichten. Hier ist der Name Programm. Die Fein Stichsägen sind wirklich für feine Arbeiten gedacht.  Wie bei Stichsägen für die Metallbearbeitung üblich, kann das Sägeblatt nicht werkzeuglos gewechselt werden. Der Inbusschlüssel, der für den Wechsel benötigt wird, ist im Knaufgriff integriert und immer griffbereit.

Auch an der Stichsäge findet sich ein typisches Merkmal aller Fein Maschinen: Ein fünf Meter langes, hochwertiges Kabel. Ich finde das durchaus erwähnenswert, da es immer mehr Hersteller an dieser Stelle einsparen und zu kurze oder zu starre Kabel verbauen.

Werksbesuch bei Fein -  Maschinentests

Maschinen ausprobieren

Natürlich durften Praxistests mit dem Multimaster und dem Supercut nicht fehlen.  Besonders eindrucksvoll, war der direkte Vergleich dieser beiden Maschinen.  Beide basieren auf dem gleichen Funktionsprinzip, einer oszillierenden Bewegung. Der Supercut, der in zwei Varianten angeboten wird, hat jedoch mehr Leistung und eine größere Bewegung, was sich im Arbeitsfortschritt deutlich bemerkbar macht. So ist beispielsweise auch der Abtrag beim Schleifen mit dem Supercut recht hoch, was ich so nicht gedacht hätte.

Für mich als Tischler waren natürlich auch die netzbetriebenen Bohrmaschinen interessant. Aber auch die eher weniger bekannten Werkstattsauger (Dustex) haben mich interessiert. Sie können problemlos ohne Filterbeutel betrieben werden und haben ein durchaus attraktives Preis- Leistungsverhältnis. Eine Staubklasse wird jedoch nicht angegeben.

Am späten Nachmittag trat ich dann die Heimreise an. Für mich war dies ein sehr interessanter Tag. Auch wenn die Firma Fein eher im Metallbereich zuhause ist, bietet der Hersteller dennoch einige Maschinen an, die auch für Tischler und Holzwerker sehr interessant sein dürften.  Zu sehen, wie solche Maschinen hergestellt werden ist natürlich auch immer wieder interessant und man sieht die Maschinen anschließend mit ganz anderen Augen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei den Mitarbeitern der Firma Fein für diesen sehr schönen Tag bedanken.

Weitere Bilder:

 

Dieser Beitrag wurde unter unterwegs abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.