Eine Schatulle aus Nussbaum (mit Video)

Nussbaum Schatulle - Deckel mit Füllung

Die fertige Schatulle

Die Schatulle wollte ich eigentlich etwas besser dokumentieren. Da es sich jedoch um einen eiligen Auftrag handelte, musste ich die Dokumentation doch stark einschränken, sonst hätte ich den Liefertermin nicht einhalten können. Ich werde im Folgenden versuchen die wichtigsten Besonderheiten zum Bau dieser Schatulle aus amerikanischem Nussbaum zu erklären. Zum Glück habe ich viele der notwendigen Arbeitsschritte schon anderweitig genauer dokumentiert, so dass ich auf diese verweisen kann. Dieser Artikel beinhaltet daher recht viele Verweise auf andere Artikel.

Im Video (weiter unten auf der Seite) zeige ich einige Stationen des Baus, jedoch vollkommen unkommentiert (In Anlehnung an ein Video von Paul Marcel, dessen Dokumentationen ich sehr schätze)

Ich denke aber, dass viele ihrer Fragen weder hier im Text, noch im Video beantwortet wurden. Scheuen Sie sich nicht, diese per Kommentar zu stellen.

Nun aber zu den Besonderheiten der Schatulle

Vorbereitung des Holzes

Nussbaum Schatulle - Kanten abrichten

Kanten abrichten

Dies ist das erste Projekt, bei dem meine neue Dickenhobelmaschine, eine Makita 2012NB zum Einsatz kam. Und gleich bei einer Bohle, die sehr verzogen war. Also musste ich per Hand abrichten. Das geschah mit einem Schrupphobel aus Holz und einer Rauhbank von Veritas. Ich richte nur soweit ab, dass ich eine gute Auflage habe. Das Abrichten eines sägerauen Brettes habe ich einmal in diesem Video gezeigt: http://www.youtube.com/watch?v=y2TqaW9Yhko

Auch die Kanten wurden mit der Rauhbank und eine Fügeanschlag gerade und rechtwinklig gehobelt, bevor ich die Teile auf die benötigte Breite geschnitten habe.

Schatulle aus Nussbaum - Verleimen des Bodens

Verleimen des Bodens

Besonders kritisch ist immer die Herstellung von dünnem Leimholz. Ich habe für den Boden eine Leimholzplatte mit nur 5mm Stärke, einer Breite von ca. 270mm und einer Länge von ca. 470mm benötigt. Diese wurde aus drei Einzelteilen zusammengeleimt. Beim Verleimen waren die Teile noch ca. 8mm stark. Verleimt habe ich mit PU- Leim, der ist mir bei solch kritischen Verleimungen einfach lieber.  Nach dem aushärten des Leimes konnte ich die Platte problemlos auf die benötige Stärke aushobeln. Auch hier hat sich die neue Hobelmaschine schon sehr gut bewährt.  Keine Ausrisse.

Schatulle aus Nussbaum - Anleimen der Zierleisten

Anleimen der Zierleisten

Die Schatulle sollte einen kleinen Sockel bekommen, welcher abgeschrägt wurde und etwas über die Seiten vorspringt. Ich habe diese Leisten zunächst an die Seitenteile geleimt, dann mit der Dickenhobelmaschine auf der Innenseite bündig gehobelt und die Außenseite auf der Tischkreissäge schräg geschnitten. Eine Nut für den Boden wurde ebenfalls auf der Tischkreissäge eingesägt. Erst dann wurden alle Teile auf Gehrung abgelängt.

Die Eckverbindungen

Schatulle aus Nussbaum - Eckverbindung fräsen

Eckverstärkung fräsen

Alle Eckverbindungen sind auf Gehrung gearbeitet. Sowohl der Korpus selbst, als auch der Deckel werden zunächst auf 45° geschnitten. Beim Deckel konnte ich die Verbindung mit Dominos machen. Den Korpus habe ich mit Hilfe von Bandspannern stumpf verleimt. Anschließend wurden mit der Flachdübelfräse und einer einfachen Schablone dekorative Federn eingefräst. Auch dazu gibt es einen gesonderten Artikel und ein Video, dass diese Eckverbindung im Detail zeigt : Dekorative Eckverbindung mit der Flachdübelfräse.  Der Boden der Schatulle wurde vor dem Verleimen geölt und beim Verleimen lose eingesetzt. Er hat ca. 2mm umlaufend Luft in der Nut und kann ungehindert arbeiten.

Schatulle aus Nussbaum - Verleimen des Deckels

Verleimen des Deckels

Beim Deckel musste die Füllung aus satiniertem, blauem Plexiglas beim Verleimen eingesetzt werden. Das machte es notwendig, dass vor dem Verleimen die Innenkanten geölt wurden und alle Teile so weit wie möglich geschliffen waren. Denn das Plexiglas ist empfindlich und Kratzer müssen bei der weiteren Bearbeitung vermieden werden. Verleimt wurde mit Korpuszwingen. Ich nehme diese Zwingen sehr gerne, wenn Gehrungen zu verleimen sind. Man kann jede Gehrung für sich dicht drücken und braucht keine Zulagen.  Auf die Ecken selbst habe ich noch je eine normale Schraubzwinge mit Schutzkappen gesetzt, um einen Höhenversatz an der Gehrung zu vermeiden.

Einbohrbänder

Schatulle aus Nussbaum - Befestigen der Einbohrbänder

Befestigen der Einbohrbänder

Bei Schatullen und anderen Kleinstmöbeln stellt sich sehr schnell die Frage nach den richtigen Scharnieren. Ich habe mich für Einbohrbänder entschieden. Diese sind in geschlossenem Zustand unsichtbar und können bereits bei Materialstärken ab ca. 13mm verwendet werden. Die Einbohrtiefe beträgt 11mm, der Bohrdurchmesser 10mm. Die Bohrungen habe ich mit der Oberfräse und einem 10mm Nutfräser gemacht. Die Vorgehensweise ist relativ einfach. Der Abstand zur Kante wird durch den Parallelanschlag und dessen Einstellung vorgegeben. Der Abstand zur Seite ergab sich durch bündig halten der Maschinengrundplatte mit der Außenkante des Korpus. Beim Deckel, der 6mm übersteht habe ich einen Riss, 6mm von der Kante gemacht und die Grundplatte dort bündig gehalten. Der Parallelanschlag wurde natürlich auch um 6mm versetzt. Die Maschine wurde mit einer Schraubzwinge am Werkstück befestigt, damit beim Fräsen nichts verrutschen kann.

Diese Einbohrbänder halten auch ohne dass man die Madenschraube zum Spreizen anzieht schon sehr gut. Wenn man die Scharniere probeweise einsetzt, muss man sie anschließend mit einer Zange herausziehen. Dabei leidet die Mechanik. Es ist daher zu empfehlen einen Satz Bänder für die ersten Versuche zu opfern und bei der endgültigen Montage neue zu verwenden.

Inneneinteilung und Oberfläche

Die Inneneinteilung kann herausgenommen werden. Die besteht aus 7mm starkem Nussbaumholz und ist im Stecksystem gefertigt.  Es wurden Schlitze auf der Tischkreissäge geschnitten, so dass die Teile ineinander gesteckt werden können. Ein wenig Leim hält die Einzelteile zusammen, so dass die komplette Einteilung heraus genommen werden kann. Die älteren Leser erinnern sich sicherlich noch an die Einteilung der Packungen von Schokoküssen, die ebenso funktionierte.

Die Oberfläche wurde nach dem Schleifen bis Korn 320 mit Möbelhartöl von Natural behandelt. Nach dem Trocknen habe ich die Außenseiten noch leicht mit Antikwachs aufpoliert.

Viel Text und leider sehr wenige Bilder. Ich hoffe ich konnte dennoch die wichtigsten Dinge erklären. Und wie erwähnt, sollten Sie Fragen haben, nutzen Sie die Kommentarfunktion!

Am Ende möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass der Entwurf der Schatulle nicht von mir stammt, sondern vom Auftraggeber.

Video

 

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29 Kommentare zu Eine Schatulle aus Nussbaum (mit Video)

  1. Hüseyin sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe mir eine Holzhülle für mein Notebook gebaut. Dabei habe ich auch die gleichen Scharniere angewendet wie du für die Schatulle. Mir ist es leider nicht gelungen die Bohrlöcher präzise hinzubekommen wie du. Ich verstehe nicht ganz wie du die Scharnierlöcher ohne Schablone so genau machen konntest. In deinem Video sieht man, dass du den Deckel andrückst. Um den Abdruck der Scharnier zu übertragen??? Ich habe mir deinen Text oben durchgelesen, aber irgendwie erschließt es mir nicht.

    Über eine kleine Hilfestellung wäre ich Dir sehr dankbar.

    Gruß,

    Hüseyin

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,
      ich habe keine Schablone verwendet. Eine bessere Erklärung zu meiner Vorgehensweise, als sie im Text ist, fällt mir aber leider nicht ein. Du kannst aber auch mit einer Schablone arbeiten, die du jeweils mittig anlegst. In der Schablone wären dann Bohrungen für eine Kopierhülse. Somit wäre zumindest der Abstand der beiden scharniere zueinander ganz genau definiert.

      Gruß

      Heiko

  2. Werner sagt:

    Guten Morgen Heiko,

    Vielen Dank für dein rasche Antwort. Obwohl du diesen Fräsersatz noch nicht ausprobiert hast, stimmt mich dein Statement positiv. Überhaupt denke ich daß man Empfehlungen von Guido Henn durchaus Vertrauen schenken kann.
    Also werde ich mir diesen Satz gleich bestellen.
    Besten Dank und frohes Schaffen.

    Grüße

    Werner

  3. Werner sagt:

    Hallo Heiko

    Guido Henn hat in seinem Handbuch für Oberfäsen das 12-teilige Fräserset für cirka 60 -70 € von „ENT“ für den Hobby-Gebrauch empfohlen. Meinst du auch daß dieses Set für den Einsteiger empfehlenswert ist? Ich hab mir eine grüne Boschfräse für cirka 150 € gekauft, und da wäre mir deine Meinung hilfreich.

    Nette Grüße aus Österreich, Werner

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Werner,

      genau diesen Satz besitze ich nicht. Ich kann also nicht mit eigenen Erfahrungen dienen. Man liest aber öfter gute Kritiken über diese Fräser, nicht nur von Guido Henn. Man kann damit wie es aussieht keinen großen Fehler machen.

      Gruß

      Heiko

  4. Tim sagt:

    Hallo Heiko,

    Wie heißt die Bezeichnung des Dickenhobels den du verwendest ?

  5. Mario sagt:

    Hallo Heiko,

    Danke!

    Gruß Mario

  6. Mario sagt:

    Hallo Heiko,
    bist du mit deinem zweiten Werkstatt Sauger zufrieden?Ist die Saugkraft genauso stark wie bei deinem Festool Werkstatt Sauger?

    Gruß Mario

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Mario,

      mit dem Sauger bin ich zufrieden. Die Saugkraft ist sehr gut. Allerdings hat er keine Saugkraftregelung und keine Antistatik Ausrüstung. Daher nehme ich ihn nicht zum Schleifen, sondern nur an der Tischkreissäge, dem Frästisch und zum Reinigen der Werkstatt.

      Gruß

      Heiko

  7. Moritz Tiemann sagt:

    Hallo,

    was genau ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Leimsorten?
    Was sind deren Anwendungsgebiete?

    Vielen Dank im Voraus!

    MfG
    Moritz Tiemann

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Moritz,

      PU-Leim verwende ich wenn es sich um Verleimungen im außenbereich handelt, es also wirklich wasserfest sein soll. Auch bei kritischen Verleimungen mit geringer Leimfläche oder bei Hirnholzverleimungen nehme ich PU-Leim, weil er (das ist nun subjektiv und nicht wissenschaftlich) mehr Halt gibt.

      Für alles andere nehme ich normalen Weißleim (D3)

      Gruß

      Heiko

  8. Rudi Häberle sagt:

    Hallo Heiko,

    was für ein Sägeblatt verwendest Du denn für die verdeckten Längsschnitte? Wechselzahn? Ich versuche gerade ein Flachzahn Sägeblatt für die CS70 , 225mm Durchmesser, aufzutreiben. Das kleinste das ich gefunden habe waren 300mm Blätter.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      da hatte ich ein Z56 Wechselzahn montiert. Ich habe auch ein Z24 Flachzahn, aber für diesen Zweck ging auch das feine Blatt. Für meine Maschine brauche ich Blätter mit 280mm Durchmesser, da ist die Auswahl auch beschränkt.

      Hast du mal bei einem Schärfdienst wie Leitz oder Leuco gefragt, ob die passende Blätter haben? Manchmal ist es schwer, da als privatkunde ran zu kommen, dann kannst du aber mal in einer Tischlerei fragen, ob die dir was dort bestellen.

      Gruß

      Heiko

  9. Mario sagt:

    Hallo Heiko

    genau so wie du schleifst schleife ich auch!Zwar benutze ich den Exzenter nur bis Korn 120,aber was solls.Schöne Schatulle!!!

  10. Holz Wurm sagt:

    Wiedermal ein klasse Video! Hat auch mir sehr gut gefallen. Wie bist Du denn mit Deiner neuen Werkbank zufrieden? Sieht ja alles sehr gut aus im Video!
    Wünsche einen schönen Start in die Woche !
    Der Holz Wurm

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Holz Wurm,
      mit der Werkbank bin ich bisher sehr zufrieden. Ich werde aber bald noch ein paar Löcher rein bohren. aber nicht viele.

      Gruß

      Heiko

  11. Michi sagt:

    Auch ohne Kommentar ein schönes Video.
    Eine Frag hätte ich.. warum haben Sie den Schwingschleifer und nicht den Getriebe-Exzenterschleifer den Sie sonst in den Videos nutzen genommen… hat das einen Grund? Wäre das Ergebnis damit anders?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      der Schwingschleifer hat in der Tat ein besseres Schleifbild. Inzwischen nehme ich den Exzenter bis Korn 180 und dann bis Korn 320 den Schwingschleifer.

      Gruß

      Heiko

  12. Andreas sagt:

    Hallo Heiko,
    eine wunderschöne Schatulle hast Du da gebaut! Für meine Zwecke ist die Dokumentation auch ausreichend – vielen Dank für Deine Mühe!

    Ich hätte noch folgende Frage: Kannst Du die Bezugsquelle für diese feinen Einbohrbänder nennen?

    Viele Grüße und schönen Sonntag

    Andreas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Andreas,
      die Bänder findest du online sehr schnell. Ich habe welche von Hettich genommen. Die Hettich Nummer ist:31168

      Die genaue Bezeichnung lautet: Einbohr-Zylinderscharnier Excellent. Es gibt sie in verschiedenen Durchmessern.

      Gruß
      Heiko

  13. Leon E. sagt:

    Hallo Heiko,

    wieso arbeiten Sie jetzt auf einmal mit einem Holzhobel zum abrichten? Gibt es Vorteile beim hobeln? Wenn ja, welchen?

    Gruß

    Leon

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      der Schrupphobel ist derzeit der einzige Holzhobel, den ich nutze. Für mein Empfinden ist der hölzerne Schrupphobel angenehmer zu nutzen, als ein No.5 mit rund geschliffenem Eisen.Er eist leichter und gleitet sehr gut. Da hier keine Präzision erforderlich ist, tut ein alter Schrupphobel beim Vorarbeiten sehr gute Dienste.

      Gruß

      Heiko

  14. Norbert Becker sagt:

    Hallo Heiko,
    eine wirklich schöne Schatulle. Bei dem Bild von der Deckelverleimung ist mir eingefallen, dass ich kürzlich schon mal fragen wollte, welche Länge bei den Korpuszwingen am vielseitigsten einsetzbar sind?

    Gruß
    Norbert

  15. Mike sagt:

    Eine sehr schöne Arbeit. Mich würde interessieren wieviel Nußbaum Bohlen du gebraucht hast?
    Gruß Mike

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Mike,

      die Bohle war ca. 3m lang, 30cm breit und 35mm stark. Ich habe das Holz teilweise in der Dicke aufgetrennt, so dass ich nach dem Hobeln 15mm starke und 8mm starke Brettchen hatte. Von der Bohle habe ich etwas mehr als die Hälfte benötigt. Ein Teil war allerdings unbrauchbar, da es durch einen Nagel im Holz schwarz gefärbt war.

      Gruß

      Heiko

      • Holz Wurm sagt:

        Hi Heiko,
        wie hast Du denn die Bohle in die Bretter aufgetrennt?
        Säge und Dickenhobelmaschine ?
        LG
        der Holz Wurm

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo,

          ich habe erst abgerichtet, dann auf die größt mögliche Dicke gehobelt. Anschließend auf die benötigte Breite geschnitten, dann aufgetrennt und final auf Dicke gehobelt.

          Gruß

          Heiko

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