Ein Rollcontainer zum Schreibtisch

Rollcontainer aus Buche

Rollcontainer aus Buche

Zum Schreibtisch aus Buche habe ich noch einen Rollcontainer gebaut. Leider drängte die Zeit, so dass es nicht möglich war den Bau wirklich ausgiebig zu dokumentieren. Ich versuche daher in diesem Artikel die wichtigsten Punkte ein wenig heraus zu arbeiten.

Wie der Schreibtisch, so ist auch der Rollcontainer aus Buche Leimholz mit durchgehenden Lamellen hergestellt. Bei den Teilen für den Korpus und die Schubladenfront konnte ich die 20mm Materialstärke so belassen. Die Schubladenseiten passen jedoch mit 20mm Stärke nicht in die Beschläge. Da es wenig Sinn macht, die Seiten der Schubladen dünner zu machen, als die Vorder- und Rückseite, wurden alle Schubladenteile auf eine Stärke von 15mm herunter gehobelt. Das sieht auch besser aus und spart ein wenig Gewicht. Denn der Rollcontainer ist nicht gerade ein Leichtgewicht geworden. Aufgrund des hohen Gewichtes und der Verwendung auf Teppichboden habe ich mich für Rollen mit einer Höhe von 100mm entschieden. Kleinere Rollen wären zwar dezenter, aber die Funktion steht hier erst einmal im Vordergrund.

Rollcontainer aus Buche - Hängeregister

Hängeregister

Der Container muss auf seinen späteren Inhalt bezogen zwei wichtige Kriterien erfüllen: Die untere Schublade sollte als Hängeregister dienen und in der oberen Schublade sollten nicht nur Stifte Platz finden, sondern auch etwas größere Gegenstände wie Locher oder Hefter. Daraus ergaben sich die Innenmaße der Schubladen, nach denen die gesamten Außenmaße konstruiert wurden. Oft seht man Hängeregister, die als offene Schubkasten realisiert sind, also keine komplett geschlossenen Seiten haben. Dies war hier eindeutig nicht gewünscht und ich finde das auch sehr gut, denn bei dieser Lösung kann die Schublade auch anderweitig genutzt werden.

Das Problem bei solchen Auszügen ist das Gewicht, wenn sie gefüllt sind. Im Extremfall kann der Rollcontainer nach vorne kippen, wenn die Rollen ungünstig stehen und der Auszug komplett herausgezogen wird.  Zugegeben nicht gerade ideal, aber der Wunsch nach viel Stauraum stand im Vordergrund. Die Alternative wäre eine kürzere Schublade, oder ein Teilauszug gewesen. Wenn aber die beiden anderen Schubladen ebenfalls gefüllt sind, ist die Kippgefahr gebannt.

Rollcontainer aus Buche - Hängeregister

Befestigungsmechanik

Als Führungssystem für die Schubladen kamen Auszüge von Grass zum Einsatz. Diese sind leider für Privatkunden kaum zu bekommen, aber andere Hersteller haben ähnliche Systeme im Sortiment.  An diesen Systemen gefällt mir vor allem die Möglichkeit die komplette Schublade noch zu justieren. Dazu werden Zubehörteile auf die Unter- und Rückseite des Schubkastens montiert. Mit Ihnen justiert man dann das Spaltmaß und die Neigung der Schubladenfront. Praktisch ist auch, dass diese Zubehörteile auf der eigentlichen Führung einrasten. Man muss sie lediglich anschrauben und erspart sich jegliche Bohrungen zur Befestigung der Schublade auf der Schubladenführung.

Rollcontainer aus Buche -Schubladenführungen

Schubladenführungen

Ich verwende grundsätzlich Schubladenführungen mit sogenanntem Softeinzug. Das bedeutet, dass die Schublade beim Einschieben in den Korpus auf den letzten Zentimetern sanft eingezogen wird. Knallende Schubladen, die dann vielleicht noch ein wenig offen stehen gehören damit der Vergangenheit an. Bei einem hochwertigen Möbelstück gehören solche Details einfach dazu.

Die Montage der Schienen ist auch ohne Spezialmaschinen und CNC Fertigung machbar. Man muss sich die Maßzeichnungen des Herstellers genau ansehen. Am einfachsten konstruiert man dann im CAD das Innenleben des Schrankes anhand dieser Maße. Wenn man kein CAD Programm nutzt, macht man einen sogenannten Aufriss, also eine vereinfachte Zeichnung im Maßstab 1:1. Anhand dieser Zeichnung kann man die Abstände zwischen den Schienen abgreifen, anzeichnen und die Schienen montieren.

Ich würde jedem, der das zum ersten mal macht dazu raten erst einmal ein Muster aus billigem Material zu bauen. Hat man einmal einen solchen Beschlag montiert und ist der Groschen gerutscht, sind weitere Schubladenschränke kein Problem mehr.

Die komplette Konstruktion, also Korpus und Schubladen habe ich mit Dominos verbunden. Die Oberfläche ist natürlich passend zum Schreibtisch geölt.

Rollcontainer aus Buche

Rollcontainer aus Buche

Ich bin mir im Klaren darüber, dass für viele Holzwerker das Thema Schubladen und die entsprechenden Beschläge ein Buch mit sieben Siegeln ist. Wenn ich wieder einen Schrank mit Schubladen baue werde ich daher versuchen dies genauer zu dokumentieren. Denn wenn man ein paar Details berücksichtigt und sich an die vorgegebenen Maße hält ist auch das keine Kunst.

 

 

 

Hier geht es zur kompletten Baudokumentation

 

 

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24 Antworten zu Ein Rollcontainer zum Schreibtisch

  1. W.Haack sagt:

    Hallo, ich habe mir 2 große, tiefe Rollkontainer gebraucht gekauft, sauschwehre Kisten. Darum habe ich die Schubladen ausgebaut, dabei sind die seitlichen Schienen rausgefallen und nun komme ich nicht mit dem zusammenbauen klar. Es sind doppelte Auszugs-Schienen auf jeder Seite, diese Schienen fallen beim rausziehen der Schubladen raus, sind also nicht mit den Gegenscheinen an den Wänden verunden. Muß ich mir Hözer bauen, damit die Schienen stabil an die Seiten gedrückt werden und nicht beim einfädeln der Schubladen rausfallen?
    Villeicht kann mir jemand erklären wie das gemacht wird. Vielen Dank!

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      ich glaube hier ist eine Ferndiagnose ohne Bilder so gut wie unmöglich.

      Gruß

      Heiko

    • Anonymous sagt:

      Hallo Heiko, Hallo W. Haack,
      Ich vermute es handelt sich um Rollenvollauszüge.
      Da habe ich bei schweren Schubladen auch immer ein paar Versuche gebraucht weil die mittlere Schiene nur lose aufsitzt. Es sind aber keine Hölzer oder dergleichen Notwendig, wenn die Schublade erst einmal sitzt hält sich das gegenseitig.
      Nur Geduld brauchst du. Aber vielleicht kennt ja Jemand eine bessere Methode.
      Viele Grüße H.-J.

      • W.Haack sagt:

        Hallo H.-J.
        danke für Ihre Hinweise! Durch Ihren Beitrag war ich motiviert. Meine Contaier haben jedoch für jede Schublade an jeder Seite jeweils 2 seitliche Schienen, die teleskopartig auf vielen Rollen gleiten, also 4 Schienen für jede Schublade. Eine Rolle wird auch noch mit einer Feder über einen Hebel gespannt. Nun habe ich beide Container übereinander gestellt, braucht mich nicht mehr bücken. Dann habe ich eine Latte passend gesägt, zwischen die Schienen geklemmt nun konnten sie nicht mehr rauskippen, ich konnte dann die Schubladen problemlos einfädeln. Mit einer Hilfe, die die Schienen beim Einfädeln der Schubladen festhält wäre es auch ohne Latte gegangen. „gewust wie“ und viel Ruhe braucht man (hi). MfG W-H.

  2. Jochen sagt:

    Hallo Heiko,

    ich würde gerne einen etwas höheren „Roll“-Schrank (z.B. 120 cm hoch, 100 breit, 35 tief) bauen, wahrscheinlich eher mit Türen als mit Schubladen. Ich habe aber Bedenken, das die Standfestigkeit evt. nicht gewährleistet ist (weil evt. zu hoch und zu schmal). Gibt es da vielleicht irgendwelche „Richtlinien“, „Faustformeln“ oder sonstige Regeln, wie hoch bzw. tief ein Schrank auf Rollen sein darf bzw. sollte? Du hast ja z.B. auch einen Werkzeugschrank auf Rollen, der aber natürlich auch wesentlich tiefer ist. Wenn man z.B. Schiebetüren verwendet, kann der Schwerpunkt ja eigentlich auch nicht mehr so leicht „aus dem Lot“ wandern, selbst wenn der Schrank nicht so sehr tief ist.

    Viele Grüße
    Jochen

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jochen,

      die Tiefe könnte bei diesen Abmessungen ein Problem werden. Es kommt aber auch darauf an, den Schwerpunkt möglichst tief zu bekommen. Bei diesen Abmessungen müsste das Gewicht also nach unten und die Rollen so weit nach außen, wie es geht. Dennoch bleibt das sehr grenzwertig. Da werden die Schiebetüren auch nicht mehr alles heraus reißen können.

      Gruß

      Heiko

  3. Pepe sagt:

    Hallo,
    habe da eine Verständniss-Frage:

    Ich möchte einen Rollcontainer bauen der 40cm breit ist. Mal angenommen die Schienen benötigen auf jeder Seite 1,3 cm Platz (gesamt 2,6 cm)
    Kann ich meine Schublade dann einfach 37,4 cm breit machen?
    Und muss ich noch eine Führung für die Schiene fräsen?

    Welches Holz würden sie empfehlen? Habe an ein 3-Schichtholz gedacht, kostet zwar 16€ / m² aber es lässt sich einfach lackieren

    Vielen Dank!

    PS: tolle Anleitung 🙂

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      die Maße gibt der Beschlaghersteller vor, da hilft also nur in dessen Zeichnungen zu schauen und sich genau daran zu halten. Ob etwas gefräst werden muss oder nicht, ist vom jeweiligen Beschlag abhängig.

      Dreischichtplatten sind für den Korpus in Ordnung, aber je nach Beschlag (z.B. bei Unterflurführungen) eventuell zu dick für die Schubladen.

      Gruß

      Heiko Rech

  4. Gast sagt:

    Wie hast du den Auszug für die Hängeregistratur gemacht?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      das ist ein einfacher (Schub)Kasten. Zum aufhängen der Register habe ich zwei Alu- Winkel auf den Kanten der Schubladenseiten angebracht.

      Heiko

  5. Neal sagt:

    Hi Heiko,
    da fällt mir ein,wie bearbeitest du das Hirnholz von einer Leimholzplatte?Beim Hobel hättest man das Problem das es das Hirnholz gibt ,dafür braucht man einen Flachwinkelhobel mit 25 Grad Fase,wiederrum gäbe es Probleme wegen dem wechselnden Faserverlaufes,für selbigen benutzt man einen Hobel u.a. mit einem steilen Bettungswinkel,der sich aber nicht füs Hirnholz eignet.Also welche Art von Hobel nutzt du,mit welcher Eisenfase,oder schleifst du?!Wie du sieht stehe ich förmlich zwischen den Eisenfasen,eh Stühlen. 🙂

    Vielen Dank im Vorraus !

    Verwirrte Grüße vom Neuling 🙂

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Neal,

      für das Hobeln von Hirnholz ist ein Flacher Schnittwinkel von Vorteil, für wechselnden Faserverlauf einer mit steilem Winkel, da liegst du schon richtig. Solche Möbel schleife ich allerdings.

      Gruß

      Heiko

  6. Mike sagt:

    Schubladen kann man doch in der Werkstatt immer gebrauchen. Auf Rollen zweimal.
    Wie oft mußtest du die 20mm Buche durch den Dickenhoben schicken?
    Ich habe mir vor kurzem auch einen zugelegt. Ich denke du hast sie auf 15 oder 16mm gebracht oder.
    Gruß Mike

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Mike,

      klar kann man Schubladen in der Werkstatt immer gebrauchen. daher habe ich mir auch ein schönes, rotes Stahlregal mit 12 Schubladen bestellt, das in drei Wochen geliefert wird. Da muss ich also nichts selbst bauen.

      Die Schubladenseiten habe ich, wie du schon richtig vermutet hast auf 15mm ausgehobelt.

      Gruß

      Heiko

  7. Florian sagt:

    Hallo Heiko,

    danke für den Bericht, freue mich schon drauf wenn du dem Laien mal näher bringst wie man genau die Abstände der Schienen definiert. Ich habe die Multifunktionsbank von Guido nachgebaut, dort waren ja auch einige Schubladen mit einfachen Rollschubauszügen zu verbauen, dabei habe ich über 2 Tage Zeit verbraten und es hat viel Beruhigungsbier benötigt *G*

  8. Neal sagt:

    Hallo,
    warum hast du Dominos und nicht die Lamellos für die Plattenverbindung genutzt?

    Verwunderte Grüße vom Kölner der in Berlin lebt 🙂

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      Dominos geben hier einfach mehr Halt und Stabilität. Lamellos wären sicherlich auch gegangen. Da ich aber beides habe, ging ich auf Nummer sicher.

      Gruß

      Heiko

  9. Christoph sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe eine Frage zu der Montage der Schubladenführung.

    Der Rollcontainer ist aus Buche-Leimholz, dass wird ja über den Jahresverlauf etwas quellen und schwinden. Den Schubladenauszug hast du aber mit Schrauben fest montiert, ein Langloch im Beschlag war nicht zu sehen. Besteht da nicht die Gefahr, dass sich etwas verzieht?

    Grüße
    Christoph

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Christoph,

      im Prinzip hast du recht. Ich habe jedoch über die letzten Jahre die Erfahrung gemacht, dass hier oft übertrieben wird. Wenn es geht und bei sehr großen Bauteilen achte ich sehr darauf, dass das Holz arbeiten kann. Wenn sich im konkreten Fall die Schrankseite ein wenig ausdehnt oder zusammenzieht sollte das sich auf den Auszug kaum auswirken. Der Auszug ist ja viel kürzer, als die Schrankseite tief ist.

      Die Auszüge haben aber auch Langlöcher. Sollte wirklich mal eine Schublade etwas schwerer laufen, kann ich immer noch die Schrauben in die vorderen Langlöcher drehen.

      Gruß

      Heiko

  10. Tobi sagt:

    Hej,

    ich habe auch kürzlich ein Regal mit eben diesen Schubladenzügen, allerdings nicht so tief, gebaut. Die sind wirklich gut und halten einiges aus! Bei mir war das Rastermaß bei der Wahl ausschlaggebend. Als Privatkunde kann man sie bei http://www.lignoshop.de beziehen, zu dem ich keine Beziehung außer die als zufriedener Kunde habe. Dort habe ich auch passende massive Schubladen gekauft, da mir das Werkzeug für den Selbstbau fehlt. Die Fronten und den Korpus habe ich aus Plattenware gebaut. Die Kombination aus eigenen ‚Sichtbauteilen‘ und zugekauften Schubladen ermöglicht meines Erachtens einen guten Kompromiss zwischen individueller Gestaltung und rationellem Bau.

    Tobi

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Tobi,

      die dort angebotenen Auszüge sind von Blum, nicht von Grass. Das ist aber eigentlich egal, da die Funktionalität die gleiche ist und auch qualitativ liegen beide wohl gleich auf.

      Gruß

      Heiko

      • Michael Hild sagt:

        Hallo Heiko,

        da muss ich widersprechen.
        Ligno hat auch Grass Auszüge.
        Das sind doch die Dynapro Vollauszug Soft-close oder?

        Grüße

        Michael

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Michael,

          jetzt wo ich genauer hingesehen habe habe ich sie auch gefunden. Auf der Startseite zu den Schubladenauszügen steht nur Blum und Hettich. Danke für den Hinweis. Aber wie ich schon schrieb, ob Grass, Blum oder Hettich, die nehmen sich alle nicht viel.

          Gruß

          Heiko

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