Waschtischplatte aus Nussbaum -Teil 1

Waschtisch aus Nussbaum - Der fertige Waschtisch

Die fertige Waschtischplatte

Diese Waschtischplatte habe ich kurzfristig angefertigt. Eine Zeichnung dazu gibt es nicht. Das war auch nicht notwendig, eine Skizze mit den Maßen reichte für die Herstellung vollkommen aus.

Die Platte ist 1310mm lang und 620 bzw. 350mm breit. Die Waschtischplatte wird später in einem  Gäste WC in eine Nische eingebaut.  Auf der Platte wird ein Waschbecken aufgesetzt. Im zweiten Teil der Dokumentation wird es auch Bilder mit Becken geben. Die Befestigung der Waschtischplatte erfolgt durch Alu- Winkel, die an der Wand befestigt werden und auf denen die Platte aufliegt.

Waschtisch aus Nussbaum- Das Rohmaterial

Das Rohmaterial

Das Ausgangsmaterial ist amerikanischer Nussbaum, 35mm stark. Da ich für kommende Projekte noch Nussbaum brauche habe ich nicht zu sparsam bestellt. Von den vier Bohlen habe ich zwei für die Waschtischplatte benötigt.  Wie man auf dem Bild erkennen kann, sind die Bohlen sehr gerade. Das spart mir viel Arbeit beim Aushobeln. Ich habe nicht von Hand abgerichtet, sondern mit der Dickenhobelmaschine. Das funktioniert, wenn das Holz nicht verdreht ist sehr gut. Ich habe einfach während des Hobelns die Höhenverstellung betätigt und so ganz gezielt an erhabenen Stellen mehr Material abgetragen, als an anderen Stellen. Mit ein wenig Übung funktioniert das erstaunlich gut.

Waschtisch aus Nussbaum- Verleimen der Platte

Verleimen der Platte

Auch beim Fügen der Kanten habe ich etwas Neues ausprobiert. Ich habe die Kanten auf dem Frästisch gefügt. Auch das funktionierte völlig problemlos und es kamen dabei sehr genaue Leimfugen zustande, die perfekt passten. Wie man mit dem Frästisch fügt, werde ich demnächst in einem Video zeigen.

Die Platte wurde dann mit PU-Leim wasserfest verleimt. Da die Platte eine Aussparung hat, habe ich unterschiedlich lange Lamellen entsprechend zusammengesetzt um Material zu sparen.  Nach einer Abbindezeit von einer Stunde konnte ich die Platte ausspannen und weiter bearbeiten.

Waschtisch aus Nussbaum- Platte abrichten

Platte abrichten

Die weitere Bearbeitung war dann erst einmal das Planen der Plattenoberfläche mit der Rauhbank. Überstände der einzelnen Lamellen werden damit egalisiert. Erst nach dem Hobeln der Platte wird geschliffen. Den Vorschliff bis Korn 180 erledige ich immer mit dem Festool Rotex im Grobschliffmodus.  Die Rückseite wurde auch geplant und geschliffen, da dies für die weitere Bearbeitung wichtig ist. Allerdings konnte ich mich hierbei auf den Bereich unmittelbar an der Vorderkante konzentrieren.

Die Aufkantung unter der Platte lässt diese massiv und dick erscheinen. Damit die Waschtischplatte aber auch edel aussieht, werden alle sichtbaren Verbindungen auf Gehrung gemacht.

Waschtisch aus Nussbaum- Anzeichnen und ausschneiden

Anzeichnen und ausschneiden

Aber zunächst wurde die Form angezeichnet und grob mit der Stichsäge ausgeschnitten.

Waschtisch aus Nussbaum - Gehrungen fräsen

Gehrungen fräsen

Da die Platte abgewinkelt ist, können diese Gehrungen nicht einfach geschnitten werden, sondern müssen gefräst werden. Zu diesem Zweck benutze ich einen 45° Fasenfräser mit einer Arbeitslänge von 22mm und einem Gesamtdurchmesser von stolzen 57mm. An dieser Stelle möchte ich auch einmal den hervorragenden Service der Firma Sauter erwähnen, die  den Fräser nach einer telefonischen Bestellung so kurzfristig versendete, dass ich ihn rechtzeitig am nächsten Tag hatte. Gefräst wurde diese Gehrung allerdings nicht in einem Zug, sondern in drei Zustellungen.  Soviel wollte ich meiner Oberfräse dann doch nicht zumuten.  Das Spanaufkommen beim Fräsen war enorm. Damit ich möglichst sauber fräsen konnte, habe ich gleich zwei Staubsauger angeschlossen. Mit einem habe ich von oben abgesaugt, der andere wurde an der seitlichen Absaughaube angeschlossen.

Waschtisch aus Nussbaum-Leisten aufkleben

Leisten aufkleben

Auf dem oberen Bild sieht man, dass das Kugellager des Fräsers nicht am Nusbaumholz abtastet, sondern an einer Leiste darunter. Anders wäre es nicht möglich eine Gehrung zu fräsen. Diese Leisten habe ich mit doppelseitigem Klebeband aufgeklebt. Genau an die aufgezeichnete Kontur. Im ersten Schritt habe ich die Kontur mit einem Bündigfräser genau nachgefräst. Erst dann kam der Fasenfräser zum Einsatz.

Diese Vorgehensweise liefert eine genaue Kontur sowie eine sauber angefräste Gehrung ohne Ausrisse. Die Innenecke musste ich mit Simshobel und Stemmeisen noch spitz ausarbeiten. Der Fräser hat nur eine Bearbeitungstiefe von 22mm. Meine Platte ist aber 25mm dick, so dass ein kleiner Steg stehen blieb, der aber mit einem Blockhobel schnell entfernt war. Die Gehrungen an der 120mm hohen Aufkantung konnte ich dann wieder mit der Tischkreissäge schneiden.

Die Aufkantung habe ich auch wieder mit PU-Leim angeleimt. Erst mit Klebeband fixiert und dann mit vielen Schraubzwingen sauber verleimt.

Waschtisch aus Nussbaum - Aufkantung anleimen

Aufkantung anleimen

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18 Responses to Waschtischplatte aus Nussbaum -Teil 1

  1. Neal sagt:

    Hallo,

    Ich habe einen Tipp für dich,vielleicht weißt du das ja aber doppelt hält besser! 🙂
    Du kanst den 35mm Schlauch vom Hitachi Sauger(Starmix) Sauger auch an den Festool Sauger anschließen,somit bist für schwere Zerspanungs Aufgaben besser gerüstet als mit einem 27mm Schlauch!

    morgendliche Grüße

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Neal,

      ich habe nie probiert ob der Schlauch passt. Er hat ja einen Bajonettverschluss, das könnte problematisch sein. Ich werds bei Gelegenheit mal ausprobieren. Aber auch mit zwei angeschlossenen Festool Saugern (CTM36 und CTL Midi) war das Fräsen eine saubere Sache. 95% der Späne wurden abgesaugt.

      Gruß

      Heiko

  2. Arnold sagt:

    Hallo Heiko,

    Darf man fragen wo du dein Holz einkaufst?
    Das sieht richtig gut abgelagert aus.

    Gruß

    Arnold

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Arnold,

      mein Holz beziehe ich zu 95% von einem großen Händler in Trier (Fa. Leyendecker). In der Regel bestelle ich dort telefonisch und erkläre dem Lagermeister was ich genau brauche. Das funktioniert sehr gut. Das Holz ist natürlich alles technisch getrocknet und liegt beim Händler in einer Halle, nicht im Freien.

      Gruß

      Heiko

      • Arnold sagt:

        Hallo Heiko,

        Das ging ja flott mit der Antwort!

        Dein Leimholz oder Plattenware kaufst du auch dort ein?
        Wird das angeliefert oder musst du es abholen?

        Gruß

        Arnold

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Arnold,

          ja, meine Platten und Leimholz kaufe ich auch dort. Die Ware wird natürlich angeliefert, anders ginge das ja nicht. Wenn ich bis 17:30 Uhr bestelle habe ich das Material am folgenden Tag noch. Als besonderen Service bekomme ich dann morgens per E-Mail genaue Informationen wann der LKW bei mir sein wird. Das stimmt bis auf eine halbe Stunde genau. Service rundum sozusagen.

          Gruß

          Heiko

  3. Werner aus Österreich sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für Deine flotte Antwort. Ich hab einen 16er ohne Wendeplatten.
    Wenn ich mit der Drehzahl cirka 10% unter den erlaubten 30.000 Upm bleibe
    wird´s schon passen.

    Gruß

    Werner

  4. Werner aus Österreich sagt:

    Hallo Heiko,

    du hast also die Kanten mit Hilfe des Frästisches gefügt. Und ich dachte schon daß ich das erfunden hätte. Ich mach das nämlich auch sehr gern. Würdest du eher einen Nutfräser mit kleinem Durchmesser und höherer Drehzahl, oder einen größeren Fräser und dafür mit weniger Drehzahl vorschlagen. Was wäre hierzu Deine Meinung?

    Gruß

    Werner

    • Heiko Rech sagt:

      Halo Werner,

      für einen möglichst sauberen Schnitt ist ein Fräser mit großem Durchmesser besser geeignet. Ich nehme einen Fräser mit 16mm Durchmesser und Wendeplatten. Sozusagen als Kompromiss. Der Festool Falzkopf wäre hierzu mit Sicherheit auch sehr gut geeignet, aber er ist leider sehr teuer.

      Gruß

      Heiko

  5. Christof sagt:

    Okay und danke für die Antwort.
    Ich bin übrigens auch davon ausgegangen, dass noch feiner geschliffen wird, bevor geölt wird.
    Das heißt also, die (Kreis-)Spuren des Grobschliff bis 180 lassen sich bei 240, 320, etc. noch vollkommen rausbringen? Ich dachte immer, die Kreisbewegung möglichst zu vermeiden und habe über 80 die Grobschliffstellung nicht mehr verwendet. Aber das werde ich jetzt doch mal probieren.

    Gruß, Christof

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Christopf,

      noch zur Ergänzung: Ich schleife mit Korn 180 im Grobschliff und dann nochmal im Feinschliffmodus bzw. mit dem Schwingschleifer ebenfalls mit Korn 180, bevor ich zur nächst höheren Körnung wechsle.

      Gruß

      Heiko

  6. Christof sagt:

    Hallo Heiko!

    Schön wieder einen Bericht zu sehen. (Auch der Abrichtbericht ist sehr willkommen!)

    Du schreibst, dass du bis Korn 180 im Grobschliffmodus arbeitest. Das finde ich sehr interessant. Ich dachte, dass ich der Grobschliffmodus nur im gröbsten Korn (fange bei 80 an) verwende, damit die Fläche eingebnet wird. Dann schleife ich nochmal mit 80 im feinen Modus und alle Papiere über 80 auch nur im Feinschliff. Das ist aber selbst zusammengedachtes Vorgehen. Könntest du ein wenig darauf eingehen, warum du bis 180 im Grobschliff arbeitest – was da die Vorteile sind, ob das in den meisten Fällen die vernünftigste Vorgangsweise ist bzw. ob es bestimmte Bedingungen gibt, die für diese Vorgangsweise sprechen.

    Vielen Dank!
    Christof

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      Der Hauptvorteil ist schnell erklärt: Es geht schneller im Grobschliffmodus. Man muss ja beim nächst feineren Papier erst einmal die Spuren des vorher verwendeten entfernen.

      Die so erzeugte Oberfläche taugt nicht für das Ölen, aber das muss sie auch nicht, da ich ja noch entweder im Feinschliffmodus oder mit dem Mafell Schwingschleifer auf Korn 320 hochschleife. Da liegt sicherlich der Unterschied zwischen meiner Vorgehensweise und der vieler anderer. Wo bei mir der Grobschliff endet (Korn 180) hören die meisten schon ganz auf zu schleifen. Das wiederum hat aber mit meiner Art der Oberflächenbehandlung zu tun.

      Gruß

      Heiko

  7. Kay sagt:

    Sieht sehr schön aus, der Waschtisch, bin schon auf die Fortsetzung gespannt. Besonders auf das Video mit dem Fügen mittels Fräse.

  8. Thomas sagt:

    Hallo Heiko,
    eine wunderschöne Arbeit! Wie hast Du die Oberfläche bearbeitet? Die Dose im Hintergrund des 1. Bildes sieht mir verdächtig nach Natural Hartöl aus?!
    Hast Du keine Bedenken wegen des erhöhten Feuchtigkeitsaufkommens um das Waschbecken herum?

    Gruß, Thomas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Thomas,

      ich habe bezüglich der Feuchtigkeit keine Bedenken. Zum einen ist der Oberflächenaufbau den Gegebenheiten angepasst, zum Anderen handelt es sich „nur“ um ein Gäste WC, in dem der Waschtisch seinen Platz finden wird. Wenn man ein solches Möbelstück für einen Kunden macht muss man natürlich auf die Besonderheiten einer geölten Oberfläche aufmerksam machen.

      Beim Öl hast du fast recht, es handelt sich um ein Produkt von Naturalfarben, aber nicht um das Hartöl. Ich gehe im Teil 2 näher auf die Oberflächenbehandlung ein.

      Gruß

      Heiko

  9. Olli T sagt:

    Hallo Heiko,
    ich bin wirklich begeistert von Deiner Waschplatte. Wunderschönes Holz und perfekt angefertigt. Die Aufkantung auf Gehrung ums Eck würde bei mir garantiert spätestens beim Verleimen in die Hose gehen. Danke auch für den Fasefräsegehrungskniff.
    Viele Grüße
    Olli

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