Esstisch und Bank aus Nussbaum – Teil 3

Esstisch aus Nussbaum - Verleimung der Unterkonstruktion

Verleimung der Unterkonstruktion

Die Tischzargen und Querstreben im Tischgestell sind für die Stabilität des Tisches und dafür, dass die Tischplatte gerade bleibt verantwortlich. Entsprechend stark müssen diese dimensioniert sein. Das Problem bei solchen Abmessungen ist, dass das Holz ja nun einmal arbeitet und je dicker ein Querschnitt ist, umso mehr arbeitet das Holz. Dazu kommt noch die Gefahr, dass sich Risse bilden. Damit alles das nicht passiert, werden die Hölzer der Unterkonstruktion aus zwei Schichten verleimt. Die Holzmaserung wird dabei jeweils entgegengesetzt verleimt, also Kern auf Kern oder Splint an Splint. So heben sich die entstehenden Kräfte beim Arbeiten des Holzes gegenseitig auf. Es handelt sich hierbei im Prinzip um eine Formverleimung.

Damit diese Teile wirklich absolut gerade werden, verleime ich auf einem massiven Alu- Profil. Das Verleimen erfolgt mit PU-Leim. Dieser eignet sich gut für solche Formverleimungen und sorgt für sehr guten Halt. Damit alles dicht und Fugenlos wird, müssen ausreichend Schraubzwingen verwendet werden. Auf diese Art entstehen nacheinander alle Teile der Unterkonstruktion und der Auszüge.

Esstisch aus Nussbaum - Feinarbeit von Hand

Feinarbeit von Hand

Nach dem Verleimen wird alles auf die endgültigen Maße ausgehobelt. Die Vorarbeit erledige ich von Hand. Die Kanten wurden im Vorfeld schon absolut gerade geschnitten, so dass nur noch wenig Arbeit notwendig ist um perfekt abgerichtete und rechtwinklige Kanten zu erhalten.

Der Rest wird mit der Dickenhobelmaschine gemacht. Erst wird hochkant gehobelt, damit alle Teile die richtige Breite haben, dann wird das Holz auf die jeweils richtige Dicke gehobelt. Hierbei ist es wichtig, von beiden Seiten gleich viel zu hobeln, da ja zwei Schichten verleimt wurden, die auch nach dem Hobeln noch gleich dick sein müssen.

Esstisch aus Nussbaum - Die Eckverbindungen mit Dominos

Eckverbindungen mit Dominos

Alle Eckverbindungen am Tisch werden mit Domino- Dübeln gemacht. Es kommen Dominos der Größe 10 x 50 zum Einsatz, also die größten, die sich mit der DF500 verarbeiten lassen. Die Eckverbindungen zwischen Tischbein und Zargen werden später noch mit Schrauben verstärkt. Für die Verbindung der Querstreben mit den langen Zargen und für die Eckverbindungen an den Auszügen für die Ansteckplatten reicht aber eine geleimte Verbindung mit den Dominos vollkommen aus. Die meisten Verbindungen werden nach Anriss gefräst. Es werden später 30 dieser Dominos, 8 Stk. Spanplattenschrauben 5 x 100 und 16 Stk. Wurzelschrauben 6 x 90 die Teile des Tischgestelles zusammenhalten. Und natürlich wird alles miteinander verleimt.

Die Ansteckplatten können am fertigen Tisch auf ausziehbare Ablagen gelegt werden. Damit man das nicht sieht, wenn der Tisch ohne Ansteckplatten genutzt wird, gibt es an jedem Ende des Tisches einen Auszug. Die drei folgenden Bilder machen deutlich wie der Auszug funktioniert und welchen Zweck er hat.

Esstisch aus Nussbaum - Die Auszüge

Die Auszüge

Für diese Auszüge sind in den Zargen und den Querstreben Ausklinkungen notwendig. Diese habe ich auf der Tischkreissäge geschnitten. Damit die Ausklinkungen genau fluchten wurden immer ein Zargenteil und eine Querstrebe zusammen geschnitten.

Esstisch aus Nussbaum - Ausklinken der Zargen

Ausklinken der Zargen

Schnitt neben Schnitt wird die Ausklinkung erstellt. Das braucht zwar seine Zeit, wird aber sehr präzise. Die Sägespuren werden im Anschluss mit einem scharfen Stemmeisen entfernt, so dass eine glatte Auflagefläche entsteht.

Die Auszüge werden einzeln mit dem Handhobel eingepasst, so dass sie sehr straff laufen. Ein wenig Luft erhalten die Auszüge automatisch durch den noch bevorstehenden Feinschliff.

Die 40mm starke, massive Tischplatte muss lösbar bleiben, sonst könnte der Tisch nicht transportiert werden. Die Tischplatte werde ich nicht selbst anfertigen. Daher scheiden echte Gratleisten aus. Stattdessen dienen die Querzargen und Streben als Gratleisten. An diesen wird die Platte in Langlöchern verschraubt. Überstehende Schraubenköpfe wären aber für einen solch edlen Tisch nicht passend. Daher werden alle Schrauben in den Querstreben noch versenkt. Die Schraubenköpfe und Unterlegscheiben  werden schwarz lackiert.

Esstisch aus Nussbaum - Senken der Schrauben

Senken der Schrauben

Die Langlöcher sind mit der Dominofräse entstanden, die Senkungen  für die Schrauben sind mit der kleinen Makita Oberfräse und einem 20mm Nutfräser erstellt worden. Die Querzargen erhalten keine Langlöcher und Senkungen. Es wäre einfach nicht schön, wenn man am Tisch sitzt und die Senkungen für Schrauben unter dem Tisch fühlen könnte. Sehen würde man sie nur, wenn man sich unter den Tisch bückt. An den Querzargen werden daher nochmal schmalere Leisten angeleimt, an denen die Tischplatte verschraubt wird. Das sieht man im nächsten Teil besser, wenn es um das Verleimen des Tischgestelles und der Auszüge geht.

Hier finden Sie sie komplette Baudokumentation:
https://holzwerkerblog.de/meine-mobel/esstisch-und-bank-aus-nussbaum/

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22 Antworten zu Esstisch und Bank aus Nussbaum – Teil 3

  1. Udo sagt:

    Hallo Heiko,

    dir Tischzargen und Querstreben müssen ja wie beschrieben stabil genug sein, daher hast du sie aus 2 Schichten zusammengsetzt. Wäre es nicht auch möglich, die 40ger Tischplatte breiter zu nehmen und dort die entsprechenden Zargen dann abzutrennen?

    Udo

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Udo,

      das ginge natürlich auch, in meinem Fall war die Platte aber nicht breit genug um alles daraus zu schneiden.

      Gruß

      Heiko

  2. Christian sagt:

    Hallo Heiko,
    ich habe gerade gesehen das du deine Verbindungen bei dem Tisch mit PU-Leim geleimt hast. Ich will mir auch einen ähnlichen Tisch bauen nur aus Eiche. Da ich die Tischplatte selber herstellen möchte stellt sich nun für mich die Frage ob ich die Platte mit normalen D3 Leim herstelle oder doch lieber PU-Leim benutze.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Christian,

      du kannst ruhig normalen D3 Leim nehmen. Vom Halt her ist der mindestens gleich. Der PU-Leim hat den Vorteil, dass er schneller weiter verarbeitet werden kann. Im Hobbybereich ist das aber zweitrangig.

      Gruß

      Heiko

  3. Bene Wibmer sagt:

    Hallo Heiko

    Auch ich hab keine Dominofräse. Nur eine Makita Flachdübelfräse.

    Könntest Du dir vorstellen, dass die Eckverbindung Zargen/Querstreben auch mit Flachdübeln (evtl. in zwei Reihen) halten könnten.

    Viele Grüße
    Bene Wibmer

  4. woody a. sagt:

    Hallo Heiko,

    wie stellt man am besten eine Ausklinkung (ca. 4x4cm) ohne Tischkreissäge her?
    Ich habe mich von Deinen Konstruktion inspirieren lassen, leider besitze ich aber keine TKS.
    Zur Verfügung stehen HKS (TS55), Zug- u. Kappsäge, Oberfräse und natürlich Handwerkzeuge. Ich denke aber mit Handwerkzeugen wird die erforderliche (Wiederhol-/)Genauigkeit nur sehr schwer zu erreichen sein.

    Eine Möglichkeit wäre die HKS und das Versetzen der Führungsschiene…oder!?

    Viele Grüße,
    woody

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo woody,

      mit der Handkreissäge würde ich das nicht versuchen, da kann zu schnell etwas schief gehen. Mit Handwerkzeugen geht das sehr gut, wenn man ein wenig Übung im Umgang hat. Die Oberfräse ist für dich sicherlich die beste Lösung. Dazu nimmst du dir ein paar Streifen dünnes Sperrholz und baust dir daraus einen Winkel mit einer Schenkellänge von ca. 30cm. Den Aufbau des Winkels machst du so ähnlich wie ich es in diesem Video zeige:
      http://www.youtube.com/watch?v=quHy3wBdbrg

      Diesen Winkel kannst du dann für alle möglichen Ausklinkungen nehmen.

      Nun zeichnest du die Ausklinkung genau an. Du sägst dann mit Hand- oder Stichsäge grob vor, Nun spannst du den Winkel genau auf den Riss fest. Mt einem Fräser mit Anlaufkugellager kannst du an der Schablone entlang die Ausklinkung sehr genau ausfräsen. Die Ecke ist dann natürlich bedingt durch den Fräser rund, das kannst du schnell mit Handwerkzeugen eckig machen.

      Gruß

      Heiko

  5. Heinz sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für die Antwort und die Zeit, die du dir dafür genommen hast.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
    Heinz

  6. Heinz sagt:

    Hallo Heiko,

    noch eine kleine Frage. Gibt es einen Regelwert, wie dick eine Gratleiste sein sollte? Ich möchte einen Esstisch mit einer 4cm Eiche Leimholzplatte bauen. Die Platte ist aus durchgehenden Lamellen (4x4cm) hergestellt. Wieviele Gratleisten würdest du auf einer Länge von 180 (x90) für nötig halten? Würde es reichen die Platte nur über die Zargen als Gratleiste zu sichern?
    Vielen Dank im Vorraus,
    Heinz

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Heinz,

      mit Sicherheit gibt es in der Fachliteratur ganz konkrete Hinweise auf die Materialstärken. Ich halte aber recht wenig von solchen Pauschalisierungen. Es spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Außerdem stammt ein großer Teil der beliebten Fachbücher aus einer Zeit, in der Holz anders getrocknet wurde und Räume anders beheizt waren. Vieles was in früheren Zeiten unerläßlich war kann man heute etwas lockerer sehen. So auch die Gratleisten.

      Wenn deine Platte aus solch schmalen Lamellen besteht, das Holz gut abgelagert (Kammergetrocknet) ist und die Platte ordentlich verleimt ist, reichen Gratleisten mit einer Höhe von 60mm locker aus, wenn diese aufgeschraubt werden. Auf 1,8m würde ich schon noch zwei Leisten zusätzlich anbringen, diese stabilisieren ja auch den gesamten Tisch noch einmal.

      Ich wünsche dir gutes Gelingen beim Tischbau.

      Gruß

      Heiko

  7. Heinz sagt:

    Vielen Dank für die Antwort. Sind das 2 Parallelanschläge zusammen, oder gibt es den so mit 2 Backen?
    VG Heinz

  8. Heinz sagt:

    Hallo,
    welchen Parallelanschlag verwendest du bei der Oberfräse zum Fräsen der Querzargen?
    VG Heinz

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Heinz,

      auf dem Bild ist der Parallelanschlag der Perles Oberfräse (gibt es auch einzeln zu kaufen) an der Makita RT0700 montiert.

      Gruß

      Heiko

  9. Gustav sagt:

    Danke für Deine Antwort.
    Gruß
    Gustav

  10. Gustav sagt:

    Super Tisch. Baue gerade einen Tisch 170 x 90 x 4,2 cm die Platte , Holz ist Schwarzkiefer. Zargen 4 cm Dick Frage: Breite der Zarge 8 oder 10 cm? Die Zarge wird mit Zapfen in den Füßen eingelassen. Frage: Bohrst du die Schraubenlöcher für die Fußbefestigung vor ?
    Gruß Gustav

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Gustav.

      die Zaregen an diesem Tisch sind 80mm hoch. Das reicht aus und ich habe schon mehrere Tische mit 80mm Zargen gebaut. Die Löcher musst du auf jeden Fall vorbohren, wenn du solch dicke Wurzelschrauben verwendest.

      Gruß

      Heiko

  11. Ernst sagt:

    Hallo Heiko

    Vielen Dank für diese Tischserie. Ich befasse mich gerade damit einen sehr ähnlichen Tisch zu bauen und finde viele wertvolle Tips!

    Dazu zwei Fragen:

    Die Domino Dübel sind in der Schweiz nur sehr schwer erhältlich, bzw. nur in den Grosspackungen. Würden zwei Runddübel anstelle eines Dominodübels auch genügen oder ist das zu schwach?

    Am Anfang habe ich eine CAD Zeichnung gesehen. Kann man die Pläne irgendwo runterladen?

    Viele Grüsse
    Ernst

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Ernst,

      natürlich kannst du auch Runddübel nehmen. Andererseits hat man ein paar Dominos auch schnell selbst gemacht. Dir stehen also beide Varianten offen. Die Zeichnungen kann man nicht herunterladen. Pläne und Skizzen von Kundenaufträgen gebe ich nicht heraus.

      Gruß

      Heiko

  12. Andi sagt:

    Hallo Heiko,

    tolle Arbeit. Als wir damals einen Esszimmertisch gesucht haben, haben wir genau so einen Tisch gesucht, wo die Auszüge für die Ansteckplatten im Tisch montiert sind. Das ist meines Erachtens, die eleganteste Art und stabilste Art, mit Ansteckplatten zu arbeiten.

    Vor allem aber die Lagerung der Ansteckplatten gestaltet sich viel einfacher, weil die nervigen Ansteckleisten an den Platen von 50 cm Länge weg sind und ja nur die relativ kleinen Platten gelagert werden müssen.

    Ich freu mich schon aufs Finale,

    Gruß Andi

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