Schrank aus Birke – Teil 1

Schrank aus Birke - Erster Entwurf

Erster Entwurf

Im ersten Teil der Projektdokumentation zu einem Schrank aus Birke geht es um die Konstruktion, die Materialauswahl und die ersten vorbereitenden Arbeiten.

Der Schrank wird später in einer Dachschräge stehen, er wird daher abgestuft. Das nebenstehende Bild zeigt den ersten Entwurf und einige Grundmaße. Das ist auch die einzige 3D Zeichnung, die für dieses Möbelstück erstellt wurde. Es reicht aus um sich eine erste Vorstellung der Proportionen zu machen und darauf basierend weitere Entscheidungen für die Gestaltung und Aufteilung zu treffen. Basierend auf diesem ersten Entwurf entstand dann eine 2D- Ansicht mit den endgültigen Abmessungen und Einteilungen. Daraus wiederum entstanden die Fertigungszeichnungen, welche die endgültige Konstruktion, die richtigen Abmessungen und die Detailzeichnungen der Türen beinhalten.

Die Besonderheit bei diesem Möbel werden die Türen. Es soll zwar eine Rahmen- Füllungs- Konstruktion werden, aber eine etwas schlichtere Variante, bei der auf der Außenseite kein Querrahmen zu sehen sein wird.

Schrank aus Birke - Detail Türkonstruktion

Detail Türkonstruktion

Erreicht wird dies dadurch, dass die Füllung eine große Abblattung erhält, die das Querstück des Rahmens überdeckt. Es werden einige Fräsungen notwendig sein, die ich alle auf dem Frästisch erledigen werde. Bei der Planung habe ich bereits darauf geachtet, dass ich nicht zu viele unterschiedliche Falz- und Nuttiefen habe. Das erleichtert das Fräsen sehr und es minimiert auch die Fehlerquellen. Eine Herausforderung wird die sehr große Abblattung (Eigentlich ist es ein Falz) an der Füllung werden. Ich habe diese Konstruktion bereits mehrmals gemacht,  allerdings bisher immer auf einer großen Tischfräse. Die ersten Türen dieser Bauart habe ich im Jahr 2002 bei meinem Meisterstück gefertigt. Diese waren aus Buche und zeigen bis heute keinerlei Risse oder Verwerfungen.

Schrank aus Birke - Rohmaterial für die Türen

Das Rohmaterial für die Türen

Das Rohmaterial für die Türen waren drei Bohlen mit einer Stärke von 52mm, die erst einmal in handliche Stücke zerlegt wurden. Anschließend erfolgte das Vorhobeln der dicken Stücke, das Auftrennen und das anschließende Hobeln auf die Fertigmaße. Dabei habe ich darauf geachtet für die Rahmenteile die Stücke auszuwählen, welche die ruhigste Maserung haben. Daraus resultiert dann auch, dass die Rahmenteile keine liegenden Jahresringe haben. Optimal wären stehende Jahresringe. Diese erhält man, wenn man die mittlere Bohle eines Stammes auftrennt. Ich hatte aber nur eine Mittelbohle und konnte daher nicht alle Rahmenteile mit ganz gerade stehenden Jahresringen zuschneiden.

Schrank aus Birke - Fügen der Lamellen für die Füllungen

Fügen der Lamellen für die Füllungen

Nach dem Aushobeln wurden die Leimholzplatten für die Füllungen hergestellt.  Gefügt habe ich diese mit der Rauhbank von Hand. Parallel dazu habe ich immer die bereits gefügten Teile miteinander verleimt.

Das Hobeln von Birke ist nicht ganz einfach, das es sehr zu Ausrissen neigt. Ein scharfes Hobeleisen und eine geringe Spanabnahme helfen jedoch die Ausrisse zu vermeiden. Ich habe insgesamt acht Füllungen verleimt. Der Korpus wird aus fertig gekauften Leimholzplatten hergestellt. Dazu aber mehr im nächsten Teil.

Schrank aus Birke - Das vorgerichtete Holz für die Türen

Das vorgerichtete Holz für die Türen

Das verleimte und ausgehobelte Holz hat nun einige Tage Zeit sich zu akklimatisieren. Das ist unbedingt notwendig, da ja das Ausgangsmaterial sehr dick war und daraus dünnere Teile geschnitten wurden. Im Inneren der Bohle liegt eine minimal andere Holzfeuchte vor, als auf der Außenseite, das Holz verzeiht sich ein wenig. Gut belüftet gelagert wird das Holz aber schnell wieder gerade.

Am Ende dieses Teiles möchte ich noch kurz auf die Holzauswahl eingehen: Meiner Meinung nach ist Birke ein Holz, das viel zu wenig Beachtung findet. Vielleicht kommt es daher, dass Birken, die hierzulade wachsen oft nicht für den Bau von Möbeln geeignet sind. Birken aus Nordeuropa, meist aus Finnland liefern jedoch ein ausgezeichnetes Möbelholz. Besonders schön ist das Holz älterer Bäume, das verkernt ist und im inneren dann einen sehr schöne braune Färbung bekommt. Die helleren Teile sehen oft aus wie Ahorn. Dabei gehört Birke auch in guter Qualität zu den noch erschwinglichen Hölzern, mit einem Kubikmeterpreis, der nur wenig über dem von Buche liegt.

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10 Antworten zu Schrank aus Birke – Teil 1

  1. Udo Schelp sagt:

    …vielen Danke erst einmal…
    so sieht das komplette Haus von Innen und Außen aus; im Winter sehr gemütlich und warm, sehr niedrige Energiekosten bei nur 20 cm Außenwand …aber halt das Problem mit den Möbeln.
    Im Wohnzimmer habe ich alles in (massiver) Eiche (natur), da halt aus Mietwohnung migenommen wurde; man hat sich daran gewöhnt…
    farbig wäre vielleicht wirklich nicht schlecht…

    Udo

  2. Udo Schelp sagt:

    Hallo Heike,
    ich habe 2 Fragen:
    1) kann ich für eine Werkbank (Arbeitsbereich) auch 27 mm Leimholz (Buche) nehmen? Habe ich noch hier rumstehen…? Oder ist es zu schade/schwer?
    2) aber nun zu diesem Schrank in Birke. Mein komplettes Haus besteht aus massiven (nordischen) Kieferbalken. Nun möchte ich mir einen (Akten/Order~) Schrank erstellen, der vor diese Wand (Bild) passt. Ist nicht immer einfach bei soviel Holz. Der Schrank soll allerdings nicht zu altmodisch sein, also etwa so modern aussehen wie dieser hier. Kann ich wohl die Birke davor setzen oder würdest du ein anders Holz nehmen…?

    danke

    Udo

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Udo,

      Buche arbeitet sehr stark, dies sollte durch entsprechende Konstruktion der Werkbank verhindert werden. Dann spricht da nichts dagegen. Ob es dir zu schade ist, musst du entscheiden. Ebenfalls selbst entscheiden musst du, ob dir Birke zu Kiefer gefällt. Mein Fall wäre es nicht. Bei so viel Holz würde ich mal über eie farbige Oberfläche nachdenken. Eine Lasur in einer schönen Farbe würde den Holzkisten-Charakter etwas abmildern. Du könntest beispielsweise helle Tischlerplatten farbig lasieren,oder auch kombinieren, dunkels bis rötliches Holz und dazu wei0e Flächen. Der Fantasie sind letztenendes keine Grenzen gesetzt.

      Fahr am besten mal zu einem Holzhändler und schau dir unterschiedliche Plattenmaterialien an. Da gibt es schon tolle und hochwertige Sachen. Ich persönlich könnte mir zu dieser rustikalen Optik sogar eine Kombination aus rustikalem Holz und einem Platenwerkstoff in Beton- Optik (imibeton) vorstellen.

      Gruß

      Heiko

  3. Alexander sagt:

    Hallo Heiko,

    mir gefällt die Konstruktion für die Türen sehr gut. Ich habe so etwas ähnliches schon mal gebaut und gute Erfahrungen damit gemacht
    (https://plus.google.com/u/0/photos/104094271180523657703/albums/5887524481910385873)
    Mich würde aber interessieren wie du den Übergang der Füllung und des vertikalen Rahmens machst, da ja hier Luft sein muss das die Füllung arbeiten kann.

    Gruß
    Alex

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Alexander,

      dein Lösungsansatz sieht auch sehr interessant aus.

      Wie die von mir geplante Konstruktion im Einzelnen aussieht zeige ich noch in der kommenden Woche. Da will ich jetzt nicht vorgreifen.

      Gruß

      Heiko

  4. Stephan sagt:

    Hallo Heiko,

    die Pläne sehen wirklich sehr gut aus.

    Mit welcher Software erstellst Du Pläne?

    Gruß
    Stephan

  5. Steffen Pede sagt:

    Hallo Heiko,

    deine Zeichnungen sind sehr schön geworden. Mich interressiert womit du diese machst, die 2D als auch die 3D Zeichnungen.

    Gruß
    Steffen

  6. Tobi sagt:

    Hallo,

    der Plan sieht interessant aus, ich bin gespannt! Wie hast du das Holz dünner bekommen? Du kannst ja unmöglich deine 52mm-Bohle auf 2cm mit der Hand runtergehobelt haben. Hast du sie noch aufgesägt?

    Tobi

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Tobi,

      das Holz wurde auf die maximal herausholbare Stärke ausgehobelt (Mit dem Dickenhobel), dann aufgetrennt und anschließend auf Fertigmaß gehobelt.

      Gruß

      Heiko

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