Schrank aus Birke – Teil 2

Schrank aus Birke - Der Zuschnitt der Leimholzplatten

Der Zuschnitt der Leimholzplatten

Der Korpus des Schrankes wird aus Leimholzplatten gefertigt. Natürlich mit durchgehenden Lamellen und nicht Keilgezinkt. Die Materialstärke beträgt 19mm. Insgesamt benötige ich 5 Platten mit einer Breite von 1210mm. Bei den Längen habe ich mich auf meine Zuschnitttoptimierung verlassen und je zwei Platten mit einer Länge von 1250mm, eine Platte mit 1800mm Länge und zwei Platten 1700m lang geordert. Diese Platten werden erst einmal grob zugeschnitten. Dabei hilft der grafische Schnittplan. Damit die Absaugung der Handkreissäge besser zieht habe ich den Schattenfugenanschlag montiert. Dieser deckt gleichzeitig die Öffnung in der Haube der Handkreissäge ab.

Schrank aus Birke - Fertigschnitt auf Breite

Auf die endgültige Breite schneiden

Nach dem groben Zuschnitt sind die Platten schon wesentlich handlicher und ich kann die geschnittenen Streifen auf die endgültige Breite zuschneiden. Das erledige ich auf der Tischkreissäge. Der MFT/3 dient hierbei als Tischverlängerung, vor der Säge ist ein Rollenbock aufgestellt. So kann ich ganz bequem auch die 1,8 Meter langen Platten schneiden. Der Grobzuschnitt erfolgte mit einem Zuschnittblatt und hat einen recht rauen Schnitt hinterlassen. Daher schneide ich beide Längskanten mit einem Feinschnittblatt nach.   Vor den nächsten Arbeitsschritten werden alle Plattenstreifen erst einmal vorgeschliffen. Vorschliff heißt bei mir bis Korn 180 mit dem Rotationsschleifer im Grobschliffmodus.

Schrank aus Birke - Hobeln der Kanten

Hobeln der Kanten

Das Schleifen in diesem frühen Stadium hat den Vorteil, dass alle folgenden Arbeitsgänge genauer werden. Auch Schäden in der Plattenoberfläche werden sichtbar und man kann früh genug entscheiden, welche Seite der Platte nach innen- und welche nach außen kommt.

Die Kanten werden nicht geschliffen, sondern gehobelt. Birke hobelt sich nicht gut. Es neigt zu Ausrissen. Ich verwende zum Glätten der Kanten einen kleinen Flachwinkel- Putzhobel mit einem steil geschliffenen Hobeleisen. 50° Hauptfase, 2° Mikrofase und ein Bettungswinkel von 12° ergeben einen Schnittwinkel von 64°. Das ermöglicht ausrissfreies Hobeln. Jede Kante wird mit gleich vielen Hobelstößen geglättet. Beim Zuschnitt habe ich in der Breite 0,5mm zugegeben, so dass das Maß nach dem Hobeln genau stimmt.

Schrank aus Birke - Ablängen der Einzelteile

Ablängen der Einzelteile

Erst jetzt, nachdem die Flächen vorgeschliffen und die Kanten geglättet sind, werden aus den Streifen die endgültigen Längen der Einzelteile herausgeschnitten. Auch hier hilft der Schnittplan. Alle Teile wurden zuvor laut Schnittplan nummeriert, damit nichts falsch zugeschnitten wird. Der Schrank hat eine Tiefe von 400mm. Zum Teil werden die Ecken auf Gehrung verbunden. Die Gehrungen schneide ich auf der Tischkreissäge. Mit einem frisch geschärften Sägeblatt werden die Gehrungsschnitte sauber und genau.

Bevor es an die Eckverbindungen geht, werden einige Teile mit einem Falz versehen, in dem die Rückwand eingelegt wird. Der Falz ist 14mm hoch und 10mm Tief. Das reicht aus, um eine 6mm starke Rückwand samt Schraubenköpfen aufzunehmen.

Schrank aus Birke - Falz fräsen

Falz einstellen und fräsen

Zum Einstellen des Frästisches habe ich seit kurzem einen kleinen digitalen Helfer. Dieses Messgerät erleichtert nicht nur das Einstellen des Frästisches, sondern kann auch an der Tischkreissäge, der Handoberfräse und zum Messen von Nuten und Fälzen verwendet werden.  Es kann an jeder beliebigen Stelle genullt werden und kann auch inkremental messen. Wieder ein Werkzeug, bei dem man sich schnell fragt, wie man bisher nur ohne es ausgekommen ist.

Im nächsten Teil zeige ich dann die unterschiedlichen Eckverbindungen und Verbindungsbeschläge, die am Korpus Verwendung finden.

 

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21 Antworten zu Schrank aus Birke – Teil 2

  1. Tobias sagt:

    Hallo

    Ich meinte natürlich Handkreissäge

  2. Tobias sagt:

    Hallo Heiko

    Ich brauche eine Handsäge da ich mit der Stichsäge nicht grade genug schneiden kann.
    jetzt hab ich gesehen das fast alle HS die für mich in frage kommen Keinen spaltkeil haben!
    Was würdest du empfehlen??
    gruss

    tobi

  3. Joachim Lützenkirchen sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für die ausführlichen Informationen.
    Nun werde ich mit den genaueren Planungen beginnen.

    Gruß
    J. Lützenkirchen

    PS: ich habe mich für den Kurs am 23.08. angemeldet und freue mich schon darauf.

  4. Joachim Lützenkirchen sagt:

    Hallo Herr Rech,

    ich habe eine generelle Frage zu Leimholz.
    Ich plane einen Waschtisch-Unterschrank fürs Badzimmer. Da es sich ja hier um einen sog. Feuchtraum handelt stellt sich für mich die Frage welches Leimholz (Holzart) hier wohl am besten geeignet ist und wie die Oberflächenbehandlung letztendlich aussehen muss.

    Viele Grüße
    J. Lützenkirchen

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      ein Bad wird zwar immer als Feuchtraum bezeichnet, das ist aber in der Regel nicht der Fall. Ein Feuchtraum ist ein Raum in dem permanent eine erhöhte Luftfeuchte vorliegt. In einem normal genutzten Bad sollte das nicht der Fall sein.

      Im Prinzip reicht im Bad eine D2 Verleimung wie in einem normalen Wohnraum aus. Sicherheitshalber kann man aber auf eine D3 Verleimung erhöhen. Die mir bekannten Markenhersteller für Leimhölzer bieten ihre Platten in D3 Verleimung an. Somit wäre man beim Leim auf der sicheren Seite. Bei der Oberflächenbehandlung habe ich gute Erfahrungen mit Öl gemacht, allerdings habe ich kein Holz, das direkt mit Wasser in Kontakt kommt im Bad. Ein gutes Holzöl sollte für einen Unterschrank reichen, vorausgesetzt die Platte ist nicht aus Holz.

      Gruß

      Heiko Rech

      • Anonymous sagt:

        Hallo Herr Rech,
        vorab schon einmal vielen Dank für die Antwort. Hierzu aber nochmal folgende Rückfrage:
        Die Info „Ein gutes Holzöl sollte für einen Unterschrank reichen, vorausgesetzt die Platte ist nicht aus Holz“ verstehe ich nicht ganz. Die Deckplatte des Möbels wollte ich schon aus dem gleichen Material fertigen wie der Rest des Korpus.

        Spielt es eine Rolle ob ich nun Buche, Eiche oder eine andere Holzart für das Möbel nutze.

        Gruß
        J. Lützenkirchen

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo,

          ein Unterschrank kann zum Einen komplett unter dem Waschbecken sein, aber auch so, dass das Becken auf dem Schrank ist. Bei der zweiten Variante muss die Platte gegen eindringendes Wasser geschützt werden. Dann würde ich ein Schichtbildendes Öl bevorzugen. Z.B. Hartwachsöl von Osmo, oder Parkettöl von Naturalfarben mit anschließendem Überzug mit Finishöl.

          Dennoch muss man bei einer Holzplatte unter dem Becken vorsichtig sein und kein Wasser länger darauf stehen lassen. Die Holzart spielt dabei keine Rolle, solange die Versiegelung in Ordnung ist und regelmäßig nachgepflegt wird.

  5. Wie heißt denn der digitale Helfer und wo gibt es den?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      ich habe ihn bei Sautershop gekautft. Es nennt sich „Einstelllehre für Oberfräsen“

      Gruß

      Heiko

  6. Neal sagt:

    Morgen Heiko,
    warum machst du die Längssschnitte auf der Tks nicht mit einem groben Sägeblatt und hobelst die Kante entsprechend nach?
    Da der Verschleiß eises Feinzahnsägeblattes bei Längsschnitten in Massivholz höher ist, als bei Querschnitten in Massivholz.

    Schnittige Grüße

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Neal,

      der Verschleiß ist so etwas höher, das stimmt. Aber die Schnittgüte ist besser und somit auch das Ergebnis. Außerdem muss ich nicht so viel hobeln, was Zeit spart. Birke hobelt sich nicht gut und da gehe ich ungern das Risiko von Ausrissen ein. Aus diesen Gründen habe ich den höheren Verschleiß gerne in Kauf genommen.

      Gruß

      Heiko

  7. Frank sagt:

    Hallo Heiko,

    wieder ein tolles Projekt, ich bin schon auf die nächsten Teile gespannt!

    Ich plane auch gerade ein Projekt in Birke Leimholz. Du schreibt, dass Birke sich schlecht hobelt und zum Ausreissen neigt. Ist das auch beim Fräsen ein Problem, oder geht das sauber und problemlos?

    Da auch schon die Frage nach Bezugsquellen aufkam: das ist für mich als Anfänger tatsächlich auch ein grosses Problem. Aufgrund des Transportes scheint es fast nur lokale Anbieter zu geben. Die können gut sein oder halt auch nicht. Probleme für mich z.b. Öffnungszeiten & Preise (spezialisierte Händler) oder Auswahl & Qualität (Baumarkt). Falls also doch jemand Erfolg und gute Erfahrungen mit Bezug über’s Internet hat, würde ich mich freuen von euch zu hören.

    viele Grüße,
    Frank

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Frank,

      beim Fräsen von Birke muss man auch sehr aufpassen, im Zweifel einfach in mehreren Zustellungen fräsen und vor allem wirklich scharfe Werkzeuge verwenden,

      Was die Beschaffung angeht, glaube ich kaum, dass holz eine Ware ist, die sich problemlos versenden lässt. Nicht nur aufgrund der Abmessungen und der daraus folgenden Versandkosten, sondern auch weil man je nach Anwendung das Holz ja auch aussuchen möchte.

      Ich verwende Leimholz des Herstellers „Berthold“. Frag mal über deren Internetseite nach dem nächsten Händler für dich:
      http://www.berthold-holz.de/kontakt.html

      Gruß

      Heiko

  8. Ulf Schönfeld sagt:

    Das ist für kommendes Jahr auch geplant, es wird eine lange Fahrt deswegen war ich dort auch noch nicht 725 km eine Strecke.
    Also wer weiß vielleicht sieht man sich dort, nach einem stämmigen 2 Meter Kerln mit Rotem Hemd, Schwarzer Hose, Brat und Brille Ausschau halten.

    Gruß Ulf

    • Christoph Meyer sagt:

      Hallo Ulf,

      bei meiner Suche nach möglichen Lieferquellen für Holz in Oldenburg bin ich mal auf http://www.behrens-woehlk-gruppe.de gestoßen. Allerdings beliefern die keine Privatkunden wie mich, aber wenn ich das richtig verstanden habe bist du wohl kein Privatkunde.

      Grüße aus Oldenburg
      Christoph

  9. Andreas W sagt:

    Nürnberg ? was ist da wen ich fragen darf

  10. Ulf Schönfeld sagt:

    Danke für die schnelle Antwort. Ich finde es richtig gut was du hier machst, es ist auch für mich immer schön zusehen wie andere betriebe und Menschen arbeiten.
    Ich hoffe das man sich doch noch einmal persönlich trifft, auf der Ligna habe ich die leider verpasst.

    Gruß aus dem Norden Ostfrieslands

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Ulf,

      die Ligna ist mir zu groß und zu weit weg, daher fahre ich da nicht hin so gerne hin (ich war vor einigen Jahren einmal da). Aber Nürnberg ist Pflicht. Auch kommendes Jahr wieder.

      Gruß

      Heiko

  11. Ulf Schönfeld sagt:

    Hallo Heiko,

    Ich habe eigentlich nur eine Frage die mich auch brennend interessiert.
    Wie bzw. Wo bekommst du die leimholzplatten her??
    Für mich ist es schwierig gutes Leimholz zubekommen. Meine Händler haben bzw. wollen einige Holzarten nicht besorgen.

    Gruß Ulf Schönfeld

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Ulf,

      ich weiß ja nicht, ob dir das weiter hilft, aber mein Händler ist die Firma Leyendecker in Trier. Die Birkeplatten hatte er nicht an Lager, die hatten eine Lieferzeit von 5 Arbeitstagen. Die 40mm Nussbaumplatte für den Esstisch hatte eine Lieferzeit von 3 Wochen, weil solche Platten auch vom Hersteller nicht auf Lager produziert werden.

      Gruß

      Heiko

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