Werksbesuch bei Mafell

Werksbesuch bei Mafell

Werksbesuch bei Mafell

Betriebsbesichtigungen sind eine tolle Sache und ich nehme gerne die Gelegenheit war mir anzusehen, wie Werkzeuge, mit denen ich arbeite hergestellt werden. Auch die Gespräche mit den Leuten vor Ort sind immer sehr interessant. Am 25.10.2013 durfte ich mir die Produktion bei der Firma Mafell in Oberndorf am Neckar ansehen und auch an einer kurzen Produktschulung teilnehmen.

Wenn Sie einmal die Gelegenheit bekommen an einer Betriebsbesichtigung in dieser Art, egal bei welchem Hersteller, teilzunehmen, sollten Sie das unbedingt tun. Man hat im Anschluss einen vollkommen neuen Blick auf die Maschinen in seiner Werkstatt.

Die Produktion:

Eines vorweg, in der Produktion durften weder Videos, noch Fotos gemacht werden. Daher beschränkt sich dieser Teil nur auf eine Beschreibung meiner Eindrücke.

Die Firma Mafell hat nach eigenen Angaben eine Fertigungstiefe von 85%, also 85% der Teile fertigt man am Standort selbst. Die restlichen 15% werden wenn möglich in Deutschland eingekauft. Eine Mafell Maschine ist demnach wirklich „Made in Germany“. Eine Fertigung in Deutschland, hohe Ansprüche an alle Komponenten und ständige Überwachung der Fertigungsprozesse sollen die bestmögliche Qualität des Endproduktes sicherstellen. Das Alles kann man bei einem Rundgang durch die Produktion live erleben.

Ich habe schon mehrere Produktionen besichtigen dürfen, konnte aber noch nirgendwo sonst eine solche akribische Liebe zum Detail sehen. Jede noch so kleine Kleinigkeit wird hier durchdacht und man versucht auch bei eher unbedeutend erscheinenden Details das Optimum heraus zu holen. Kein Stanzteil, das nicht perfekt entgratet wird, kein Druck, der nicht perfekt sitzt und kein Endprodukt, das nicht einen 20 Minütigen Testlauf absolvieren und bestehen muss. Das ist schon beeindruckend.

Die Produktion umfasst mehrere Teilbereiche wie Motorenfertigung, Kunststoffproduktion, CNC- Fräsen, Endmontage oder Versand. Es werden auch Teile aus bis zu 6mm starkem Blech gestanzt. Die meisten Metallteile werden pulverbeschichtet. Vieles was nach Kunststoff aussieht entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ummanteltes Stahlteil. Der verwendete Kunststoff ist mit 30% Glasfaserverstärkt und alles andere als einfacher Plastik.

Bei Mafell setzt man auf Leichtbau. Allerdings nicht beim Motor. Die Cuprex Motoren sind aufgrund des dicken Drahtes, der für die Wicklung verwendet wird schwerer als viele andere Motoren. Damit die fertige Maschine nicht zu schwer wird, werden wenn möglich Teile aus Magnesium Druckguss, oder eben aus verstärktem Kunststoff eingesetzt.

Das hat allerdings keinen Einfluss auf die Langlebigkeit und Robustheit. Die Zeiten, in denen „robust und langlebig“ gleichbedeutend mit „schwerem Guss und Stahl“ waren sind inzwischen bei allen namhaften Maschinenherstellern vorbei.

Der Rundgang durch die Produktion dauerte etwa eine Stunde und war sehr informativ.

Kurze Produktschulung

Werksbesuch bei Mafell - Die neue K85

Die neue K85

Die Zeit war nur begrenzt und so ist die Produktschulung relativ kurz ausgefallen. Sie beschränkte sich auf konkrete Fragen und Produkte, die für die Teilnehmer noch neu waren, wie zum Beispiel die neue Handkreissäge K85, welche mit allerlei neuen Funktionen aufwarten kann. Vieles davon muss  man einfach mal gesehen und selbst ausprobiert haben um es zu verstehen. Das gilt auch für eine Reihe anderer Details, die sich fast an jedem Mafell Werkzeug finden, sich aber in einer kurzen Katalogbeschreibung nicht vermitteln lassen. Aus diesem Grund legt der Hersteller auch viel Wert darauf, dass Kunden oder Interessenten die Maschinen live erleben können, sei es auf Messen oder Vorführungen in Betrieben oder bei Händlern.

Natürlich durften auch Klassiker wie das Kappsägesystem, die Stichsäge und nicht zuletzt die beliebte Unterflur- Zugsäge „Erika“ nicht fehlen. Auch hier wurden alle  Fragen beantworten, die Funktionen erklärt und pfiffige Zubehörteile aus den Systainern geholt.

Leider war die verfügbare Zeit etwas knapp und so blieben doch einige Maschinen in der Schulungswerkstatt für diesen Tag unangetastet.

Werksbesuch bei Mafell - Unterdrucksystem für Führungsschienen

Unterdrucksystem für Führungsschienen

Was mir besonders gut gefallen hat war das Führungsschienensystem, das durch den Unterdruck des angeschlossenen Werkstattsaugers auf dem Werkstück gehalten wird. Damit sind die oft bemängelten Schraubzwingen für die Mafell Führungsschienen inzwischen nahezu hinfällig. An weiteren interessanten Beispielen wurde gezeigt, dass die Firma Mafell sehr viel mehr Wert auf Innovation und Neuentwicklung legt, als auf das meist einfachere Redesign von Maschinen.

 

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei den Mitarbeitern der Firma Mafell für die entgegengebrachte Gastfreundschaft und diesen sehr informativen Tag bedanken.

Ich hätte mi Sicherheit noch viel mehr Fotos machen- und auch mehr Videomaterial aufnehmen können. Aber wenn es richtig interessant ist, vergisst man das natürlich schnell.

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6 Kommentare zu Werksbesuch bei Mafell

  1. Felix sagt:

    Hallo Heiko,

    wurde auch die KSS 80 gezeigt? Ich finde dieses Gerät interessant denn es scheint mehrere einzelne Geräte zu ersetzen:es ist eine Kappsäge mit vergleichbarer Schnitttiefe wie z.B. eine Festool Kapex, eine Pendelhaubenhandkreissäge und hat zusätzlich noch eine Tauchfunktion.

    Nicht immer wird ja ein Gerät besser wenn es viele Funktionen erfüllt. Deswegen wollte ich mich einmal erkundigen, ob du das Gerät einmal ausprobieren konntest und wie deine Meinung ist.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Felix,

      die Maschine konnte ich auch ausprobieren. Es ist eine Maschine für Zimmerer, nicht unbedingt für Schreiner. Eine Kappsäge ist es auch nicht. Leisten oder kleine Werkstücke kann man damit nicht bearbeiten. Schau sir dir am besten mal bei einem Händler an. Dann wirst du sehen, dass sie keine herkömmliche Kappsäge ersetzt.

      Gruß

      Heiko

  2. Andi sagt:

    Hallo Heiko,

    schöner Beitrag. Als Schwabe und angrenzender Oberndorfer freut mich dieser Beitrag um so mehr.

    Was ich persöhnlich im letzten halben Jahr an Deinem Blog beobachten konnte, das er immer „Hersteller-Offener“ wurde. Was Deine Objektivität beweist und keine Marken Verliebtheit. Es geht ja schliesslich ums arbeiten mit Maschinen und nicht ums austellen Derer.

    Ich denke „Rot“ und „Grün“ sind gleich obenauf. Allerdings wahrscheinlich mit anderer Gewichtung. Rot – Zimmerer, Grün – Schreiner.

    Was aber für mich den wertigeren und noch robusteren Eindruck macht, sind ganz klar Mafell Maschinen. Die sind meines Erachtens aber auch für den „noch härteren Alltag“ konzipiert. Es gibt einen schönen Vergleicht der MT55 und TS55. Da wo die TS55 abschaltet, macht die MT55 munter weiter 🙂

    Danke für das Video,

    Gruß Andi

  3. Michael Hild sagt:

    Hallo Heiko,

    der Besuch klingt wirklich interessant, da wäre ich auch gerne dabei gewesen.
    Wurde eigentlich, vielleicht auch durch die Blumen, was zu den Qualitätsproblemen und den fragwürdigen Service gesagt?
    So wie Du die Produktion beschreibst, passt das ja nicht recht ins Bild und ist wirklich schade für so einen Hersteller.

    Grüße

    Michael

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Michael,

      also wenn man von den in Foren auftauchenden Fällen und Diskussionen ausgeht, hat Mafell vermutlich kein größeres Qualitätsproblem als Hersteller wie Festool oder Metabo auch. Von allen liest man gelegentlich dass etwas nicht geklappt hat. Ich gebe relativ wenig auf solche Forenbeiträge und beurteile einen Hersteller auch lieber anhand eigener Erfahrungen. Da scheinen deine Erfahrungen eben anders zu sein als meine, denn ich hatte mit meinen Mafell Maschinen nie Probleme. Ich hatte so gesehen noch mit keiner meiner Maschinen Probleme, egal was drauf steht. Ich habe aber auch nicht dauernd das Haarlineal oder den Präzisonswinkel bei der Hand. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ein gelernter Schreiner anders an Werkzeuge und Maschinen herangeht als ein Hobbyanwender. Das bedeutet nicht, dass alles perfekt ist, aber das ist es bei anderen Herstellern auch nicht. Jeder kocht letztenendes nur mit Wasser.

      Interessant ist übrigens, dass es diese ewige „was ist besser, Mafell oder Festool“ nur unter Anwendern gibt. Das gibt es bei den beiden Firmen untereinander nicht. Das sieht man auch auf Messen sehr schön. In persönlichen Gesprächen mit Mitarbeitern beider Firmen habe ich immer wieder erfahren, dass man sich gegenseitig sehr respektiert und sogar freundschaftlich miteinander umgeht.

      Gruß

      Heiko

      • Michael Hild sagt:

        Hallo Heiko,

        ich meinte nicht nur die Forenbeiträge, sondern vorallem die Nachrichten und Emails, die ich persönlich bekommen habe.
        Habe gerade aus Interesse nachgezählt, es war eine wegen einem Festool Gerät, ebenso eine wegen Metabo und sieben die sich auf Mafell bezogen.

        Grüße

        Michael

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