Schrank aus Birke – Teil 4

Schrank aus Birke - Lochreihen für Bodenträger

Dezente Lochreihen

Lochreihen sind sehr beliebt und werden auch von Hobbyschreinern sehr gerne verwendet. Manch einer schießt dabei über das Ziel hinaus und es werden Schrankseiten komplett perforiert. Das ist nicht schön und auch nicht notwendig. Bevor man mehrere Hundert Löcher bohrt, sollte man sich daher folgendes Überlegen: Wie oft werden die Einlegeböden in der Praxis verstellt? Muss es ein recht feines Raster von 32mm sein? Muss die Lochreihe schon am Schrankboden beginnen und komplett bis zum Deckel durchgehen? Sicherlich sind Sie nach diesen Überlegungen auch der Meinung, dass weniger hier mehr ist. Aus diesem Grund verwende ich bei diesem Schrank aus Birke auch eine einfache, selbstgebaute Schablone für Lochreihen, statt dem Lochreihensystem LR32 von Festool.

Schrank aus Birke - Lochreihenschablone

Lochreihenschablone

Die Schablone ist recht einfach in der Herstellung. Ein Stück Sperrholz mit Anschlagleisten, Bohrungen im Raster von 50mm mit einem Durchmesser von 30mm. In diese Löcher passt ein 30mm Kopierring, so dass die Bohrungen im Schrank mit der Oberfräse ausgeführt werden können. Die beidseitigen Anschlagleisten erlauben das Anlegen der Schablone sowohl an der rechten, wie auch an der linken Schrankseite. Eine solche Schablone ist in wenigen Minuten aus Resten hergestellt und funktioniert hervorragend.

Die Lochreihe wird in den offenen Fächern, sowie in den Fächern hinter den Türen gleich sein. Der Lochabstand beträgt 50mm und es werden nur fünf Löcher für jeweils einen Einlegeboden gebohrt. Wird der Boden im mittleren der fünf Löcher aufgelegt, ist er genau in der Mitte des jeweils lichten Maßes. Das führt dazu, dass die Lochreihe in der Höhe nicht genau mittig gebohrt wird, sondern versetzt nach unten. Der Versatz ergibt sich aus der Materialstärke der Einlegeböden und dem entstehenden Abstand zwischen Bohrung und Unterkante des Bodenträgers, der verwendet wird.

Schrank in Birke - Schablonenbau mit Forstnerbohrer

Schablonenbau mit Forstnerbohrer

Bei der Herstellung solcher Schablonen zeigt sich schnell der Vorteil von Kopierringen mit Maßen, die auch als Bohrer einfach zu bekommen sind. Exotische Kopierring- Abmessungen erschweren den Schablonenbau.

Ich habe für meine Oberfräsen Kopierringe mit den Außendurchmessern 20mm, 30mm und 40mm. Forstnerbohrer mit 20mm und 30mm sind in jedem Sortiment enthalten. 40mm Forstnerbohrer sind schon wieder relativ teuer, daher nehme ich für den Schablonenbau (zum Beispiel eine Schablone für Topfbandbohrungen) eine passende 40mm Lochsäge für wenige Euro. Das Anzeichnen der einzelnen Bohrungen auf der Schablone muss sehr genau erfolgen. Mit Lineal, Winkel und spitzem Bleistift gelingt das aber ausreichend genau.

Schrank aus Birke - Lochreihen bohren mit der Oberfräse

Lochreihen bohren mit der Oberfräse

Gebohrt werden die Lochreihen wie eben schon erwähnt mit der Oberfräse. Das Bohren erfolgt, während der Schrank zusammengebaut auf der Werkbank steht. Die Gefahr Bohrungen zu vergessen, oder an der falschen Stelle zu bohren ist dadurch extrem gering. Die Schablone ist hierbei jeweils mit vier Federklemmen an der Schrankseite fixiert, die Rückwände sind nicht montiert, sie würden stören.

Das Bohren der Lochreihen war auf diese Weise in ca. 30 Minuten erledigt. Zusammen mit dem Schablonenbau und dem Einrichten der Oberfräse verging knapp eine Stunde. Ein durchaus vertretbarer Aufwand für eine ganz individuelle Lochreihe.

Dieser Beitrag wurde unter Schrank aus Birke abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Schrank aus Birke – Teil 4

  1. Stephan sagt:

    Hallo Heiko,

    danke Dir.

    Gruss
    Stephan

  2. Stephan sagt:

    Hallo Heiko,

    mich interessiert die richtige Handhabung beim Forstnerbohrer:
    – wie bohrst Du, damit die Krone nicht zu heiß/stumpf wird?
    – wie hälst Du ihn auf der Bohrposition?
    – Ist es überhaupt möglich, präzise Löcher zu bohren, z.B. für Exzenterverbinder?

    Viele Grüße
    Stephan

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Stephan,

      Bei Forstnerbohrern muss man sehr auf die Drehzahl achten. Ich verwende eine Zweigang- Bohrmaschine mit geringer Drehzahl und ausreichend Kraft. Die Präzision, die so erreicht werden kann, ist davon abhängig, wie genau man anzeichnet. Die Zentrierspitze, wenn sie richtig angesetzt wurde hält dann die Position. Aber egal wie du es machst, Exzenterverbinder per Handbohrmaschine einzubringen ist immer eine recht fummelige und ungenaue Sache. Besser geht das mit Sicherheit mit der Oberfräse und Schablonen. Oder man nimmt gleich andere Verbinder wie zum Beispiel den Clamex von Lamello.

      Gruß

      Heiko

  3. Jürgen sagt:

    Das ist ein super Tip um mit dem Kopierring und den Fornstnerbohrern zu den Lockreihen zu kommen.
    Mir erspart das jetzt eine Lochreihenschiene für die neue OF.

    Vielen Dank dafür!

  4. Michael_ZZ sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für Deinen wie immer sehr aufschussreichen Bericht.

    Eine kleine Frage hätte ich: Wenn auf beiden Seiten einer Zwischenwand Einlegeböden gesetzt werden sollen, bohrst Du dann durch das Brett durch oder setzt Du die Lochreihen auf beiden Seiten an?

    Gruß, Michael

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Michael,

      ich bohre in einem solchen Fall von beiden Seiten. Ich habe zwar auch einen speziellen Bohrer, mit dem man durchbohren kann, aber auch dieser hinterlässt in Massivholz gerne mal kleine Ausrisse. Daher gehe ich lieber auf Nummer sicher. Besonders bei Birke.

      Gruß

      Heiko

  5. Tobi sagt:

    Hej,

    ich bin Lochreihenfan. Mein erstes und bisher einziges größeres Möbelprojekt ist ein ca. 3x3m großes Bücherregal im heimischen Wohnzimmer, das komplett auf dem 32mm-Raster basiert. Ich kann dieses Regal nach einem Umzug (nach dem ich nicht unbedingt noch einmal 3m Deckenhöhe habe) problemlos oben kürzen, kann sowohl die Böden als auch Klappen und Schubladen in beliebiger Höhe und in beliebiger Kombination einsetzen und habe alle Freiheiten, das Regal jederzeit umzurüsten. Man muss sich nur auf das System einlassen — dann bietet es wirklich sehr viele Möglichkeiten.

    Klar, dafür brauchte ich einige Löcher (ca. 1600 Stk.). Aber mit deiner Methode, mit der Oberfräse in einer Holzschablone, habe ich die in unter 2h gebohrt gehabt, inklusive Einrichten der Maschine, Fixieren der Schablone und Bewegen der Bauteile.

    Und genau deshalb kann ich nicht verstehen, wieso du dieses System einerseits nutzen willst, andererseits aber konsequent dagegen arbeitest. Wenn dir 32mm zu eng ist, warum dann nicht 64mm? Und wie ist dein Abstand zur Vorderkante? Das System der 32mm-Abstände bezieht sich auf ALLE Abstände; also auch den der Reihen untereinander und den nach vorne, der aber abweichend 37mm oder 28mm ist. Dann kann man die Schablone auch noch für andere Aufgaben verwenden; so haben etwa alle mir bekanten Türgriffe einen Lochabstand im geradzahligen Vielfachen von 32mm.

    Bei der Herstellung der Löcher ist meiner Erfahrung nach übrigens eine gute Absaugung absolut notwendig. Schon beim ersten Loch setzt sich sonst der Dübelbohrer zu und verkohlt das Werkstück.

    Tobi

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Tobi,

      das 32er System hat seinen Ursprung im Industriellen Möbelbau und dort auch seine Berechtigung. Ich baue aber individuelle Möbel, die eben nicht nach Industrie aussehen sollen. Eine Lochreihe für Bodenträger hat noch lange nichts mit dem System 32 zu tun. Es macht in vielen Fällen eben keinen Sinn, ganze Schrankwände zu durchlöchern. Ich wähle die Lochabstände, egal ob untereinander oder zur Kante hin nach dem jeweiligen Zweck aus und unterwerfe mich eben nicht den Zwängen eines Rasters. Ich habe auch schon Möbel mit 32er Raster gebaut, aber eben nicht bis ins letzte Detail diesem System untergeordnet.

      Das ist doch das schöne am individuellen Möbelbau, von Fall zu Fall zu entscheiden und Lösungen passend zum jeweiligen Stück zu finden. In der hellen Birke würden zu viele Löcher in den offenen Fächern furchtbar aussehen.

      Gruß

      Heiko

Kommentare sind geschlossen.