CAD für Holzwerker – Sketchup

Trimble Sketchup

Trimble Sketchup

Das Programm Sketchup wurde im Jahr 2006 durch eine Firmenübernahme Teil des Google Produktprogramms. Es wurde für Privatanwender kostenlos bereitgestellt und hat den Vorteil, dass es relativ leicht zu erlernen ist und man damit sehr ansehnliche, dreidimensionale Modelle erstellen kann. Wie der Name schon sagt hat das alles einen Skizzenhaften Charakter.  Im April 2012 hat sich Google von der Software getrennt und diese an die Firma Trimble abgegeben.

Ich arbeite sehr gerne mit dem Programm, aber es gibt inzwischen doch einige Punkte, die mich stören. Bevor ich also zur eigentlichen Programmbeschreibung komme möchte ich noch erläutern, warum ich mich derzeit auf die Suche nach einer Alternative begebe.

Ich mag 2D Zeichnungen auf Papier für die Werkstatt. Man hat viele wichtige Informationen auf kleiner Fläche und kann sich auf dem Ausdruck auch Notizen machen. Aber so richtig kann man das mit Sketchup nicht machen, es sei denn man hat die Pro-Version. Aber auch da muss man das 2D-Layout in einem eigenen Programm machen. Zwar kann man Bemaßungen erstellen und diese Ansichten auch Ausdrucken, aber diese Ausdrucke kommen nicht an das heran, was andere Programme bieten. Es fällt in Sketchup auch schwer wirklich komplexe Geometrien zu erstellen, weil Zeichenwerkzeuge wie Abrunden, Fasen oder bestimmte Bogenfunktionen nicht vorhanden sind. Betrachtet man den ursprünglich angedachten Einsatzzweck ist das auch verständlich. Sketchup ist kein CAD Programm im eigentlichen Sinne.

Inzwischen bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob die derzeitigen Rechteinhaber den Weg so weiter gehen, den Google mit dem Programm beschritten hat. Neben der Namensänderung in „Trimble Sketchup Make“ gibt es als Download derzeit nur noch die Pro-Version, die nach 8 Stunden Nutzung zur kostenlosen, eingeschränkten Version wird. Alle Komponenten der Pro-Version werden dennoch installiert. Eine deutschsprachige, aktuelle Trimble Version ist auch nicht zu erhalten. Eine deutschsprachige Pro-Version findet man jedoch noch. Irgendwie kommt mir das derzeit alles ein wenig undurchsichtig vor.  Ich würde daher dazu raten, wenn möglich eine „Vor-Trimble Version“ in Deutsch zu nutzen.  (Wer weiß, wo man sie vielleicht noch herunterladen kann, ich bin für Tipps dankbar)

Nun aber zum Programm selbst.

Kleiner Couchtisch aus Meranti - Entwurfszeichnung Nr. 1

Entwurfszeichnung Ansicht seitlich

Sketchup (der einfachheit halber bleibe ich beim gewohnten Namen) richtet sich an Menschen, die kein komplexes CAD brauchen, sondern ihre Ideen möglichst einfach und dreidimensional darstellen möchten. Nach wenigen Stunden und der Sichtung einiger der vielen Video-Tutorials bei Youtube kann man erste, einfache Möbel entwerfen. Man sollte sich aber dennoch die Zeit nehmen, tiefer in das Programm einzusteigen, damit man die Funktionen wie Layer (Verschiedene Schichten mit Zeichenobjekten) und Komponenten (wiederverwendbare Objekte) effektiv nutzen kann, was spätere Änderungen an einem 3D Modell enorm vereinfacht.

Das Grundkonzept von Sketchup basiert darauf ein komplexes Objekt aus mehreren einzelnen, einfachen Objekten zu bauen. Konturen werden einfach in die Höhe gezogen und es entsteht ein dreidimensionales Objekt, das wieder verändert werden kann. Am einfachsten gelingt der Einstieg, wenn man in Sketchup so arbeitet, wie man es in der Werkstatt tun würde. Zum Beispiel beim Erstellen einer Schrankseite. Erst zeichnet man einen passenden Kubus, sozusagen ein rechteckiges Brett. Dann skizziert man den Falz und zieht auch diesen in die dritte Dimension, fräst ihn also quasi aus dem Brett heraus. Hat man ein wenig Übung, wird man den Falz natürlich direkt in der 2D Kontur einzeichnen.

Schwierig wird es, wenn Ecken abgerundet- oder gefast werden sollen. Hierfür gibt es keine Funktion, was auch wiederum dem Ansatz als Skizzenprogramm geschuldet sein dürfte. Will man Abrundungen oder Fasen darstellen, müssen diese manuell gezeichnet werden. Positiv zu erwähnen ist auf jeden Fall noch, dass Sketchup keine allzu hohen Anforderungen an den Computer stellt, auf dem es laufen soll. Linux Nutzer schauen aber erst einmal in die Röhre, da Sketchup nur in einem Emulator läuft und das nach meiner Erfahrung nach zwar brauchbar, aber nicht wirklich gut.  Eine Mac-Version ist verfügbar. Auch die Druckfunktion könnte meiner Meinung nach ein wenig besser sein. Ich exportiere daher die Ansichten die ich zu Papier bringen möchte meist als hochaufgelöstes Bild und drucke dies dann über ein anderes Programm aus.

Maßeingabe bei Sketchup

Maßeingabe bei Sketchup

Wer sich an die Befehlsaufrufe per Tastatur gewöhnt kann in Sketchup problemlos beidhändig arbeiten. Ein Druck auf die Taste „L“ und man zeichnet eine Linie. Ein „A“ führt den Bogenbefehl aus usw. Nicht ganz so offensichtlich ist die Eingabe genauer Maße. Das Eingabefeld befindet sich in der unteren, rechten Ecke des Programmfensters, ist aber automatisch aktiv, wenn Werte eingegeben werden können. Mehrere Werte, wie sie zum Beispiel beim Zeichnen eines Rechteckes benötigt werden, trennt man durch ein Semikolon. Nachkommastellen werden mit einem Komma abgetrennt. Das sind Dinge, die sich dem Neuling vielleicht nicht so schnell erschließen, aber elementar sind.

Zu erwähnen ist noch, dass Sketchup nur mit Flächen arbeitet. Ein Würfel besteht aus sechs Flächen mit einer Stärke von Null. Das kann einen bei komplexen Details wie einer Nut in einem nur teilweise auf 45° abgesetzen Teil schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen.

Jeder Fläche kann man eine Farbe oder eine beliebige Bilddatei als Oberfläche zuweisen.

Zweiter Entwurf zur Werkbank

Zweiter Entwurf zur Werkbank

Somit sind Darstellungen beliebiger Materialien möglich. Diese Zuweisung kann man entweder schon beim Zeichnen machen, oder auch erst später. Verschiedene Licht und Schatten Optionen geben dem Ganzen dann ein wenig Realismus. So richtig fotorealistisch wird es jedoch ohne Zusatzprogramme nicht werden. Für die notwendige Ausschmückung des Raumes oder des Möbels sorgt eine große online- Bibliothek mit allen möglichen Objekten. Vom Teller bis zum Luxuscabrio findet man dort alles. Und kostenlos ist es auch noch.

Für wen ist Sketchup geeignet?

Entwurf für einen Esstisch aus Nussbaum

Entwurf für einen Esstisch aus Nussbaum

Meiner persönlichen Meinung nach ist Sketchup für alle diejenigen gut geeignet, die in erster Linie einen ersten Eindruck eines Möbels gewinnen möchten und die nicht jedes noch so kleine Detail in einer Zeichnung benötigen. Denn fängt man in Sketchup an jede Zinkenverbindung, jede Abrundung und jeden Dübel einzuzeichnen, wird man mehr vor dem Rechner sitzen, als in der Werkstatt arbeiten. Wer wie ich gerne mit 2D Zeichnungen auf Papier in der Werkstatt arbeitet, wird mit dem Programm schnell an die Grenzen kommen. Je nach Zoomstufe unterschiedlich große Bemaßungen werden halt irgendwann nervig. Hat man sich in das Programm erst einmal eingearbeitet, gelingen einfache Entwürfe innerhalb kürzester Zeit. Noch ein paar Farbzuweisungen, Schatten und Beleuchtung einstellen, mit Objekten aus der Onlinebibliothek dekorieren und fertig ist die professionell wirkende 3D Präsentation. Wer mag kann sogar Videos damit erzeugen und um sein neues Möbel virtuell herumgehen.

Der Schwerpunkt von Sketchup liegt ganz klar im Entwurf und der Präsentation und weniger bei der Konstruktion und der Ausgabe als 2D Zeichnung.

Links:

Einsteigervideos auf Youtube

Online Bibliothek für 3D Objekte

Derzeit aktueller Download von Trimble Sketchuo Make

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22 Antworten zu CAD für Holzwerker – Sketchup

  1. Sebastian sagt:

    Hallo Heiko!

    Was hat denn die Suche nach einer Sketchup-Alternative ergeben?
    Ich bin momentan nämlich auch auf der Suche.

    Gruß Sebastian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      der Beitrag ist ja nun schon etwas älter und seither hat sich viel getan. Trimble entwickelt SketchUp kontinuierlich weiter. Viele Funktionen lassen sich per Plugin nachrüsten. Inzwischen habe ich ja auch eine DVD zum Programm gemacht und arbeite selbst mit der Pro-Version. So gesehen bin ich mit SketchUp inzwischen rundum zufrieden und brauche keine Alternative.

      Siehe auch:
      http://lernen.kurswerkstatt-saar.de/wissen-fuer-holzwerker/sketchup/

      Gruß

      Heiko

      • Sebastian sagt:

        Vielen Dank für die schnelle Antwort!

        Sehe ich das richtig, dass man für eine vernünftige Zeichnungserstellung die Pro-Version braucht?

        Gruß Sebastian

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Sebastian,

          das kommt darauf an, was du unter „Vernünftig“ verstehst. Bevor ich die Pro-Version hatte, habe ich es so gemacht, dass ich mit unterschiedlichen Szenen meine Ansichten in SketchUp erstellt habe. Diese habe ich als 2D Export gespeichert und dann in einem Grafikprogramm, zur Not geht auch eine Textverarbeitung oder eine Präsentationssoftware, zusammengesetzt. Meist reicht es aber doch aus die aktuelle Ansicht zu exportieren und zu drucken.

          SketchUp bietet in der kostenlosen Version aber auch eine Druckfunktion an. Die ist aber eher gewöhnungsbedürftig. Daher habe ich lieber den 2D-Export als *.jpg-Datei benutzt.

          Gruß

          Heiko

          • Sebastian sagt:

            Super! Das hört sich so an als würde es für meine privaten Ansprüche zu reichen 😉

            Danke.

            Gruß Sebastian

  2. Timo M. sagt:

    Vielleicht hilft euch das Programm: pCon-Planner.
    Ich finde es sehr intuitiv und gleichzeitig „sehr mächtig“.
    Das Programm ist in der kostenlosen Version auch schon kommerziell nutzbar und diese war für mich bisher immer ausreichend.

  3. Rupert sagt:

    Hallo Heiko

    Du welche Version kann man sich runterladen ????

    Danke Gruß Rupert

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      du kannst die aktuelle und auch alte Versionen herunterladen. Alle links sind im Artikel oder den Kommentaren zu finden.

      Gruß

      Heiko

  4. Fabian sagt:

    Hallo zusammen,

    ich bin gerade auf die Software lignumCAD gestoßen. Sie ist openSource und speziell für Möbelbau gemacht.

    Ich werde sie jetzt gleich mal testen.

    Nachteil (aus eurer Sicht, vermute ich): Sie ist für Linux.

    http://lignumcad.sourceforge.net/doc/en/HTML/index.html

    Gruß,
    Fabian

    • Fabian sagt:

      Hallo zusammen,

      ich habe mich mal mit lignumCAD auseinandergesetzt: Ich halte es für den Durchschnittsanwender viel zu schwer zum Installieren, da man es (außer man hat eine Linux-Distribution mit rpm-Paketverwaltung) selber kompilieren muss und sich das bei diesem Programm als relativ aufwendig herausstellt.

      Dazu kommt, dass die Software schon relativ alt ist und meinen Infos nach nicht mehr weiter entwickelt wird.

      Auf der Pro-Seite steht dafür ein sehr spezialisiertes CAD-System für Holzwerker.

      Insgesamt habe ich für mich lignumCAD wieder verworfen. Danach habe ich mich libreCAD gewidmet. Das ist zu installieren wir alles sonstige Bekannte auch. Allerdings ist es nicht spezialisiert. Ein genaueres Urteil dazu habe ich noch nicht.

      Gruß,
      Fabian

  5. bill smith sagt:

    Eine Alternative zu Sketchup scheint mir „Blender“ zu sein. Ist kostenlos, Open Source, und Plattform übergreifend. Wie immer bei „eierlegenden Wollmilchsäuen“ ist aufgrund der Funktionsvielfalt die Einarbeitung etwas herausfordernder.
    Speziell die Renderingfunktionen sind beeindruckend. Nachteil: ausschließlich in englischer Sprache verfügbar.

    blender.org

  6. Uwe Born sagt:

    Dann werde ich alles nochmals kontrollieren. Auch ohne tatsächliche Auswirkungen in der Praxis (in diesem Fall) wurmt mich so etwas doch. Ich danke Dir sehr, Heiko!

  7. Uwe Born sagt:

    Hallo Heiko,

    Sketchup 2013 läuft mit Ubuntu 12.04 und Wine m.E. recht gut. Meine ersten Gehversuche habe ich nach dem Durchgehen etlicher Tutorials beim Anpassen eines gekauften Plans der „New-fangled workbench“ gemacht. Die finde ich nämlich genial, aber das nur am Rande. Jedenfalls fehlte mir auf einer Seite plötzlich ein Millimeter Höhe, obwohl alle Einzelbauteile identisch und auch korrekt ausgerichtet waren. Das lag scheinbar an den Voreinstellungen. Deshalb meine Frage: was gibst Du bei „ModelInfo“/“Units“ vor, insbesondere „precision“ und „length snapping“?
    Der Export als DXF mit den richtigen Ansichten dürfte übrigens so manche separate Bearbeitung in Draftsight überflüssig machen.

    Herzlichen Dank im Voraus für Deine Antwort!

    Mit besten Grüßen

    Uwe Born

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Uwe,

      dass ein Millimeter fehlt kann eigentlich nur an einem Zeichenfehler liegen. Die Felder Precision, also Genauigkeit steuern wei viele Nachkommastellen bei der Bemaßung angezeigt werden. Das hat nichts damit zu tun, wie genau das Programm arbeitet. „lennght snapping“ also „Längenraster aktivieren“ ist eine Funktion, die ein Raster nach vorgegebenem Wert, z.B. 5mm einschaltet.

      Der DXF Export funktioniert nur in der Pro-Version.

      Gruß

      Heiko

  8. Christoph sagt:

    Ich nutze Sketchup auch regelmässig, bin aber der Meinung, dass man ohne ein paar gescheite Plugins (Zeichen von Splines, Export DXF/STL etc.) doch sehr eingeschränkt ist.

    Mein Favorit als gratis 2D CAD ist DraftSight. Wie bei allen Tools braucht es auch da etwas Zeit, um sich einzuarbeiten/reinzudenken. Die vielen Anleitungen auf Youtube machen es einem aber einfach.

    Gruss Christoph

  9. PatrickP sagt:

    Hallo Heiko,

    Ich stimme dir zu, SketchUp ist ganz nett aber wenn es um mehr als einen groben Überblick geht wird es extrem aufwendig und mühsam.
    Alleine das Positionieren der Objekte ist sehr grob und wehe wenn man beim zoomen zwischen zwei Objekte gelangt…
    Da sind Profitools wie AutoCAD etc. viel übersichtlicher und flexibler.
    Insbesondere auch was den Ausdruck detaillierter Ansichten oder einzelner Objekte in 2D und 3D geht.
    Nur ist es schwer ähnliches als Freeware oder im unteren Preissegment zu finden.

    Über eine brauchbare Alternative würde ich mich auch sehr freuen.

    Gruß
    Patrick

    • christoph sagt:

      Hallo,
      das positionieren von Objekten ist sehr einfach
      Wenn du da Unterstützung brauchst meld dich doch einfach
      bei mir.

  10. Fernton sagt:

    Vieles was SketchUp von Hause aus fehlt, gibt es als Plugin. Für die Arbeitsschritte abrunden und fasen zum Beispiel „Fredo RoundCorner“. Es ist allerdings zuweilen etwas mühsam das jeweils geeignete Plugin aufzuspüren.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      mit den Plugins ist so eine Sache, ich hatte auch schon einige, die nach einem Update nicht mehr funktionierten.

      Gruß

      Heiko

  11. Matthias sagt:

    Hallo Heiko.

    Ich habe eine Deutsche Version installiert. Unter diesem Link (http://www.sketchup.com/de/download/all) kann man verschiedenen Sprachen wählen. Einmal installiert, kann man ja immer über die interne Update-Funktion auf dem neusten Stand bleiben.
    Anscheinden gibt es da auch noch die alte Version 8 zum Download.

    Schönen Gruß,

    Matthias

  12. Tobias Rohde sagt:

    Hallo Heiko,

    alte Sketchup-Versionen kann man sich unter http://help.sketchup.com/en/article/60107 herunterladen.

    Das schöne an Sketchup ist, dass man, wie Du schon geschrieben hast, aufgrund der vielen tollen Video-Tutorials relativ schnell erste ansprechende Ergebnisse erzielen kann. Ich mag am liebsten die unter http://www.sketchup.com/learn/videos?playlist=58, wobei man dabei Englisch-Kenntnisse benötigt, diese aber trotzdem relativ einfach zu verstehen sind.

    Tobias

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