Keine Regel ohne Ausnahme? (und noch ein Rollcontainer)

Falsche Verleimung

Falsche Verleimung

Heute habe ich ein Möbelstück, das ich vor ca. 14 Jahren angefertigt habe einer neuen Bestimmung zugeführt. also etwas modifiziert und aufgearbeitet. Dabei ist mir etwas sehr interessantes aufgefallen: Ich habe damals die allgemein geltende Regel „Verleime niemals längs und Querholz“ komplett vernachlässigt.

Das eigentlich interessante daran ist, dass keine der dabei oft befürchteten Folgen eingetreten ist. Es gibt weder Risse, noch hat sich die Leimfuge geöffnet. Sogar die Vorderkante ist noch perfekt bündig. Und das obwohl es sich beim verwendeten Holz um die berüchtigte Buche handelt.

Rollcontainer aus Buche - Kanten sind dennoch bündig

Kanten sind dennoch bündig

Welche Schlüsse kann man nun aus diesem Ergebnis ziehen? Mit Sicherheit nicht, dass man die „Regeln“ komplett ignorieren kann. Mit Sicherheit habe ich bei dieser Konstruktion auch viel Glück gehabt. dieses Beispiel zeigt aber auch sehr deutlich, dass nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wird.  Man sollte bei all diesen Regeln, die man in Büchern und Onlineforen liest auch bedenken, dass viele davon aus einer Zeit stammen in der die Wohnungen der Menschen viel größeren Klimaschwankungen unterlagen. diese Schwankungen gibt es heute so nicht mehr.

Dieses Buche-Möbel wurde in einer zentralgeheizten Werkstatt gebaut. Es stand immer in zentralgeheizten Räumen. Es unterlag somit kaum Schwankungen der Luftfeuchte. Darauf führe ich zurück, dass diese Verleimung, obwohl sie falsch ist doch funktioniert hat.

Als ich meine Möbel noch in der Kellerwerkstatt gebaut habe sah das ganz anders aus, wie man hier sehen kann: Drei Konstruktionen im Rückblick

Dieses Beispiel zeigt mir sehr schön, wie unberechenbar der Werkstoff Holz ist. Und trotz dieser Erfahrung würde ich diese Konstruktion heute so nicht mehr machen.

Bei diesem Möbel handelt es sich übrigens um einen verschiebbaren Container, der unter einem Schreibtisch hing. Das war mein Meisterstück. Für die Verleimung quer auf lang gab es übrigens keinen Punktabzug. Ob die Prüfer es als unkritisch angesehen haben oder einfach nicht gesehen haben kann ich jedoch nicht sagen.

Dem Container habe ich eine Platte verpasst, den Vollauszug wieder etwas gangbarere gemacht, Rollen drunter und den Hängeregister Auszug umgebaut. nun steht er unter der Hobelbank und beherbergt Handwerkzeuge.

Dass ein Systainer oben auf den Rollcontainer passt ist eher Zufall.

Dieser Beitrag wurde unter Holz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Kommentare zu Keine Regel ohne Ausnahme? (und noch ein Rollcontainer)

  1. André sagt:

    Hallo Heiko,

    ich möchte einen etwas größeren Rollcontainer bauen, Korpusmaße b70cm x t52cm x h66cm. Hierfür würde ich erstmals Tischlerplatte verwenden wollen. Der Rollcontainer wird häufig frei im Raum stehen, als Rückwand wollte ich Tischlerplatte einnuten. Kann ich die Tischlerplatte wie Sperrholz einleimen oder arbeitet die zu stark?

    Viele Grüße, André

  2. Martin Baumann sagt:

    Ich hatte früher einen massiven Kleiderschrank aus Buche, bei dem ich auf die vorhandenen Querleisten in allen vier Ecken verzichtet habe – wegen der Langholz- Querholz-Problematik. Stattdessen habe ich mir ein Reststück von einer massiven Küchenplatte besorgt, von der ich mir schmale Streifen in Querrichtung habe schneiden lassen – meine „Querleisten“ bestand also als kleinen Holzblöcken, welche nur durch den Leim zusammenhalten wurden. Und siehe da: den Schrank, fast zwanzig Jahre alt, gibt es noch immer, ohne Risse, ohne Spalten. Würde mich interessieren, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

  3. Siggi.Ch sagt:

    Hallo Heiko,

    da bin ich aber froh, dass Du sowas auch mal hier einstellst!
    Habe gerade neulich wieder von diesem „absoluten no-go“ gelesen …….und nur gedacht: „Da denke ich auch nicht immer dran ….“

    Gruß, Siggi

  4. Volker sagt:

    Hallo Heiko,

    ich denke die Mißachtung socher Regeln, gehen auch nur dann gut, wenn man absolut trockenes Holz verarbeitet hat. Ich selbst habe zum Beispiel zu Beginn meiner Hobbyschreinerei aus Unwissenheit eine Türfüllung (Schranktüre) aus Erle in den Rahmen fest eingeleimt. Also nicht in eine Nut gesetzt. Das Holz war trocken und wie du auch geschrieben hast, die Wohnung auch! Bis heute kann ich keine Risse feststellen oder dass sich die Füllung aus dem Rahmen lösen würde.
    Aber bauen würde ich das so heute auch nicht mehr.
    Viele Grüße
    Volker

  5. Patrick K sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für den Bericht. Habe dazu vllt. noch ein weiteres Beispiel einer nicht „regelkonformen“ Konstruktion. Vor rd. 12 Jahren habe ich einen Esszimmertisch aus Eiche gebaut. Die Tischplatte habe ich, ich möchte sagen als „Rahmen mit Füllung“ ausgeführt. Wobei Rahmen und Füllung die gleiche Materialstärke haben. Der Rahmen ist auf 45° Gehrung geschnitten und alle Kanten sind stumpf mit loser Feder (ebenfalls Eiche, ca. 6 mm Materialstärke) verleimt worden. Der Tisch steht zwar in einem zentral beheizten Raum; zusätzlich wirkt in ca. 1,5 Metern Entfernung aber noch ein Kamin mit rund 10 KW Leistung. Bisher ist dem Tisch, abgesehen von einem kleinen Riss, innerhalb der ersten zwei Jahre, in einer der mittleren Bohlen, nichts passiert. Die Tischplatte ist ca. 30 mm stark/dick. Heute würde ich, aufgrund meines „Wissens“, die Tischplatte nie so ausführen. Damals war ich doch eher unbedarft und hab’s einfach so gemacht weil es mir gefiel.
    Eigentlich können wir Hobby-Holzwerker doch viel mehr „Risiko“ eingehen. Ein Gewerbebetrieb muss immer die Gewährleistung berücksichtigen. Daher wird es dann wohl immer nach der Regel konstruiert und gearbeitet.

    Ich werde mal ein Bild der Tischplatte (leider keine so gute Qualität) anhängen.

    Viele Grüße,

    Patrick

  6. Philipp sagt:

    Hallo Heiko,

    auf einem der Bilder sieht man eine Moxon Vise, da ich mit dem Gedanke spiele mir auch eine zu „bauen“ würde mich Deine Meinung dazu sehr Interessieren. Aber ich tippe mal darauf das ich die Informationen im November lesen kann oder ;)?

    MfG
    Philipp

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Philipp,

      das ist keine normale Moxon Vise, meine hat noch ein paar Extras. Sie wird dieses Jahr denke ich mal noch in der HolzWerken drin sein. Zwei Videos dazu habe ich auch gemacht. Nur mal soviel vorweg: Ich gebe sie nicht mehr her. Die ist sowas von praktisch und Rückenschonend… Das Arbeiten ist richtig angenehm daran.

      Gruß

      Heiko

  7. hengo sagt:

    Hallo Heiko,

    könntest Du nicht mal dein Meisterstück in einem
    zukünftigen Artikel gänzlich vorstellen?
    Fände ich sehr interessant.

    Danke und Gruß
    Henning

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Henning,

      da müsste ich mal in meinen ganz alten Datensicherungen nachschauen ob ich noch Bilder habe. Der Schreibtisch ist nun ja auch komplett umgebaut und der dazugehörige Schrank dient inzwischen als Geschirrschrank und wurde auch modifiziert. Sollte ich noch Bider haben kann ich sie bei Gelegenheit mal einstellen.

      Gruß

      Heiko

  8. Gregor sagt:

    Hallo Heiko,

    von dieser Regel hab ich auch schon gehört! Aber überall kann diese wohl nicht gelten. Ich denke da an Rahmenkonstruktionen. Eben weil Holz arbeitet soll man doch Rahmenkonstruktionen verwenden. Aber gerade da wird Langholz auf Querholz verleimt. Ich habe noch nie einen Querfries in Längsrichtung gesehen. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die Tragkraft in Längsrichtung besser ist. Ich hätte demnach auch so verleimt!

    Bitte weiter mit Deinen intessanten Themen

    Gregor

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Gregor,

      bei Rahmen ist das kein Problem. Da sind die Querschnitte ja so schmal, dass sich das unterschiedliche Abeiten in Millimetern ausgedrückt ja nur in einem ganz kleinen Rahmen abspielt. Nur ab ca. 15 Zentimetern macht man es eigentlich so, dass die Teile getrennt voneinander arbeiten können.

      Gruß

      Heiko

  9. Patrick sagt:

    Hätte mich auch gewundert und hab ich mir auch gedacht. Ich habe meine Tischler Gesellenpüfung bei der Handwerkskammer zu Köln gemacht. Die Anforderungen damals für die Gesellenpüfung waren dort schon sehr Anspruchsvoll und Streng.

    Gruß Patrick

  10. Patrick sagt:

    Hi Heiko,
    nur aus Interesse. War nur der Rollcontainer oder der ganze Schreibtisch dein Meisterstück. Und wo hattest du den Schwierigkeitsgrad angesetzt.

    Gruß Patrick

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Patrick,

      ein Rollcontainer als Meisterstück, das wäre schön 🙂
      Nein, da gehörte der Schreibtisch dazu und noch ein ca. zwei meter Hoher Schrank. Alles aus massiver Buche. Das war auch der Schwerpunkt: eine Massivholzkonstruktion die nicht altbacken aussieht.

      Gruß

      Heiko

  11. Jochen sagt:

    Hallo Heiko,
    Interessante Sache. Soweit ich weiß arbeitet Buche ja relativ stark. Kann man daraus ableiten, daß für Möbel in „klimatisch“ ungünstigeren Räumen (z.B. bei Kontakt mit Feuchtigkeit und/oder größeren Temparaturschwankungen) lieber andere Holzsorten verwenden sollte? Und falls ja, welche gängigen Holzarten wären evt. geeignerter?

    Gruß

    Jochen

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jochen,

      diese Frage kann man meiner Meinung nach nicht verallgemeinern. Es kommt doch zu sehr auf die Konstruktion an. Ich selbst habe mich an Buche für Möbel einfach zu satt gesehen und kann mich dafür nicht mehr begeistern. Deine Frage scheint zum Beispiel auf ein Bad abzuzielen. Ich habe in meinem Bad Möbel aus Birke und Ahorn. Das hat bisher sehr gut funktioniert. Buche im Bad kann aber auch funktionieren. Bei wie gesagt richtiger Konstruktion, die dem Holz das arbeiten erlaubt. Die Konstruktion ist also vioel wichtiger als die verwendete Holzart.

      Gruß

      Heiko

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.