In Amerika ist alles besser !?

Manchmal kann ich es nicht mehr hören, oder besser lesen. In den USA ist holzwerkertechnisch alles besser. Wenn Sie gelegentlich in Foren unterwegs sind oder andere Blogs lesen, kennen sie das sicherlich. Vielleicht wird es nicht immer so direkt ausgedrückt, wie ich es jetzt mal tue.

Ich möchte an dieser Stelle mal ein wenig dagegen halten. Denn vieles, was man auf amerikanischen Seiten sieht oder liest ist nicht wirklich besser, es sieht nur auf den ersten Blick so aus. Das liegt auch daran, dass oft der Vergleich zu anderen Werkzeugen, Konstruktionen und Vorgehensweisen fehlt. Es liegt mir am Herzen, einige Dinge diesbezüglich aus meiner Sichtweise heraus gerade zu rücken.

Ein Punkt, der mich immer wieder stört, ist die vollkommen unnötige Amerikanisierung, oder besser die Verenglischung der Sprache und Texte. Muss man wirklich für die banalsten Wörter und Bezeichnungen ein englisches Pendant suchen? Klingt es wirklich cooler und professioneller von „Jigs“ zu reden, anstatt von Vorrichtungen? Klingt „Jointer“ besser als Rauhbank? Meiner Meinung nach zeugen solche Wortkrücken eher von Unkenntnis als von Professionalität. Das unnötige Einstreuen von Anglizismen in ansonsten deutsche Texte ist in meinen Augen nicht cool und verleidet mir das Lesen solcher Texte doch sehr. Englische Begriffe machen dann Sinn, wenn es keine adäquaten deutschen Wörter gibt, oder das deutsche Wort nicht eindeutig ist, das englische aber schon.

In letzter Zeit lese ich auch immer öfter, dass die amerikanische Holzwerkerszene viel aktiver sei, als die deutsche. Hier muss man sich mal vor Augen halten, dass es derzeit ca. 80 Millionen Deutsche gibt, die USA aber 317 Millionen Einwohner hat. Mehr Menschen erzeugen zwangsläufig mehr Inhalte. Dazu kommt noch der klare Vorteil der englischen Sprache. Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache) gibt es 375 Millionen Menschen deren Muttersprache Englisch ist und 1,5 Milliarden, die englisch als Zweitsprache können. Im Vergleich dazu gibt es 105 Millionen Menschen deren Muttersprache Deutsch ist und nur geschätzte 55 Millionen, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen. Auch diese Zahlen sind aus der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache) Dass also die deutsche Holzwerkerszene weniger aktiv ist wage ich anhand dieser Zahlen einfach einmal zu bezweifeln. Es sind einfach weniger Leute, die Deutsch sprechen, oder schreiben. Die wenigen sind aber nach meinem empfinden sehr aktiv. Wäre es nicht so, hätte dieser Blog hier nicht fast schon 5.000 Kommentare!

Eine Sache, bei der sich mir regelmäßig die Nackenhaare aufstellen, ist das oft kontroverse Sicherheitsempfinden, das man vor allem in amerikanischen Videos und Blogs zu sehen bekommt. Da gibt es Leute, die aus Gehörschutz und Sicherheitsbrille hinweisen, an einer Tischkreissäge ohne Spaltkeil und Schutzhaube. Herzlichen Glückwunsch. In Mitteleuropa haben wir ein Ausbildungssystem, das nicht mit dem amerikanischen zu vergleichen ist. Wer sich bei uns Tischler oder Schreiner nennen will, muss diesen Beruf erlernt haben. In den letzten 100 Jahren wurde bei uns sehr viel Wert auf die Verbesserung der Arbeitssicherheit gelegt und jeder Schreiner lernt den sicheren Umgang mit Maschinen und Werkzeugen. Die Zahl der Arbeitsunfälle in Schreinereien ist enorm zurückgegangen. Ich habe in meiner 25 jährigen Laufbahn als Schreiner keinen wirklich schweren Arbeitsunfall gehabt und auch keinen solchen miterlebt. Wenn ich nun sehe, wie in unzähligen Videos alles was man als Schreiner im Bezug auf Arbeitssicherheit lernt ignoriert und teilweise sogar als Unsinn abgetan wird, dreht sich mir der Magen um. Das Schlimmste ist aber, dass sich diese laxe Sicherheitseinstellung inzwischen auch in deutschsprachigen Videos und Blogs festsetzt. Zum Glück gibt es aber auch jenseits des großen Ozeans Holzwerker, bei denen der Groschen gefallen ist und die Wert auf Sicherheit legen. Leider sind die, wie es scheint noch in der Minderheit.

Es mag ja sein, dass so mancher Amerikaner mit seiner lockeren Art unterhaltsamer ist, als die wenigen deutschsprachigen Videomacher, die, mich eingeschlossen, nicht unbedingt die geborenen Moderatoren oder Unterhalter sind. Wenn aber die Sicherheit und die fachliche Richtigkeit hinter dem Unterhaltungswert liegen, ist das nach meiner Meinung auch nicht ideal. Ein lockerer Spruch darüber, dass Schutzhauben an Kreissägen unnötig sind, wenn man nur genug aufpasst, nutzt Ihnen auch nichts mehr, wenn der blutige Finger auf der Kreissäge liegt.

In einem Punkt muss ich einigen USA-Fans aber zum Teil recht geben. Dieser Punkt betrifft das Werkzeug. Gerade, was Handwerkzeuge angeht, haben die europäischen Hersteller zum Teil schwer nachgelassen oder einfach vergessen sich weiter zu entwickeln. Hier haben amerikanische und kanadische Hersteller inzwischen in vielen Bereichen die Nase vorn. Bei Elektrowerkzeugen und stationären Maschinen sieht es aber wieder ganz anders aus. Während bei uns eine gute Staubabsaugung wichtig ist und entsprechende Maschinen hergestellt werden, versinken viele amerikanische Werkstätten, von denen man Bilder und Videos zu Gesicht bekommt im Holzstaub. Amerikanische Tischkreissägen sind zum großen Teil auf einem technischen Stand, der in Westeuropa vor 50 Jahren als Standard galt. Statt ordentliche Schiebetische oder gar Formatkreissägen zu bauen, wird sich mit zum Teil aufwendigen Vorrichtungen beholfen. Ein großer Teil der auf dem amerikanischen Markt verfügbaren Zubehörteile macht auf westeuropäischen Maschinen keinen Sinn. Umso unverständlicher erscheint es mir, wenn ich sehe, dass es bei uns Nachahmer gibt. Bevor ich jetzt falsch verstanden werde, ich weiß, dass es auch amerikanische Hersteller gibt, die Maschinen nach westeuropäischem Standard bauen. Auch bei handgeführten Elektrowerkzeugen tut sich viel. Aber dennoch können wir bei uns froh sein in diesem Bereich einen sehr hohen Standard zu haben und müssen nicht alles nachmachen, was man in amerikanischen Videos sieht.

Ich will jetzt hier nicht alle amerikanischen Holzwerker über einen Kamm scheren, es gibt durchaus auch Amerikaner, deren Fähigkeiten ich sehr schätze. Zum Beispiel finde ich Marc Spagnuolo sehr gut. Er ist kein Clown vor der Kamera, legt Wert auf Sicherheit und fertigt sehr hochwertige Möbel an.

Ich will auch nicht sagen, dass alle amerikanischen Inhalte schlecht sind, das wäre absolut falsch. Mich stört einfach nur diese schwarz-weiß- Malerei, die mancherorts betrieben wird. Mein Tipp an dieser Stelle wäre, bleiben Sie kritisch und hinterfragen Sie. Vergleichen Sie amerikanische Methoden mit den europäischen. Berücksichtigen sie, dass in Übersee andere Grundvoraussetzungen herrschen, als bei uns.

Und achten Sie auf Ihre Gesundheit beim Holzwerken!

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56 Kommentare zu In Amerika ist alles besser !?

  1. Anonymous sagt:

    Hallo Heiko,
    Ich habe mich heute mal durch Deinen Beitrag hier gelesen. Meine Meinung hierzu ist, sagen wir mal, zweispaltig.
    Als gelernter Tischler, gehe ich meinen erlernten Beruf „nur“ noch „freizeitbeschäftigungsmäßig“ nach. Hin und wieder schaue ich mir sowohl Youtube-Videos an oder lese gerne mal den ein oder anderen Blog.
    Ob in Amerika alles besser ist? Nein. Sicherlich sind einige Ideen reizvoll. Teilweise aber auch unsinnig und teilweise auch gefährlich. ABER wenn ich mir so manches Video von einem „Möchtegerneholzwerker“ aus dem gutem deutschen Lande ansehe, stellen sich mir meine Nackenhaare auf und meine Fußnägel wollen einfach nur weg. Da werden zB. Schutzeinrichtungen, ob mechanisch oder elektronisch entfernt oder stillgelegt, weil man zu unfähig oder zu faul ist eine Abrichte richtig zu bedienen. Oder es wird unorganisiert mit irgendwelchen Holzstücken vor laufenden Maschinen hantiert. Seltsamerweise habe ich dies in amerikanischen Videos (bisher) noch nicht so gesehen. Ganz zu schweigen von den 16-jährigen?, die meinen welch Wunder sie sind, weil Papa Ihnen eine Ecke im Keller eingerichtet hat. Ich rede hier von „Versuchen“ zB. Tischkreissägen selber zu bauen, Pardon zu basteln. Wenn ich Ahnung von der Materie habe, und da gehe ich als gelernter Schreiner einmal von aus, kommt es mir trotzdem oder gerade deswegen nicht in den Sinn, mir eine Tischkreissäge zusammenzuschrauben, nur weil ich dafür kein Geld habe, oder ich davon scheue, entsprechende Summen auszugeben.
    Sicherlich habe ich mir auch die Guido Henn Videos angesehen. Am Anfang fand ich sie auch interessant und ich habe mich verleiten lassen, mir meinen Frästisch nach seinem Vorbild nach zu bauen. Der wurde allerdings erst in Betrieb genommen, nachdem ich auch die entsprechenden Schutzvorrichtungen hatte. Ebenso habe ich die ein oder andere Idee aus Deinen Beiträgen oder andere Ratschläge übernommen oder zumindest ausprobiert, wenn ich diese praktisch fand.
    Worauf ich letztendlich aber hinaus will ist folgendes:
    Hüben wie Drüben gibt es viele gute Iddeen, die genau so oder in abgewandelter (sicherer?)Form nützlich und gut sein können. Ebenso viele kuriose Dinge kann man erleben und auch so manches gefährliches. Derjenige, dem es gelingt mit gesundem Menschenverstand an die Sache ran zugehen, wird sicherlich einen für sich guten Mittelweg finden. Ob man jedoch alles übernehmen muss, inkl. englischer Ausdrucksweisen lass ich mal dahingestellt. Für mich ist eine Schablone immer noch eine Schablone, ein Schalter immer noch ein Schalter und eine Vorrichtung immer noch eine Vorrichtung. Und so bleibt meine Tischkreissäge immer noch eine Tischkreissäge und ich bin immer noch ein Tischler. Punkt.
    Und wenn andere es ähnlich sehen ist dass in Ordnung. Derjenige, welcher anderer Meinung ist, muss damit glücklich werden, und nicht ich. Jeder hat so seinen Microkosmos bzw seine Welt, Ansicht oder wie man dies auch immer benennen mag. Hier im Rheinland gibt es ein Sprichwort (Wat der Buer nit kennt, dat fritt er nit.) Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Viele „Holzwerker“ haben genau diese Einstellung. Es zählt nur das, was für Sie richtig ist und wehe es wagt jemand 2 cm zuviel abzuschneiden vom Brett. Ich habe dieses Handwerk gelernt und versuche trotzdem noch neues lernen. Warum auch nicht? Muss deswegen alles furchtbar schlecht sein, weil es meiner persönlichen Norm nicht entspricht?
    Wir sollten sicherlich öfters kritisch sein, wenn wir (nicht nur) über den grossen Teich schauen. Auch mal bei unserem direkten Nachbarn. Aber wir sollten nicht verlernen, trotzallem offen für gute Ideen bleiben.

    In diesem Sinne

    Peter

  2. Chris sagt:

    Hallo…

    Welch ein Thema….

    Ich hatte lange zeit die Zeitschrift Holzwerken abonniert. Ich kann aus der Zeitschrift nichts außer Werbung für teure und überdemensionierte Maschinen entnehmen. Und am Rande einige Projekte, deren Materialbeschaffung in Deutschland einfach zu teuer ist! Im Baumarkt erhält man keine Buchenbretter! Und wenn man ins Sägewerk geht, dann muss man danach noch 15.000 Euro für Maschinen einplanen, für die man gar keinen platz hat! Wir sind Holzwerken und keine Tischler! Wir wollen nicht wissen das der weg des Profis der einzige ist! Wir wollen wissen wie man auch ohne all das an ein gutes Ergebnis kommt! Und das können die Amerikaner einfach besser! Vielleicht fehlt ihnen auch die deutsche Angst, sich vor Fachkollegen für Art und Weise rechtfertigen zu müssen….. ein extrem deutsches Problem! !!!!

    • Michael sagt:

      Hallo,

      die letzte Antwort ist zwar schon ein paar Tage alt, aber ich möchte und kann mich meinen Vor-Kommentarschreibern nur anschließen. Auch ich habe vor sechs Jahren mit dieser Lieblingsfreizeitbeschäftigung (engl. Hobby) angefangen und mir mein Wissen ausschließlich über das Internetz von amerikanischen Lieblingsfreizeitbeschäftigungsholzwerkern (engl. hobby-woodworker) via „DeinKanal“ („YouTube“) und Marc Spagnuolo’s TWW Guild angeeignet. Das macht aus mir weder einen Tischler noch habe ich den nötigen Platz für eine Formatkreissäge. Und eigentlich bin ich auf diesen Beitrag gestoßen, als ich nach „Amerikanische Kreissäge in Deutschland“ gegoogelt habe. Mein Holzwerken Abo habe ich ebenfalls gekündigt – ich brauche keine Werbung von Dieter S., Festool etc. dort kaufe ich bereits 🙂 Die Zeitschrift ist prima gemacht und auch die clean gestalteten Beiträge von Heiko Recht sind interessant, die Zielgruppe nach meinem Empfinden aber nicht in meiner Altersklasse entsprechend. Ich bin 35 und interessiere mich mehr für moderne Maker-Werkstätten à la Darbin Orvar als für die fürs Foto saubergefegten Heimwerkstätten deutscher Rentner. Um es modern denglisch zu formulieren: Mir gefallen die smarten „Maker“, die out-of-the-box denken und mit vorhandenen low-budget Mitteln zum Ziel kommen, irgendwie besser. Natürlich muss man den Umgang mit den Werkzeugen beherrschen, sich der Gefahren bewusst sein und ein Spaltkeil ist in meinen Augen ein absolutes Muss. Die Schutzhaube benutze auch ich tatsächlich selten, weil sie bei vielen meiner Jigs/Vorrichtungen einfach nur im Weg ist. Ich lasse mich also gerne über die abonnierten YouTube Kanäle unterhalten und inspirieren und sehe mich nicht als Holzwerker sondern als „Woodworker“. Die wirklich beeindruckende Allrounder-Werkbank von Guido Henn (so neudeutsch heißt sie jedenfalls im YouTube Video) finde ich übrigens wirklich beeindruckend, aber auch sie besteht fast ausschließlich aus rafinierten Vorrichtungen und hat mit den stationären Maschinen einer Tischlerei nur wenig gemeinsam…

    • Dieter sagt:

      Hallo,

      bei den Kommentaren von Chris und Michael kann man nur schmunzeln und den Kopf schütteln.

      Von der Zeitschrift Holzwerken und einem Großteil ihrer Webepartner halte ich nicht viel. Ebensowenig von Werkstätten, in denen Staubvermeidung das oberste Ziel zu sein scheint.
      Auf eine Formatkreissäge kann man gut verzichten. Auf Maschinen mit giftgrünen Schaltern sowieso. Es geht auch sehr gut ohne.

      Am wenigsten halte ich aber von ,,Woodworkern“ die ihr bescheidenes “Fachwissen“ aus irgendwelchen englischsprachigen Videos beziehen. Die dann für die einfachsten Dinge eine englische Bezeichnung verwenden, da ihnen der deutsche Begriff nicht bekannt zu sein scheint. Und die sich dann dabei auch noch wer weiß wie cool und professionell vorkommen.

      Leute, ich glaube ihr merkt gar nicht, wie lächerlich ihr euch mit euren “Jigs“usw. macht.

      Gruß
      Dieter, Möbelschreiner

      • Michael sagt:

        Dieter, wenn du dich Möbelschreiner nennen darfst und damit deinen Lebensunterhalt bestreitest, hast du zweifelsfrei ein Fachwissen, von dem ich weit entfernt bin. Was du persönlich offensichtlich nicht gelernt hast, ist der respektvolle Umgang mit Anderen. Vielleicht gibt es ja Tutorien für Anfänger auf YouTube..? Mal ehrlich, warum muss man Andere beleidigen, die die gleiche Leidenschaft für das eigene Handwerk teilen? Ich komme mir weder cool vor mit meiner Arbeit noch muss ich mich beweisen. Ich habe eine große Passion für das Holzhandwerk, alte Techniken und moderne Methoden. Die werden mir meist nur im amerikanischen Raum vermittelt. Leute wie Lothar Greef sind in Deutschland leider eine absolute Rarität. Und da ich seit Jahren die meisten meiner Arbeitsschritte von Hand erledige (Auftrennen, Abrichten, Zuschneiden, Ausstemmen und Zinken) und erst seit einigen Tagen eine stationäre Kreissäge besitze, muss ich mich in Sachen handwerklichem Können nicht verstecken. Egal, ich fühle mich einfach der amerikanischen woodworker Szene zugehöriger als den spießigen Ihr-Ungelernten-habt-alle-keine-Ahnung-ICH-bin-der-gelernte-Tischler-Profi.

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Dieter, hallo Michael,

          ihr könnt das Thema gerne hier diskutieren, aber bitte freundlich und sachlich.

          Gruß

          Heiko

      • Heiko Rech sagt:

        Hallo Dieter, hallo Michael,

        ihr könnt das Thema gerne hier diskutieren, aber bitte freundlich und sachlich.

        Gruß

        Heiko

  3. F. sagt:

    Grundsätzlich stimme ich in vielen Punkten im Artikel zu.
    Doch hier kann man Birnen nicht mit Äpfeln vergleichen. Wenn in den USA jemand eine Idee hat wird zunächst darüber gesprochen welche Vorteile es aus dieser Idee gibt. In Deutschland genau das Gegenteil. Gefählich, umweltfeindlich, anstößig,… Beispiel: Microwelle, Klimaanlage im Auto… So ist es auch mit den Werkzeugen und Maschinen. Natürlich habe ich die hohen Preise für meine Maschinen von Festool bezahlt. Bis das Preismonopol brach. Jetzt gibt es die auch günstiger, erheblich! Das gibt es so in den USA nicht. Die Holzpreise in Deutschland sind unglaublich hoch. Der Waldbauer bekommt kaum etwas für seinen Bestand, doch beim Holzhändler merkt man nichts davon. „Wir führen nur die gute nordische Fichte“. Ha! Ich habe das mal ausprobiert. 4 Vogelkästen gebaut: deutsche „Billigfichte“, nordische „Teuerfichte“, Buche und Eiche. Ein Jahr draussen hängen lassen. Reihenfolge kaputt: Buche, nordische und deutsche Fichte, Eiche. ABER: alle kaputt! Deshalb bin ich so ein Fan von Meranti…
    Ich habe lange in den USA gearbeitet. Nicht als Handwerker 🙂 Die Menschen gehen völlig anders an die Arbeit. Zunächst werden überall die Vorteile gesehen und nicht die Nachteile. Und so ist es auch in den Werkstätten. Sägespäne im Übermaß? Sehe ich eher in den Hallen der deutschen Schreiner. Sicherheitstechnische Einrichtungen? Viele Fehlanzeigen. Das Meiste ist Wunschdenken. Die wenigsten Betriebe sind voll ausgelastet und wenn mangelt es am Verdienst um alle gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen. Ein ortsansässiger Schreiner berechnet für die Gesellenstunde 43 Euro netto. Eine Lackierstunde bei VW kostet 119 Euro netto!!! Und da ist der Aufwand für die Einrichtung nur einmalig. Aber das würde jetzt zu weit führen….
    Noch heute werden in anderen Ländern handwerliche Arbeiten abenteuerlich ausgeführt. Das Bild ist aktuell….

  4. Pierre Branitzki sagt:

    Hallo Heiko,

    eine tolle Diskussion! Ich möchte noch einen Aspekt herausheben, den ich dir auch mal persönlich nannte. Als ich vor ca. 7 Jahren mit dem Holzwerken anfing, gab es schlichtweg keine brauchbaren Anleitungsvideos zu den „grünschwarzen“ oder „roten“ Elektrowerkzeugen. Die deutschen Hersteller verlangen eine Menge Geld vom Privatkunden; sie sind aber nicht in der Lage, eine wirklich nutzbare und praktische Anleitung zu schreiben. Hier wird man schneller in amerkanischen und englischen Videos und Foren fündig (Paul Marcell, Peter Parfitt, …). Auch nicht zu vergessen sind die Anleitungen der Firma Festool (OF2200, DF500), die extra für den amrikanischen Markt angefertigt wurden. Die sind bezüglich der Praktikabilität um Welten besser als das deutsche Druckwerk… Der meines Erachtens hervorragende und unaufgeregte Tom Fidgen sollte hier in der Diskussion nicht fehlen. Er zeigt in seinen Videos immer wieder die Faszination des Handwerkens mit Holz. Und damit stellt er doch das Wichtigste – ob deutscher, amerkanischer oder englischer Blog – in den Vordergrund: Die Freude mit diesem tollen Werkstoff schöne Möbel zu bauen.

    Auf jeden Fall danke ich dir Heiko und der inzwischen großen Gilde an tollen Handwerkern, die sich immer wieder die uneigennützige Mühe machen, uns die fantastische Welt des Holzwerkens anschaulich zu machen.

    Liebe Grüße,
    Pierre

  5. Dieter sagt:

    Hallo zusammen,
    Sprache verändert sich unablässig. Das ist normal und auch nicht beängstigend.
    Als Bibliothekar erlebe ich das tagtäglich.
    Niemand kann heute noch das mittelalterliche Hochdeutsch des W.v.d.Vogelweide verstehen obwohl das mal die gängige Umgangssprache war.
    und so wird „unserem“ Deutsch in hundert oder mehr Jahren auch ergehen.
    Also locker bleiben.
    Aber zum Thema:
    Mir stellen sich auch manchmal die Nackenhaare auf wenn ich sehe unter welch abenteuerlichen Bedingungen in den USA Holzhandwerk ausgeführt wird. Eigene unschöne Erlebnisse habe ich erst zuletzt gemacht als mir beim Fräsen ein Span ins Auge geriet, der nur in der Klinik entfernt werden konnte. Seitdem ist die Schutzbrille Pflicht.
    Neidisch bin ich auf die Amis ganz und gar nicht. Es sei denn es wird eine 200m² Werkstatt als „my little Workshop“ bezeichnet. Ich gehöre zu den Heimwerkern die ihr Hobby in einem Miethauskeller ausüben und da ist Platznot ein Dauerthema.
    Werkzeug kaufe ich oft nach Ratschlägen von Leuten die es wissen müssen und bin damit immer gut gefahren. Auch hier habe ich die Erfahrung gemacht das doppelt kauft wenn billig war…
    Also verfahre ich immer nach der Devise „nimm mit was Dir nützlich erscheint oder sich bewährt hat“ und da ist es egal ob es aus USA, D, GB, F oder oder oder kommt….

  6. Christian W. sagt:

    Eine typisch deutsche Diskussion. Wüssten die Ami´s von diesem Blog, würden sie wahrscheinlich amüsiert den Kopf schütteln. Lasst uns an die Werkbank zurückkehren.
    Liebe Grüße
    Christian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Christian,

      du bringst es auf den Punkt: Machen wir Deutschen mal was, werden wir kritisiert und mit den Amerikanern verglichen 🙂

      Ich kann dich und alle anderen beruhigen, das nächste Thema hier auf dem Blog hat garantiert nichts mit Amerika zu tun.

      Gruß

      Heiko

  7. Martin Kelbert sagt:

    Hallo Heiko,

    Vielen Dank fürs freischalten erstmal, ich glaube ich habe mich missverständlich beim Thema Werkzeug ausgedrückt. Ich meinte nicht, dass es diese Mittelklasse nicht gibt, sondern diese Klasse wird in den Foren immer zerredet und schlecht gemacht.
    Damit wird einfach der Markt verzerrt und dem Neuling vorgegaukelt, dass es nur mit einem Hersteller funktioniert. Auch sind viele Blog’s nicht ganz unschuldig an diesem Thema.
    Aber ich möchte nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Leider suchen viele Neulinge Informationen in den beiden Foren und werden so auf manchmal sehr abstruse Weise beraten.
    Da wird nach einer kleinen Tks gefragt und im 2. Post wird dem Fragesteller eine Formatkreissäge mit 250cm Schiebetisch empfohlen. Weil alles andere nur Spielzeug ist und sowieso nichts taugt. Hier greife ich mir regelmäßig an den Kopf. Es spricht doch nichts dagegen mit Cross Cut Sled etc zu arbeiten, aber dann bitte mit allen Sicherheitsvorrichtungen, wie Blattabdeckung, Spaltkeil etc.

    Gruss Martin

  8. Martin Kelbert sagt:

    Hallo zusammen,
    lange habe ich über diesen Post nachgedacht und war mir nicht ganz sicher ob ich antworten soll. Die These, daß in Amerika alles besser ist, finde ich sehr drastisch. Über Werkzeug und Sicherheit möchte ich nichts mehr sagen, was mich aber sehr bewegt ist der Ton in der „Szene“. Gerade in den beiden deutschen Foren herscht oft ein Ton der wirklich unter alles Sauna ist. Wenn wir nun beide Länder vergleichen finden wir diesen Ton auf der anderen Atlantikküste weniger. Auch wird nicht so auf Herstellerlobhudelungen gehört und es existieren auch mittelpreissige Hersteller die man ohne Scham und Schande benutzen kann.
    Das ist bei uns einfach nicht der Fall, wenn man sich die ganzen Beiträge in den Foren anschaut wird einem meist schwummerig. Also was ist in Amerika besser, ich finde der Ton und der Umgang sind meilenweit uns ùberlegen.
    Was können wir aus Amerika lernen, ich finde die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit. Auch einfach mal nicht auf einem Hersteller rumreiten sonder bei den Fakten bleiben, nicht nur weil ein Werkzeug eine bestimmte Farbe hat ist es gleich die Erfüllung aller Werkstattprobleme.
    Was noch ein Thema ist sind die Inhalte der Zeitschriften. Man kann über das Design z.B. in Fine Woodworking streiten, aber anspruchsvoll sind sie sehr. Da kann sich die Holzwerken echt eine Scheibe abschneiden. Die Projekte werden in der Holzwerken immer flacher und von richtigen Test’s kann man auch nicht reden.
    Würden wir nun diese Punkte verbessern bräuchten wir nicht mehr wehleidig über den Ozean schauen.

    Gruß Martin

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Martin,

      was die Foren angeht bin ich zu 100% bei dir.

      Was die HolzWerken angeht nicht so ganz. Das Problem ist, dass es bei uns eben nur eine Zeitschrift für diese Zielgruppe gibt. Die muss aber Anfänger, Fortgeschrittene, Maschinenfreunde, Handwerkzeugfans und auch noch Drechsler bedienen. Das ist, und das schreibe ich aus eigener Erfahrung, eine ganz schön schwieriger Spagath. Ich habe zum Beispiel viele Kursteilnehmer, denen die HolzWerken zu anspruchsvoll ist. Ich habe vor zwei Wochen ein Möbelbauprojekt fertig bekommen und auch den Artikel dazu. Da kann ich dir sagen, dass dieses Möbel schon sehr anspruchsvoll sein wird. Es kommt aber vermutlich erst im April. Auch an anderen Projekten wird bei der HolzWerken gearbeitet, um einfach ein breiteres Spektrum zu bieten. Die neue DVD von Guido (ich habe sie selbst noch nicht gesehen) ist zum Beispiel ein Schritt in diese Richtung. Die Redaktion ist für Feedback immer offen, also schreib ihnen doch mal eine E-Mail. Wenn sich dort keiner mit seinen Wünschen meldet, woher sollen sie wissen was die Leser wollen?

      Zur preislichen Mittelklasse bei Werkzeugen: Die gibt es meiner Meinung nach schon. Bei den Handwerkzeugen fallen mir die Eigenmarken der beiden großen Händler ein, also Juuma und DICK. Bei Maschinen Trend, Makita, Perles, Kress, Hitachi, eventuell Scheppach. Man muss da aber länger suchen und findet mitunter keine Erfahrungsberichte.

      Gruß

      Heiko

  9. Thomas W. sagt:

    Ein guter Beitrag und viele interessante Kommentare. Das große Echo überrascht mich sogar ein wenig. Daumen hoch für diesen Blog!

    Sprache existiert nicht unter Laborbedingungen und ist ständig Einflüssen ausgesetzt. Das war schon lange vor Youtube so und er wird wahrscheinlich so bleiben. Die Amerikaner kommen und einige deutsche Begriffe nicht herum und wir teilweise nicht um englische Begriffe. Aber auch in bin der Meinung, dass es im Handwerksbereich viele hervorragende Begriffe gibt. In anderen Bereich sieht es wieder anders aus.

    Sicherheit ist meiner Auffassung nach ein Thema das viel Aufmerksamkeit und d.h. auch Wiederholung verdient. Gute Erklärungen können dazu beitragen den Mehraufwand zu verstehen. Ich erinnere mich an ein deutsches Video das mich sprachlos machte. Der Umgang mit der Kreissäge und die Elektrik in der Werkstatt könnten in einem Lehrvideo Verwendung finden – als Negativbeispiel.

    Ich möchte noch eine Bitte „in die Runde“ äußern:
    Bitte publiziert mehr einfache, bezahlbare Lösungen für Einsteiger, die nicht auch sofort unglaublich viel Fläche erfordern!
    Aufstocken kann man ggf. immer noch, je nach Bedarf und Möglichkeiten.

  10. Patrick sagt:

    Hallo Zusammen,
    viele unterschiedliche Meinungen, Fremdwörter und Ansichtssachen konnte man nun hier lesen. OK, ein Thema worüber man mal schreiben und nachdenken kann. Vielleicht, nein ich denke man könnte das jetzt hier beenden. Bevor jetzt alle auf mich drauf hauen, das ist meine Meinung. Schaue jeden Tag auf diesem Blog ob es was neues gibt. Tolle Tipps und Lösungen zu HOLZWERKER Problemen. Nur jetzt kommt nur das Thema Ammi Wunderland und wer macht was, wie und warum auf. Gehts nur mir so oder euch auch.

    Heiko, machst einen tollen Blog. Man merkt das du weniger Zeit hast, weil viele Projekte hast. Da bleibt auch mal was auf der Strecke. Eine Familie, Haus und Co müssen ja auch versorgt werden, das geht nicht mit nem schönen Holzwerkerblock mit Tipps umsonst für alle.

    Meine Meinung.

    Und jetzt wieder zurück in eure Werkstätten, ihr Holzwürmer;-) .

    Gruß Patrick.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Patrick,

      das schöne an einem Blog ist ja, dass man da tun und lassen kann, was man will. Man kann schreiben, was einen gerade so beschäftigt. Und genau das mache ich und werde es auch in Zukunft so machen. Wenn dich ein Thema nicht so sehr interessiert ist das eben so.

      Gruß

      Heiko

  11. WSR sagt:

    Ich mag den sachlichen Stil von Heiko, den „auf die Pauke“ hauenden von Marc nicht. Geschmackssache. Ob Anglizismen oder krampfhaft eingedeutschtes – so what. Äußerlichkeiten, genauso wie der Schreibstil. Letztlich geht es um gute Inhalte, da ist es mir egal, wie sie verpackt sind und in welcher Sprache das Einwickelpapier bedruckt ist.

    Heiko, Du machst das Klasse und man kann eine gute Weiterentwicklung bei den Beiträge beobachten.

    Was mir als Video in letzter Zeit absolut am besten gefallen hat, ist das letzten Samstag auf Holzwerken verlinkte Video aus der Werkstatt der Stille. Einfach zur zugucken, genießen und lernen. Das ist hohe Kunst.

    Was mir sehr gefällt, das ist der Punkt von Andi und der dazu passende Spruch von Heiko “Ich will dieses Handwerk erlernen, auch wenn es den ganzen Nachmittag dauert”.

    Deswegen habe ich mich weitestgehend aus der Forenszene zurück gezogen und lese nur noch wenige, ausgewählte Blogs. Denn ich habe keine Lust, mich bei meinem Hobby durch Materialschlachten und – sorry für den harten Ausdruck – „einen auf dicke Hose machen“ runterziehen zu lassen. Das gefällt mir an amerikanischen Seiten und Videos tatsächlich besser – es ist irgendwie unverkrampfter, ich persönlich fühle mich abgeholter. Wenige deutsche Ausnahmen, wie dieses Blog hier, bestätigen diese Regel.

    Ansonsten ist es in Amerkia nicht besser. Aber auch nicht schlechter. Sondern einfach anders. Und das ist gut so.

  12. Sebastian sagt:

    Hallo Heiko, ich stimme dir in allen Punkten zu. Aber, als leidenschaftlicher youtuber muss ich einfach sagen, dass die deutsche Holzwerkerszene dürftig ist. Lassen wir Guido weg, haben wir dich, Marc und Michael. Nachdem du jetzt noch einen „blog“ bei Holzwerken hast, wusste ich, dass demnächst Marc hinzustösst. Wenig Unterschied, alle versuchen ihre Leidenschaft zu monetarisieren. Da lobe ich mir doch häufig die Amateure aus Übersee. LG

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Sebastian,

      ist doch prima für alle Beteiligten. Ich habe mein Ausommen mit dem was ich gerne tue, die Leser bekommen immer noch die Inhalte umsonst, z.B. auf dem HolzWerken Blog und du kannst dir aus der Masse an kostenfreien Angeboten das aussuchen, was dir am besten gefällt.

      Gruß

      Heiko

  13. Mike sagt:

    So, jetzt habe ich mich durch alle Kommentare gearbeitet. Hier ist ja richtig etwas ins Rollen gekommen. Ich kann Heiko in allen Punkten nur zustimmen, aber es wurde auch vieles kommentiert, dass ich ebenso unterstreichen kann.
    Ich denke allerdings, dass es beim „Verfall“ der deutschen Sprache durch Verwendung von Anglizismen um ein allgemeineres gesellschaftliches Phänomen oder sogar Problem geht. Es lässt sich ja nicht nur in der Holzwerkerszene beobachten, dass englische Begriffe an allen noch so unpassenden Ecken und Enden eingestreut werden oder noch schlimmer vermeintlich englische Ausdrücke benutzt werden, wie z.B. der Klassiker aus der Parfümwerbung „Come in and find out“

  14. Marc sagt:

    Ich will auch mal meinen Senf dazugeben. Zugegebenermaßen bin ich kein Holzwerker – Mir fehlt dazu einfach die Geduld und die Zeit. Daher passe ich nicht wirklich in die Zielgruppe dieses Blogs.

    Zur Sicherheit mal ein ein in meinen Augen ganz wichtiger Aspekt, den ich leider noch NIRGENDS gefunden habe: Die Position der Finger beim Sägen jeglicher Art (Man könnte es auf Alles mit Verletzungspotential anwenden) – http://www.ich-bin-heimwerker.de/2013/11/21/auf-die-finger-aufpassen-beim-saegen/

    Aber um mal auf das Thema Unterhaltungswert zu kommen. Vorneweg: Ich liebe die deutsche Sprache und was man alles mit ihr machen kann.

    Ich habe auf meinem Blog früher auch eher konservativ und zurückhaltend geschrieben. In letzter Zeit habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass Texte, bei denen man hinsichtlich Formulierungen und Stil im Allgemeinen mal ein bisschen auf die Pauke haut, viel besser ankommen.

    Was oben bereits erwähnt wurde: Es ist nicht zu vergessen, dass der Internetbenutzer ein eher ungeduldiges Wesen ist. Wenn ich manche Blogs sehe, blutet mir das Herz ob der tollen Inhalte. Denn wenn der Artikel dröge und ewig lang geschrieben ist, ist der Leser wieder weg. Es fehlt in vielen Blogs die „Knackigkeit“, das auf den Punkt kommen und auch mal ein paar verbale Auflockerungen.

    Just my two cents (OMG – Er hat es getan!!)

    Der letzte Satz ist nur mal ein Beispiel dafür, was ich meine. Nicht, dass der ganze Text so aussehen soll, aber zwischendurch mal etwas auf die Pauke hauen, kann durchaus nicht schaden 🙂

  15. Philipp sagt:

    Hallo Heiko,

    in Amerika ist bei weitem nicht alles besser! Aber wie bei allem im Leben wirken die Äpfel in Nachbars Gärten größer und schöner. Und das Gefühlte anders ist wie bei einem Sprichwort auf der Arbeit „Tage sind immer gleich lang aber nie gleich breit“. Ich hoffe Du verstehst worauf ich hinauswill 😉 Zum Thema Anglizismen so lässt sich das meiner Meinung nach auf den simplen Fakt reduzieren das wir soviel Kontakt wie nie zu vor mit dem Englischen haben. Keine Generation hatte soviel Zugriff auf Material in anderer Sprache. Und da wir am Ende doch alle Kinder sind und Kinder lernen wie? Durch kopieren. Wenn ich 50 Videos schauen und dort immer Jig hier Jig da höre aber in meinem Familiären Umkreis selten Vorrichtungen hören prägt sich unweigerlich was in meinem Kopf ein? Ob das schlimm ist oder nicht ist glaub ich ein ganz persönliches empfinden. Ich für meinen Teil rede auf der Arbeit ausschliesslich Englisch was dazu führt das ich schonmal im Flugzeug sitze und denke „häh heute zweimal Sicherheitseinführung? Bis ich dann merke das es ja in zwei Sprachen war“. Die Vernetzung der Welt hinterlässt Ihre Spuren und wir müssen uns als Gesellschaft überlegen wie wir damit umgehen wollen …. Auf der anderen Seite muss ich immer lachen wenn ich merke das die Amerikaner Deutsche Wörter benutzen wie „Schmutz“. Wobei mein highlight hier immer noch „Arschgeweih“ ist 😉 Von daher sehe ich die Sache ganz entspannt! Ich lieber amerikanische Holzwerker Videos but that doesn’t mean that I have to copy everything.

    MfG
    Philipp

  16. Tom B sagt:

    Hallo in die Runde,

    … ja, schon fast wie in einem Forum die Diskussion zu diesem Thema.

    Ich habe oben schon was dazu gesagt. Wenn ich die Beiträge nach meinem aber lese, drängt sich mir doch noch ein Gedanke auf.

    Ist „der beginnende Holzwerker“ denn nicht mehr in der Lage oder Willens sich Wissen & Fertigkeiten selbst beizubringen?

    Ich bin kein Schreiner. Ich bin aber mit dem, was ich baue zufrieden – mal mehr, mal weniger und mit der Zeit wird’s auch besser. Wenn ich etwas nicht weiß, suche ich mir ein Buch (ja, so was gibt’s auch – und auch in Deutsch) und schaue dort nach. Manchmal hole ich mir Anregungen zu einem Projekt oder auch das Wissen um eine neue Technik (… ist das – tatsächlich – neu oder vielleicht einfach auch nur geschickt als neu verkauft?…) aus einer Zeitschrift. Im einen, wie im anderen Fall aber – ich erarbeite (…) mir das Ganze.

    Erst in der letzten Zeit ist das so in Mode gekommen („hip“), dass man etwas nur zur Kenntnis nimmt / gewillt ist, etwas „zu lernen“, wenn man es mundgerecht in einem Video präsentiert bekommt – genau in der Art & Weise, wie man es haben will. Kommt das nicht, ist gleich alles blöd.

    Sind wir denn wirklich nur noch passiv und brauchen alles nur noch mundgerecht?

    Noch ein Wort zum Konsum.
    Ja, ich habe (fast ausschliesslich) Lie Nielsen Hobel – und ich fühle mich sehr wohl damit. Aber warum muss man dann über „Leute wie mich“ gleich so herziehen (vgl. Cyrus) und gleich alles verteufeln? Es bleibt Dir doch unbenommen, den Arbeitsschritt, den ich mit einem LN mache, mit einem deutschen Holzhobel auszuführen. Deine Entscheidung – ist doch in Ordnung.

    Ich zeige bei mir auf dem Blog – sehr viele – Bilder und bin sehr darauf bedacht, die einzelnen Arbeitsschritte detailliert darzustellen. Das mache ich – auch – um es anderen, die gleiches tun möchten, es einfacher zu machen. Verdienst ist da für mich GAR KEINER dabei. Es mag sein, dass das nicht immer „State of the Art“ ist – es funktioniert aber. Zum Thema Sicherheit habe ich mir – sehr viel – angelesen und habe einige Kurse besucht. Der Rest ist autodidaktisch (oder auch: „learing by doing“). Kleiner Denkanstoß.

    Herzliche Grüße

    Tom

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Tom,

      du sprichst mir in vielen Punkten aus der Seele. Mir fällt dazu der Spruch ein „Ich will dieses Handwerk erlernen, auch wenn es den ganzen Nachmittag dauert“. Ich sehe das beim Fotografieren. Da gelingt mir auch nicht alles. ein gutes Buch hat mir geholfen ein paar Sachen zu verbessern. Dennoch halte ich mich nicht für einen Fotografen. Das ist ein Handwerk, das man erlernen muss, genau wie das Schreinern.

      Es gibt einige Amerikaner, deren Arbeit ich sehr respektiere. Zum Beispiel Jim Tolpin, Gary Rogowski, nicht zu vergessen der verstorbene Sam Maloof und von den „neuen“ Marc Spagnuolo (dessen Buch „Hybrid Woodworking“ dir gefallen könnte). Bei James Krenov bin ich etwas zwiegespalten. Den drei erst genannten und Krenov ist gemeinsam, dass sie keine Unterhalter sind. Was Jim Tolpin und Gary Rogowski machen wird hauptsächlich auf altmodischem Papier gedruckt unter das interessierte Volk gebracht. Mit Garrett Hack und seiner Art kann ich mich nicht so ganz anfreunden, was nichts mit seinem Fachwissen zu tun hat. Was ich von Chris Schwarz und Paul Sellers halte schreibe ich hier nicht.

      Ich bin der Meinung, dass Videos zwar dazu geeignet sind Informationen zu transportieren, als alleiniges Transportmittel aber eher ineffektiv sind. Als Ergänzung zu einem Text können sie helfen Dinge zu verstehen, die mit Bewegungsabläufen zu tun haben. Viele andere Informationen lassen sich aber mittels Text, Bildern und Zeichnungen viel besser vermitteln. Die Kombination macht es eben aus. Die alleinige Fixierung auf Videos ist meiner Meinung nach eben nicht der richtige Weg Wissen zu vermitteln.

      Gruß

      Heiko

      • Alex sagt:

        Chris Schwartz und Paul Sellers muss man teilweise denke ich auch differenziert zu z.B. Marc Spagnuolo sehen.
        Die ersten beiden zeigen in erster Linie Handarbeit, wo der Strom fast ausschließlich für die Beleuchtung genutzt wird (Wobei beide in Maßen auch Elektrowerkzeuge verwenden, nur selten in Ihren Videos). Die meisten anderen „Woodworker“ arbeiten ja doch vorwiegend mit Elektrogeräten. Die entschleunigte HAndarbeit ist da doch ein ganz anderer Stil.

        Persönlich denke ich, niemand wird es schaffen hochwertige Stücke nur mit Elektrowerkzeugen zu bauen, ohne zumindest in Details zu Handwerkzeugen zu greifen. Ist ja manchmal auch einfach schneller drei mal den Hobel drüber zu schieben als Kreissäge oder Frästisch einzurichten. Und Elektrowerkzeuge erleichtern bei vernünftigem Umgang ja auch enorm die Arbeit und erlauben teilweise bei höherer Geschwindigkeit ein anderes Maß an Präzision und Wiederholbarkeit, ein Aspekt der für jeden der damit sein Geld verdient wohl bares Geld bedeutet.

        Als Hobby Holz-Enthusiast muss ich aber zugeben, inzwischen auch mehr Stromlos zu machen. Als Hobby betrieben bietet sich so ein ganz anderes Maß der Entspannung und teure Maschinen brauche ich auch nicht (ok, gute Hobel sind auch nicht günstig, aber für mein Hobby genügt mir auch ein günstiger Kunz, statt einem teuren Veritas)

        Was die Mobilen Elektrogeräte angeht, es ist schon bezeichnend bei einigen amerikanischen Profis ganz schnell auf Werkzeuge deutschen Ursprungs zu gucken, Festool wird immer gerne genommen, große Bosch Oberfräsen in blau sind aber auch nicht selten (allerdings meistens Modelle die es in Deutschland gar nicht gibt.)

        Gruß
        Alex

  17. Alex sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe den Artikel sehr interessiert gelesen. Ich selbst verfolge die amerikanischen Beiträge – speziell bei YouTube – schon seit Jahren. Natürlich auch den Woodwhisperer :-).

    Da ich berufs bedingt weltweit unterwegs bin, und die Amerikaner schon sehr oft erlebt habe, stimme ich Dir auch in vielen Punkten zu. Speziell bei der Sicherheit. Die machen da ein Hype – entschuldigung ein Brimborium – um die Sicherheit (Unterweisungen, Vorschriften etc. etc.) aber daran halten tut sich keiner. Ich bin schon beim Kunden angereist, und ehe ich das Werk betreten durfte wurden Unterweisungen, Drogentests und weitere ärztliche Untersuchungen durchgeführt. Wann man dann teilweise die Gestalten im Werk angeschaut hat, dann fragt man sich, wie die jemals die Pforte durchqueren konnten…

    Bei den Maschinen muss ich allerdings sagen, dass ich z.T. ein bisschen neidisch zu den Amis schaue. Speziell was deren Tischkreissägen angeht. Ich weiss, dass bei uns der Schiebetisch der Standard ist. Flexibler sind aber definitiv die Führungsschienen (meine Meinung). Beim Handwerkszeug gebe ich Dir recht. Was da zum Teil zum Einsatz kommt, würde bei uns nicht mal im Baumarkt im Hobby-Bereich verkauft werden. Bei anderen Geräten – wie Frästische zum Beispiel – habe ich auch mit einigen Geräten z.B. von Incra oder Trend geliebäugelt. Leider ist es immer wieder problematisch die Fräsen für den deutschen Markt da ein zu bauen. Und ehe ich anfange da zu „basteln“ (Thema Sicherheit) habe ich mich letztendlich für das einzig portable, deutsche Produkt entschieden. Aber auch da hast Du ja schon Führungsschienen dran gebastelt (sorry :-)). Auch was z.B. Guido zum Teil macht ist auch nichts anderes als das, was man bei den Amis zu sehen bekommt. Sein Fräsbuch z.B. ist ja auch voller „Hilfen“.

    Will sagen: Die Amis machen teilweise wirklich gute Sachen und es gibt echt ein paar gute Leute. Ich nehme jetzt mal die Kanadier noch dazu: Mathias Wandel ist einfach immer ein Gedicht zum zusehen, auch wenn ich die Arbeitsweise und die Bastlerei nicht unbedingt befürworte. Der Typ hat einfach Spaß am werkeln und am Filmen.

    Das Hauptproblem ist aber wohl, dass die einzig wirklich professionellen Videos in Deutschland bezüglich unserem Thema wohl von Guido kommen. Das soll jetzt nicht heißen, dass Deine Videos nicht sehenswert sind – ganz im Gegenteil. Man sucht aber echt nach deutschen Videos, in denen ein Prozess durchgängig beschrieben wird. Meist sind es nur ein paar Zwischenschnitte eines Projekts. Da heißt es dann „Ich habe das Teil dann soweit vorbereitet dass…“. Wie vorbereitet? Was wurde genau gemacht? Mit welchem Werkzeug? Es wird halt viel offline (sorry abseits der Kamera) gemacht. Klar dass die Filme dann 40 oder 50 Minuten lang sind, aber nach so einem Werk zieht es mich meist gleich wieder in die Werkstatt. Ich finde die absolut sehenswert.

    Soviel wollte ich gar nicht schreiben. Könnte da aber auch noch seitenweise weiter tippen.

    Ach ja: Auch in anderen Ländern, z.B. Japan, gibt es super Videos mit Techniken zur Bearbeitung von Holz. Da ist die Sicherheit allerdings dann ganz weg. Da wird nicht mal (oder nur sehr selten) über Sicherheit gesprochen…

    In diesem Sinne. Alles nicht ganz so eng sehen, Spaß am Hobby oder Beruf haben und unsere deutschen Standards respektieren. Die sind wirklich gut und weltweit mit die Besten!

    Alex

  18. Andi sagt:

    Hallo,

    ich habe es geahnt das Du ins Wespennest stichst mit diesem Thema 🙂

    Ich habe alle Kommentare gelesen und freue mich, das hier schon fast eine Aktivität herrscht wie in einem Forum. 12 Aussagen, 13 Meinungen.

    Was ich sehr oft beobachte in USA ist, die Jungs bauen etwas, egal was es ist, meist mit sehr dürftigen Maschinen. Es wird ein Crosscut Sled verwendet in Ermangelung einer FKS. Das alleine ist für einen deutsche Holzwerker ja schon fast ein „Must“ Ein billiger Router von PorterCable und Nägel und ein paar lausigen Rohrzwingen und Leim.

    Der Unterschied zu dem deutschen Holzwerker ?

    Der Deutsche Holzwerker sägt sein Brett auf der FKS zu, jagt die sibierische 300 Jahre alte Lärche durch seinen Hammer/Felder Dickenhobel, zückt danach die Domino Fräse und zu guter Letzt erstellt er die Zinken mit Veritas Sägen und Lee Nielson Hobeln auf einer 500 kg schweren gerauchten Eichenwerkbank, die er sich aus USA hat importieren hat lassen. Die Zwingen sind selbstverständlich von Bessey, die Revo´s natürlich. So könnte ich weiter machen, den ganzen Abend. Nicht einmal beim Schleifpapier macht er halt, auch da nur vom Allerfeinsten und meist nur in Hellgrün.

    Das ist leider der „deutsche Holzwerker Auftritt“. Guido Henn gefällt mir da immer wieder. Mit seiner Bosch Grün Fräse, seinen Wolfcraft Zwingen und Wackeltischen suggeriert er Einfachheit. Aber beim genauen hinsehen steckt auch da der deutsche Wohlstand in der Präsentation. Und ohne Festool Vollausstattung und Onkel Dieter geht auch da nichts.

    Wie gesagt, die Sperrholz Zusägerei von den Amis geht einem aber auch irgendwann auf den Kecks.

    Ich finde Heiko, Du hast genau die Mitte getroffen. Deine Arbeiten sind qualitativ und technisch sehr interessant. Du zeigst der deutsche Holzwerkergilde das eine Werkbank aus Seekiefer und eine Fräse von Perles, wenn man sie beherrscht, viel mehr kann als die 10000,- Euro komplett Ausstattung von Festool. Weil wenn man diese dann hat fehlt meist immer noch die 500 kg schwere Hobelbank……….and so on. Und so sucht der arme suchende deutsche Holzwerker nach Erfüllung und kann sie mit Konsum leider nicht erfüllen. Erfahrung kann man sich nicht bei Amazon und im Forum bestellen. Es kostet meist viel Mühe und der Weg ist übersät von Fehlern und Rückschlägen.

    Ich freue mich trotzdem jede Woche auf einen Beitrag hier im Blog oder im Holzwerken Blog.

    Vielen Dank

    Gruß Andi

  19. Uwe sagt:

    Hallo zusammen

    Interessante Diskussion, über die ich mir auch schon so manche Gedanken gemacht habe. Die Frage drängt sich ja für den interessierten „woodworker“, der oft auf „woodworking.de“ liest 😉 quasi auf.

    Und ich denke eines kann man wertungsfrei auf jeden Fall behaupten : Unterschiedlicher könnte die Deutsche und Amerikanische Szene nicht sein.

    Allein diese Diskussion hier würde wahrscheinlich in einem Amerikanischen Forum nicht passieren können. Da ist einfach die Grundsätzliche Mentalität nicht so, daß man sich mit anderen Vergleichen kann / will – Das mag einer als Selbstbewusst, der andere als Arrogant bezeichnen.. egal wie, es ist zumindest ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Deutschen, die sich mit den Amerikanern „messen“ wollen. – Die Tatsache, das Heiko es schon leid ist, diesen schiefen Vergleich zu hören belegt dies.

    Also wenn man sich jetzt darauf einigt, daß es eine grundsätzliche Andersartigkeit gibt, so kann man sich doch auch darauf einlassen und die Vor- und Nachteile dieser beiden Seiten zu sehen.

    Ich persönlich halte viele Beiträge aus dem Amerikanischen Raum für deutlich unterhaltsamer als z.B. einen sehr sachlichen und Technischen Bericht auf dieser Seite… diese Lese und schaue ich aber auch sehr gerne… bei welchem man dabei mehr lernt ist wohl keine Frage und sollte es auch nicht sein.

    Ich schätze bei den Übersee-Videos vor allem auch die Kreativität, die oft nicht nur in Form von Holz, sondern auch in Bild und Ton. Ein gut gemachtes Video mit Stop-Motion Technik, in dem Schraubzwingen über den Tisch wandern und Holzstücke zum Verleimen zusammentreiben ist ganz einfach unterhaltsam. Ein Mann, der in einer Kellerwerkstatt steht und 5 Minuten über die EInstellung seiner selbstgebauten Gestellsäge redet ( und dabei viel Informationen liefert ) ist einfach eine ganz andere Geschichte….

    Also zusammenfassend : Bitte nicht alles so ernst nehmen, Von beiden Seiten das positive mitnehmen und sich freuen, das es beides gibt !

  20. Volker sagt:

    Hallo Heiko,

    vorne weg: Ich bin ein Fan Deines Blogs, Deiner Videos und Deiner Arbeiten!

    Ich bin Hobby Holzwerker und profitiere aber nicht nur von Deinen Videos. Ich liebe auch die schon genannten amerikanischen Holzwerker! In puncto Sicherheit hast Du völlig Recht, die sollte man nicht vernachlässigen! Ich finde allerdings, der „Showmasterstyle“ hat auch etwas!

    Ich habe in meinem Beruf mitunter auch mit schweren und tödlichen Verletzungen und Arbeitsunfällen aller Art zu tun, und meine amerikanischen Amtskollegen absolvieren ihre Ausbildung für den gleichen Job in weniger als der halben Zeit (manchmal sogar sehr viel weniger!). Allerdings respektiere ich sie trotzdem als Kollegen und erkenne, dass auch sie ihren Job meist gut machen!

    Ich habe überdies nichts gegen Anglizismen, da ich der Meinung bin, dass sich Sprache eben verändert. Ich habe auch keine Angst vor einem Identitätsverlust durch Aufweichung der deutschen Sprache. Allerdings stehe ich auch nicht auf eine vermeintlich moderne Ausdrucksweise unter Nutzung aller englischen Begriffe, die es auch in Deutsch gibt.

    Ich würde empfehlen, sich diesbezüglich einfach ein wenig zu entspannen und zu leben und leben zu lassen. Wenn jemand die amerikanische Holzwerkerszene besser findet, ….bitteschön.

    Ich denke es gibt weltgeschichtlich wirklich wichtigere Vorgänge, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.

    Ich möchte mich beim Holzwerken nur entspannen und etwas sinnvolles tun, und das kann ich auch aufgrund Deiner (und der amerikanischen) Ideen und Ratschläge.

    Danke dafür,

    Volker

  21. Markus sagt:

    Dazu eine Anekdote…

    Meine Kinder gehen in den Kindergarten: Dort gibt es keine belegten Brote, sondern Sandwiches, keine Kuchen, sondern Muffins. Sie feiern auch nicht Nikolaus, sondern Helloween. Von Anglizismen mal abgesehen, ist auch das Essen nicht gut, sondern lecker, und man sagt auch nicht mehr „Pfiadi“ oder „Servus“, sondern Tschüss. Anmerkung: Ich wohne in Österreich.

    Das geht und ging mit dermaßen auf die Nerven, dass ich deshalb auch mit der Kindergärtnerin schon mehrmals diskutiert habe. Meine Kinder sollen die österreichische Sprache und die regionalen Sitten pflegen, das ist mir einfach ein Anliegen. Sie meinte, und damit hat sich leider recht, dass die meisten Kinder diese Wörter schon von zuhause mitbekämen und sie sich nur anpasse. Ein Trauerspiel, der Untergang jeglicher Tradition und regionaler Identität. Leider sind viele Erwachsene einfach zu dumm, das zu verstehen. Denn alles, was aus Amerika kommt, ist ja ach so toll.

    Man ist im übrigen nicht weltoffen, nur weil man Anglizismen verwendet – und genausowenig ist man konservativ, wenn man sie ablehnt.

  22. Neal sagt:

    Guten Tag Heiko,
    nun ich als Laie hab da nicht viel zu meldem zu Thema, aber einen noch nicht genannten Punkt würde ich gerne nennen!
    Ich finde es in gewissen Maße ein wenig dumm zu sagen in Amerika ist ALLES besser, denn wie man sieht in Sachen Holzwerken sind sie weder eindeutig schlechter noch besser, es kommt halt auf das einzelne Kriterium an, wobei selbst wenn sie in Sachen Holz werken die Nase vorn hätten wäre doch nicht gleich das gesamte Amerika besser! Das ist das was ich mit diesem leicht irrsinnigen Titel: In Amerika ist alles besser meinte. Holzwerken ist ein im Gesamtvergleich zum gesamten Staatssystem ein derart kleiner Unterpunkt, unter dem andere Hauptaspakte wie z.B. Wirtschaft und und gar nicht berücksichtigt sind.
    So viel dazu…
    Mit den Anglezismen hast Du recht, es nervt wenn man während des schönen Leseflusses erst mal Begriffe wie Low Angle Jack Plane, oder Dado Jig enträtsel muss. Vorallem für Anfänger wie mich war es am Anfag schwer diese Begriffe zu verstehen, und ich glaube ich bin nicht fer einzige. Natürlich sind Anglezismen, wie z.B. cool unvermeidbar, wobei dies sind allgemeine weitläufige verständliche Begriffe im Gegensatz zu so manchem No, 4 1/2 Smoother…falls jemand stutzt es kann sein das diese englischen Beispielbegriffe Schwachsinn sind, aber es geht für mich ums Prinzip.
    Noch was, ich finde solche Diskussionsthemen klasse, da sieht man es geht hier nicht nur um die Be- und Verarbeitung des Holzes und anderer Werkstoffe, sondern auch um weitreichendere Themen. 😉

    Schönen Gruß

  23. Cyrus sagt:

    Hallo Heiko!

    Ich verstehe dass Sie genervt sind von den sich immer mehr einschleichenden Anglizismen in der Holzwerkersprache. Als jemand der über Youtube zum Holzwerken gefunden hat, möchte ich aber anmerken das es einfach zu wenige Inhalte in deutscher Sprache gibt und man so zunächst erst die Begriffe in Englisch lernt. Beispiel gefällig? Wie man einen deutschen Hobel einstellt habe ich bei Paul Sellers gelernt! Das ist ein Witz! Die deutschsprachigen Videos setzen einfach zuviel vorraus und wenden sich zu stark an Menschen die zumindest Grundkenntnisse haben. Das ist aber heutzutage nicht mehr oft der Fall.

    Aber auch sie tragen zur Amerikanisierung des Holzwerkens bei. Sie empfehlen den Leuten Handhobel von Juuma bei jeder Gelegenheit. Vor kurzem bin ich günstig an einen Satz deutscher Hobel von ECE und Ulmia gekommen. Ich gestehe mich packt mittlerweile der Zorn wenn ich in Woodworker stöbere. Dieselben Leute die sich in jedem dritten Post über die Abwanderung von Arbeitsplätzen nach China aufregen, empfehlen ohne zu zögern Hobel aus China, wo es doch wunderbare und preislich absolut konkurrenzfähige Produkte aus deutscher Produktion gibt. Meine „neuen“ Holzhobel sind zum Teil über 30 Jahre alt und sie sind wunderbar. Es hat ein wenig Arbeit gebraucht sie wieder herzurichten aber das war nicht viel Arbeit. Diese Hobel funktionieren einwandfrei, lassen sich ziemlich schnell einstellen und ich brauche nicht ständig ein Teelicht damit die Dinger vernünftig über das Holz gleiten. Für das Geld meines No.4 Juuma Hobels habe ich einen Schrupphobel, Schlichthobel, Doppelhobel, zwei Putzhobel, zwei Rauhbänke und einen Zahnhobel bekommen. Ich sehe Videos in denen „Einsteigern“ ein Hobel für 300,-€ empfohlen werden, statt deutschen Einsteigern zu zeigen wie man an diesem Hobby teilnehmen kann ohne einen Kredit aufzunehmen.

    Die deutschen Holzwerker sind in meinen Augen zum Teil ein sehr elitärer Haufen der die Hürden zum Einstieg in dieses Hobby eher höher schraubt als sie senkt. Ihre Videos haben mir sehr oft geholfen und ich verdanke ihnen vieles, was mir den Einstieg ermöglicht und erleichtert hat. Über den Rest der deutschprachigen Youtube Anbieter oder teilweise noch schlimmeren Blogger möchte ich nicht zuviel sagen. In der langen Liste von hilfreichen Leuten wie Paul Sellers, Roy Underhill, Marc Spagnuolo, Stumpy Nubs und ja auch einem Steve Ramsey sind Sie der einzige deutschprachige. Naja, und sie machen sich auch ein wenig rar in letzter Zeit. Ich verstehe das sie mit ihren Kursen und der Arbeit für die Holzwerken Zeitschrift viel zu tun haben und sich damit ja auch ihren Lebensunterhalt verdienen müssen aber wie bereits gesagt, sind sie der Einzige.

    Wenn es niemand auf deutsch erklärt wird es halt auf englisch gelernt aber dafür die Lernenden verantwortlich zu machen, ist mir etwas zu einfach. Es sind die Lehrenden die entweder zu wenig machen oder ein haufen arroganter Holzwerker Snobs (damit sind ausdrücklich nicht Sie gemeint) sind, die dafür sorgen das angehende deutsche Holzwerker lieber auf englisch lernen.

    Gruß Cyrus

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Cyrus,

      bezüglich der Juuma Hobel ist es nunmal so, dass ich nur die Werkzeuge empfehle oder vorstelle, mit denen ich selbst arbeite. Und irgendwann bin ich halt auf die Eisenhobel gekommen und mag die Holzhobel nicht mehr so gerne. Es wäre doch verlogen, wenn ich was anderes empfehlen würde, nur weil meine Leser das vielleicht gut fänden. Ich schreibe ja auch in meinem Artikel, dass die amerikanischen und kanadischen Hersteller in diesem Bereich die Nase vorn haben und dazu stehe ich auch.

      Gruß

      Heiko

      • Cyrus sagt:

        Hallo Heiko!

        Ich habe mir seinerzeit auf ihre Empfehlung hin meinen No.4 und meine Blockhobel von Juuma gekauft und bereue diese Entscheidung auch nicht. Es sind wirklich gute Hobel und auch sehr einsteigerfreundlich. Was ich sagen wollte ist das mir ein Engländer und eben kein Deutscher erklärt hat wie man einen deutschen Hobel herrichtet, einstellt und benutzt.

        Wir haben leider keinen Paul Sellers in deutsch der gebrauchte Hobel statt neuen und Stemmeisen von Aldi statt von Veritas empfiehlt. Der Einstieg in dieses Hobby wird von deutschen Holzwerkern eher schwerer als einfacher gemacht.

        Wer sich ein wenig mit Holzbearbeitungsmaschienen auskennt, weiß das die Nordamerikaner auf diesem Markt eigentlich nicht viel zu melden haben. Das ist ein Markt den Deutsche, Österreicher und Italiener fest im Griff haben und das auch mit gutem Grund. Die Nordamerikaner stellen allerdings noch Maschienen her die man sich als Normalsterblicher in die Garage stellen kann. Das ist ein Ort an dem die europäischen Hersteller fast komplett versagen. Selbst wenn man das Geld hat, wer hat denn Platz für eine richtige Altendorf?

        Für heimwerkende Holzwerker erscheinen die USA daher wie das gelobte Land und das leider oft auch zu recht. Deutsche Holzwerker tragen allerdings auch stark dazu bei dass man sich lieber Amerikanischem zuwendet.

        Gruß Cyrus

    • Michael Hild sagt:

      Hallo,

      bleiben wir beim Thema Hobel. Holzhobel sind nicht jedermanns Geschmack, meiner auch nicht. Ich hatte mit einem E.C.E Secundus angefangen, Klappe lieblos mit Kreuzschlitzschrauben befestigt, Drehknopf aus Plastik und das für beinahe 100€. Bei den Metallhobel bliebe als deutscher Hersteller nur Kunz. Und wer solche, selbst die Plus, mit einem Juuma oder gar LN oder Veritas vergleicht, merkt recht schnell einen großen Unterschied und ich meine jetzt nicht nur das Design.

      Es will halt nicht jeder mit Holzhobel arbeiten oder noch Zeit investieren, bis die Werkzeuge brauchbar sind.
      Von daher ist es meiner Meinung der falsche Blickwinkel zu sagen, „In D gibt es keine guten neuen Metallhobel zu kaufen, kauft halt einfach alte Holzhobel“ (Überspitzt ausgedrückt). Das Problem liegt auf Seiten der Hersteller. Irgendwie identifizieren sich viele nicht mehr wirklich mit dem was sie produzieren. Beispiel E.C.E, die haben nicht mal ne vernünftige Homepage. Wobei sie ja mit DER deutsche Hersteller für das Holzhandwerk sind. Da müssten die stolz drauf sein, schöne gebrauchsfertige Produkte herstellen, schön verpacken, anständig präsentieren, usw. Wie die aus den Staaten eben, die stehen zu ihren Produkten, selbst die Mitarbeiter identifizieren sich damit und sind stolz drauf, an solchen Werkzeugen mitzuarbeiten. So scheint es jedenfalls.
      Einige deutsche Hersteller gehen jetzt auch etwas den Weg. Wera ist mir persönlich positiv aufgefallen. Die Werkzeuge haben beste Qualität, sind optisch ansprechend und werden mittlerweile auch schön verpackt geliefert. Das mag für den Profi vielleicht egal sein, aber mich freut es, wenn ich ein Werkzeug bekomme, wo schon die Verpackung was her macht und ich das Ding schon mit Spannung auspacke.
      Könnt ich noch Seitenweise zu schreiben, aber es kommt vom Thema ab.

      Grüße
      Michael

      • Patrick sagt:

        Hallo Michael,
        das mit der Verpackung stimmt absolut. Auch ein Werkzeug muss gut aussehen. Was nützt es mir wenn ich ein gut funktionierendes Werkzeug habe aber es Sch…. aussieht. Da vergeht irgendwann die Lust es zu benutzen.

        Werkzeug muss gut sein aber auch Spaß machen.

        Gruß
        Patrick

  24. Uli sagt:

    Auch ich verarbeite Flachdübel, esse aber ab und zu nebenher mal ein paar Biscuits. Da muss man schon aufpassen, nichts zu verwechseln 😉 Mit meinen 53 Lenzen bin ich zwar nicht gerade der jüngste, kann aber in der Sprache der Jungen durchaus mithalten. Trotzdem finde ich es auch traurig, dass unsere Sprache etwas verkommt. Wenn in der whatsapp Nachricht mit cu anstatt LG gegrüßt wird, hörts einfach auf. Ich glaube, viele machen sich einfach keine Mühe mehr beim Sprechen, geschweige denn beim Schreiben. Schuld ist wahrscheinlich auch die Globalisierung, weshalb sich viele nicht mehr als Abteilungsleiter sondern als Keyaccounter bewerben müssen. Dass Sie dann noch einen Bachelor oder Master brauchen, ist selbstredend. Steigen Sie dann auf, sind sie CEO oder CFO – selbst bei meinem Holzhändler.

    Stimmt, Goethe oder Schiller würden sich, würden Sie noch leben, mit Selbstmordgedanken quälen. 😉

    Wo es geht, nutze ich deutsche Begrifflichkeiten und lasse mir z. B. auch Kurznachrichten schicken. Die fragenden Blicke der Angesprochen lösen oft eine kleine Diskussion aus, die oft lehrreich ist und Nachdenken auslöst.

    Zum Thema Holzwerken bin ich echt froh, in Deutschalnd mein Hobby ausüben zu dürfen und qualitativ hochwertige Maschinen und Werkzeuge kaufen und einsetzen zu dürfen. Um keinen Schrott erstehen zu müssen, kaufe ich auch nur im deutschen Fachhandel und eher nicht über den Tisch-Rechner. 😉 im internationalen Netz 😉

    Liebe Grüße
    Uli

  25. Andi sagt:

    Hallo Heiko,

    das ist aber deutlich 🙂 Ich muss sagen, ich habe Anfangs sehr viele englischsprachigen Videos angesehen, in Ermangelung „deutschen Futters“ Außer Deinen Videos und ein paar Einzelne von anderen Holzwerken gibt es ja aus Deutschland niemanden, der sich die Mühe macht.

    Wenn man sich eine Zeit lang mit amerikanischen Videos beschäftigt, wird das sehr schnell langweilig. Weil außer „hahnebüchige Kreissägen mit MiterGauge und „Nailgun“ und Sperrholz und Atemschutzmaske“ bekommt man nichts zu sehen. Und das ganze noch mit vermeintlichem Entertainment ala MereMortals.

    Auch die Werkstätten „Shop´s“ sind zum Teil übertrieben.

    Aber was richtiges, im Stil von „Eckschrank aus Buche“ oder „Couchtisch aus Meranti“ habe ich so noch kein zweites Mal gesehen. Weder in USA noch in D.

    Wen ich gerne zur Entspannung am Abend anschaue ist Paul Sellers und sein „Real Woodworking“ 🙂 Auch wenn da die Meinungen aus einander gehen. Ich mag Ihn.

    Was mich nervt am Hobby Holzwerken in D sind eher die Preise. Und da denke ich, ist es in USA einfacher. Sperrholz (Plywood) ist dort spott billig.
    Schon der Besuch beim Holzhändler in D macht keinen Spaß. Bei Quadratmeter Preisen ab 25,- € für Fi/Ta Dreischicht bis 129,- € für Eiche durchgehende Lamelle ist alles vertreten. Da kostet das Telefonschränkchen dann schon 300,- € ohne das man sich versägt. Der Bau von Möbeln ist ein richtiger Invest.

    Auch die Werkzeugpreise (Handhobel, Kreissägen etc.) werden in D künstlich hoch gehalten. (In USA/ UK viel günstiger)
    Und zwischen drin gibt es meistens leider auch nichts. Entweder Murks oder HighEnd. Da ist es in USA einfacher einzusteigen.

    Gruß Andi

    P.S. Bin mal auf den Post gespannt

    • Alex sagt:

      Hallo Andi,

      stimme Dir da voll zu. Das z.B. Werkzeug „Made In Germany“ (hergestellt in Deutschland) teuer ist, kann ich verstehen. Das aber der reimport unserer deutschen Werkzeuge, z.B. aus England (oder z.T. sogar aus Frankreich) günstiger ist… Muss man das verstehen?

      Und was die Holzpreise angeht: Da tun sich ähnliche Abgründe auf. Klar bekommt man das im Fachhandel meist günstiger als im Baumarkt, aber muss dann wieder solche Mengen abnehmen, dass es auch wieder keinen Spaß macht. Und auch die günstigen Preise sind recht hoch. Wenn man keine Sonderanfertigung braucht, dann ist das fertige Möbel z.T. günstiger als wenn man das rohe Holz kauft…

      Alex

      • Alex sagt:

        Ich denke die Holzpreise haben vielfach tatsächlich auch mit der Verfügbarkeit und der lokalen Holzwirtschaft zu tun.
        In den USA und Kanada gibt es im vergleich zu Mitteleuropa eben nahezu unendlich erscheinende Holzressourcen, die schnell und günstig geerntet und verarbeitet werden.
        Ob das ökologisch immer Sinnvoll ist ist ein anderes Thema, aber das Angebot ist halt viel größer, wodurch der Presi schnell mal viel geringer wird.

        Speziell über die Preise von Sperrholz habe ich mich schon geärgert. Hier bezahlt man eine ordentliche Stange geld um z.B. im Baumarkt eine Platte in C oder C+ Qualität zu bekommen, in Großbritannien oder den USA stehen im Baumarkt Paletenweise die Platten in A Qualität, Teilweise für umgerechnet unter 50 Euro die Platte.

        ein anderer Alex

  26. Tom B sagt:

    Hallo Heiko,

    vorneweg: nein, in Amerika ist nicht alles besser. Aber anders.

    Du hast Recht, wenn Du schreibst, dass in den USA nicht so viel Wert auf Sicherheit gelegt wird. Ich habe aber schon den Eindruck gewonnen, dass das langsam immer mehr in den Vordergrund tritt. Als Maßstab dürfen dann nur nicht diese „YouTube“ Yunkies gelten, denen es einzig um Klickraten geht und die dabei die Qualität runter fallen lassen. Schaut man aber mal zu angesehenen Zeitungen, Seiten oder Handwerkern, die „was drauf haben“, sieht man ein mit Deutschland Niveau, das zumindest auf gutem Weg ist, unseres mal zu erreichen. Dinge ändern sich nicht von jetzt auf gleich.

    Völlig blöde finde ich ebenfalls diese unnötigen Anglizismen überall. Absolut überflüssig – da bin ich völlig bei Dir. Das stört mich genauso (nicht nur, wenn es um Holz geht). Das hört sich jetzt sehr theatralisch an, aber ein Goethe würde sich wohl im Grabe rumdrehen, wenn er lesen müsste, wie einige (nicht alle) Deutsche die deutsche Sprache malträtieren. Mehr Selbstbewußtsein für die deutsche Sprache – sie kann mehr, als wir ihr mittlerweile zutrauen!

    Wegen des Verbreitungsrades innerhalb der „deutschen Holzwerker Szene“. Die Zahlen nehme ich zur Kenntnis – sie sind mir aber ehrlich gesagt ziemlich wurscht. Zumindest in dem Bereich, in dem ich mich mit meinem Blog bewege (= Massivholzmöbel Bau) bin ich in einer solchen Nische, da werde ich im Leben nicht auf Klickraten kommen, bei denen man darüber nachdenken könnte, davon den Lebensunterhalt zu bestreiten (z. B. wie ein Marc Spagnuolo). Das ist aber auch ok. Mir macht‘s Spaß. Und wenn ich mal nur in mein sehr begrenztes Umfeld schaue (wo tatsächlich einige sind, die sich sehr für mein Tun interessieren), dann sehe ich selbst dort, dass die Art „Massivholzmöbel“ wohl einfach nicht mehr in unsere Zeit passt. Auch das ist aber in Ordnung. Mein Weg ist aber nicht hin zu Ikea – sondern möglichst weit weg. Glücklicherweise leben wir in einer Umgebung, in der wir das selbst entscheiden können & auch dürfen.

    Herzliche Grüße

    Tom

  27. Patrick sagt:

    Hallo Heiko,
    einen sehr nachdenklichen Bericht hast du hier geschrieben. Man merkt beim lesen, das da, ich sag es mal so, Dampf hinter steckte. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, das Blogs und Videos über das Holz Werken noch relativ Jungfräulich in Deutschland . Es gab ja mal diese Sitcom aus den USA „Hör mal wer da Hämmert“ , da war oft Bob Vila zu Gast. Wohl eine Heimwerkerikone schlecht hin. Vila ist allen Amerikanern ein Begriff aber wie lange schon. In Deutschland kommt es immer mehr. Hier gibt es viele die mit Begeisterung Holz Werken und es auch in Bild und Wort fassen. Ich weiss nicht wie die Ausbildung als Tischler in den USA ist aber meine hier in Deutschland, war sehr Anspruchsvoll und es wird keinem was Geschenkt.
    Bei mir geht genauso wie bei dir die Sicherheit vor. Der Tischler ist und wird immer ein schöner aber auch mit Gefahr verbundener Beruf sein. Wer davor die Augen verschließt ist es selber Schuld und wird dafür die Quittung bekommen.

    Genug der Worte, lasst uns weiter Holz Werken. Das du jetzt ne „Praxis Pause“ machst ist OK und dein gutes recht. Die leute lesen gerne deine Berichte und profitieren von deinen Tipps und möchten mehr sehen.

    Danke dafür.

    Gruß Patrick.

  28. Michael Hild sagt:

    Moin Heiko,

    volle Zustimmung zum Thema Sicherheit. Was man da in vielen (nicht nur einigen) Videos sieht, das muss man in Europa nicht nachmachen, außer man ist süchtig nach Adrenalin. Das geht ja eigentlich sogar weiter, als das Fehlen von wichtigen Sicherheitseinrichtungen, sondern betrifft auch den unsachgemäßen Umgang mit Maschinen, gutes Beispiel ist da dieser Jimmy Diresta.

    Vom ständigen Benutzen von englischen Begriffen bin ich auch kein Freund, wobei ich zugeben muss, „Jig“ benutze ich auch öfters.
    Allerdings bekommen totale Neulinge einige Hürden in den Weg geworfen und da wundert es mich nicht, dass sie lieber die englischen Begriffe benutzen, die ich sag mal, unmissverständlich sind.
    So Hürden sind z.B. und das finde ich extrem schade und auch unnötig, wenn man sich etwas Mühe bei der Übersetzung gibt, Bücher zum Thema Holzwerken in deutscher Sprache. Neuerscheinungen von deutschen Autoren gibt es ja nicht so viele und dann ist es schon gut, dass Verlage aus einem großen Fundus an englischsprachiger Literatur schöpfen können und diese ins deutsche übersetzt anbieten. Nur wenn dann darin Übersetzungsfehler auftreten, ist das gerade für Neulinge ein echtes Problem. Der Leser der sich mit der Materie auskennt, weiß was eigentlich gemeint ist, lächelt über den Schnitzer und gut. Wenn der Neuling mit den im Buch gefundenen Begriffen jetzt z.B. in einem Forum vielleicht noch was nachfragen will, geht es los. Beispiel was mir gerade einfällt: Pocket Hole = Sackloch. „Ich möchte eine Verbindung mittels Sachlöcher herstellen.“ Hat eine völlig andere Bedeutung wie „Ich möchte eine Verbindung mittels Pocket Holes herstellen.“
    Da sind dann eigentlich die deutschen Verlage gefordert, wenn schon auf englische Begriffe verzichtet werden soll, was ich sehr gut finde, auch eine einwandfreie Übersetzung zu liefern.

    Mit der Bevölkerungsdichte magst Du recht haben, trotzdem ist die Mentalität eine andere, aber das Thema hatten wir ja schon mal.

    Was ich persönlich aber in den Staaten deutlich besser finde, ist die „Versorgung“ mit Material und Werkzeug. Ob das Zubehör oder Werkzeug jetzt eher sinnfrei ist oder nicht, ist mal egal, aber es gibt es und man bekommt es auch „an jeder Ecke“. Und irgendwie stecken die Hersteller dort auch mehr Liebe in ihre Produkte, was ich in D gerade was Handwerkzeuge für die Holzbearbeitung angeht, nicht sehe. Das gleiche auch mit dem Material, da natürlich vor allem Holz, aber auch z.B. Scharniere, usw. Topfscharniere sind in D ja recht wertig, aber was man hier an kleinen Bändern angeboten bekommt, ist oft grausam.
    Der deutsche Hobbyschreiner hat es schon echt schwer, an Hölzer zu kommen, die über Fichte, Buche, etc. hinausgehen, außer man hat das Glück und hat ein großen Holzhändler direkt vor der Nase und der muss dann auch noch an Privat verkaufen. Im ländlichen Bereich wird es da schon eher dünn, wenn dann noch eine passende Transportmöglichkeit fehlt, hat man ein echtes Problem.
    Wenn man sich so die vielen US-Videos anschaut, gibt es dort wohl an jeder Ecke einen „Lumber-Store“ wo man aus einer Vielzahl an Hölzern aussuchen kann, damit zur Kasse rennt und ab in die Werkstatt. Selbst die Baumärkte haben wohl oft eine echte Holzabteilung, wo es nicht nur Platten und Pressspan gibt.

    Und das sind Punkte, da werde ich schon ebbes neidisch. 🙂

    Grüße
    Michael

    • Gerald aus Wien sagt:

      Ein weiterer Punkt der mich regelmäßig neidig macht, ist das Platzangebot, dass fast jeder amerikanische Holzwerker-Blogger zur Verfügung hat. Was für Amerikaner seine „kleine Garage“ ist, ist bei uns eine ausgewachsene Gewerbehalle …

      Ein Frage hätte ich noch an die gelernten Tischler unter euch: Mit welchen Büchern musstet ihr euch während eurer Lehrzeit herumschlagen, gibt es eine Liste davon, sind sie für den Hobby-Tischler empfehlenswert und wo bekommt man sie?

      • Heiko Rech sagt:

        Hallo Gerald,

        es wird sehr häufig das Buch „Holztechnik – Fachkunde“ aus dem Europa Verlag verwendet. Ebenso Fachmathematik Holz aus dem gleichen Verlag. Holztechnik-Fachkunde ist schon zu empfehlen, weil es ein breites Spektrum abdeckt. Oft bekommt man ältere Auflagen für ein paar Euro gebraucht.

        Gruß

        Heiko

  29. Steven sagt:

    Moin.

    Die Meinungsäußerung finde ich gut.
    Zudem stimme ich dem meisten zu.
    Aber ich finde teils ergibt sich einiges dadurch, das der deutsche Laie viel amerikanischen Inhalt findet und mangels anderem Wissen als gegeben ansieht. Das kann sich mit der Zeit ändern, doch landet man meist erst bei Steve Ramsay, Marc Spacnolo und co. bevor man im Internet auf Videos der deutschen stößt (außer bei geziehlter Suche). Nicht gut, aber oft Fakt.

    Einige Begriffe „erlernt“ der Laie dann im amerikanisch(-englisch) bevor er die deutschen begriffe hört. Deutsche Namen für Gegenständen wie „Dado-Blades“ waren unbekannt, da die Waaren scheinbar länger nicht verfügbar und geläufig waren (bzw. oft auch unnötig?!). Und der Biscuit ist selbst direkt übersetzt als Keks, süßer als der Begriff Flachdübel (wenn auch nicht Zielführend). Dennoch stimme ich zu das es schöner ist die korekten Begriffe im deutschen Text zu lesen und dadurch zu erlernen.

    Die veraltete Technik der USA-Holzwerker ist zwar bedenklich, weckt jedoch auch Neid in hinsicht auf einen günstigen Kompletteistieg ins Hobby. Das man auch mit anderen Kombinationen an Maschienen (oder Handwerkzeugen) gut auskommen kann (siehe Dickenhobel „gegen“ Abrichtdickenhobel auf dieser Seite) ließt man oft erst Monate nachdem man mit dem Traum vom Hobby begonnen hat.

    Weiterhin so schöne und differenzierte Inhalte wie auf dieser Seite und mehr sowie breitere Beschaffung von Inhalten durch uns Nutzer, werden dem Vergnügen wie auch der Sicherheit zuträglich sein.
    In dem Sinne, frohes Schaffen 😉

    Lieben Gruß
    Steven

  30. Tobi sagt:

    Anglizismen schleichten sich in die eigene Alltagssprache nun einmal ein, wenn man Inhalte in mehreren Sprachen lernt. Dir selbst geht das auch so: „Das unnötige Einstreuen von Anglizismen in ansonsten deutsche Texte ist in meinen Augen nicht cool und verleidet mir das Lesen solcher Texte doch sehr.“ — du hättest auch schreiben können, dass das nicht „toll“ oder etwas ähnliches nutzen können, hast dich aber für den Anglizismus entschieden. Vermutlich unbewusst. Wenn man nun ein für sich neues Thema erschließt, und die Fachbegriffe in der Fremdsprache lernt, ist die Kommunikation in der Muttersprache teilweise wirklich schwierig, weil die Fachbegriffe da fehlen oder man bewusst zurück übersetzen muss.

    Davon ab: Ja, Sicherheit ist wichtig, und bei Lehrvideos aus Narrrenhand haben sich auch mir bereits einige Male die Nackenhaare aufgestellt. Da sollte man halt immer selbst noch einmal hinterfragen, was passiert, wenn etwas bricht oder sich verklemmt, ob ein fail-safe-Aufbau berücksichtigt wurde oder ob dann die Brocken durch den Raum fliegen. Das sollte man aber ohnehin IMMER, wenn man mit Maschinen arbeitet, die mal eben die doppelte Leistung eines Menschen abgeben können, aber mit einer Hand geführt werden.

    Tobi

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Tobi,

      das mit dem „cool“ sollte ein Wortspiel sein. Hat nicht funktioniert: -)

      Und natürlich hast du Recht, englische Begriffe schleichen sich ein, das ist normal. Das andere Extrem wäre deutschtümelei, damit kann ich auch nichts anfangen. Es ging mir um das unreflektierte und übertriebene einfügen englischer Begriffe in deutsche Texte.

      Gruß

      Heiko

    • Wolfram sagt:

      In Amerika ist nicht alles besser sondern vor allem „vielfältiger“. Ich denke das macht es aus – ich kann mir raussuchen was ich will. Infotainment a la Steve Ramsey oder Handwerk a la Chris Schwarz oder Möbelbau a la Marc Spagnoulo.
      Vor allem aber ist die dortige Holzwerker- und Blogger-Szene miteinander vernetzt und man unterstützt sich. Und wenn jemand mit seinem Blog Geld verdient ist das in USA auch kein Problem – hier in D sind gleich die Neider und Moralisten unterwegs…
      Und die US-Blogger sind einfach irgendwie lockerer drauf – eben die „besseren“ Entertainer.

    • Philipp sagt:

      Hallo Tobi,

      Ich mich in Deinem Text teilweise wieder allerdings finde ich das „fail-safe-Aufbau“ das ganze wieder einreisst 😉

      MfG
      Philipp

      • Tobi sagt:

        Das war sogar ungewollt! Aber ich stehe auch dazu, ständig zu wechseln. Mir fallen manchmal Worte auf Deutsch oder Englisch nicht ein, ich spreche mit Kollegen mal dies und mal das und mit meiner Freundin springe ich teilweise mitten im Satz hin und her. Na und?

        Tobi

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