Erste Gehversuche mit japanischen Stemmeisen

Japanische Stemmeisen

Japanische Stemmeisen

Das Buch “Die Werkzeuge des japanischen Schreiners“, sowie die vielen Fragen von Kursteilnehmern haben mich dazu veranlasst, mir einen Satz japanische Stemmeisen zu kaufen. Es sollten aber unbedingt zweilagige Eisen sein.  Denn laut Toshio Odate, dem Autor des genannten Buches sind japanische Stemmeisen (und auch Hobeleisen) zweilagig. Das bedeutet, dass die Klinge aus zwei Lagen Stahl besteht. Einer harten, unteren Schicht für die eigentliche Schneide und einer weichen, aber zähen oberen Schicht, welche den Schlag gut aufnimmt und dafür sorgt, dass sich das Eisen besser schärfen lässt. Das war aber nur eine Anforderung. Die zweite Anforderung war die, dass die Eisen noch erschwinglich sein sollen. Beide Anforderungen zusammen schränkten die Auswahl schon stark ein. Es wurde ein Satz “Taki Nomi”, sechsteilig mit Rolltasche.

Unterschiedlich geschliffene Spiegelseiten

Die Spiegelseiten nach dem Planschleifen

Die Verarbeitung japanischer Stemmeisen in dieser Preisklasse ist eher rustikal, aber nicht schlecht. Die geschmiedeten Eisen sind weder poliert, noch sonst aufwendig auf eine edle Optik getrimmt. Die Fasen waren sauber geschliffen. Die Spiegelseite war bei den schmalen Eisen auf der Länge leider sehr hohl, was dazu führte, dass der Hohlschliff der Spiegelseite, der für japanische Stemmeisen typisch ist an einigen Stellen fast gänzlich weggeschliffen wurde. Zwar hätte der Händler die Eisen auch zurückgenommen, aber ich fand das  nicht so dramatisch.

Japanisches Stemmeisen - Abrichten der Spiegelseite

Abrichten der Spiegelseite

Durch den Hohlschliff ging das Planen der Spiegelseiten zügig und problemlos. Ich habe auf einer groben Diamantplatte angefangen, dann auf dem 1000er Wasserstein weiter geschliffen und anschließend auf einem 8000er Wasserstein poliert. Die Fase habe ich freihändig geschliffen. Sonst schleife ich meist mit einer Schleifführung (Veritas MK2) aber diese kann die japanischen Eisen nicht sicher halten. Nach einigen Versuchen habe ich auf eine Mikrofase verzichtet und stattdessen die komplette Fase fein poliert. Das geht wirklich schnell. Die Eisen lassen sich aufgrund des zweilagigen Aufbaus sehr gut schärfen. Das Polieren der ganzen Fase ist mir leichter gefallen, als das Anziehen einer Mikrofase. Bei den letzten Zügen auf dem Stein habe ich den Metallabrieb nicht entfernt und die Stemmeisen sowohl mit der Fase, als auch mit der Spiegelseite unter hohem Druck über den Stein gezogen. So konnte ich eine sehr schöne Politur erreichen.

Japanische Stemmeisen - Fase polieren

Polieren der Fase

Nach dem Schärfen hatte ich einen Satz Stemmeisen, deren Schärfe mich verblüfft hat. Mit keinen meiner anderen Stemmeisen ließen sich die meine Unterarme so leicht rasieren. Am besten kann man die Schärfe mit dem Wort “Sauscharf” beschrieben. Wirklich beeindruckend. Und dabei fiel das Schärfen doch relativ leicht.

Die japanischen Stemmeisen kommen nicht ganz gebrauchsfertig. Man muss die hintere Zwinge noch auftreiben. Das geschieht mit einem breiten Schraubendreher und einigen Hammerschlägen. Das Holz wird dann mit dem Hammer noch pilzförmig geschlagen, damit die Zwinge nicht abrutschen kann. Das ist normal und kein Mangel. Bei dem hier gezeigten Satz war die Zwinge schon aufgetrieben, aber nicht ganz fest. Ich musste also nur nacharbeiten.

Die Lackierung der Hefte (Griffe) hat mir nicht gefallen. Sie war mir zu glatt und auch nicht wirklich schön ausgeführt. Ich habe den Lack mit Schleifpapier entfernt und einen Leinölfirnis aufgetragen. Dabei musste ich sehr aufpassen, denn die Stemmeisen waren ja, wie eben erwähnt, schon sehr scharf.

Japanische Stemmeisen - Nacharbeiten der Griffe

Nacharbeiten der Griffe

Für das Stemmen von Zinken sind diese Eisen aufgrund der hohen, geraden Seitenkanten nicht so gut geeignet. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie für alle anderen feinen Arbeiten gut geeignet sind. Auch für Arbeiten in tiefen Aussparungen kann ich sie mir gut vorstellen, da auch die schmalen Eisen recht dick sind. Die ersten Stemm- und Schneidversuche waren auf jeden Fall sehr überzeugend. Die Stemmeisen sind gut ausbalanciert und handlich. Und wie erwähnt sehr scharf. Sie entsprechen damit der japanischen Tradition, nach der Werkzeuge meist auf die Funktion beschränkt werden und weniger Wert auf ein schickes Aussehen gelegt wird. Wobei ich finde, dass diese Eisen auch ein gewisses Etwas im Bezug auf ihr Erscheinungsbild haben.

Griffe japanischer Eisen

Links, geschliffen und geölt, rechts originale Lackierung

Es hat ca. drei Stunden Arbeit gekostet alle sechs Stemmeisen einsatzbereit zu machen. Wer also Werkzeuge sucht, die aus der Verpackung heraus bereits funktionieren ist mit diesen Stemmeisen schlecht beraten.

Japanisches Stemmeisen - zweilagiger Aufbau

Der zweilagige Aufbau ist gut zu erkennen

Mit Sicherheit werden erfahrene Anwender japanischer Werkzeuge nach dem Lesen dieses Teils des Artikels nur müde über meine Fehler lächeln. Vor allem über das Planschleifen der Spiegelseiten. Profis würden sicherlich erst einmal die Klinge mit Hammerschlägen richten und dann Schleifen und so Hohlschliff erhalten. Mir ging es aber erst einmal darum, erste Erfahrungen mit solchen Werkzeugen zu bekommen. Und hierbei mit dem Schwerpunkt auf die Schärfbarkeit, die Handhabung und die Standzeit. Daher habe ich auch erst einmal zu einem relativ preiswerten Satz gegriffen. Wenn man den Ausführungen von Odate glauben schenkt ist das aber genau das, was japanische Handwerker auch tun. Erst mit einfachen Werkzeugen Erfahrungen sammeln und dann, wenn man es sich verdient und erarbeitet hat, bessere Werkzeuge kaufen. Ein interessanter Denkansatz wie ich finde.

Japanisches Stemmeisen- Anwendung

Nachstechen im Längsholz

Bestimmt lesen hier einige Leute mit, die wirklich was von diesen Werkzeugen verstehen. Ich würde mich über Kommentare mit Tipps und Ergänzungen zu diesem Artikel freuen. Für mich ist das alles sehr interessantes Neuland.

Dass die Stemmeisen wirklich extrem scharf wurden, habe ich aber glaube ich schon erwähnt, oder?

Was die Standzeit angeht, da kann ich noch keine Aussage machen. Das wird sicherlich noch einige Wochen dauern dahingehend etwas Konkretes zu sagen. Ich werde die Stemmeisen beim nächsten Kurs auch den Kursteilnehmern zum Ausprobieren geben und bin auf deren Urteil gespannt.

Der komplette Satz Stemmeisen

Der komplette Satz Stemmeisen

Als erstes Fazit kann ich aber festhalten, dass japanische Stemmeisen sehr interessant sind und die Fokussierung auf den guten Stahl und die Funktionalität eine ganz eigene Ästhetik erschafft. Irgendwie sind es schon besondere Werkzeuge. Und das ganz unabhängig vom guten Marketing, das rund um japanische Werkzeuge betrieben wird.

Ach ja, bevor ich es vergesse, die Eisen sind wirklich “Sauscharf”.

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8 Kommentare zu Erste Gehversuche mit japanischen Stemmeisen

  1. Andreas Busert sagt:

    Hallo

    Beim stechen von Aussparungen fiel mir auf das das Stemmeisen bei den senkrechten flanken immer “hinterschneidet”.
    Beim überprüfen der Spiegelseite stellte ich fest das diese nicht plan ist sondern hohl. Ich wollte mir jetzt einen neuen Satz zulegen und habe deinen Test gelesen.
    Ich schwanke zur Zeit zwischen den Dick und den Tataki Nomi. Bei den japanischen reizt mich die Schärfe der Klinge.
    Gedanken mache ich mir wegen dem Hohlschliff. Ist es damit möglich ohne hinterschneiden Aussparungen herzustellen. Die Auflagefläche der Spiegelseite ist ja sehr klein.
    Hautpsächlich sollen damit Zinken gestemmt werden. Kannst du mir einen Tip geben?

    Mit freundlichen Grüssen
    Andreas

  2. Christoph Meyer sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe schon zu viele Stemmeisen. Japanische sind auch dabei. Wie du schon geschrieben hast, die Eisen werden wirklich sehr, sehr scharf. Kein anderes Eisen wird so scharf und lässt sich dabei noch so gut schärfen, das ist schon ein Erlebnis!

    Durch den sehr hohen Kohlenstoffanteil ist das Stahlgefüge sehr fein, lässt sich sehr hoch härten und dabei immer noch gut schärfen.

    Der Nachteil ist jedoch die spröde Schneide. Wenn man nicht aufpasst hat man schnell kleine Ausbrüche, das nervt und bedeutet viel Schleifarbeit.

    Daher nehme ich die japanischen Eisen gerne zum feinen Nachschneiden, für Zapfenlöcher nehme ich dann doch lieber robustere Eisen.

    Ich finde man kann westliche und japanische Werkzeuge gut kombinieren.

    Viel Spaß mit den Eisen, und immer schön beide Unterarme rasieren sonst sieht das komisch aus.

    Grüße
    Christoph

  3. Ralf sagt:

    Hallo Heiko,

    ich hatte mir als Anfänger damals bei Dieter die Oire Nomi geholt, das sind einfache japanische Stemmeisen. Ich stemme nicht soviel, denke aber sagen zu können dass man die deutlich schärfer bekommt als ein Kirschen und das schärfen geht auch besser. Hebeln ist aber wie vielfach zu lesen ist tabu mit diesen Teilen. Das kann ich nur bestätigen, die brechen sofort aus.

    Alternativ hatte ich mir ein japanisches HSS Stemmeisen für Schreiner im anderen bekannten Laden besorgt, das ist m.E. genauso scharf zu bekommen und bricht nicht aus. Wenn es von der Breite passt nehme ich immer dieses, aber bei 40 Euro habe ich es bei dem einen belassen.

    Gruß Ralf.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo,

      genau so ein Stemmeisen (HIKOZA Oire Nomi) habe ich mir zum Vergleich auch bestellt. Es ist heute angekommen. Mal sehen wie es im Vergleich zu diesen hier ist.

      Gruß

      Heiko

      • Hallo Heiko, zum zweiten ,eben war kurz vor Vollendung alles weg….
        ich lese hier schon seit einiger Zeit immer mal mit ,aus dem Blickwinkel eines hauptamtlichen Tischlers.
        Ich kann Dir zu dieser neuen Erfahrung nur gratulieren.
        Ich arbeite schon seit über 10 Jahren mit japanischen Stemmeisen und anderem japanischen Werkzeugen und möchte diese nicht mehr missen. Im täglichen Einsatz habe ich Chu-Gata Nomi, also schon etwas teurer, aber auch zu recht .Der Qualitätsabfall zu den niedern Preisklassen ist dann schon zu merken, wobei die Oire-Nomi auch eine sehr ordentliche Qualität aufweisen.
        Beide von Dictum. Die anderer Händler kann ich nicht beurteilen. Immer wieder faszinierend für mich ist die ewig lange Standzeit der Eisen. Die höhere Schärfe ist von der Stahlzusammensetzung abhängig – und viel besser bei Toshio Odate nachzulesen . Ein hervorragendes Buch .
        Der Spiegel muß auch nicht zwingend über die gesamte Länge poliert werden., weil dann dabei oft zu viel von der Hohlkehle verloren geht- ist eben Handgeschmiedet.
        Da das Blatt ja zudem auch noch zur Angel hin abgewinkelt ist um mehr Arbeitstiefe zu erreichen ist die Gesamtpolitur eben nicht so wichtig. Den Fehler habe ich zum Anfang auch gemacht.
        Die HSS-Eisen habe ich mir in Zeiten meiner Denkmalpflegearbeiten auch mal gegönnt und die haben auf Grund ihrer Stahlstruktur eine noch höhere Standzeit
        und können auch mal nicht so sauberes Holz ab, wie bei der Restaurierung von alten Türen und Fenstern. Da haben die Ulmia und Kirschen Eisen doch sehr viel schneller den Geist aufgegeben. Die Kirscheneisen nutze ich nur noch für schlimme Arbeiten bis hin zum Leimkratzen, dies mal zur Verdeutlichung der Qualitätsunterschiede. Und wenn die japanischen Eisen dann auch noch mit einem japanischen Hammer geschlagen werden ist die Arbeitsfreude perfekt. Seit dem Erwerb eines Genno habe ich keinen herkömmlichen
        Hammer mehr beim Holzbearbeitungswerkzeug.
        Das ist eben eine Ästhetisch ganz andere Anmutung und für meine nicht gerade großen Hände auch viel besser.
        Und als Schlußpunkt dazu sage ich mir bei meinen hohem
        Handarbeitsanteil dann bitte auch handgeschmiedete Eisen.
        Noch kurz zu den Hobeln. Das ist dann doch schon eine ziemlich andere Welt und bedarf einer größeren Umgewöhnug. Aber wenn das einmal gelungen, machen die richtig Spaß bei den entsprechenden Arbeiten. Im
        täglichen Arbeiten kombiniere ich die mit Stahlhobeln-
        vornehmlich alten Stanleys Aber das ist ein anderes Thema.
        Beste Grüße Dietrich

  4. Tobias Schmidt sagt:

    Hallo Heiko,

    herrlich! Sauscharf! Ich habe diese Erfahrung mit einem original japanischen Santoku Messer machen dürfen. Schärfen auf der Tormek geht hervorragend. Eine ganz andere Liga was die Schärfe betrifft!

    LG
    Tobias

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