… habs dann doch fertig gekauft.

Umbau des Festool CMS-OF - Detailbilder

Detail Andruckfeder

Dinge selbst bauen ist eine tolle Sache. Der Werkstoff Holz gibt einem da sehr viele Möglichkeiten. Der Selbstbau von Vorrichtungen und Schablonen ist oft nicht zu umgehen. Spezielle Anforderungen erfordern spezielle Lösungen. So habe ich zum Beispiel meinen Frästisch umgebaut, weil er zwar sehr gut ist, aber an einigen Punkten meine Anforderungen nicht erfüllt. Ich habe diesen Umbau lange hinausgezögert, weil mir doch irgendwie die Zeit zu schade war. Ich bin jemand, der lieber Möbel, als Vorrichtungen baut. Der Eigenbau einer Maschine käme für mich nicht in Frage, dafür wäre mir meine Zeit einfach zu schade.

Andererseits gibt es Holzwerker, die mit Sicherheit mehr Zeit mit dem Bau von Vorrichtungen verbringen, als mit dem Bau von Möbeln. Das ist natürlich vollkommen legitim. Schließlich ist es ja für die meisten ein reines Hobby und das soll in erster Linie Spaß machen und nicht vernünftig sein.

Mein letzter Fall von “.., habs dann doch fertig gekauft” war dieser Hobelbankhelfer von Lee Valley. Er verhindert das Verkanten der Zangenmechanik und sorgt für parallelen Andruck der Spannbacke. Wer keine entsprechend massive Mechanik an seiner Hobelbank hat, ist mit so einem Teil gut beraten.

Spannhilfe für Vorderzangen (Vise Rack Stop)

Andreas Duhme hat in einem Holzwerken Video mal gezeigt, wie man so einen kleinen Helfer selbst baut:

Video: Hobelbank – So schützen Sie empfindliche Zangen

Seit ich meine Hobelbank gebaut habe, wollte ich mir auch zwei dieser Dinger bauen. Die Hobelbank ist nun schon mehrere Monate im Einsatz, selbst gebaut habe ich aber die Helfer immer noch nicht. Es fehlte irgendwie immer der Ansporn oder die Zeit. Am Ende habe ich zwei Stück gekauft.

Wenn es um den Bau von Schablonen und Vorrichtungen geht, bin ich meist sehr pragmatisch. Oft baue ich Schablonen als Wegwerfartikel nur für den einmaligen Einsatz, oder schraube mir aus Resten irgendwas zusammen. Mein Anspruch an die Optik einer Vorrichtung ist da eher gering.  Das sieht man zum Beispiel auch hier:

Diese beiden Schablonen sind schnell gebaut, man wirft sie mitunter auch guten Gewissens irgendwann weg und sie erfüllen ihren Zweck.

Vorrichtungen und Schablonen nehmen auch viel Platz weg. Je mehr Arbeit darin steckt, umso größer ist die mentale Hürde, die mit viel Mühe gebaute Schablone in die Restekiste zu befördern. Also hebt man sie auf. Es kommen immer mehr Schablonen dazu und irgendwann steht eine ganze Ecke in der Werkstatt voll damit. Ich bin ein Fan von Wegwerfschablonen. Nebenbei fördert das auch die Kreativität. Greift man nicht immer auf die gleichen Schablonen (deren Bau ja viel Zeit kostete) zu, baut man immer neue und dann auch verschiedene. Das wirkt oft dem Effekt entgegen, dass alle selbst gebauten Möbel irgendwie gleich aussehen, weil ja immer die gleichen Schablonen verwendet wurden. Das ist übrigens auch ein Grund, der für mich gegen Konterprofilfräser spricht.

Nein, ich bin nicht der Typ, der stundenlang Vorrichtungen baut. Ich beschränke das auf ein Minimum, auf das Notwendige. Schablonen und Vorrichtungen zu bauen ist ein kreativer Prozess, ebenso wie der Bau von Möbeln. Ich sehe den Reiz aber inzwischen darin, mit möglichst wenigen Vorrichtungen möglichst viel zu machen und in deren Bau so wenig Zeit wie möglich zu investieren.

Und was für ein Schablonen- Typ sind Sie?

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4 Kommentare zu … habs dann doch fertig gekauft.

  1. Matthias Kleinschmidt sagt:

    Hallo,

    die Spannhilfe wollte ich mir auch schon öfter bauen, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Als ich dann die Version von Veritas gesehen habe, habe ich sie mir sofort gekauft. Wenn ich mir aber irgendwann mal eine Hobelbank bauen sollte, wird es darin wohl eine Vorderzange mit zwei Schrauben geben. Da gibt es ja inzwischen auch etwas Auswahl.
    Was die Frage kaufen gegen selbstbau angeht: Ist eine Schablone/Vorrichtung universell einsetzbar und kann bei mehreren Projekten eingesetzt werden, lohnt sich meiner Meinung nach der Kauf. Bei sehr speziellen Schablonen ist wohl eher selbstbau angesagt.

    Gruß
    Matthias

  2. Christian W. sagt:

    Hallo,
    zu den Schablonen kann ich nicht so viel beitragen. Aber zum Bau von Möbeln bin ich der Typ, der am liebsten mit Blockware mit Waldkante arbeitet. D.h. ich habe den Baum quasi noch selbst gesehen, der später als Badezimmertür in meiner Wohnung fungiert. Am liebsten würde ich sogar im Wald meine eigenen Bretter sägen gehen…
    Seitdem ich aber mein erstes Leimholz selbst hergestellt habe, denke ich, dass es ein Luxus sein muss, mit Blockware zu starten. Ich meine, das Ablängen, Abrichten, Leimen, Putzen etc. macht mir zwar viel Spaß, aber effizient ist es eigentlich nicht. Schon gar nicht für jemanden, der seine Stunden anrechnen muss. Der nähme doch lieber fertiges Leimholz!? Ein Sternekoch verbringt ja auch nicht seine Zeit mit Gemüseputzen und Tellerwaschen.
    Eigentlich wundert es mich, dass noch so viel Blockware angeboten wird. Heiko, hast du eine Erklärung dafür?
    Jedenfalls stellt sich auch bei Möbeln ohne Schablone die Frage: wieviel Zeit wofür?

    Gruß
    Christian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Christian,

      ich arbeite auch recht gerne mit feritgen Leimholzplatten. Sie sind praktisch und einfach zu verarbeiten. Ebenso gerne arbeite ich aber mit Blockware, wenn die Möbel wirklich hochwertig sein sollen. Bei professionellen Schreinern entscheidet am Ende oft der Kunde mit seiner Preisvorstellung über das verwendete Material.

      Ganz ohne Blockware geht es aber niemals im Massivmöbelbau. Man kann ja auch beides sehr gut kombinieren. Für die weniger exponierten Möbelteile nimmt man fertiges Leimholz, für die sichtbaren Teile Blockware.

      Gruß

      Heiko

  3. Hallo Heiko,
    ich hasse es Schablonen zu bauen. “Früher” in der Schreinerei mussten für die verschiedensten Projekte irgendwelche Schablonen oder Vorrichtungen gebaut werden. Heutzutage gibt es fast für alles Schablonen zu kaufen. Klarer Vorteil=Es sieht immer alles gleich aus und geht sehr schnell – Klarer Nachteil=Man ist weniger Kreativ und vieleicht geht die ein oder andere gute Idee dabei flöten. Was für ein Schablonen-Typ bin ich? Ganz klar, ich liebe fertige Schablonen. Da bei mir noch die Anschaffung der Tischkreissäge ansteht, bevorzuge ich fertige Schablonen aber auf der Kappsäge schneide ich mir schon mal was aus Resten zusammen. So wie die Schablone für die Flachdübelfräse von Dir.

    Gruß
    Patrick

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