Stanley No. 62, ein Start mit Hindernissen

Stanley No. 62

Stanley No. 62

Wie bereits in den Kommentaren zum Artikel „Die Mittelklasse existiert“ erwähnt, habe ich mir noch einen Stanley No.62 gekauft. Es wurde kein Hobel eines amerikanischen oder auch Kanadischen Premiumherstellers, weil mir diese schlichtweg zu teuer waren und ich bereits sehr gute Erfahrungen mit dem No.4 von Stanley hatte. Der Start mit dem No. 62 war jedoch ein wenig holprig.

Eine genaue Beschreibung des Hobels spare ich mir an dieser Stelle. Viele Details sind identisch mit dem No4. von Stanley und der Hobel entspricht in der Bauform in etwa dem Juuma Flachwinkel Bankhobel. Wer mehr über den Stanley No. 62 wissen will, dem kann ich den Artikel und das Video von Wolfram auf seinen Blog „Holz und Leim“ empfehlen.

Ich konzentriere mich an dieser Stelle auf die Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben.

Irgendwas ist hier faul, aber was ?

Irgendwas ist hier faul, aber was ?

Das größte Problem hatte ich damit, die Schneide des Hobeleisens parallel zur Sohle einzustellen. die Lateralverstellung erlaubt nur minimale Korrekturen. Wären Hobeleisenbett und Hobeleisen genau im rechten Winkel, wäre das theoretisch kein Problem. Irgendwo ist bei meinem Stanley No. 62 aber der Wurm drin. Ich vermute, dass das Hobeleisenbett nicht richtig gefräst ist.  Mir fehlt die Möglichkeit das genau zu messen. Jedenfalls gelang es mir nicht, ein rechtwinklig geschliffenes Hobeleisen parallel zur Sohle einzustellen. Rechts war der Span immer dicker, da das Eisen dort weiter herausschaute und sich nicht mehr verstellen lies. Abhilfe schaffte hier das bewusste schräg schleifen des Hobeleisens. Geschätzte 3° reichten aus, vermutlich hätte auch bereits 1° gereicht. Es war wirklich nicht viel.  Dazu habe ich das Hobeleisen auch noch verrundet.

Die Spandickeneinstellung hat bei diesem Hobel wirklich enorm viel Spiel. Das ist nicht schön, aber man gewöhnt sich daran.

Das sind dann auch schon  meine Kritikpunkte. Im gestrigen Kurs kamen alle Teilnehmer mit dem Hobel, ebenso wie mit dem No.4 sehr gut zurecht. Vor allem die ordentlich dimensionierten Griffe kamen gut an. Wenn doch endlich die Juuma oder Dick- Hobel mal größere Griffe bekämen…

Ist der Stanley No. 62 eine Empfehlung für Einsteiger? diese Frage kann ich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Treten Probleme wie bei mir auf, wird der Hobelneuling sicherlich überfordert sein. Darüber hinaus spielt dieser Hobel seine Stärken auch erst aus, wenn man die Möglichkeit nutzt, Eisen mit verschiedenen Schnittwinkeln zu verwenden. Diese muss man aber auch schleifen können. Ich habe mir zu meinem No. 62 gleich ein zweites Eisen gekauft und dieses auf 35° umgeschliffen. Der entstehende Schnittwinkel von 47° macht meist mehr Sinn, als ein flacherer Schnittwinkel.

Apropos Eisen, der Stanley No. 62 kommt mit einem bereits gut geschärften A2 Eisen mit stolzen 5mm Dicke daher. Zum Vergleich, die Eisen beim Juuma haben „nur“ 3mm Stärke.

Vielleicht hat ja jemand von Ihnen auch diesen Hobel, wenn ja würde mich interessieren, ob die von mir genannten Kritikpunkte auch bei Ihrem Hobel auftreten.

Links:

 

 

 

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8 Kommentare zu Stanley No. 62, ein Start mit Hindernissen

  1. Friedrich Oehler sagt:

    Sehr geehrte Herr Heiko Rech
    Habe den bevel up Jackplan No 62 schon eine kleine Weile.
    Ich bin eigentlich mit dem Hobel recht zufrieden.
    Ein paar Sachen stören mich auch daran, die Tiefeneinstellung ist fummelig und die Lateraleinstellung verstellt sich mit der Tiefeneinstellung. Ich kann allerdings das Hobeleisen rechtwinklig zur Hobelsohle ausrichten.
    Außerdem behelfe ich mir, eine einmalige Einstellung von Eisen und Hobelmaul nicht immer wieder zu verstellen. Bei Pausen stelle ich den Hobel auf die Seitenflächen.
    Allerdings stört mich die dauernde Lateraleinstellung nicht zu sehr, da ich das von meinen Holzhobel gewohnt bin. Daher ist meine Meinung nicht sehr objektiv zu diesen Thema.
    Das Gewicht gibt genug Masse her um mit dem Schwung in einen Zug durch zu hobeln. Hobelmaul war plan zur Hobelsohle und die Verstellschraube dafür recht ordentlich gelöst worden.
    Ich habe auch den Veritas Raubank No 7. Da ist das mit der Hobelmaul Einstellung nicht so schön gelöst worden. Will man mit dem Hobelmaul vor fahren (enger machen) passiert erst mal nichts. Durch vertikal halten und schütteln kommt dann das Hobelmaul. Das Theater habe ich mit dem Stanley No 62 nicht.
    Die Griffe und die Grifposition bei dem No 62 empfand ich angenehm und ausreichens dimensioniert. Bei mir waren die Griffe glaube ich aus Kirschenholz gefertigt worden.
    Alles in allen, ein guter „Allrounder“ für recht wenig Geld.

  2. Nicolai sagt:

    Moin in die Runde und vielen Dank für den sehr informativen Blog.

    Das Thema der Stanley hobel ist ja nun schon etwas älter.

    Die Stanley SW Hobel befinden sich aber immernoch in deinem A-Store.

    Konntest du bei deinen Kurzteilnehmner o. Anderen. Änderungen in der Qualitätsstreueung feststellen oder bleibt es dabei, dass man Bestellen/Retourniern muss bis der Hobel die entsprechende Qualität aufweist.

    Schönen Abend
    Nicolai

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Nicolai,

      ich kann dir nicht mehr sagen, als das was ich hier geschrieben habe. Du kannst aber auch noch die kommende Ausgabe der Zeitschrift „HolzWerken“ abwarten, da ist ein Vergleichstest drin.

      Gruß

      Heiko

  3. Tobias sagt:

    Hallo Heiko

    Zunächst mal vielen Dank für all die hervorragenden Berichte und Anleitungen, die du in all den Jahren veröffentlicht hast und die mir schon sehr oft weitergeholfen haben!

    Jetzt habe ich vor kurzem einen solchen Stanley No.62 Hobel geschenkt bekommen und bin sehr angetan: Mit diesem Hobel konnte ich problemlos ohne Fügeanschlag zueinander rechtwinklige Flächen Hobeln.
    Wenn ich das Hobelmesser anschaue, liegt dieses ohne Zutun absolut parallel zur Sohle.
    Im Gegensatz zu einem uralten Stanley Bailey Hobel No.5, bei dem das Eisen mit Seitenverstellhebel in Position gebracht werden muss klappt das hier ganz mühelos.
    Auch sind die Seiten exakt rechtwinklig zur Sohle.
    Die Ausführung der Klappe sollte allerdings in der Tat besser sein. Das passt irgendwie auch nicht zu den anderen Komponenten. Aber auf der anderen Seite hantiere ich nicht oft damit, so dass mich das sehr stören würde. Genauso die Spandickeneinstellung: Es stimmt, diese hat sehr viel Spiel. Das macht mir aber nichts aus, solange eine Feineinstellung trotzdem möglich ist.
    Und sie funktioniert. Ich versuche sowieso, die Einstellung möglichst wenig zu verändern.

    Das mitgelieferte Eisen war tatsächlich gebrauchsfertig. Dies ist für mich allerdings kein Kriterium für oder gegen diesen Hobel: Wer deinen Anleitungen folgt (z.B. mit Veritas MK2) wird keine Probleme haben, ein Hobeleisen sehr scharf zu bekommen! Und eine Motorsäge wird man ja auch eher nicht danach bewerten, ob die Kette bei Auslieferung scharf ist oder nicht.
    Wenn ich die Wahl hätte, würde ich eher nicht mehr Geld für etwas ausgeben wollen, was ich prinzipiell selber machen kann, solange ich nicht Stunden dafür aufwenden muss, um ein Eisen in die Grundform schleifen.

    Scheinbar habe ich nicht ein so oft beschriebenes Montagsmodell erwischt. Im Gegensatz zu dem alten No.5, mit dem ich bis heute nicht exakt hobeln kann, hat sich herausgestellt, dass dieses Modell für mich hervorragend geeignet ist. Auch optisch gefällt mir der Hobel sehr gut, vor allem die Griffe aus Kirsche in Verbindung mit dem geschliffenen Metall und der schwarzen Farbe.
    Damit hebt er sich sogar positiv von Veritas ab, deren Standardgriffe zur Zeit noch aus Bubinga Holz stammt. Bubinga sieht zwar schön aus, stammt oft aber aus nicht nachvollziehbaren Quellen und sehr oft leider eben aus illegalem Holzeinschlag, zum Beispiel aus dem Kongo. Wozu der erzielte Gewinn in solchen Fällen dann verwendet wird will ich lieber nicht wissen.

    Soweit mein Erfahrungsbericht.

    Viele Grüsse
    Tobias

  4. Marc sagt:

    Falls jemanden die Auflösung interessiert:
    Der Ersatzhobel ist deutlich besser. Stünde es nicht drauf, könnte man auch von einem anderen Hersteller ausgehen.
    Es fängt schon beim Eisen an: Satte 5mm. Beim zurückgesendeten waren es knapp über drei. Umkehrspiel der Spandickenverstellung liegt bei genau 2 Umdrehungen. Sicher nicht toll, kann ich aber mit leben. Ein Großteil des Spiels entsteht im Gegenlager, dies hat in der Passung in allen 6 möglichen Richtungen Spiel. Jeweils nicht viel, aber in Summe macht es sich halt doch bemerkbar. Beim zurückgesendeten war das Spiel noch größer und zudem die Passung leicht oval. Die Rändelmutter ist ebenfalls eine andere.
    Auch bei diesem Hobel wird rechts ein klein wenig mehr gehobelt, aber wirklich nur ein Hauch, nicht einmal eine viertel Umdrehung mehr und es hobelt auf der ganzen Breite und immer noch durchsichtige Späne. Nach Verrunden der Schneide sollte das überhaupt nicht mehr ins Gewicht fallen. Thema Schneide: Im Auslieferungszustand wirklich scharf.
    Die Zunge lässt sich bis aufs Eisen schieben, das Maul also vollständig schließen, keine Zwangsöffnung mehr.
    Bleibt die blätternde Farbe an der Klappe. Pragmatisch gesehen: Der Hobel soll hobeln. Unter die Klappe schaut man vergleichsweise selten.

    Also tatsächlich eine sehr hohe Serienstreuung. Die mir jetzt vorliegende Version ist vor allem gemessen am Preis für mich als Heimwerker mehr als ok. 60€ Aufpreis für einen Kunz-Plus, über 100 für einen Veritas.. Ich gebe zu, das ich dann Abstriche in anderen, mir wichtigeren Dingen machen müsste. Und der annähernd preisgleiche Juuma, der seit letztem Jahr nicht lieferbar ist und eigentlich im Juli wieder erhältlich sein sollte, ist leider gerade in den Frühjahr des kommenden Jahres verschoben worden.

    Grüße,
    Marc

  5. Marc sagt:

    Hallo zusammen,

    kann ich leider nur so bestätigen.
    Ohne speziellen Schliff steht das Eisen auch bei rechts immer ein gutes Stück weiter raus. Die Lateralverstellung hilft hier gar nicht, im Gegenteil: Die Spandickeneinstellung hat bei meinem Exemplar fast 4,5 Umdrehungen Spiel. Das habe ich mehrfach getestet, bevor ich mir selber geglaubt habe. 😉 Durch dieses Spiel und die Verspannung die dadurch in dem Stellmechanismus entsteht, bewirkt auch eine bewusste Verstellung mit Gegendruck der Finger ans Eisen eigentlich nur dazu, dass sich die Spannung entlädt, und das Eisen insgesamt weiter nach vorne schiebt. Ich habe es nicht gemessen, aber ich denke nicht, dass sich das Eisen mehr als 1 Grad insgesamt drehen lässt.
    Weiterhin: Das Hobelmaul ist in der engsten Einstellung gegenüber dem Eisen immer noch 1,5 mm offen. Das mag ich für genaues Fügen, feine Späne auf schwierigen Hölzern etc gern deutlich enger.
    Schon nach den wenigen Einstellvorgängen, die ich bis jetzt durchgeführt habe, ist die Farbe unter der Klappe abgeblättert. Am vorderen Ende des Hobels blättert es ebenfalls..

    Dieses Exemplar geht gerade zurück, ich lasse tauschen. Ist das nächste Exemplar von ähnlicher Qualität, werde ich es zur Gutschrift zurücksenden.

    Bei den offensichtlich argen Serienstreuungen kann ich dieses Modell nicht empfehlen.

    Grüße,
    Marc

  6. Michael L sagt:

    Hallo Heiko,

    ich muß sagen, daß mich solch ein Bericht doch sehr unentschlossen macht. Ständig im Hinterkopf zu haben, daß der Hobel ein speziell „mißhandeltes“ Eisen braucht, ist nicht so meine Sache.

    Außerdem hatte ich gehofft, daß Stanley die Qualität halten könne, wie beim No 4. Und selbst der ist ja nicht unumstritten.

    Noch eines zum Preis: meiner Meinung nach ist der 62er nur zu dem Preis wie er aktuell gehandelt wird, also bei knapp 50% der UVP, überhaupt tragbar. Wenn ich jetzt einen Veritas oder Juuma gegenhalte, dann fällt es mir momentan leichter, einen höheren Preis (bei deutlich besserer Qualität) oder kleinere Griffe (ein individuelles Problem) zu verschmerzen.

    Schade, aber ich hatte echt mehr erhofft. Der 62er von Stanley stand schon auf meiner „Haben-Will-Liste“. Da ist er jetzt zumindest einige Plätze gefallen…

    Danke für den Klasse Bericht.

    Gruß Micha

  7. Wolfram sagt:

    Ein Bekannter hat in der letzten Woche auch einen Stanley62 gekauft – leider totale Katastrophe. Griff krumm, Halteschraube verbogen, Bett krumm. Glücklicherweise von Amazon und daher gleich retour. Dann einen zweiten no62 bekommen bei dem alles ok war. Es scheint hier bei Stanley erhebliche Serienstreuung zu geben. Bilder stelle ich die Tage mal auf meinen Blog.

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