Ein Kombiwinkel aus England

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Messwerkzeuge sind ein leidiges Thema. Und das Schlimmste sind Winkel. Sie werden besonders in Onlineforen und auf Blog fast so heftig diskutiert wie Akkuschrauber. Ich persönlich mag Kombinationswinkel, weil sie so vielseitig sind. Ein Winkel von Starrett mit einem 150 Millimeter langem Lineal ist mir bisher der Liebste. Er ist handlich und für viele Arbeiten vollkommen ausreichend. Einen längeren Winkel brauche ich nur selten. Für die Werkzeugsätze, die ich in den Kursen nutze, habe ich vor einigen Jahren Kombiwinkel von Bahco angeschafft. Die sind günstig und eigentlich ausreichend. Dennoch sollen sie durch bessere ersetzt werden. Und da fangen die Probleme dann an …

Der Kombiwinkel von Axminster mit Mittenfinder

Der Kombiwinkel von Axminster mit Mittenfinder

Viel Winkel fürs Geld

Fündig wurde ich inzwischen in England, genauer gesagt bei einem großen englischen Versandhändler: Axminster. Unter seinem eigenen Label bietet Axminster einen Kombiwinkel an, der mir von den Bildern, den Kundenbewertungen und vom Preis her zugesagt hat. Preislich liegt der Axminster-Winkel unterhalb des Marktführers Starret. Dafür bekommt man noch einen Mittenfinder und eine Aufbewahrungsbox. Auf den ersten Blick machte der Winkel auf mich einen guten Eindruck. Aber das heißt erst einmal nichts.

Die Verarbeitung des Winkels ist durch die Bank sehr gut. Es gibt keine Grate und keine scharfen Kanten. Es gibt aber auch keine zu rund geschliffenen Kanten. Schaut man genauer hin, ist die Rille im Lineal nicht perfekt gerade. Das wirkt sich aber nicht auf die Genauigkeit oder die Handhabung aus. Es ist nur nicht ganz so schön.

Wie genau ist der Winkel?

Man muss es mit der Genauigkeit von Messwerkzeugen im Holzbereich nicht übertreiben. Ein Messwerkzeug, dessen Genauigkeit ich selbst nicht mehr überprüfen kann, sollte genau genug sein. Die einfachste Art einen Winkel zu prüfen ist die sogenannte Umschlagmethode. Dabei legt man den Winkel an eine gerade Kante an und zieht eine Linie. Dreht man den Winkel nun um und schiebt ihn an die Line, erkennt man vorhandene Abweichungen vom rechten Winkel. Der Axminster- Kombiwinkel zeigte bei diesem Test eine minimale Abweichung, die nur schwer zu erkennen und noch schwerer zu fotografieren war.

Der Umschlagtest ist die erste Hürde

Der Umschlagtest ist die erste Hürde

Ich habe zwei Winkel, denen ich nahezu blind vertraue. Einer ist der bereits erwähnte Starrett- Kombiwinkel, der andere ein kleiner Präzisionswinkel von Veritas. Letzterer diente dann auch als Referenz um den Axminster Winkel ganz genau zu kontrollieren. Beide Winkel gegen das Licht gehalten zeigten eine Ungenauigkeit. Prüfungen mit Lichtspalt sehen aber immer furchtbar aus. Eine Fühlerlehre zeigt dann wie schlimm die Sache wirklich ist. Und siehe da: Meine dünnste Lehre (0,04 Millimeter) passt nicht in den Spalt. Diese Abweichung ist absolut zu vernachlässigen. Der Axminster-Winkel ist meiner persönlichen Einschätzung nach also genau.

Meine dünnste Lehre passt nicht in den Spalt

Meine dünnste Lehre passt nicht in den Spalt

 

Ablesbarkeit

Was mich bei meinem Starrett-Winkel stört ist die schlecht ablesbare Skala. Das Material des Lineals spiegelt je nach Lichteinfall. Zahlen und Linien sind dann schwer zu erkennen. Beim Winkel von Axminster ist das anders und nach meiner Meinung besser. Die Skalen und Ziffern sind gestochen scharf und auf dem nicht spiegelnden Untergrund sehr gut zu erkennen. Die richtig schön knackige Kante des kurzen Schenkels tut ihr übriges, damit man wirklich problemlos jedes Maß einstellen kann.

Ausstattung

Neben dem Winkel ist in der Aufbewahrungsbox auch ein Mittelfinder enthalten, der auf das Lineal aufgeschoben werden kann. Mit ihm können Mittelpunkte über zwei Diagonalen schnell und einfach bestimmt werden. Das braucht man nun nicht jeden Tag, aber es schadet auch nicht, wenn man so ein Teil hat. Der Mittenfinder kann auch zum Umwinkeln benutzt werden. Vielleicht finden sich im Laufe der Zeit auch noch andere Anwendungen.

Das Lineal weist unterschiedliche Skalen auf.

Das Lineal weist unterschiedliche Skalen auf.

Die im kurzen Schenkel untergebrachte Anreißnadel und die Wasserwaage sind eher Beiwerk. Aber auch sie schaden nicht. Das Lineal ist mit unterschiedlichen Skalen versehen: zwei metrische und zwei in Zoll. Jeweils mit halber und ganzer Millimeter-Teilung beziehungsweise normaler und feiner Zoll-Einteilung. Der Anwender kann entscheiden, wie das Lineal eingesetzt und genutzt wird.

Weniger schön

Bisher klang das alles wirklich toll oder? Aber es gibt auch ein wenig zu meckern. Das Lineal lässt sich nicht so leicht verschieben wie beim Starrett- Winkel oder beim Bahco. Es mag sein, dass das noch besser wird. Ich kann auch nicht mehr sagen, ob das bei den Winkeln der anderen Hersteller auch so war, als die Winkel neu waren. Was sich nicht mehr ändern wird, ist das schwierige einfädeln des Lineals. Die Klemmung verdreht sich, wenn man das Lineal entnimmt und macht das erneute Einsetzen manchmal zum Geduldsspiel. Das ist beim preiswerten Bahco-Winkel noch am besten gelöst. Das wars aber schon an Gemecker. Mehr negative Punkte konnte ich bisher nicht finden.

Achja, dann wäre da noch die Farbe. Mir persönlich hätte ein mattes Schwarz eher gefallen. Aber das Blau ist schon mal besser als das Bahco-Orange.

Fazit

Der Winkel von Axminster ist wirklich gut. Er liegt preislich zwischen dem billigen Bahco und dem teuren Starrett. Qualitativ liegt er jedoch sehr nahe am Starrett. Die Ablesbarkeit des Lineals finde ich sogar besser. So gesehen bekommt man viel Winkel fürs Geld. Eine Bestellung nur des Winkels aus England lohnt jedoch nicht immer. Die Versandkosten betragen derzeit etwa 9,50 Euro. Zusammengerechnet liegt man dann beim Preis des Starrett bei Amazon (Stand 24.11.2016) . Dafür bekommt man bei Axminster allerdings den MIttenfinder und die Aufbewahrungsbox dazu. Bestellt man aber ohnehin bei Axminster, lohnt der Kauf des Winkels mit Sicherheit.

Hinweis: Dieser Artikel wurde nicht gesponsert. Die vorgestellten Werkzeuge wurden mir auch nicht kostenlos zur Verfügung gestellt.

Preisvergleich

Stand vom 24.11.2016

  • Axminster Winkel: 35,66€
  • Starrett Winkel: 59,90€ (Feine Werkzeuge / Dicktum)
  • Starrett Winkel: 44,38€ (Amazon)
  • Bahco Winkel: 9,25€ (Amazon)

Links

Bezugsquellen

 

 

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4 Kommentare zu Ein Kombiwinkel aus England

  1. Achim sagt:

    Hallo Heiko,
    der kleine 150mm Starrett Kombiwinkel ist auch mein meistgenutzter Winkel.
    Du hast Dich über die schlecht lesbare Skala „beschwert“. Es gibt die Starrett-Winkel in verschiedenen Ausführungen. Beginnt die Bezeichnung mit „C“ wie z.B. C33MH-150 dann ist es eine gehärtete, photogravierte Stahlschiene in Satin Chrome, die man sehr gut ablesen kann. Du hast das normale Finish (regular) und das spiegelt.
    Der Haken an der Sache ist, dass das bessere Finish natürlich teurer ist …

    Grüße
    Achim

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Achim,

      dass es bei den großen Winkeln von Starrett unterschiedliche Oberflächen gibt weiß ich. Bei den kleinen habe ich bisher immer nur eine Ausführung bei den Händlern gesehen.

      Gruß

      Heiko

  2. Matthias sagt:

    Hallo Heiko!

    Beim Lesen ist mir nicht klar geworden, welche entscheidenden Vorteile der Axminster Winkel gegenüber dem Bahco hat. Blaue Farbe, ein Mittenfinder und eine Aufbewahrungsbox wären für mich nicht so relevant.

    Gruß Matthias

    • Henning Gohlke sagt:

      Hallo Mathias,
      Ich finde die Zusammenfassung von Heiko beschreibt die Unterschiede, bzw. Vor und Nachteile sehr gut.
      „Der Winkel von Axminster ist wirklich gut. Er liegt preislich zwischen dem billigen Bahco und dem teuren Starrett. Qualitativ liegt er jedoch sehr nahe am Starrett. Die Ablesbarkeit des Lineals finde ich sogar besser. So gesehen bekommt man viel Winkel fürs Geld.“

      Viele Grüße

      Henning

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