Mirka Abranet unter die Lupe genommen

Viele Holzwerker gehen an das Thema Schleifen eher von der Maschinenseite heran. Die richtige Schleifmaschine ist natürlich wichtig. Aber ebenso wichtig ist das verwendete Schleifmittel. Ich verwende schon sehr lange „Abranet“ des finnischen Herstellers MIRKA. Daneben verwendete ich bisher noch andere Schleifpapiere, meist von Festool. Vor kurzem bin ich dann aber doch komplett auf Abranet umgestiegen, weil es für meine Bedürfnisse das am besten geeignete Schleifmittel für Exzenter- und Schwingschleifer ist.

 Gegenüber anderen Schleifmitteln auf Trägern, wie es manchmal offiziell heißt, hat Abranet einige Vorteile.

  •  Es ist unabhängig von der Lochung des Maschinentellers 
  • Es hat eine sehr gute Standzeit
  • Schleifstaub wird besser abgesaugt, als bei anderen Schleifpapieren

Abranet von Mirka und die passenden Schutzauflagen gibt es in unterschiedlichen Formaten.

Diese Vorteile entstehen dadurch, dass Abranet nicht auf einem herkömmlichen Papierträger basiert, sondern auf einem Gitter, auf dem die Schleifkörner aufgebracht werden. Das durchlässige Gitter macht zusätzliche Löcher für die Absaugung überflüssig. Als Anwender muss man also nicht, wie sonst üblich, darauf achten, dass das Schleifmittel exakt zur Lochung der eigenen Maschine passt. Lediglich das Format muss passen.

Das Gitter als Basis macht aus Abranet gleichzeitig eine Art offen gestreutes Schleifmittel. Das bedeutet, dass nicht Korn an Korn sitzt, sondern dass zwischen den Schleifkörnern Freiraum bleibt. Streng genommen und bei genauem Hinsehen ist es geschlossen gestreut, da auf dem Gitter Korn an Korn sitzt, aber eben dennoch mit Freiraum durch die Gitterstruktur. Abranet vereint also die Vorteile eines geschlossen- und eines offen gestreuten Schleifmittels. Ich mache es mir an dieser Stelle daher einfach und bezeichne Abranet dennoch als offen gestreut.

Ein offen gestreutes Schleifmittel setzt sich nicht wo schnell mit Schleifstaub und klebrigen Harzen oder Lacken zu als ein geschlossen gestreutes Schleifmittel. Daraus resultiert eine längere Standzeit. Außerdem ist zwischen den Schleifkörnern Platz um den Schleifstaub mittels Absaugung gut abzutransportieren. Das führt zu einer besseren Oberfläche.

Wo so viel Licht ist, muss es doch auch Schatten geben. Und dem ist auch so. Abranet hat auch einen Nachteil, den man aber ganz elegant umgehen kann. Dieser Nachteil ist die schlechte Haftung auf herkömmlichen Klettbelägen. Um das besser zu verstehen muss man sich Klettbeläge einmal näher ansehen. Das ist wörtlich zu nehmen, denn man muss in der Tat nahe herangehen um zu sehen, dass Klett nicht gleich Klett ist.

 

Ein Klettverschluss besteht aus Haken auf der einen Seite und Schlaufen auf der Gegenseite. Die Haken greifen in die Schlaufen, wodurch die beiden Seiten zusammengehalten werden. Die Rückseite eines herkömmlichen Schleifpapieres hat eine feine Schlaufenstruktur, die sich wie ein dünner Filzbelag anfühlt. Dort greifen die feinen Haken, die sich auf dem Teller der Schleifmaschine befinden ein und halten das Schleifpapier an seinem Platz. Die Gitterstruktur von Abranet erlaubt aber kein dichtes, feines Gewebe mit seinen vielen kleinen Schlaufen. Daher hat Abranet größere Schlaufen und davon dann weniger. Die gegenüberliegende Seite muss dann die dazu passenden Haken aufweisen.

Die wenigsten Schleifmaschinen haben auf ihren Schleiftellern die passende Hakenstruktur um Abranet sicher zu halten. Abhilfe schafft die sogenannte „Schutzauflage“. Sie erfüllt gleich zwei Aufgaben. Zum einen sorgt sie wie ein Adapter dafür, dass Abranet auf allen Schleifmaschinen gut haftet. Darüber hinaus schützt sie aber auch den teuren Schleifteller vor frühzeitigem Verschleiß. Durch die offene Struktur werden die feinen Haken eines Klettbelages stark beansprucht. Schleifstaub, abgelöste Schleifkörner und der Kontakt mit dem zu schleifenden Untergrund setzen dem Belag stärker zu, als es bei Schleifmitteln auf Papierträger der Fall wäre. Bei Preisen von bis zu fünfzig Euro für einen neuen Schleifteller macht es durchaus Sinn die Schutzauflage zu verwenden, die lediglich drei bis sechs Euro kostet.

Die Schutzauflage wird zwischen den Schleifteller und die Abranet Schleifscheiben gelegt.

Die Schutzauflagen gibt es in den unterschiedlichsten Größen und Formen, für nahezu alle Schleifmaschinen. Bei den Schutzauflagen für Teller mit einem Durchmesser von 150 Millimetern gibt es unterschiedliche Lochungen. Als kleine Hilfe habe ich Ihnen eine PDF-Datei erstellt. Dort habe ich die mir zur Verfügung stehenden Schutzauflagen eingescannt. Sie können sich das PDF ausdrucken, die Auflagen ausschneiden und zum Vergleich auf Ihren Schleifteller legen. Leider habe ich nicht alle verfügbaren Schutzauflagen da.

Die Datei können Sie hier herunterladen:
Unterschiedliche Schutzauflagen als PDF

Die Verwendung der Schutzauflage hat aber einen kleinen Nachteil: Sie macht auch aus einem harten Schleifteller einen eher weichen Teller. Ein harter Schleifteller hat bei unebenen Flächen den Vorteil, dass er sich den Unebenheiten nicht anpasst, sondern diese egalisiert. Das benötigt man aber nur recht selten und meist auch nur mit grobem Papier. Für diesen Zweck nutze ich dann doch gelegentlich noch anderes Schleifpapier.

Mika bietet mit dem Sogenannten Unipad- Teller auch eine Umbaumöglichkeit für Fremdfabrikate an. Meinen Metabo SXE450 konnte ich damit jedoch leider nicht umrüsten. Laut Aussage eines Außendienstmitarbeiters passt der Teller auf Festool Maschinen. Ich kann daher leider keine weitere Angabe machen, welche Maschinen sich umrüsten lassen.

Mirka Unipad Teller

Schleifmaschinen von Mafell, wie der EVA 115 und der UVA 115 sind bereits mit passenden Tellern und Schutzauflagen ausgerüstet. Mafell setzt also ab Werk bereits auf Abranet.

Hinweis: Dieser Artikel wurde nicht gesponsert. Die vorgestellten Artikel wurden mir auch nicht kostenlos oder preisvergünstigt zur Verfügung gestellt.

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9 Kommentare zu Mirka Abranet unter die Lupe genommen

  1. Ulrich Kunz sagt:

    Ist Sianet von Bosch? es kommt scheinbar zumindest gemäß der Verpackung aus der Schweiz, Abranet aus Finnland(?), in dem Woodworker Forum war so ein System mal unter den Neuigkeiten angegeben? Es derzeit zumindest dort interessant wo der Händler eine Filiale hat. Abranet war zumindes thier immer deutlcih teurer, wenn es auch gegen Papier etwas länger hält, was aber bei Mitbearbeitung von Kanten aus meiner Erfahrung nicht so war. Der rand steht da wohl nciht genug über, dass er nicht abhebt und damit beim Excenterschleifer falsch mit erwischt wird. Bei Flächen ist das gar kein Problem.

  2. Ulrich Kunz sagt:

    Als eine Alternative drängt derzeit Sianet auch auf den Markt, dieses ist dadurch derzeit z.T. recht günstig 57cent proBlatt +MWSt bei unserem örtlichen Händler (Zweygart) zu bekommen. Es erscheint mir völlig vergleichbar, da ich bisher Abranet öfter benutzt habe und mir jetzt wegen des günstigeren Preises Sianet nun gekauft hatte. Ich sehe zumindest bisher keinen Vor- oder Nachteil. Wenn man nicht nur Flächen schleift sondern auch Randbereich geht das Material bei beiden immer am Rand kaputt und da dann gerne auch der Klett, daher ist die Zwischenlage unbedingt wichtig. Vielen Dnak für die vielen Hinweise und Hilfen im Block und hier inm Forum Ulli Kunz

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Ulli,

      Sianet gibt es schon seit letztes Jahr, ist also nicht mehr ganz neu. Bosch bietet inzwischen auch Schleifteller mit passender Lochung an. Ich habe bereits im vergangenen Jahr, als Sianet neu war, versucht dieses Schleifmittel als Muster oder in kleinen Mengen im Handel zu bekommen, wurde aber nicht so recht fündig. Da mein lokaler Händler mir für Abranet einen guten Preis macht und ich damit sehr zufrieden bin, habe ich Sianet nicht mehr weiter verfolgt. Aber mit Sicherheit ist der Tipp mit Sianet für andere Leser interessant.

      Gruß

      Heiko

  3. René sagt:

    Hallo Heiko,
    sehr interessanter Beitrag! Welche Bezeichnung hat das Abranet, dass du benutzt? ACE? HD? oder das normale „Abranet“ ?
    Vielen Dank im Voraus
    René

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo René,

      ich nutze das normale Abranet und für die ganz groben Körnungen Abranet HD. Die ganz groben Scheiben (Korn 40) brauche ich aber nur höchst selten. Abranet ACE hatte ich vor kurzem Ausprobiert, konnte aber keine gravierenden Vorteile für mich ausmachen.

      Gruß

      Heiko

  4. Andrej sagt:

    Hallo,
    hast du einen Tipp, wo man das Schleifpapier und die Schutzauflage am besten in Deutschland bezieht?
    Danke,
    Andrej

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Andrej,
      entweder im lokalen Fachhandel, oder über diverse Onlineshops. Vor allem in Shops für (Auto) Lackierer findet man es. Da ich es über meinen lokalen Händler beziehe kann ich keine konkrete Empfehlung für einen Onlineshop geben.

      Gruß

      Heiko

  5. Sigi sagt:

    Hallo Heiko,
    danke für den tollen Beitrag.

    Neben den ’normalen‘ Schleifarbeiten verwende ich das Abranet auch sehr gerne zum Grünholzdrechseln.
    Das Grünholz setzt ’normales‘ Schleifpapier in Sekunden zu, das Abranet hält da viel länger durch.
    Weiters wasche ich es nach dem Dechseln aus und kann somit wiederverwendet werden und ist dann wie neu 🙂

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