Die scharfen Roten

Seit mehreren Jahren verwende ich sie schon, die auffälligen roten Sägeblätter. Und ich werde oft nach ihnen gefragt. Ursprünglich hatte ich nur ein Blatt gekauft, da die rote Farbe auf Fotos gut aussieht. Man erkennt das Sägeblatt sehr schön. Schnell habe ich aber festgestellt, dass diese Blätter nicht nur ein Hingucker, sondern auch wirklich gut sind. Und sie sind nicht mal so teuer. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich klasse.

Die „roten Freud“. Scharfer Schnitt zu einem tollen Preis.

Die Sägeblätter sind von Freud und werden in Deutschland von der Firma Sauter verkauft. Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Größen für viele unterschiedliche Sägen. Auch für die allseits beliebte Mafell Erika. Aber auch für Handkreissägen.

Aufgrund der vielen Fragen, die mich zu diesen Sägeblättern erreichen habe ich mich entschlossen eine kleine FAQ zum Thema zu machen. Viele Fragen, oder besser gesagt Antworten passen aber nicht nur zu den Freud-Blättern, sondern können mehr oder weniger auch auf Sägeblätter anderer Hersteller bezogen werden.

Warum sind die Blätter rot?

Die rote Farbe kommt durch eine Beschichtung, welche Anhaftungen verhindern soll. Vor allem dann, wenn man harzhaltige Hölzer sägt macht sich das positiv bemerkbar. Harz haftet weniger als an unbeschichteten Blättern. Ob die Beschichtung auch einen positiven Effekt auf die Schnittgüte und Standzeit hat, kann ich nicht sagen. Sie schadet aber auch nicht. Ich persönlich sehe den Vorteil der Beschichtung in erster Linie darin, dass man das Sägeblatt besser sieht. Die Farbe bringt also meiner Meinung nach ein klein bisschen mehr Sicherheit.

Der aufdruck hält nicht lange, das ist aber nur ein kleiner optischer Mangel.

Auf der roten Farbe ist auch noch ein Aufdruck. dieser nutzt sich recht schnell ab. Das schadet aber nicht. Alle relevanten Daten sind nicht nur aufgedruckt, sondern auch eingelasert und gehen daher nicht verloren.

Welche Blätter braucht man?

Als Grundausstattung für Tischkreissägen würde ich ein Zuschnittblatt, ein Universalblatt und ein Feinschnittblatt empfehlen. Für Handkreissägen reichen in der Regel zwei Blätter: ein Zuschnittblatt und eines für Feinschnitte.

Bei einer Tischkreissäge mit einem Blattdurchmesser von 250mm wäre das Zuschnittblatt eines mit 24 Zähnen, das Universalblatt hat 40 Zähne und das Feinschnittblatt 60 Zähne. Bei einer Handkreissäge mit 160mm Durchmesser hat das Zuschnittblat 12 Zähne das Feinschnittblatt 40 Zähne. Da kann man übrigens bei einem Neukauf ein paar Euro sparen, wenn man ein Set mit drei Blättern kauft.

Die „roten Freud“ gibt es auch für fast alle Handkreissägen.

Bringt ein extrem feines Sägeblatt Vorteile?

Ich habe ein Blatt mit 80 Zähnen für meine Tischkreissäge. Das setze ich nur sehr selten ein. Ich nutze es für Schnitte bei denen ich keine Ausrisse gebrauchen kann. Dann aber auch nur bei kleineren Querschnitten. Bei großen Querschnitten tut sich das Blatt sehr schwer und es kommt schnell zu Brandspuren. Das Blatt würde dabei auch sehr leiden und schnell abstumpfen. Ein so feines Blatt ist also eher ein Spezialist.

Was ist von Universalblättern zu halten?

Meist sind Universalblätter so eine Sache. Sie können vieles, aber nichts richtig. Das rote Freud mit 40 Zähnen auf 250mm ist aber ein Universalblatt, das wirklich zu empfehlen ist. Selbst die renommierten US-Zeitschrift „Fine Woodworking“ hat dieses Blatt mehr als gut bewertet ( Best Overall und Best Vallue, Ausgabe 267, http://www.finewoodworking.com/2018/02/07/tool-test-tablesaw-combination-blades)

Ich nutze dieses Blatt sehr oft, da ich nicht ständig zwischen Zuschnitt- und Feinschnittblatt wechseln möchte. Das Universalblatt kann hartes Massivholz bis etwa 25mm noch gut längs schneiden, macht aber auch quer einen guten Schnitt. Daher ist dieses Blatt bei mir das meist genutzte Sägeblatt. Ich wechsle natürlich auch bei Bedarf auf Zuschnitt- und Feinschnittblatt, aber inzwischen tue ich das wesentlich seltener. Wenn ihr also erst einmal nur eines der roten Freud kaufen wollt, dann kauft dieses Universalblatt. Mich begeistert es immer wieder.

Das Universalblatt mit 250mm Durchmesser.

Sollte das Zuschnittblatt nicht eine Flachzahn- Geometrie haben?

„Echte“ Zuschnittblätter haben eine Flachzahn-Geometrie. Die groben Freud-Blätter haben allerdings eine Wechselzahn-Geometrie. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Bisher habe ich aber noch keine Nachteile dadurch erfahren können. Im Gegenteil, mit einem scharfen Zuschnittblatt kann man durchaus auch mal einen Querschnitt machen. Ein Nachteil wäre eventuell, dass man mit einem Flachzahn-Blatt besser nuten kann, als mit einem Wechselzahn-Blatt.

Lohnt sich das Nachschärfen lassen?

Das kommt ganz darauf an, zu welchem Preis man das machen lässt. Im Schnitt verlangt ein Schärfdienst ca. 50 Cent pro Zahn. So kann man sich ja ganz gut ausrechnen, bei welchem Blatt sich das Nachschärfen finanziell lohnt. Für die Umwelt ist das Nachschärfen sicherlich die bessere Wahl gegenüber einem Neukauf.

Gibt es die Blätter auch für die beliebte Bosch GTX10?

Derzeit nicht (aber es könnte da was kommen ….) . Allerdings sehen die original- Bosch Blätter denen von Freud zum Verwechseln ähnlich. Nur in blau, statt in rot. Preislich geben sie sich auch nicht viel. Die Firma Freud wurde übrigens 2008 teilweise von Bosch übernommen (https://www.pressebox.de/inaktiv/robert-bosch-gmbh-gerlingen-schillerhoehe/Bosch-Power-Tools-uebernimmt-Teile-der-Freud-Gruppe/boxid/226848) Den Rest könnt ihr euch nun zusammenreimen wie es euch beliebt.

Wie finde ich die richtige Sägeblattgröße für meine Maschine?

Die leichteste Methode ist sicherlich ein Blick in die Bedienungsanleitung. Dort sollte aufgeführt werden, welche Abmessungen auf eure Säge passen. Ansonsten gibt es unterschiedliche Maße, wie die Innenbohrung. Sie muss zum Flansch eurer Maschine passen. Üblich sind inzwischen 20mm bei Handkreissägen und 30mm bei Tischkreissägen. Dann wäre da noch der Außendurchmesser. Den gibt die Säge selbst vor. Das Sägeblatt darf nirgendwo anstoßen, weder am Spaltkeil, noch am Maschinengehäuse. Kleinere Blätter sind in der Regel kein Problem. Allerdings verliert man mit unnötig kleinen Sägeblättern auch Schnitthöhe und Schnittgeschwindigkeit.

Achtung: Bei der Verwendung kleinerer Blätter muss gewährleistet sein, dass der Spaltkeil dennoch richtig eingestellt werden kann. Das ist nicht bei allen Sägen möglich

Ein weiterer und sehr wichtiger Faktor ist die Schnittbreite und die Stärke des Stammblattes. Beides muss zum Spaltkeil der Maschine passen. Die Schnittbreite muss breiter sein, als die Stärke des Spaltkeils. Die Stärke des Stammblattes muss jedoch weniger betragen, als die Stärke des Spaltkeils. Messt im Zweifel euren Spaltkeil einmal nach.

Fazit:

Die roten von Freud sind eine echte Empfehlung gegenüber vielen hochpreisigen Sägeblättern. Ich nutze sie gerne, neben einigen Spezialblättern für beschichtete Materialein. Sie sind die Arbeitstiere auf meinen Sägen und verrichten ihren Dienst seit vielen Jahren zu meiner vollsten Zufriedenheit. Ich sehe daher keinen Grund andere Blätter zu benutzen, solange sie von den Abmessungen und der Zahngeometrie passen.

Hinweis:

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Firma Sauter (https://sautershop.de), die mich fachlich sehr gut beraten haben und mir sogar noch ein paar neue „Rote Freud“ zur Verfügung gestellt haben.

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12 Kommentare zu Die scharfen Roten

  1. friedrich eitzert sagt:

    Hallo

    hab jetzt mal 2 davon gekauft. 1 Handkreissäge, 1 Tischsäge. Mal sehen, ob diese Blätter wirklich so gut sind 🙂

    Gruß
    Friedrich

  2. Sebastian sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Mit den Sägeblättern von Freud hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen, aber das könnte sich bald ändern:).

    Auf einem der Bilder erkenne ich eine Mafell MT55. Speziell bei Mafell (bei der Bosch bin ich mir gerade nicht sicher) sind ja ab Werk sehr dünne Sägeblätter verbaut. Solch dünne Blätter habe ich bisher von keinem anderen Hersteller gesehen.
    Nutzt du Sägeblätter von Freud auf der Mafell, und falls ja, wie sind deine Erfahrungen?

    Beste Grüße,
    Sebastian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Sebastian,

      die Freud-Blätter funktionieren sehr gut auf der MT55. Da sie keinen Spaltkeil hat spielt die Sägeblattstärke keine Rolle. Bisher sind meine Erfahungen durchweg positiv.

      Gruß

      Heiko

      • Sebastian sagt:

        Hallo Heiko,

        erstmal vielen Dank für deine Einschätzung. Ich würde allerdings gerne nochmal auf das Thema Sägeblattdicken zu sprechen kommen. Vor ca. einem Jahr hatte ich einen für mich sehr amüsanten Schlagabtausch mit einem Festool Mitarbeiter, der auf die MT55 geschimpft hat, weil mit so dünnen Sägeblättern ja kein exakter Schnitt möglich sei.
        Kann ich bisher so aus der Praxis nicht bestätigen.
        Klar, dessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing‘.
        Und die aktuelle Entwicklung geht ja auch hin zu dünneren (1,8/-) Sägeblättern speziell für Akkugeräte.

        Wenn ich aber in die Mafell ein Sägeblatt einlege, dessen Zahndicke gut 1/3 über den hauseigenen liegt (2,4 statt 1,8), ist das nicht unnötiger Stress für die Säge?
        Bei Freud finde ich leider nur diese Sägeblattdicken, und die ganz ‚neuen‘ von Freund mit 1,7mm Zahndicke haben ja einen Durchmesser von 165mm?

        Grüße, Sebastian

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Sebastian,

          bisher ist mir kein wirklicher Nachteil bei den etwas dickeren Sägeblättern auf der MT55 aufgefallen. Natürlich brauchen sie mehr Leistung, aber die ist bei dieser Säge ausreichend vorhanden.

          Gruß

          Heiko

  3. Jochen sagt:

    Hallo zusammen,

    ich verwende das oben abgebildete 250mm-Blatt mit 40 Zähnen an der Bosch GTS 10 und bin sehr zufrieden damit. Die 4mm weniger im Durchmesser im Vergleich zum Originalblatt stören mich nicht.

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jochen,

      wie sieht es denn dann mit verdeckten Schnitten aus. Geht das auch bei einem kleineren Blatt oder steht der Spaltkeil dann schon etwas über das Sägeblatt über?

      Gruß

      Heiko

      • A. Dell sagt:

        Hallo Heiki,

        der Spaltkeil steht bei einem 250er-Blatt über. Nuten sind damit so nicht möglich. Man kann aber bei der GTS 10 XC den Spaltkeil etwas modifizieren, so dass er sich tiefer stellen lässt. Dann klappt es auch mit den Nuten beim 250er.

        Viele Grüße

        Ande

        • Steffen Porr sagt:

          Hallo,

          ich nutze ebenfalls die Freud 250-er Blätter auf meiner GTS 10 XC. Der Spaltkeil lässt sich problemlos soweit versenken, dass das Nuten einwandfrei funktioniert. Man muss nur die gelegentlich die Mechanik des Spaltkeils von Sägeresten befreien, damit er sich auch wieder ganz nach unten bewegen lässt.

          Grüße
          Steffen

  4. Jonas Kriegl sagt:

    Hallo Herr Rech,
    Hab auch das Freud Universalblatt in meiner Bosch pts 10 ist super, aber welche neue Säge hast du? Eine Formatkreissäge ist auf den Bildern zu sehen. Von welchem Hersteller ist diese und kannst du sie empfehlen?

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jonas,

      das ist eine Formatkreissäge von „Hans Schreiner“. Bisher tut sie was sie soll, wird aber noch ein wenig optimiert. Mehr dazu kannst du am Jahresende in der HolzWerken lesen.

      Gruß

      Heiko

  5. Christian sagt:

    Hallo Heiko,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich war schon lange auf der
    Suche nach einem passendem Universalblatt für meine Erika, da das ständige
    Wechseln zwischen Längsschnitt- und Feinschnittblatt manchmal doch recht zeitraubend sein kann.

    Grüße

    Christian

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