Eckschrank mit Regal

Der Zuschnitt

Der Eckschrank wird, wie das Eckregal zuvor, auch aus Buche Leimholz mit durchgehenden Lamellen gefertigt. In diesem Teil der Dokumentation möchte ich einmal weniger auf das Handwerkliche eingehen, sondern mehr auf das organisatorische, also wie gestalte ich in meiner doch sehr kleinen Werkstatt die Arbeitsabläufe.

Eckschrank mit Regal - Zuschnitt auf dem MFT/3

Zuschnitt auf dem MFT/3

Eine sehr große Hilfe hierbei ist mein Holzhändler, der mir auch kleine Materialmengen auf Abruf liefert. Ich muss lediglich am Vortag bestellen. So habe ich immer nur soviel Material in der Werkstatt, wie ich unbedingt brauche. Für den Unterschrank benötige ich zunächst nur drei  Platten. Zwei Stück mit einer Länge von 1500mm und eine Platte von nur 1250mm. Das ist das Ergebnis der Zuschnittoptimierung, die ich im ersten Teil der Dokumentation näher erläutere.

Die Platten haben noch eine Größe, die ich auf dem Festool MFT/3 zuschneiden kann. Um nicht in die Tischfläche, oder eine der Leimholzplatten zu schneiden, lege ich Leisten unter. Diese Leisten müssen so lang sein, dass nach dem Trennschnitt beide Plattenhälften noch sicher darauf liegen bleiben. Die Leisten müssen im 90° Winkel zum Sägeschnitt liegen.

Da ich die Platten erst einmal nur grob auftrenne, ist die Handkreissäge mit einem Zuschnittsägeblatt bestückt.  Erst später schneide ich die Teile auf der Tischkreissäge mit einem feineren Blatt auf die benötigten Fertigmaße.

Eckschrank mit Regal - Markieren mit Malerkrepp

Markieren der Einzelteile

Um während des Zuschnittes nichts zu vertauchen, markiere ich alle zugeschnittenen Teile, indem ich Malerkrepp aufklebe, auf das ich die Bezeichnung schreibe, die mit der Bezeichnung auf der Zuschnittliste übereinstimmt. Das vermeidet Verwechslungen, besonders bei Teilen mit ähnlichen Maßen.

Das Malerkrepp hat den Vorteil, dass es sich leicht wieder abziehen lässt und man hinterher keine Bleistiftstriche vom Holz schleifen muss.

Wenn ich ein Teil geschnitten habe, hake ich es auf der Stückliste ab. So stelle ich sicher, dass ich exakt nach den Vorgaben des Schnittplanes arbeite und nichts vergesse.

Wenn die Platten zu handlichen Stücken aufgeteilt sind, schneide ich alles auf die endgültigen Maße zu. Das geschieht auf der Tischkreissäge. Diese habe ich zuvor sauber eingestellt. Das betrifft auch die Einstellung des Parallelanschlages, dieser muss mit dem Sägeblatt fluchten. Nein,  eigentlich darf er sich hinter dem Sägeblatt minimal öffnen. Auch den Ablänganschlag am Schiebetisch habe ich genau eingestellt. Im rechten Winkel zum Sägeblatt. Damit er diese Einstellung auch beibehält habe ich ihn mit einer zusätzlichen Klemmung fixiert. Die in engen Werkstätten beliebten Montagesägen (in meinem Fall eine Mafell Erika 65L) können sehr genau arbeiten, wenn man solche Dinge berücksichtigt.

Eckschrank mit Regal - Schrägschnitt auf der Mafell Erika

Schrägschnitte

Schneidet man größere Mengenzu, so ist es sinnvoll dies „gut sortiert“ zu tun. Also alle gleichen Maße auf einmal zu schneiden und unnötiges Umstellen der Anschläge zu vermeiden. So sind auch alle Maße die gleich sein sollen später auch wirklich gleich. Denn wichtig ist nicht immer die Maßgenauigkeit, sondern vielmehr die Passgenauigkeit.  Wenn alle Teile die gleiche, minimale Abweichung haben ist das meist nicht so schlimm, als wenn Teile die gleich sein sollen doch unterschiedlich lang sind.

Ich versuche möglichst den Zuschnitt und alle Schrägschnitte miteinander und komplett zu erledigen. Das erspart mir so manches Umräumen in der Werkstatt. Hat man alle Maschinen immer einsatzbereit aufgebaut, ist das weniger wichtig. Da ich aber aus Platzgründen oft den Schiebetisch und die Tischverbreiterung meiner Säge demontiere, sind vergessene Schnitte sehr ärgerlich.

Video:

Dieses Video zeigt den Arbeitsablauf viel deutlicher, als ich es in Textform mit einigen Fotos machen kann.

Links

Hier gehts zur ersten Seite der Projektdokumentation

 

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15 Antworten zu Eckschrank mit Regal

  1. Fabian Winter sagt:

    Hallo zusammen,
    super, vielen Dank!
    Ich werde gleich nächste Woche in meinem Urlaub mal vorbeischauen…

    Grüße
    Fabian

  2. Fabian Winter sagt:

    Hallo Heiko,

    vorerst ein dickes Lob. Ich habe selten einen offensichtlich so begabten Handwerker wie dich gefunden, der auch noch so geschickt mit dem Computer umgeht. Deine Beiträge sind super.

    Ich komme aus der Gegend Mainz in Rheinland Pfalz und habe immer große Schwierigkeiten gutes Material/Holz zu bekommen. Buche mit durchgehenden Lamellen bietet hier meines Wissens nach z.b. niemand an. Auch Stammware ist echt schwer zu bekommen. Bereits getrocknet wird noch schwieriger. Kannst du eventuell einen Handel empfehlen oder kennst jemanden, der jemanden kennt?

    Viele Grüße
    Fabian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Fabian,

      in der Gegend kenne ich mich nicht aus. Meine Händler werden nicht so weit liefern. Vielleicht hat ja einer der Leser einen Tipp für dich.

      Gruß

      Heiko

    • Hans-Joachim sagt:

      Hallo Heiko, Hallo Fabian,

      im Rhein-Main Gebiet scheint Paul Hartmann & Co recht angesehen zu sein. Ich war selbst noch nicht dort, aber auch mein Händler in FFM hat ihn im Gespräch über Stammware erwähnt.
      http://www.furnier-hartmann.de/
      40 KM sind für dich zwar eine Hausnummer, aber lohnt sich vielleicht.
      Und direkt daneben ist der größte Werkzeughändler des Rhein-Main Gebietes. Da gibts dann leuchtende Augen 🙂
      Gruß H.-J.

    • Gordon sagt:

      Hallo Fabian,

      ich habe früher in Wiesbaden gewohnt und habe bei Holz Blum zumindest immer die Plattenware bekommen, die ich brauchte – ggf. wird bestellt.
      http://www.holzblum.de/

      Kennst Du diesen Thread auf woodworker.de?
      http://www.woodworker.de/forum/bezugsquellen-holz-t83285.html

      Viele Grüße
      Gordon

  3. Rupert sagt:

    Hallo Heiko

    Du mal eine frage welche beschläge verwendest du ? und von wenn kaufst du sie ? weil im baumarkt können sie sehr teuer sein !!!!

    Danke Rupert

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Rupert,

      ich verwende meist Beschläge von Grass, die ich bei Würth einkaufe.

      Gruß

      Heiko

  4. roger zimmermann sagt:

    Hallo Heiko

    Habe mir das Lochreihen-Bohrsystem Lochness 32 angeschafft. Ist das einzige System das in punkto Präzision an das LR System von Festo herankommt. Ist preislich auch interessant wenn man wie ich keine Oberfräse von Festo besitzt. Ca. 290 Euro. Habe es heute das erste mal eingesetzt und bin hell begeistert. vielleicht suchen auch andere noch nach einem alternativen Bohrsystem.

    Gruss Roger

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Roger,

      ich habe das System mal auf einer Messe gesehen, da ich damals aber schon das LR32 hatte, habe ich mir das Lochness nicht genau angesehen. Ich werde bei Gelegenheit mal probieren, ob die kleine Perles und die Makita RT0700 nicht auch auf die Grundplatte des LR32 passen.

      Gruß

      Heiko

  5. Andreas Lev sagt:

    Hallo Heiko,

    Ich hätte folgende Frage: wie stellst Du die Rechtwinklichkeit der Schnitte beim Arbeiten mit der Führungsschiene sicher? Oder kommt es da nicht so genau drauf an, da der genaue Zuschnitt später auf der TKS erfolgt?

    Vielen Dank für den tollen Blog und Deine Antwort im Voraus!

    Viele Grüße

    Andreas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Andreas,

      wenn es nur um das grobe Aufteilen geht, speilt die Rechtwinkligkeit keine so große Rolle, das passiert dann auf der Tischkreissäge. Wenn ich nur mit der Handkreissäge rectwinklige Zuschnitte machen will, muss ich halt genau messen, genau anreißen und die Schiene möglichst genau anlegen.

      Gruß

      Heiko

      • Andreas Lev sagt:

        Hallo Heiko,

        Vielen Dank für Deine Antwort.

        Ich würde gerne mehr darüber erfahren wie Du bei rechtwinkligen Zuschnitten vorgehst, also wie Du genau misst und anreißt. Meine Winkel haben alle einen mehr oder weniger großen Fehler, der sich bei langen Schnitten empfindlich bemerkbar macht. Vielleicht kannst Du das ja mal in einem Beitrag zeigen 🙂

        Ich habe auch überlegt, ob man nicht an der Führungsschiene einen Anschlag anbringen kann, der rechte Winkel ermöglicht. Vielleicht auf der Basis der Führungsschienen-Schmiege, aber mit lägerem Schenkel.

        Viele Grüße

        Andreas

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Andreas,

          ich habe einen langen Winkel von Wolfcraft, der erstaunlich genau ist. Leider wird diese Version nicht mehr angeboten. Mit diesem Winkel prüfe ich und zeichne an. Den T-Winkel den ich noch habe nutze ich hierzu weniger, da er einen zu kurzen Anlageschenkel hat. Der T-Winkel hat andere Stärken.

          Der Anschlag von Festool, den es für die Führungsschiene gibt habe ich auch, nutze ihn aber sehr selten. Für exakt winklige Schnitte reicht die Genauigkeit nicht aus.

          Es sit schwierig mit der Handkreissäge ganz genau zu schneiden. Ohne Hilfsmittel ist das sehr zeitraubend. Wenn die Werkstücke nicht zu groß sind, wäre ein Zuschnittbrett wie es Guido Henn mal vorgestellt hat eine gute Lösung, oder eben der MFT von Festool.

          Gruß

          Heiko

  6. Jana sagt:

    Ich finde es auch bemerkenswert, was man in Eigenregie aus Holz alles zaubern kann! Ich habe mal eine Frage zu deinen Eckschrank. Es ist doch sicher möglich solche Schränke in x-beliebiger Größe anzufertigen oder?
    Mich würde es interessieren ob du auch für andere Leute gegen Geld solche Schränke anfertigen würdest? Wenn ja, was würde denn solch ein Schrank aus diesem Beitrag kosten?
    Bei vielen Anbietern im Internet für Maßmöbel kriegt man ja einen Schrecken, wenn man das Angebot im Postfach hat 🙂
    Vielen Dank und Grüße
    Jana

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jana,

      normalerweise lösche ich ja Kommentare, die nur dem Zweck dienen einen Werbelink auf einem Blog zu deponieren. Da du dir aber schon mehrfach die Mühe gemacht hast, habe ich deinen Kommentar einfach mal freigegeben, aber den Link zu einem Shop für Massivholzmöbel natürlich entfernt. Ich möchte dir auch deine „Frage“ noch beantworten:
      Ja, ich baue auch für Kunden Möbel. Preislich kann ich da locker mit den Möbeln in dem Shop mithalten, den du verlinken wolltest. Jedoch bekommt der Kunde bei mir fürs gleiche Geld bessere Materialqualität und eine ausführliche, persönliche Beratung. Einen Schrecken bekommt er nicht, da ich ihm mein Angebot und das Zustandekommen der Preise natürlich genau darlegen kann.

      Gruß

      Heiko

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