Eckschrank mit Regal

Vorschliff, Lochreihen, Eckverbindungen

Nach dem Zuschnitt der Teile für den Unterschrank erfolgt erst einmal ein kleiner „Werkstattumbau“. Da meine Werkstatt nun einmal sehr klein ist, habe ich alle Maschinen und auch den Werkzeugschrank auf Rollen. So kann ich mir meinen Arbeitsplatz so gestalten, wie es für die jeweilige Aufgabe an Sinnvollsten ist. Es wird also zum Schleifen und Fräsen umgebaut.

Der MFT/3 (Werkbank) wird an der Wand befestigt,  es werden Werkstattböcke zum Zwischenlagern der Teile aufgebaut und die Tischkreissäge wird in die Ecke geschoben. Auf ihr lagern die Türen des Schrankes.

Eckschrank mit Regal - Eckboden Leimen

Eckboden Leimen

Vor dem Schleifen geht es allerdings noch an das Anfertigen der Böden für den Unterschrank. Diese sind nicht einfach nur gerade, sondern folgen der um 45° abgeschrägten Innenecke des Schrankes. Erst wollte ich die Form mittels Schablone und Anlaufring fräsen, fand dann aber eine viel einfachere Lösung: Die Böden bestehen aus zwei Teilen. Der abgeschrägte Teil wird einfach an den rechteckigen Boden angeleimt.

Das funktioniert, wenn man einige Dinge beachtet sehr gut und präzise. Zunächst einmal müssen beide zu verleimenden Teile sehr genau gefügt werden, damit die Leimfuge absolut dicht wird. Das habe ich mit dem Veritas Bevel Up Jointer gemacht. Das abgeschrägte Teil wird erst gefügt und dann auf die benötigten Endmaße geschnitten. Dann werden die beiden Teile sauber verleimt. Die Enden werden hierbei absolut bündig verleimt. Hierbei kann man mit einem Schonhammer, bei leicht angezogenen Zwingen die Position etwas korrigieren. Mit zwei Zwingen, direkt auf der Fuge verhindert man, dass ein Absatz entsteht und gleichzeitig vermeidet man, dass die beiden Teile verrutschen, wenn man weiter Druck auf die Leimfuge ausübt. Im Video (weiter unten auf der Seite) sieht man den fertig verleimten und flächig verschliffenen Boden ganz genau.

Eckschrank mit Regal - Der Vorschliff

Der Vorschliff

Der Vorschliff erfolgt wieder bis Körnung 180, da ich ja vor dem Ölen bis zu einer Körnung von 320 schleife. Auf dem nebenstehenden Bild sieht man die aufgestapelten Einzelteile auf den Werkstattböcken. Die Teile sind mit Zwischenleisten sauber gestapelt. Damit vermindere ich den Verzug, den viele Holzwerker bei Ihren Leimholzplatten beklagen. Der Grund für den oft starken Verzug von Leimholz liegt darin begründet, dass das Leimholz in Folie verpackt geliefert wird. Dann packt man es aus und es kommt in vollen Kontakt zur Umgebungsluft. In der Regel verzieht es sich hierbei. Das ist nicht weiter schlimm, wenn man dem Holz die Gelegenheit gibt sich zu akklimatisieren, sich also den Umgebungsverhältnissen anzupassen. Dann wird es wieder gerade, oft schon über Nacht. Damit es dann gerade bleibt, stapele ich die Teile mit Zwischenleisten. Dann kommen alle Teile gleichmäßig mit der Raumluft in Kontakt und bleiben gerade. Stapelt man die Teile ohne Leisten werden zumindest das obere und untere Teil sehr schnell, sehr krumm.

Eckschrank mit Regal - Lochreihen bohren

Lochreihen bohren

Die Eckverbindungen habe ich wie beim Eckregal aus Buche auch,  mit der Dominofräse gemacht. Zum Teil in Kombination mit Pocket Holes, damit ich beispielsweise die Seitenwand unsichtbar verschrauben kann und mir somit lange Zwingen erspare. Die Lochreihen werden wie beim Eckregal mit dem LR32 erstellt. Hierbei ist mir dann auch ein sehr dummer Fehler unterlaufen. Die Mittelwand in einem der Korpusse habe ich gebohrt, ohne zu berücksichtigen, dass diese ja zwischen Boden und Deckel sitzt. Ich hätte zwischen den Anschlag der Schiene und der Werkstückkante eine 19mm (Materialstärke des Bodens) Leiste legen müssen. Das habe ich im Eifer des Gefechts vergessen. Die Bohrungen waren nicht passend zu denen in den Seiten. Ich musste die Mittelwand neu anfertigen. Dumm gelaufen.

Danach wurden dann die Fälze zur Aufnahme der Rückwand in die vier Seitenwände gefräst und alles wurde einmal zusammengesteckt.

Video:

Neben den hier im Text beschriebenen Tätigkeiten habe ich in diesem Video versucht auf die Arbeitsorganisation, das Einrichten der Werkstatt und den Arbeitsablauf näher einzugehen. Ich habe auch versucht ein paar Tipps und Tricks unterzubringen.

 

Links

Hier gehts zur ersten Seite der Projektdokumentation

 

 

 

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15 Antworten zu Eckschrank mit Regal

  1. Fabian Winter sagt:

    Hallo zusammen,
    super, vielen Dank!
    Ich werde gleich nächste Woche in meinem Urlaub mal vorbeischauen…

    Grüße
    Fabian

  2. Fabian Winter sagt:

    Hallo Heiko,

    vorerst ein dickes Lob. Ich habe selten einen offensichtlich so begabten Handwerker wie dich gefunden, der auch noch so geschickt mit dem Computer umgeht. Deine Beiträge sind super.

    Ich komme aus der Gegend Mainz in Rheinland Pfalz und habe immer große Schwierigkeiten gutes Material/Holz zu bekommen. Buche mit durchgehenden Lamellen bietet hier meines Wissens nach z.b. niemand an. Auch Stammware ist echt schwer zu bekommen. Bereits getrocknet wird noch schwieriger. Kannst du eventuell einen Handel empfehlen oder kennst jemanden, der jemanden kennt?

    Viele Grüße
    Fabian

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Fabian,

      in der Gegend kenne ich mich nicht aus. Meine Händler werden nicht so weit liefern. Vielleicht hat ja einer der Leser einen Tipp für dich.

      Gruß

      Heiko

    • Hans-Joachim sagt:

      Hallo Heiko, Hallo Fabian,

      im Rhein-Main Gebiet scheint Paul Hartmann & Co recht angesehen zu sein. Ich war selbst noch nicht dort, aber auch mein Händler in FFM hat ihn im Gespräch über Stammware erwähnt.
      http://www.furnier-hartmann.de/
      40 KM sind für dich zwar eine Hausnummer, aber lohnt sich vielleicht.
      Und direkt daneben ist der größte Werkzeughändler des Rhein-Main Gebietes. Da gibts dann leuchtende Augen 🙂
      Gruß H.-J.

    • Gordon sagt:

      Hallo Fabian,

      ich habe früher in Wiesbaden gewohnt und habe bei Holz Blum zumindest immer die Plattenware bekommen, die ich brauchte – ggf. wird bestellt.
      http://www.holzblum.de/

      Kennst Du diesen Thread auf woodworker.de?
      http://www.woodworker.de/forum/bezugsquellen-holz-t83285.html

      Viele Grüße
      Gordon

  3. Rupert sagt:

    Hallo Heiko

    Du mal eine frage welche beschläge verwendest du ? und von wenn kaufst du sie ? weil im baumarkt können sie sehr teuer sein !!!!

    Danke Rupert

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Rupert,

      ich verwende meist Beschläge von Grass, die ich bei Würth einkaufe.

      Gruß

      Heiko

  4. roger zimmermann sagt:

    Hallo Heiko

    Habe mir das Lochreihen-Bohrsystem Lochness 32 angeschafft. Ist das einzige System das in punkto Präzision an das LR System von Festo herankommt. Ist preislich auch interessant wenn man wie ich keine Oberfräse von Festo besitzt. Ca. 290 Euro. Habe es heute das erste mal eingesetzt und bin hell begeistert. vielleicht suchen auch andere noch nach einem alternativen Bohrsystem.

    Gruss Roger

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Roger,

      ich habe das System mal auf einer Messe gesehen, da ich damals aber schon das LR32 hatte, habe ich mir das Lochness nicht genau angesehen. Ich werde bei Gelegenheit mal probieren, ob die kleine Perles und die Makita RT0700 nicht auch auf die Grundplatte des LR32 passen.

      Gruß

      Heiko

  5. Andreas Lev sagt:

    Hallo Heiko,

    Ich hätte folgende Frage: wie stellst Du die Rechtwinklichkeit der Schnitte beim Arbeiten mit der Führungsschiene sicher? Oder kommt es da nicht so genau drauf an, da der genaue Zuschnitt später auf der TKS erfolgt?

    Vielen Dank für den tollen Blog und Deine Antwort im Voraus!

    Viele Grüße

    Andreas

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Andreas,

      wenn es nur um das grobe Aufteilen geht, speilt die Rechtwinkligkeit keine so große Rolle, das passiert dann auf der Tischkreissäge. Wenn ich nur mit der Handkreissäge rectwinklige Zuschnitte machen will, muss ich halt genau messen, genau anreißen und die Schiene möglichst genau anlegen.

      Gruß

      Heiko

      • Andreas Lev sagt:

        Hallo Heiko,

        Vielen Dank für Deine Antwort.

        Ich würde gerne mehr darüber erfahren wie Du bei rechtwinkligen Zuschnitten vorgehst, also wie Du genau misst und anreißt. Meine Winkel haben alle einen mehr oder weniger großen Fehler, der sich bei langen Schnitten empfindlich bemerkbar macht. Vielleicht kannst Du das ja mal in einem Beitrag zeigen 🙂

        Ich habe auch überlegt, ob man nicht an der Führungsschiene einen Anschlag anbringen kann, der rechte Winkel ermöglicht. Vielleicht auf der Basis der Führungsschienen-Schmiege, aber mit lägerem Schenkel.

        Viele Grüße

        Andreas

        • Heiko Rech sagt:

          Hallo Andreas,

          ich habe einen langen Winkel von Wolfcraft, der erstaunlich genau ist. Leider wird diese Version nicht mehr angeboten. Mit diesem Winkel prüfe ich und zeichne an. Den T-Winkel den ich noch habe nutze ich hierzu weniger, da er einen zu kurzen Anlageschenkel hat. Der T-Winkel hat andere Stärken.

          Der Anschlag von Festool, den es für die Führungsschiene gibt habe ich auch, nutze ihn aber sehr selten. Für exakt winklige Schnitte reicht die Genauigkeit nicht aus.

          Es sit schwierig mit der Handkreissäge ganz genau zu schneiden. Ohne Hilfsmittel ist das sehr zeitraubend. Wenn die Werkstücke nicht zu groß sind, wäre ein Zuschnittbrett wie es Guido Henn mal vorgestellt hat eine gute Lösung, oder eben der MFT von Festool.

          Gruß

          Heiko

  6. Jana sagt:

    Ich finde es auch bemerkenswert, was man in Eigenregie aus Holz alles zaubern kann! Ich habe mal eine Frage zu deinen Eckschrank. Es ist doch sicher möglich solche Schränke in x-beliebiger Größe anzufertigen oder?
    Mich würde es interessieren ob du auch für andere Leute gegen Geld solche Schränke anfertigen würdest? Wenn ja, was würde denn solch ein Schrank aus diesem Beitrag kosten?
    Bei vielen Anbietern im Internet für Maßmöbel kriegt man ja einen Schrecken, wenn man das Angebot im Postfach hat 🙂
    Vielen Dank und Grüße
    Jana

    • Heiko Rech sagt:

      Hallo Jana,

      normalerweise lösche ich ja Kommentare, die nur dem Zweck dienen einen Werbelink auf einem Blog zu deponieren. Da du dir aber schon mehrfach die Mühe gemacht hast, habe ich deinen Kommentar einfach mal freigegeben, aber den Link zu einem Shop für Massivholzmöbel natürlich entfernt. Ich möchte dir auch deine „Frage“ noch beantworten:
      Ja, ich baue auch für Kunden Möbel. Preislich kann ich da locker mit den Möbeln in dem Shop mithalten, den du verlinken wolltest. Jedoch bekommt der Kunde bei mir fürs gleiche Geld bessere Materialqualität und eine ausführliche, persönliche Beratung. Einen Schrecken bekommt er nicht, da ich ihm mein Angebot und das Zustandekommen der Preise natürlich genau darlegen kann.

      Gruß

      Heiko

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